San Diego: David North spricht vor voll besetztem Saal über Trumps Wahlsieg

Von unseren Reportern
19. November 2016

Mehr als 150 Besucher kamen zur Veranstaltung der Socialist Equality Party an der San Diego State University, um David North zu hören. Er sprach zu den Ursachen und den Auswirkungen des Wahlsiegs von Donald Trump. Kein Stuhl blieb unbesetzt. Manche standen während der Veranstaltung, andere setzten sich auf den Boden.

Die Veranstaltung fand in einer auf dem Campus und in San Diego politisch aufgeladenen Atmosphäre statt. Am gleichen Tag verließen erneut über eintausend Schüler und Studenten ihre Lehrveranstaltungen und demonstrierten in der Innenstadt von San Diego.

David North ist der Vorsitzende der Internationalen Redaktion der World Socialist Web Site und Autor des kürzlich erschienenen Buchs „A Quarter Century of War: The US Drive for Global Hegemony, 1990-2016“.

In seinem Beitrag erklärte North, dass die Wahl das Ergebnis eines lang anhaltenden Niedergangs der amerikanischen Demokratie sei. Er warnte, dass eine Regierung unter Trump die rechteste Regierung der amerikanischen Geschichte sein werde. An die jungen Teilnehmer gewandt, erklärte North, dass diese Wahl der Ausgangspunkt für zahlreiche Ereignisse sein wird, die ihr weiteres Leben entscheidend prägen werden.

David North spricht zur Versammlung in San Diego

Die Reaktion der Demokraten zeige, dass es im politischen Establishment kein Interesse an der Verteidigung demokratischer Rechte gebe. Die Demokraten hätten sich beeilt, Trump sofort die Zusammenarbeit anzubieten. North geißelte insbesondere das rassistische Narrativ der Demokratischen und pseudolinken Presse, die die sogenannte „weiße Arbeiterklasse“ für das Ergebnis der Wahlen verantwortlich macht.

„Das rassistische Narrativ von der Wahl 2016 ist vollkommen falsch“, sagte North. „Die Interpretation der Wahl als ein Ergebnis der 'weißen Überlegenheit' oder der 'weißen Arbeiterklasse' wird durch die Aufschlüsselung des Stimmverhaltens der Wähler schlicht widerlegt. Dieses auf Fragen der Identität basierte Narrativ wird vor allem von der oberen Mittelschicht propagiert. Der Wechsel vermögender Wähler von den Republikanern zu den Demokraten verdeutlicht das.“

North zeigte anhand von Statistiken, dass die Gesamtanzahl der Stimmen für Trump vergleichbar mit der Stimmenanzahl für die Republikaner bei früheren Wahlen war. Clintons Stimmenanzahl nahm hingegen dramatisch ab. Arbeiter aller Hautfarben sahen wenig Grund darin, für Hillary Clinton zu stimmen, die in ihrer rechten Kampagne Militarismus, Skandalpolitik und Identitätspolitik miteinander verband.

Er erklärte: „Was kümmert eine Frau, die für zehn Dollar die Stunde die Klassenräume an der Uni reinigt, Hillary Clintons 'gläserne Decke' ? Sie kann die 'gläserne Decke' [Metapher für eine unsichtbare Barriere, die v.a. Frauen am beruflichen Aufstieg hindert] nicht einmal sehen, weil sie jeden Abend auf den Boden schaut, den sie reinigen muss, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.“

Katherine, eine Studienanfängerin, die im Hauptfach Politikwissenschaft studiert, sagte nach der Veranstaltung: „Der Vortrag war wirklich sehr gut und ich fand auch die Grafiken sehr hilfreich, um zu verstehen, dass sich die Wahl Trumps nicht auf Fragen der Hautfarbe zurückführen lässt.

Ich habe mir von der Wahl nicht viel erhofft. Eigentlich bin ich daran interessiert, in die Politik zu gehen und mir schien, dass Clinton kein gutes Licht auf Frauen geworfen hat. Ich hatte den Eindruck, dass sie die Situation für Frauen noch verschlimmert. Durch den Vortrag ist mir klar geworden, dass die Betrachtung der Wahl allein unter den Gesichtspunkten von Hautfarbe und Geschlecht die Bevölkerung nur spaltet.“

„Nach diesem Vortrag“, fügte Katherine hinzu, „tun mir Trump-Anhänger sogar leid. Sie können ihre wirklichen Ansichten nicht ausdrücken, weil sie, ohne es zu wissen, einen Kandidaten unterstützt haben, der nicht für ihre wirtschaftlichen Interessen eintritt. Ihr Lebensstandard hat sich über Jahre verschlechtert und deswegen haben sie für Trump gestimmt. Sie konnten nicht für Clinton stimmen, denn sie repräsentierte das Establishment.“

Charles

Charles, ein Alumni der SDSU und pensionierter Coach und Dozent, sagte: „Ich denke, das Wahlmännergremium ist eine historische Anomalie und dient keinem sinnvollen Zweck mehr. Ich fand es sehr mutig, dass North die Frage von Black Lives Matter und der Identitätspolitik aufgebracht hat und erklärte, dass Nationalismus eine bürgerliche Ideologie ist.

Die wirklichen Fragen in diesem Land sind Gesundheit, eine erschwingliche Wohnung und Bildung. Ich zahle immer mehr für die Krankenversicherung und bekomme immer weniger heraus. Deswegen habe ich sie jetzt auch gekündigt. Ich war genauso schockiert wie alle anderen, als Trump gewonnen hat. Ich war bei einer seiner Kundgebungen und fand sie sehr enttäuschend. Dieser Mann [North] spricht zehnmal besser. Trump hat zu keiner Frage etwas inhaltlich gesagt. Die New York Times nannte ihn einen ‚vulgären Jugendlichen’, aber das weiß hier eh jeder.

North war ein begeisternder Redner. Ich hatte in der Bibliothek ein Plakat für die Veranstaltung gesehen und bin froh, dass ich gekommen bin.“

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