Washington verstärkt verdeckte Unterstützung für Al-Qaida-Milizen in Aleppo

Nach Berichten westlicher Medien haben von den USA unterstützte Milizen, die gegen die syrische Regierung von Baschar al-Assad kämpfen, die Belagerung der vom Krieg verwüsteten Stadt Aleppo im Norden Syriens durchbrochen.

In erbitterten Kämpfen überrannte am Wochenende die von den USA unterstützte und von Islamisten geführte Milizen-Koalition Jaish al-Fatah Militärstützpunkte im Südwesten von Aleppo. Damit eroberten sie eine Zufahrtsstraße, die die Stadt mit dem Rest des Landes verbindet. Syrische Kampfflugzeuge und syrische sowie iranische Bodentruppen führten am Sonntag einen Gegenangriff, bei dem sie die Anti-Assad-Truppen mit Bombardements aus der Luft und mit Artillerie angriffen.

Laut dem syrischen Oppositionsführer Anas al-Abdah hat die islamistische Offensive „fast ein Wunder“ vollbracht. Dies habe die Anti-Assad-Kräfte in die Lage versetzt, „die Belagerung zu durchbrechen und einen Zustand zu erreichen, bei dem wir ernsthaft über die Befreiung der Stadt reden können“. Die Offensive hat einen schmalen Korridor geschaffen, der Aleppo mit den von den Rebellen gehaltenen Gebieten verbindet. Das schafft die Möglichkeit von Nachschub-Operationen für die hoffnungslos umzingelten Truppen, die vom Westen unterstützt werden.

Washingtons Extremistengruppen waren durch eine verstärkte syrische Offensive, unterstützt von russischen Luftschlägen und iranischen Bodentruppen, auf ein immer kleineres Gebiet im Norden und Westen der Stadt zurückgedrängt worden. Ihre Einkreisung stellt einen Rückschlag und eine Demütigung für den US-Imperialismus dar. Washington unterstützt seit 2011 einen erbitterten Bürgerkrieg in Syrien. Hunderttausende Syrer wurden bislang getötet, ohne dass das amerikanische Ziel erreicht wurde, das Regime in Damaskus zu stürzen und eine neokoloniale Marionettenregierung zu errichten.

Während der ersten Phase des von den USA und der Nato angezettelten Kriegs errangen die Anti-Assad-Milizen die Kontrolle über große Teile der Stadt, die sie als Operationsbasis benutzen und ausplündern wollten. Vor dem Ausbruch des Kriegs betrug die Einwohnerzahl Aleppos nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen einer Million und 2,5 Millionen Menschen. Heute fristen schätzungsweise 500.000 Zivilisten ihr Dasein inmitten der Trümmer. Die gesamte Stadt ist seit mehr als einem Jahr ohne Strom und fließend Wasser. Ganze Stadtviertel wurden dem Erdboden gleichgemacht.

In den letzten Wochen, als die türkische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Rebellen ihre Unterstützung entzog, waren die von den USA unterstützten Milizen mit der unmittelbar drohenden Niederlage konfrontiert. Dieser Rückzug war Erdoğans Rache für die Beteiligung Washingtons an dem gescheiterten Militärputsch im Juli.

Es ist kein Zufall, dass der erbitterte US-gestützte Angriff am Tag vor dem Besuch des türkischen Präsidenten Erdoğan am Dienstag in St. Petersburg stattfand, wo er Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin führt. Es gibt begründete Befürchtungen in herrschenden Kreisen der USA, dass Erdoğan eine umfassende Übereinkunft mit Putin erzielen wird – eine Übereinkunft, die sämtliche verbleibenden Versorgungsrouten für die Weiterführung des Kriegs gegen Damaskus abschneiden würde.

Wenn man den US-Medien Glauben schenken kann, haben die Antiregierungstruppen angesichts einer drohenden, totalen Niederlage die Initiative ergriffen. Warum es zu dieser plötzlichen Wende im Geschick dieser Gruppen kam, wurde beiläufig in Berichten der New York Times von Samstag und Montag erwähnt. Diese tragen die Titel: „Der militärische Erfolg in Syrien gibt Putin die Oberhand im US-Stellvertreterkrieg“ und „Die Offensive der Rebellen in Syrien stellt Belagerung Aleppos durch die Regierung in Frage“.

Wie der Beitrag in der Times von Samstag feststellt, hat der US-Geheimdienst CIA die mit Al-Qaida verbundenen Milizen mit quasi unbegrenzten Mengen an hochwertigen Panzerabwehr-Raketen und anderen Waffen beliefert.

Laut Aussagen eines Rebellenkommandeurs von 2015, die von der Times am Samstag zitiert werden, hat die von den USA unterstützte Rebellen-Koalition unter Führung der Al-Nusra-Front „neue Lieferungen an Panzerabwehrwaffen erhalten, sobald die Raketen im Einsatz waren“.

Der Anti-Assad-Kommandeur erklärte: „Wir haben um Munition und Raketen gebeten, und wir erhielten mehr, als wir uns erhofft hatten.“

Moderne Stinger-Raketensystemen, die unter anderem in der Lage sind, Linienflugzeuge bei Abflug und Landung zu zerstören, aber auch Militärhubschrauber herunterholen können, werden bis heute geliefert.

Zwar hatte die Regierung Obama beteuert, die Lieferungen seien verringert worden und gingen ausschließlich an „gemäßigte Kräfte“. Doch die CIA hat die Unterstützung für die eingeschlossenen Anti-Assad-Milizen in Aleppo verstärkt, zu denen vor allem Al-Nusra-Kämpfer gehören.

Wie die Times am Montag unverblümt bestätigt: „Ein wesentlicher Faktor beim Vormarsch der Rebellen am Wochenende war die Zusammenarbeit zwischen den regulären Rebellengruppen, von denen einige verdeckte Waffenlieferungen aus den USA erhalten haben, und der dschihadistischen Organisation, früher unter dem Namen Nusra-Front bekannt, die Al-Qaida angeschlossen war.“

Die unendliche Verlogenheit und Heuchelei sowohl der Times als auch der amerikanischen Weltbeherrschungspolitik, die sie verteidigt, können wohl kaum stärker zum Ausdruck kommen.

Die Zeitung stellt die Namensänderung und die offizielle Trennung der Al-Nusra-Front von Al-Qaida so dar, als wäre es eine ferne Erinnerung - dabei wurde sie tatsächlich erst vor knapp anderthalb Wochen verkündet. Wie die meisten westlichen Medien bejubelt sie jetzt die angeblichen Erfolge der sogenannten „Rebellen“ auf dem Schlachtfeld. Diese „Rebellen“ haben noch bis Ende Juli Al-Qaida die Treue geschworen – angeblich das Hauptziel von Washingtons 15 Jahre währendem „Krieg gegen den Terror“.

Überdies hat Amerikas oberster Diplomat, Außenminister John Kerry, in den letzten Wochen Schritte in Richtung eines militärischen Kooperationsabkommens zwischen den USA und Russland angekündigt, dessen Kernstück angeblich gemeinsame Angriffe gegen Al-Nusra sein sollten. Gleichzeitig rüsteten die US-Geheimdienste die eingeschlossenen Al-Qaida-„Rebellen“ mit Waffen aus, um eine neue blutige Offensive vorzubereiten. Während Kerry eine militärische Zusammenarbeit mit Moskau versprach, zusammen mit gemeinsamen „Antiterrorismus“-Operationen, verteilte die CIA mit vollen Händen Waffen an die mit Al-Qaida verbündeten Truppen. Dies gießt Öl in den schwelenden Stellvertreterkonflikt zwischen den USA und Russland, der das Potential besitzt, große Teile des Nahen Ostens und Europas in einen umfassenden Krieg zu stürzen.

Der Abschuss eines russischen Mi-8-Transporthubschraubers über der syrischen Provinz Idlib am Montag bedeutet die bisher höchste Zahl an Todesopfern für die russischen Truppen in Syrien seit Beginn der russischen Intervention im letzten Jahr. Dies zeigt die tödliche Dynamik, die der amerikanische Imperialismus durch das rücksichtsloses Streben nach unangefochtener Vorherrschaft über die strategisch wichtige Nahostregion in Gang setzt.

Berichte in den US-Medien über den Sieg der „Rebellen“ sind nicht unbedingt für bare Münze zu nehmen. Auf der anderen Seite gibt es Berichte der syrischen Regierung, die das Ausmaß der Gegenoffensive der Rebellen in bescheidene Worte fassen. Wie stark die Rebellen auch immer vorrücken, die Kämpfe werden auf jeden Fall die politische Grundlage für eine erhebliche militärische Eskalation durch Washington sein.

In einem Interview mit Fox News an diesem Wochenende gab die Spitzenkandidatin für das Präsidentenamt, Hillary Clinton, starke Drohungen gegen Russland von sich. Sie erklärte: „Die Tatsachen werfen ernsthafte Fragen über die russische Einmischung in unsere Wahlen, in unsere Demokratie auf.“ Clinton machte deutlich, dass sie im Falle ihres Wahlsieges den syrischen Krieg und die umfassenderen Vorbereitungen auf einen Krieg gegen Russland massiv ausweiten will. In der Debatte innerhalb der Demokratischen Partei hatte sie im letzten Jahr erklärt: „Wir müssen seiner [Putins] Tyrannei Paroli bieten und zwar speziell in Syrien.“

Obwohl Washington eine deutliche Eskalation lieber bis nach den Wahlen verschieben möchte, zwingt die Schwäche der amerikanischen Position am Boden die Regierung dazu, direkte Schläge gegen Damaskus in Erwägung zu ziehen. Der ehemalige Regierungsberater Dennis Ross schlug letzte Woche vor, das Weiße Haus solle „anfangen eine Sprache zu sprechen, die Mr. Assad und Mr. Putin verstehen“, und Assads militärische Infrastruktur direkt mit Marschflugkörpern und Drohnen angreifen.

Falls die Regierung den Angriff der Rebellen zurück schlägt, werden mächtige Fraktionen im US-Establishment auf aggressivste Maßnahmen gegen Assad drängen. Dies wird unter dem Vorzeichen der Rettung amerikanischer Stellvertretertruppen geschehen, die mit Milliarden Dollar und Waffen der CIA aufgebaut wurden.

Selbst wenn die mit Al-Qaida verbündeten Truppen den Durchbruch schaffen und die Kontrolle über Aleppo und die angrenzende Region wiedererlangen sollten, wird das nur zu einem massiven Gegenangriff der syrischen Regierung führen. Das würde wiederum einen geeigneten politischen Vorwand für eine weitere Eskalation durch Washington bieten. Die einzige Gewissheit unter dem Nebel des Kriegs in Syrien ist die ständig zunehmende Gefahr eines Zusammenstoßes zwischen den USA und Russland. Dies ist eine ernste Gefahr für die Menschheit.

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