Rassistische Angriffe auf den Film Free State of Jones

Von David Walsh
30. Juli 2016

Der neue Film von Regisseur Gary Ross, Free State of Jones, handelt von einem weißen Farmer in Mississippi, der im amerikanischen Bürgerkrieg einen Aufstand gegen die Konföderierten anführt. In den amerikanischen Medien steht der Film unter starkem Beschuss rechter Elemente, namentlich der „Neuen Rechten“ und von Vertreter“ der Identitätspolitik.

Hinter einer Fassade von Arroganz und Zynismus nimmt der Beobachter rasch wahr, was die Angriffe auf Free State of Jones kennzeichnet: Sie sind von abgrundtiefer Unwissenheit über die amerikanische Geschichte geprägt, gepaart mit inniger Feindschaft gegen die Arbeiterklasse und besonders gegen weiße Arbeiter.

In den Vereinigten Staaten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein ausgedehnter Sektor von Akademikern, Journalisten und Experten entwickelt, der von Hautfarbe- und Genderpolitik besessen ist. Diese Elemente aus der gehobenen Mittelklasse führen einen wütenden Kampf um Privilegien und Positionen. Selbstbezogen und blind, wie sie sind, halten sie Hautfarbe oder Geschlecht für die wesentliche Grundlage der Gesellschaft und betrachten jedes Phänomen durch dieses falsche Prisma. Diese kleinbürgerlichen Elemente machen einen immer größeren Flügel des Establishments aus und bilden eine wichtige Stütze der Demokratischen Partei.

Es ist ganz natürlich, dass diese Leute mit unverhohlenem Hass auf ein Werk wie Free State of Jones reagieren, denn es widerspricht den Rassenparadigmen und stellt eine wichtige Episode der amerikanischen Geschichte in Begriffen des Klassenkonflikts dar. Wenn solche Kritiker die „Farbenblindheit“ des Films oder seine „frappierende Nichtbeachtung der Hautfarbe“ anprangern, dann meinen sie damit: Der Film passt nicht in ihr Schema, in dem die treibende Kraft des gesellschaftlichen Lebens die Hautfarbe ist, und in dem die amerikanische Bevölkerung hoffnungslos engstirnig und von Vorurteilen beherrscht ist.

„Weißer Retter, Vergewaltigung und Romantik?“ ist ein Artikel von Charles Blow überschrieben, der in der New York Times erschien. Es ist ein extrem giftiger Angriff und er ist typisch für die ablehnenden Kommentare über den Film.

Blow bemerkt kühl, die Geschichte von Free State of Jones sei „ganz interessant“ und fasst kurz den Plot des Films zusammen. Dann stellt er abfällig fest: „Man erkennt schnell, warum die Geschichte den Hollywood-Direktoren gefallen hat.“

Schön und gut, nur hat der Film den Hollywood-Direktoren keineswegs gefallen. Obwohl Ross davor den sehr erfolgreichen Film Die Tribute von Panem gedreht hatte, stieß er bei Free State of Jones auf „große Schwierigkeiten“, wie er in einem Interview mitteilt. Er sagt dort: „Ich hatte Schwierigkeiten, weil es ein Drama ist und wir uns heute in einer anderen Art von Popcorn-Universum befinden.“

Charles Blow stellt weiter fest, dass Free State of Jones, verglichen mit Steve McQueens 12 Years a Slave, einen „weißen Heroismus“ betone und „die Verbündeten statt die Versklavten in den Mittelpunkt stellt“. Er schreibt:

„[Der Film] versucht verzweifelt, den Bürgerkrieg, und besonders die Uneinigkeit innerhalb der Konföderation eher als Klassenkampf zwischen Populismus und Elitismus darzustellen, in welchem arme weiße Männer gezwungen sind, einen Krieg des reichen Mannes zum Schutz des Baumwollhandels zu führen, statt ihn als Konflikt über die moralische Abscheu vor der schwarzen Sklaverei zu zeigen.

Durchgehend ist das penetrante Beharren weißer Liberaler zu spüren, dass die Hautfarbe doch nur eine der Klasse untergeordnete Konstruktion sei.“

Erst einmal geht es um die historische Wahrheit. Blow muss die Frage beantworten: Wurde die Handlung von Free State of Jones erfunden, oder fanden diese Ereignisse tatsächlich statt? Newton Knight und seine Gruppe, zu der entlaufene Sklaven gehörten, haben die Truppen der Konföderierten aus einem ziemlich großen Gebiet im Südosten Mississippis verdrängt. Sie hatten die Ressourcen hierzu, den Nachschub, die Unterstützung und das nötige Know-how.

Es ist keine Kränkung der versklavten Schwarzen im Süden, die grausam unterdrückt und weit verstreut waren, wie jede andere bäuerlich-ländliche Bevölkerung auch, wenn darauf hingewiesen wird, dass die Armee der Union mit freien schwarzen Männern und ehemaligen Sklaven in ihren Reihen nötig war, um die Sklavenherrschaft und ihre Streitkräfte niederzuringen. Dies sind historische Tatsachen. Blow kann die Dinge nicht so haben, wie er es wünscht.

Etwa 400.000 Soldaten des Nordens, die Besten unter ihnen ideologisch und politisch motiviert, starben im Kampf zur Beendigung der Sklaverei. Ohne ihr Opfer hätte sie nicht besiegt werden können.

Blows Verweis auf den „verzweifelten“ Versuch, den Bürgerkrieg als „Klassenkampf zwischen Populismus und Elitismus“ zu zeichnen, statt als „einen Konflikt über die moralische Abscheu vor der schwarzen Sklaverei“, ist falsch und geht vollständig am Wesentlichen vorbei.

Im Grunde war der amerikanische Bürgerkrieg ein Klassenkonflikt, die Vollendung der bürgerlich-demokratischen Revolution und die Schaffung der Bedingungen für die moderne, industriell-kapitalistische Gesellschaft. Die bewusstesten Elemente innerhalb der Unionsarmee und im Norden erkannten, dass der Kampf gegen die Sklaverei in die Richtung des sozialen Fortschritts wies. Das erkannten auch auswärtige Beobachter wie Karl Marx und Friedrich Engels. Dieser Kampf schuf oder stärkte gewaltig jene Kraft, die die bürgerliche Gesellschaft und die Ausbeutung insgesamt wegfegen wird: die Arbeiterklasse. Knights zutiefst plebejisches Prinzip, „Niemand soll arm bleiben, damit ein anderer reich wird“, weist objektiv in die Richtung von Egalitarismus und Sozialismus.

Blow nennt Knight in beleidigender Absicht nur den „Verbündeten“, als hätte ein solcher verarmter Mann kein eigenes Interesse am Kampf gegen die Konföderation haben können. Der grundlegende Anlass des Bürgerkriegs war die Existenz der Sklaverei, doch das heißt keineswegs, dass die einzige interessierte Partei die Sklavenbevölkerung war. Der Bauer, der kleine Ladenbesitzer und Kaufmann, die aufkeimende Arbeiterklasse, die in Manufakturen und Fabriken schuftete, die städtischen Kleinbürger und auch der Industrielle, all diese sozial fortschrittlichen Elemente in der amerikanischen Gesellschaft, waren sich – mit mehr oder weniger großem Engagement – darin einig, dass das Sklavensystem dringend abgeschafft werden musste. Diese „nationale Einheit“ verschwand rasch wieder, und ein neuer, größerer Konflikt tauchte auf: zwischen den Arbeitern und der unterdrückten Landbevölkerung auf der einen und den großen Kapitalisten auf der anderen Seite.

Das „moralisch abscheuliche” Wesen der Sklaverei war mit ihrem historisch regressiven Charakter verbunden, nicht bloß mit ihrer Brutalität. Die Sklaverei in der antiken Welt war für die meisten griechischen Denker nichts Schlimmes, auch wenn sie, wie Aristoteles und Platon, einfühlsam und ernsthaft waren. Sie „nahmen sie als selbstverständlich hin“ und konnten sich „eine Gesellschaft ohne sie nicht vorstellen“, wie es ein Historiker ausgedrückt hat.

Wie Engels fundiert darlegte, finden sich letztlich die Ursachen sozialer Veränderungen und von Revolutionen nicht im „menschlichen Gehirn“, sondern „in der Wirtschaftsweise jeder spezifischen Epoche“. Die zunehmende Wahrnehmung, dass die bestehenden Institutionen „unvernünftig und ungerecht“ sind, entspringt der Tatsache, dass die soziale Ordnung den Veränderungen, die in Produktion und Distribution stattgefunden haben, „nicht mehr entspricht“. Im Falle der Sklaverei in den Vereinigten Staaten unterzeichnete der wachsende Industriekapitalismus ihr Todesurteil. Das sagt nichts gegen jene aus, die über das Sklavensystem entsetzt waren. Aber ihre ehrenwerte ethische Reaktion war letztlich ein Reflex der Tatsache, dass eine neue soziale Ordnung entstanden war und nicht gleichzeitig mit dem System weiterbestehen konnte, das im Süden noch vorherrschte.

Hinsichtlich der Brutalität wurden die Kinderarbeiter im englischen Manchester, wo im Jahr 1840 die durchschnittliche Lebenserwartung bei 17 Jahren lag, nicht besser als Sklaven behandelt. „Sie wurden zu Tod gehetzt durch Arbeitsexzesse ... sie wurden gepeitscht, gekettet und gefoltert mit dem ausgesuchtesten Raffinement von Grausamkeit; sie wurden in vielen Fällen bis auf die Knochen ausgehungert, während die Peitsche sie an der Arbeit hielt ... Ja, in einigen Fällen wurden sie zum Selbstmord getrieben!“ So zitiert Karl Marx den Kommentar eines Zeitgenossen. [Das Kapital, Band 1, in: MEW, Band 23, Berlin 1962, S. 786]

Blows Hinweis auf ein angebliches „Beharren weißer Liberaler, dass die Hautfarbe doch nur eine der Klasse untergeordnete Konstruktion“ sei, ist Unsinn. In jedem Fall meint er den Marxismus. Der amerikanische Liberalismus ist tot. Im besten und positivsten Falle betrachteten Liberale in den Vereinigten Staaten den Rassismus als sozio-ökonomisches Problem, das in Verbindung mit der Ideologie der Nachbürgerkriegsära stand, als die herrschende Klasse die armen Weißen zu überzeugen versuchte, dass sie zumindest zur „Aristokratie“ der weißen Rasse gehörten.

Blow hat sich die auf Hautfarbe basierte Geschichtsinterpretation zu eigen gemacht. Darin ist er ein typisches Kind unsrer Zeit und ein Beispiel für die intellektuelle Degeneration der amerikanischen Elite. Der Times-Kolumnist ist kein Faschist, aber er denkt sehr ähnlich. Ein extremer Nationalist würde gewiss seine Vorstellungen verstehen und mit ihnen sympathisieren. Sein Verständnis der amerikanischen Geschichte entspricht der Sichtweise Hitlers, wie Trotzki sie dargestellt hat: „Um die Nation über die Geschichte zu erheben, gab man ihr als Stütze die Rasse. Den geschichtlichen Ablauf betrachtet man als Ausfluss der Rasse. Die Eigenschaften der Rasse werden ohne Bezug auf die veränderlichen gesellschaftlichen Bedingungen konstruiert. Das niedrige ‚ökonomische Denken‘ ablehnend, steigt der Nationalsozialismus ein Stockwerk tiefer: Gegen den wirtschaftlichen Materialismus beruft er sich auf den zoologischen.“ [Leo Trotzki: Porträt des Nationalsozialismus, Essen 1999, S. 304]

Blow wurde im Jahr 1970 geboren. In seiner gesamten intellektuellen Entwicklung hat er keinen bedeutenden Arbeiterkampf erlebt und keinerlei Bekanntschaft mit großen sozialen Konflikten gemacht, wie sie auch die Bürgerrechtsbewegung hervorbrachten. Er weiß nichts von dem verändernden Einfluss, den die Gewerkschaftsbewegung der Industriearbeiter, die CIO, auf die schwarze Arbeiterklasse und urbane Bevölkerung ausübte.

Blow scheint keine Ahnung von der entscheidenden Rolle zu haben, die die Russische Revolution und die Kommunistische Partei – ohne hier auf die Konsequenzen ihrer stalinistischen Degenration einzugehen – in der Entwicklung der wichtigsten schwarzen Intellektuellen und Künstler in den Vereinigten Staaten hatten. Er scheint nichts über die Anziehungskraft der Sowjetunion auf Persönlichkeiten wie W. E. B. Du Bois, Claude McKay, Paul Robeson, Langston Hughes und Richard Wright zu wissen. Und warum trat James Baldwin der Young People’s Socialist League zu einer Zeit bei, als sie als „trotzkistische“ Organisation wahrgenommen wurde? Warum wies Malcolm X auf Hautfarbe basierende Politik kurz vor seinem Lebensende zurück und führte Diskussionen mit der Socialist Workers Party? Warum begann George Jackson im Gefängnis mit der Lektüre von Marx und Trotzki? Es ist im Großen und Ganzen unmöglich, die politische Entwicklung der Afroamerikaner zu verstehen, wenn man linke Politik nicht in Betracht zieht.

Viele schwarze Jugendliche entwickelten sich in den 1960er Jahren nach links und lasen begierig und mit großem Interesse E. Franklin Fraziers Buch Black Bourgeoisie (1957). In diesem Buch lieferte der Soziologe Frazier eine entscheidende Analyse der aufstrebenden schwarzen Mittelschicht. Das Verlagshaus University of Missouri Press kommentiert: „Das Buch erfuhr gemischte Kritiken und scharfe Vorwürfe von der schwarzen Mittelschicht und von Selbständigen. Doch Frazier blieb standhaft bei seiner Argumentation, die schwarze Mittelklasse sei von Geltungsdrang, Wunschträumen und einer Fantasiewelt beherrscht.“ Was würde dieser Mann heute für einen Mordsspaß haben!

Natürlich ist es nicht Blows Schuld, wann er geboren wurde, nämlich zwei Jahre nach der Ermordung von Martin Luther King Jr. Aber er gehört einer Generation an, die Weiterkommen mit Quoten, positiver Diskriminierung und anderen Vergünstigungen assoziiert, die der herrschenden Elite abgepresst oder herausgeschmeichelt werden. Es ist kein Zufall, dass diese mehrere Jahrzehnte andauernde Periode keine wichtige intellektuelle oder künstlerische Persönlichkeit hervorgebracht hat, keinen Du Bois, keinen Wright, keinen Baldwin.

Blow (ebenso wie Vann Newkirk II in seinem gleichermaßen abstoßenden Kommentar „Der fehl-aufgeklärte Free State of Jones” im Atlantic) fühlt sich von diesem Film angegriffen, weil er nahelegt, dass große historische Ereignisse nicht in Begriffen der Hautfarbe oder Ethnie erklärt werden können. Geht man von der Grundlage aus, auf die der Times-Kolumnist seine Sichtweise gründet, kann man einfach nicht verstehen, warum hunderttausende weiße Menschen ihr Leben gaben, um die Sklaverei zu beenden.

Und was soll man über die großen Abolitionisten sagen? Ein paar „weiße Retter“ mehr in den Augen Blows? Die Kontinuität zwischen dem Kampf gegen die Sklaverei und der modernen Arbeiterbewegung wird durch Persönlichkeiten wie Wendell Phillips verkörpert, der im Jahr 1871 Präsident der Arbeitsreformkonvention war. Diese erklärte „dem Lohnsystem den Krieg, das sowohl den Angeheuerten als auch den Anheuernden demoralisiert, das beide betrügt und den Arbeiter versklavt; die dem jetzigen Finanzsystem den Krieg erklärt, das die Arbeiter ausraubt und das Kapital verschlingt, das die Reichen reicher und die Armen ärmer macht und eine Republik in eine Aristokratie des Kapitals verwandelt.“ Phillips sah eine Gesellschaft voraus „ohne reiche und ohne arme Menschen, alle vermengt in ihr … alle mit gleichen Möglichkeiten, niemand so stolz, dass er abseits steht, niemand so gering, dass er ausgeschlossen wird.“

Die amerikanische Revolution und der Bürgerkrieg, der vollendete, was 87 Jahre zuvor begonnen wurde, waren titanische Weltereignisse. Das Überleben der nordamerikanischen Republik und das internationale Projekt der Demokratie hingen vom Ausgang des Bürgerkrieges ab.

In seinem Brief an Abraham Lincoln erklärte Marx im Namen der Internationalen Arbeiterassoziation, dass der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, „der Gedanke einer großen demokratischen Republik“ war, mit dem „der erste Anstoß zu der europäischen Revolution des 18. Jahrhunderts gegeben wurde.“ Ebenso wie die Amerikanische Revolution, bemerkte Marx, „eine neue Epoche der Machtentfaltung für die Mittelklasse einweihte, so der amerikanische Krieg gegen die Sklaverei eine neue Epoche der Machtentfaltung für die Arbeiterklasse“ [MEW, Band 16, Berlin 1962, S.18-19]. Nur sechs Jahre später brach die Pariser Kommune aus, der erste nachhaltige Versuch der Arbeiterklasse, die Macht zu ergreifen und zu behaupten.

Ein letzter Punkt:

Blow behauptet: „Der verstörendste Charakterzug des Films ist, dass er die Sklaverei beinahe auslöscht und insbesondere Sklavenvergewaltigungen herunterspielt, um eine Shakespeare‘sche Liebesgeschichte zu entwickeln.“ Hier zeigt sich eine ausgesprochen desorientierte Haltung. Erstens löscht der Film die Sklaverei überhaupt nicht aus. Sie ist die große soziale Frage, die über allem schwebt, doch sie lässt nicht jedes andere Drama des Bürgerkriegs verschwinden. Die Entwicklung Newton Knights in einen Kämpfer gegen die Sklaverei ist nicht unwichtig, und sie weist auf das revolutionäre Potenzial breiter Schichten der amerikanischen Bevölkerung hin. Blow steht dem entweder feindlich oder gleichgültig gegenüber.

Blow will mehr Gewalt und Brutalität, vermutlich à la Quentin Tarantinos widerlichem Django Unchained (über den er in seiner Times-Kolumne befand: „eine ergreifende Liebesgeschichte mit einer Orgie von Exzessen und konfusen Grundsätzen“). Was wäre damit anders, außer dass an die niedrigsten Instinkte des Filmpublikums appelliert würde?

Wenn er über die „Shakespeare‘sche Liebesgeschichte“ in Free State of Jones spottet – offenbar ist die Liebe zwischen Newton Knight und der ehemaligen Sklavin Rachel gemeint – wird seine grundsätzliche Feindschaft gegen die Möglichkeit gemischter Beziehungen spürbar.

Blow kritisiert Victoria E. Bynum, weil sie in ihrem Buch The Free State of Jones: Mississippi's Longest Civil War (2001) auf „Begegnungen” zwischen Newton Knight und der Sklavin Rachel zu sprechen kommt, auf „gemischte Liebesverhältnisse“ sowie darauf, dass Rachel „in die Welt gemischter Beziehungen ‚eingeführt’“ worden sei. Demagogisch kreischt Blow auf: „Begegnungen? Liebesverhältnisse? Eingeführt? Sexuelle Beziehungen? Solange sie Sklavin war, war dies eine Vergewaltigung! Immer. Punkt.“

Am 27. Juni verfasste Bynum eine starke Antwort an Blow. Sie bemerkte: „In der Realität gab es viele solcher ‚Beziehungen’ – ja, Beziehungen –, die im Vorkriegssüden mit beiderseitigem Einverständnis geführt wurden, und diese Beziehungen waren gesetzlich verboten (die meisten, aber nicht alle, waren zwischen Weißen und so genannt ‚freien farbigen Menschen’) … Indem Blow meine Bemerkungen in diesem Abschnitt umdeutet, beschuldigt er mich, die sexuelle Ausbeutung versklavter Frauen zu ignorieren. Jeder, der mein Werk kennt, weiß, dass nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. In The Free State of Jones analysiere ich allerdings die Beziehung zwischen Newton Knight und Rachel Knight in ihrer eigenständigen Bedeutung und nicht innerhalb des Tropus der Sklavenvergewaltigung. Die Beziehung zwischen den beiden begann während des Bürgerkrieges. Newt Knight war nicht Rachels Sklavenherr; sie kämpften gemeinsam gegen die Konföderierten. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1889 lebten die beiden zusammen. Nicht jede sexuelle Beziehung zwischen einem weißen Mann aus dem Süden und einer farbigen Frau war ein Akt der Vergewaltigung, obschon viele, wenn nicht die meisten, ausbeuterisch waren. Eine solche pauschale Beschuldigung vorzubringen heißt, Vergewaltigung zu trivialisieren; es heißt zudem, die komplexe Geschichte gemischter Beziehungen aus der Ära der Sklaverei und Rassentrennung zu ignorieren, die ans Tageslicht zu bringen Historiker wie ich uns seit Jahren bemühen.“

Blows Feindschaft gegenüber gemischten Beziehungen unterstreicht, wie stark die Verfechter der Identitätspolitik in der heutigen Mittelklasse die rassistischen und exklusivistischen Ansichten der alten Anhänger der Rassentrennung übernommen haben.