UFO sagt erneut Streiks ab und bettelt beim Lufthansa-Vorstand um Gehör

Von Dietmar Henning
1. November 2016

Die für diese Woche geplanten Streiks bei Eurowings hat die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (UFO) abgeblasen. Die Spartengewerkschaft ist „sprachlos“ gegenüber der harten Haltung des Vorstands der Lufthansa-Billigtochter und bittet unterwürfig den Lufthansa-Vorstand, sich einzuschalten.

Als die nun seit rund drei Jahren laufenden Verhandlungen in der letzten Woche erneut abgebrochen wurden, hatte die Gewerkschaft am vergangenen Donnerstag 24 Stunden gestreikt und den Flugbetrieb bei Eurowings und Germanwings weitgehend lahmgelegt. Fast 400 von gut 500 Flügen fielen aus. Gleichzeitig kündigte UFO an, auch in dieser Woche zwei Tagen zu streiken, wenn es seitens des Eurowings-Vorstands keinerlei Bewegung gebe. Die gibt es offenbar nicht, dennoch knickt Ufo ein und sagte die angekündigten Streiks ab.

In einem Brief an die Eurowings-Mitarbeiter schreibt UFO, dass am Sonntagabend ein erneutes Gespräch mit Eurowings-Vertretern gescheitert sei. „Leider blieb dieses Gespräch nicht nur ohne Ergebnis, es hinterlässt uns regelrecht sprachlos.“ Beim Eurowings-Vorstand gebe es „die Erwartungshaltung, dass wir von unseren Forderungen substanziell Abstand nehmen.“

Dennoch sei die UFO „am Ende des Abends einen Schritt auf die Geschäftsführung zugegangen“, berichtet UFO. Wir „haben uns weiterhin der Idee gegenüber offen gezeigt, über eine Schlichtung zu sprechen“. Die Geschäftsführung schlug daraufhin vor, eine Schlichtung zu vereinbaren, in der die Forderungen der Gewerkschaft mit Hilfe des Schlichters erörtert werden – obwohl diese seit fast drei Jahren feststehen. „Doch selbst den eigenen Vorschlag wollte man am Ende nicht mehr haben“, teilt UFO seinen Mitgliedern mit. „Wir wissen momentan nicht, welche Schlussfolgerung wir aus diesem Verhalten ziehen sollen.“

Da weitere Gespräche auf dieser Ebene zumindest momentan als sinnlos erscheinen, habe man einen Brief an den Konzernvorstand der Lufthansa-Muttergesellschaft verfasst. Der Eurowings-Geschäftsleitung hatte man daher am Ende des Abends angekündigt, „dass unsererseits noch ein schriftlicher Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise folgen würde“. Doch, so beklagt sich UFO, „noch bevor wir die Gelegenheit hatten, ein solches Angebot zu verfassen, wurden unmittelbar nach Ende des Gesprächs einseitige und obendrein falsche Informationen via Presse mitgeteilt“. Ein solches Verhalten gieße nur noch mehr Öl ins Feuer.

Die Spartengewerkschaft UFO, die sich als Alternative zur DGB-Gewerkschaft Verdi versteht, beschwert sich, dass ihre Kompromisshaltung und ihre partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Unternehmensvorstand nicht anerkannt werde. „Von Anfang an haben wir das Konzept Eurowings begrüßt und begleitet – stets mit dem Ziel, EW [Eurowings] als Unternehmen voranzubringen und gleichzeitig die Mitarbeiter tarifvertraglich abzusichern.“ Doch dies wird offenbar nicht belohnt. Dennoch sei man auf den Vorschlag der Geschäftsleitung eingegangen, eine Lösung im Rahmen einer Schlichtung zu versuchen, um die Eskalation der letzten Wochen zu beenden. „Wir bieten daher dem Konzernvorstand an, unter der Leitung von Matthias Platzeck mit den Verantwortlichen eine Einigung zur weiteren Vorgehensweise zu versuchen. Solch ein Versuch kann unseres Erachtens ernsthaft gelingen, da die zuvor für diese Woche angekündigten Streiks jetzt nicht stattfinden werden.“

Im offenen Brief der UFO an den Lufthansa-Konzernverstand wird diese Unterwerfung noch ausgebaut. „Wir sind seit der Agenda Kabine mit Ihnen einen langen, manchmal schwierigen Weg in der Begleitung Ihrer Eurowings-Strategie gegangen“, schreiben der UFO-Vorstandsvorsitzende Alexander Behrens und seine Stellvertreterin Sylvia De la Cruz. „Nach wie vor sind wir im Gegensatz zu anderen Gewerkschaften davon überzeugt, dass diese eine Chance bietet, erfolgreich am Markt zu bestehen“, heißt es zum Billigflieger-Konzept der Airline, mit der schrittweise die Löhne, Renten und Arbeitsbedingungen aller 120.000 Lufthansa-Beschäftigten gesenkt werden sollen.

Nun würde dieses „bisherige gemeinsame Verständnis“ in Frage gestellt. „Wir haben den Eindruck, dass wir in eine ‚Anti-Eurowings-Haltung‘ gedrängt werden sollen, die unserer Sicht auf die Dinge und unserer bisherigen Vorgehensweise nicht gerecht wird.“

UFO erinnert daran, dass sie viele Papiere unterzeichnet habe, „unter anderem hinsichtlich der Verbesserung unserer Sozialpartnerschaft“. UFO und Lufthansa-Vorstand sollten nun bewerten, „warum es uns noch so wenig gelingt, diese in ein besseres Miteinander umzusetzen“.

Daher bietet UFO erneut an, „mit Ihnen und weiteren zuständigen Vertretern unter der Leitung von Matthias Platzeck ein Gespräch zu führen, um den Gesamtprozess, den wir sehr gerne weiterhin offen und konstruktiv begleiten möchten, wieder in Gang zu bringen und auch weitere Arbeitskämpfe obsolet zu machen.“ Dafür stünde man jederzeit zur Verfügung.

Selten sind derart devote Schreiben von Gewerkschaften an Unternehmen bekannt geworden. UFO veröffentlicht diese auf ihrer Website. Sie sind eine Bankrotterklärung gewerkschaftlicher Konzeptionen nach denen angeblich die Interessen der Kapitaleigner mit denen der Beschäftigten im Rahmen der von UFO geforderten „Sozialpartnerschaft“ vereinbar sind.

Die UFO-Funktionäre wissen sehr genau, dass der Lufthansa-Konzern mit seiner Eurowings-Billigflieger-Strategie die Entgelte und Arbeitsbedingungen aller Beschäftigten angreift. Und dass die Lufthansa damit auf den internationalen Konkurrenzkampf in der Luftfahrtindustrie reagiert, der erbarmungslos auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Sie unterstützen diese Ziele. Deshalb beschwören sie die Partnerschaft mit dem Unternehmensvorstand.

Doch die Interessen der Aktienbesitzer, denen der Vorstand verpflichtet ist, sind unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs nicht mit den Interessen der Beschäftigten vereinbar. UFO fordert einen „neutralen“ Schlichter, um die Forderungen des Vorstands gegen die Beschäftigten durchzusetzen und die eigene Rolle dabei zu verschleiern.

Der einzige Weg, die Angriffe der Lufthansa abzuwehren, ist, eine internationale sozialistische Perspektive einzuschlagen. Die berechtigten Forderungen der Beschäftigten, die in allen Airlines unter steigenden Anforderungen und sinkenden Löhnen leiden, dürfen nicht länger den Profitinteressen der Kapitaleigner untergeordnet werden. Wenn der internationale Konkurrenzkampf unter kapitalistischen Bedingungen dazu führt, dass nur diejenigen Unternehmen überleben, die ihre Beschäftigten zu Hungerlöhnen und miserablen Arbeitsbedingungen ausbeuten, ist das ein weiteres Argument gegen die kapitalistische Marktwirtschaft und macht deutlich, wie dringend eine sozialistische Perspektive ist.

Die gesamte Luftfahrtindustrie muss in öffentliches Eigentum unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse überführt werden. Zur Durchsetzung dieses Ziels müssen kommende Arbeitskampfmaßnahmen nicht nur auf die Beschäftigten der gesamten Lufthansa, sondern letztlich auf die aller Airlines weltweit ausgedehnt werden.

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