Video zeigt Ermordung von Dylan Noble in Fresno

Von Patrick Martin
16. Juli 2016

Die Polizei von Fresno veröffentlichte am Mittwoch ein Video von Körperkameras zweier Polizisten, die den unbewaffneten 19 Jahre alten Dylan Noble am 25. Juni erschossen. Das Filmmaterial dokumentiert die gesamten sechs Minuten bis zu Nobles Tod, nachdem viermal auf ihn geschossen worden war. Ein Schuss wurde aus einer Schrotflinte abgegeben, als er schon auf dem Boden lag und sich vor Schmerzen krümmte.

Dieser Polizeimord hat bis zur Veröffentlichung des grauenhaften Videos vergleichsweise wenig Beachtung in den Medien gefunden. Der Grund dafür ist, dass er nicht in das offizielle Narrativ des politischen Establishments und der Massenmedien passt. Dieses stellt alle Polizeimorde als rassistische Vorfälle mit weißen Polizisten und schwarzen Opfern dar. Sowohl Dylan Noble als auch die beiden Polizisten waren weiß.

Das Filmmaterial zeigt, wie die Polizisten Nobles Kleinlaster anhalten, nachdem sie eine Funkmeldung erhalten hatten, nach der angeblich ein Mann mit einem Gewehr in der Nähe des Flughafens von Fresno gesehen wurde. Die zwei Polizisten behaupten, sie seien Noble gefolgt, weil er sehr schnell vom Flughafen weggefahren sei. Dann winken sie ihn in eine Tankstelle heraus.

Das Video zeigt Noble, wie er aus seinem Kleinlaster steigt und die Hände hochnimmt. Dann streckt er eine Hand hinter sich. Es ist nicht klar, was er da tut. Die Polizisten wussten aber mit Sicherheit, dass er kein Gewehr in der Hand hält, was der angebliche Grund für die Kontrolle war. Außerdem hatte es in der Funkmeldung geheißen, dass der Mann mit dem Gewehr Tarnkleidung trage. Noble hatte ein schwarzes T-Shirt an.

Es gab deshalb für die Polizei eigentlich keinen Grund, noch irgendetwas zu unternehmen. Es lag kein Verkehrsvergehen vor. Die Polizisten hätten Noble in Ruhe lassen müssen, anstatt ihn zu erschießen.

An einer Stelle rief Noble: „Ich hasse mein Leben verdammt noch mal.“ Verteidiger der beiden Polizisten behaupten, dass sei eine Absichtserklärung gewesen, sich von den Polizisten erschießen zu lassen. Nobles Freunde und Familie verweisen hingegen auf das glückliche Leben des 19-Jährigen. Er arbeitete als Dachdecker, hatte eine Freundin und plante, das College zu besuchen, um Anwalt zu werden.

Einer der Polizisten schoss zweimal, wodurch Noble zu Boden gestreckt wurde. Was dann folgte, ist noch schockierender. Der verwundete Mann windet und krümmt sich wahrscheinlich vor Schmerzen am Boden. Die zwei Polizisten, zu denen ein Dritter mit einer Schrotflinte hinzukommt, fordern ihn weiterhin auf, seine Hände zu zeigen. Und das obwohl es so aussieht, als habe Noble als Folge der ersten zwei Schüsse die Kontrolle über seine Motorik verloren.

Dann schießt der erste Polizist ein drittes Mal auf Noble und der zur Unterstützung hinzugekommene Polizist feuert mit der Schrotflinte auf ihn.

Noble starb kurz Zeit später im nahegelegenen Krankenhaus, wo die Ärzte erfolglos versucht hatten, das Blut aus seinen tiefen Wunden zu stillen.

Der Polizeichef von Fresno, Jerry Dyer, ordnete die Veröffentlichung des Filmmaterials aus den Körperkameras an, nachdem ein Handyvideo bekannt geworden war, das ein Passant aufgenommen hatte. Darauf waren nur die letzten beiden Schüsse zu sehen. Dyer erklärte, er habe vorgehabt, das Material am 8. Juli zu veröffentlichen. Nachdem in Dallas (Texas) fünf Polizisten erschossen worden waren, habe er die Veröffentlichung jedoch verschoben,.

Nobles Vater Darren wurde das Material aus den Körperkameras am 8. Juli gezeigt. Er verlangte sofort, die beiden Polizisten wegen Mordes anzuklagen. Gegenüber YourCentralValley.com erklärte er: „Sie haben ihn hingerichtet. Es gab keinen Grund ihn wegen einer Verkehrskontrolle mit der Waffe zu bedrohen.“

Nobles Mutter hat eine Klage gegen die Stadt eingereicht, in der sie laut der Fresno Bee „große emotionale und psychische Belastung als Folge des sinnlosen und brutalen Todes ihres Sohnes“ geltend macht.

In der Klageschrift heißt es: „Es gab keinen Grund für die beiden Polizisten, Dylan Noble zu erschießen. Sie haben zu keiner Zeit versucht ihren Diensthund einzusetzen, genauso wenig wie sie versucht haben, einen Taser zu benutzen.“

Polizeichef Dyer erklärte auf einer Pressekonferenz, das Filmmaterial erscheine ihm rätselhaft: „Wir sprechen hier von einem 19 Jahre alten jungen Mann, der keine kriminelle Vorgeschichte hat, und wir versuchen herauszufinden, was hier passiert ist.“

Dyer fragte: „Waren die letzten beiden Schüsse, die die Polizisten abgegeben haben, notwendig? Durften die Polizisten auf der Grundlage begründeter Angst tödliche Gewalt anwenden? Ich habe heute noch keine Antwort darauf.“ Und er fügte hinzu: „Es war extrem verstörend, sich dieses Video anzusehen.“

Der Polizeichef räumte ein: „Ich gehe davon aus, dass dieses Video viele Fragen in unserer Stadt beantworten wird. Ich glaube allerdings auch, dass es Fragen in den Köpfen der Menschen aufwerfen wird, so wie ich mir diese Fragen auch stelle.“

Die Medien behandeln den Mord an Dylan Noble als Ausnahme von der Regel (d.h. von der Regel, dass normalerweise junge Schwarze von Polizisten umgebracht werden). Weiße stellen jedoch einen größeren Anteil der Opfer von Polizeigewalt als Schwarze oder Latinoamerikaner.

Die jüngsten Zahlen, die von der Washington Post seit dem 1. Januar 2015 für die letzten 18 Monate zusammengetragen wurden, ergeben, dass von 1.502 Menschen, die von diensthabenden Polizisten erschossen wurden, 732 weiß, 381 schwarz und 382 latinoamerikanisch, asiatisch oder von unbekannter Herkunft waren.

Diese Zahlen machen deutlich, dass Rassismus zwar eine Rolle spielt. Die Wahrscheinlichkeit als Schwarzer das Opfer eines Polizeimords zu werden ist dreimal so groß wie bei Weißen. Gemein ist jedoch allen Opfern, dass sie aus der Arbeiterklasse stammen und Niedriglohnempfänger sind.

Die Polizei dringt nicht in die Bezirke der Reichen ein, um Menschen niederzuschießen, die fliehen oder eine „falsche“ Bewegung machen, wenn sie wegen eines Verkehrsdelikts angehalten werden. Es sind nicht die Reichen, die Zigaretten verkaufen, wie Eric Garner oder CDs wie Alton Sperling – oder an Tankstellen umstellt und mutwillig niedergeschossen werden wie Dylan Noble.

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