Johnson Controls schließt Werk in Bochum

Von Dietmar Henning
29. September 2016

Der Autozulieferer Johnson Controls schließt Ende April 2017 sein Werk in Bochum. Die verbliebenen 420 Beschäftigten verlieren ihre Arbeitsplätze.

Bereits Ende 2014 waren mehr als 120 Johnson-Controls-Beschäftigte entlassen worden, da durch die Schließung des Opel-Werks in Bochum die Produktion von Autositzen entfallen war. Nächstes Jahr läuft auch der Vertrag für die Lieferung von Sitzgruppen für Ford in Köln aus. Neue Aufträge habe Johnson Controls für das Werk in Bochum nicht hereinholen können, erklärte der Konzern.

Johnson Controls ist weltweit führend bei Autositzsystemen und -komponenten. Der Konzern unterhält weltweit 200 Standorte, davon rund 30 in Deutschland mit rund 8300 Beschäftigten. Allein in der Europa-Zentrale in Burscheid (bei Leverkusen) arbeiten 1700 Menschen, viele von ihnen in der Entwicklung.

Im Oktober gliedert Johnson Controls sein Auto-Zuliefer-Geschäft in ein eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen unter dem Namen Adient aus. In Vorbereitung darauf werden in den einzelnen Standorten nun massiv Arbeitsplätze abgebaut.

Der Produktionsstandort in Espelkamp (bei Bielefeld) wird stückweise aufgegeben, 2018 soll das Werk geschlossen werden. Die Faser-Tec-Produktion (auf Naturfaser basierte Sitzkomponenten) soll komplett nach Slowenien verlagert werden. Betroffen davon sind 200 Arbeiter, deren Jobs wegfallen.

Spätestens im Oktober 2017 soll auch die Schließung des Werks im badischen Waghäusel (bei Karlsruhe) mit seinen 150 Beschäftigten abgeschlossen sein. Dort werden Kopfstützen für die Autoindustrie hergestellt. Im hessischen Dautphe schrumpft die Belegschaft von Johnson Controls seit Jahren. In besten Zeiten bot das Werk 1400 Menschen Arbeit. Inzwischen sind es 750, und die nächste Entlassungswelle ist schon angekündigt. Nur etwa 500 Beschäftigte sollen bleiben - vorläufig. In Remscheid beschäftigt Johnsons Controls Components nur noch 150 Arbeiter, wie lange noch ist fraglich. Im letzten Jahr waren 40 Arbeitsplätze durch Verlagerungen in andere Werke und durch ein Freiwilligenprogramm abgebaut worden.

Das jetzige Aus von Johnson Controls in Bochum ist Teil dieser Entwicklung und gleichzeitig Folge der Schließung des benachbarten Opel-Werks vor knapp zwei Jahren. In der Ruhrgebietsstadt hatten neben Opel in den letzten Jahren weitere Großbetriebe ihre Werke geschlossen, darunter der Handy-Hersteller Nokia und der Edelstahlkonzern Outokumpu.

Die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen ist eine Anklage an die IG Metall, die alle Werksschließungen durch ihre Politik der engen Zusammenarbeit mit den Konzernspitzen organisierte. Viele Arbeiter reagieren darauf mit einer Abkehr von der Gewerkschaft. Vor allem die hemmungslose Korruption, die in den Gewerkschaftshäusern und Betriebsratsbüros grassiert, stößt auf Wut und Abscheu.

Bei Johnson Controls in Bochum zeigt sich nun, wie wichtig es ist, die politischen Gründe für die Verwandlung der IG Metall und auch aller anderen Gewerkschaften in Agenturen des Managements zu verstehen.

Überall machen Arbeiter gegenwärtig die Erfahrung, dass es nicht möglich ist die Arbeitsplätze zu verteidigen, ohne die Gewerkschaften und ihre Politik der Sozialpartnerschaft zu bekämpfen. Das wirft politische Fragen auf und erfordert ein sozialistisches Programm und eine internationale Strategie.

Der bisherige Betriebsratsvorsitzende von Johnson Controls, Dietmar Kupfer, ließ sich zwar nicht kaufen und lehnte vor einigen Jahren eine Abfindung in Höhe von 500.000 DM ab, aber er weigerte sich gegen die reaktionäre Politik der IG Metall zu kämpfen. Seine Behauptung, es sei möglich im Rahmen der IG Metall die Verteidigung der Arbeitsplätze zu organisieren, wurde nun widerlegt.

Kupfer steht in Kontakt mit der MLPD. Ob er Mitglied dieser maoistischen Gruppe ist, die bis heute die Verbrechen Stalins verteidigt, will er nicht sagen. Aber bereits im Juli 2014 hatten Vertreter der Bochumer Werke von Opel, dem Edelstahlhersteller Outokumpu und Johnson Controls – Mitglieder und Sympathisanten der MLPD – auf Initiative Kupfers eine so genannte „Bochumer Erklärung“ veröffentlicht. Darin wird behauptet, man könne die IG Metall reformieren und von ihrer gegenwärtigen Rolle als Co-Manager der Konzerne in Kampforganisationen der Arbeiter verwandeln.

Das ist nachweislich falsch und wurde auch bei Johnson Controls widerlegt. Als Anfang des Jahres die Mehrheit der Betriebsräte Kupfer dazu drängte, in Sozialplanverhandlungen mit dem Unternehmen einzutreten, lehnte er dies ab und erklärte, dafür stehe er nicht zur Verfügung. Schließlich trat er vom Vorsitz im Betriebsrat zurück und machte den Weg frei für seinen Nachfolger Michael Munsch. Der hat inzwischen mit dem Unternehmen einen Sozialplan vereinbart, der neben Abfindungen auch die Gründung einer einjährigen Transfergesellschaft vorsieht, die nicht mehr, als ein Verschiebebahnhof in die Arbeitslosigkeit bedeutet.

Der WSWS berichtete Kupfer, er werde weiter für Veränderungen in der IG Metall kämpfen. Arbeiter bräuchten eine „kämpferische Organisation“. Doch die zentrale Lehre besteht gerade darin, dass die IGM nicht in eine „kämpferische Organisation“ der Arbeiter verwandelt werden kann und die Verteidigung der Arbeitsplätze nicht durch IG Metall, sondern nur gegen sie erkämpft werden kann.

In einem früheren Artikel zu ihrer Rolle bei Opel schrieben wir: „Diese Türsteher der IG Metall, die niemanden raus lassen wollen, versuchen krampfhaft die Gewerkschaften zu rechtfertigen. Sie behaupten, sie seien die ‚grundlegenden Klassenorganisationen‘ und ‚Kampforganisationen‘ der Arbeiter.“

Diese abstrakten Phrasen der MLPD dienen einzig und allein dazu, Illusionen in eine mögliche Verwandlung der Gewerkschaften in „Kampforganisationen“ zu schüren.

Dabei ist selbst die Hoffnung, dass die IGM zu ihrer Politik der 1960er und 70er Jahre zurückkehrt, zum Scheitern verurteilt. Es war klar, dass die IG Metall Kupfers Forderung, die Proteste auf andere Betriebe auszuweiten, unbeantwortet ließ. Die Grundlage für diese Politik des „Druckausübens“ existiert einfach nicht mehr.

Die Verwandlung der Gewerkschaften in Unternehmensberatungsagenturen und die Betriebsräte in eine Art Betriebspolizei zur Kontrolle der Arbeiter ist nicht einfach nur einer „falschen Politik“ oder der zweifellos weit verbreiteten Korruption in den Gewerkschaften geschuldet. Sie hat tiefe objektive Ursachen.

Solange der Arbeitsmarkt und die Arbeitsbedingungen weitgehend national geprägt waren, konnten die Gewerkschaften Druck ausüben, um höhere Löhne und soziale Verbesserungen durchzusetzen. Die Globalisierung der Produktion hat Bedingungen geschaffen, unter denen uneingeschränkte, weltweite Konkurrenz vorherrscht. Nun üben die Gewerkschaften nicht mehr Druck auf das Management aus, um Verbesserungen für die Arbeiter zu erreichen, sondern sie erpressen die Arbeiter, um Lohnsenkung und Sozialabbau durchzusetzen und damit die Wettbewerbsbedingungen der Unternehmen zu verbessern.

In diesem Zusammenhang ist ein Aufruf interessant, der in den jüngsten Berlinwahlen weit verbreitet und diskutiert wurde. Unter der Überschrift „Arbeiter brauchen ihre eigene Partei!“ berichtet ein Kandidat der Partei für Soziale Gleichheit (PSG) über seine Auseinandersetzungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) mit Verdi und einer Organisation namens „Verdiaktiv“, die ähnlich wie die MLPD dafür eintritt, die Gewerkschaft in eine „kämpferische Organisation“ zu verwandeln.

Andy Niklaus ist Busfahrer und arbeitet seit 25 Jahren bei der BVG. Er schreibt: „Es ist genauso unmöglich, Verdi in eine ‚wirklich klassenkämpferische‘ Gewerkschaft zu verwandeln, wie es unmöglich ist, die SPD wieder in eine Arbeiterpartei zu verwandeln. Die SPD ist und bleibt die Hartz-IV- und Kriegs-Partei und wird zu Recht gehasst. So ist es auch mit Verdi. Sie bleibt ein korrupter bürokratischer Apparat, der vielen Funktionären als Sprungbrett ins Management der kommunalen Betriebe und der Verwaltung mit hohen Einkommen und Privilegien dient...

Es ist notwendig, die Zwangsjacke der Gewerkschaften zu durchbrechen und eine sozialistische Partei aufzubauen, die sich der kapitalistischen Profitlogik widersetzt und die Arbeiterklasse im Kampf gegen Lohnsenkung, Sozialabbau und Kriegsvorbereitungen vereint. Nur auf dieser Grundlage ist auch eine konsequente Durchsetzung betrieblicher Forderungen möglich.“

Für die gegenwärtige Auseinandersetzung bei Johnson Controls in Bochum und in vielen anderen Betrieben sind diese Fragen von großer Bedeutung. Wir rufen alle Leser in den Betrieben auf, uns zu kontaktieren, um den Aufbau von Betriebsgruppen der PSG – unabhängig von der IG Metall – anzugehen.

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