Soy Nero: Ein zeitgemäßer Film nach der Trump-Wahl

Von Stefan Steinberg
25. November 2016

Seit Mitte November ist der Film Soy Nero des iranisch-britischen Regisseurs Rafi Pitts in deutschen Kinos zu sehen. Die Geschichte des jungen mexikanischen Green-Card-Soldaten gewinnt durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und seine rassistische Angriffe auf Migranten große Aktualität.

Soy Nero gehört zu den sehenswerten Filmen, die in der diesjährigen Berlinale gezeigt wurden. Er zeigt, wie noch vor dem Bau der hohen Mauer, die Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will, an dem bereits existierenden Grenzzaun endloses Leid und Sterben herrschen.

Unter Präsident Obama wurde die Grenze zu Mexiko in eine militarisierte Todeszone verwandelt. 20.000 Grenzpolizisten patrouillieren mit militärischer Ausrüstung entlang eines hohen Zauns und setzen die Schusswaffe ein, wobei sie eine hohe Todesrate einkalkulieren. Mehr als 6000 Menschen verloren seit Ende der 90er Jahre ihr Leben. Das Risiko dieses Grenzzauns ist so hoch, dass immer mehr Flüchtlinge andere Routen suchen, um die USA zu erreichen. Doch diese sind meist noch gefährlicher.

Diejenigen, die es dennoch schaffen, werden umgehend wieder ausgewiesen. Von 2009 bis 2015 wurden 2,5 Millionen Menschen abgeschoben. Unter Migrantengruppen galt Präsident Obama als „Deportationschef“, nachdem er mehr Migranten als alle amerikanischen Präsidenten des 20. Jahrhunderts zusammengenommen ausweisen ließ.

Um die Abschiebung zu vermeiden, versuchen manche junge Mexikaner, Soldat der US-Armee zu werden und ihr Leben in den vielen Kriegen des US-Imperialismus rund um den Globus zu riskieren. Der Film Soy Nero demonstriert, dass auch dieser Weg voller Gefahren ist.

Soy Nero

Die Hauptfigur des Films ist der 19-jährige Nero (Johnny Ortiz), dessen Familie aus Los Angeles nach Mexiko abgeschoben wurde, in das Ursprungsland des Vaters.

Zu Beginn des Films sieht man, wie der junge Nero versucht, den lebensgefährlichen Zaun zwischen Mexiko und den USA zu überqueren. Der in Kalifornien geborene und aufgewachsene Nero will zurück in seine Heimat gelangen. Nach einer Reihe von Ereignissen, darunter mit US-amerikanischen Grenzschützern und der Polizei, die ihn beinahe scheitern lassen, gelangt Nero schließlich in eine entsetzlich protzige Villa in Los Angeles, wo sein Bruder Jesus scheinbar in Luxus schwelgt. Der amerikanische Traum platzt für Nero, als der wahre Besitzer des vornehmen Hauses früher von einem Ausflug heimkehrt und Jesus katzbuckelnd über den Innenhof zu seinem Herrn eilt, um den Kofferraum auszuräumen.

Jesus arbeitet, wie viele andere Mexikaner auch, illegal in den USA und kann nichts tun, um seinem Bruder zu helfen. Alles, was er ihm anbieten kann, ist seine eigene illegale ID-Kennung. Die einzige Rettung für Nero besteht darin, zur amerikanischen Armee zu gehen und zu hoffen, dass er so die über alles wichtige Green Card und die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält.

In seinen Anmerkungen zum Film erinnert Pitts daran, dass Präsident Bush nach den Anschlägen vom 11. September nicht nur den Patriot Act einführte, der Massenabschiebungen und eine Verstärkung der US-Grenze nach sich zog, sondern auch ein fälschlicherweise „Dream Act“ genanntes Gesetz, das es Migranten ermöglichte, ihre Abschiebung zu verhindern, wenn sie sich verpflichteten, in der US-Armee zu dienen. Migranten, die einen zweijährigen Einsatz im Irak überlebten, konnten so (vielleicht) amerikanische Staatsbürger werden.

In einer Rückblende sehen wir das militärische Begräbnis für Neros Vater, der für die Armee der Vereinigten Staaten kämpfte und starb. Alles, was seine Witwe nach dem Begräbnis erhält, ist eine akkurat gefaltete Flagge der USA. Das Opfer, das der Vater brachte, reichte nicht aus, um seiner Familie und Nero den Aufenthalt in den Vereinigten Staaten zu erlauben.

Die Szenerie wechselt von den vornehmen Villen von Los Angeles in den Irak, wo Nero (der die ID-Kennung seines Bruders nutzt und sich Jesus nennt) als amerikanischer Söldner einen einsamen Grenzübergang bewacht. Am Anfang des Films trotzte Nero noch dem Militär und der Polizei und überwand die Grenze. Nachdem er die Uniform gewechselt hat, bewacht er jetzt, mit einem Maschinengewehr bewaffnet, eine andere Grenze gegen Leute, die sie zu überschreiten versuchen.

Um den internationalen, aus vielen Ethnien zusammengesetzten Charakter der amerikanischen Armee zu unterstreichen, erhält der amerikanisch-mexikanische Soldat Jesus den amerikanisch-arabischen Rekruten Mohammed zum Kriegskameraden. Jesus und Mohammed treffen sich mitten in der Wüste im Irak und beide tragen die gleiche Uniform. Ein Kamerad von Jesus-Nero bekennt seine Fassungslosigkeit darüber, dass ein Araber auf seiner Seite in derselben Armee kämpft. Schließlich habe man ihm gesagt, der ganze Zweck der amerikanischen Intervention im Irak bestehe darin, gegen die Araber zu kämpfen.

Einige der Wortwechsel zu diesem Zeitpunkt wirken etwas plump. Eine Auseinandersetzung von Soldaten der West- und Ostküste in den USA über die Vorzüge und Mängel verschiedener Rap-Musiker schwappt gekünstelt über in eine Erläuterung der Probleme, vor denen Migranten in den Vereinigten Staaten stehen. Nichtsdestoweniger ist das nur eine geringfügige Kritik. Trotz aller Versuche Neros sich anzupassen, um sich Aufenthalt und Staatsbürgerschaft zu erarbeiten, scheitert er tragisch.

In seinen Bemerkungen erklärt Pitts, dass er keine Geschichte über Einwanderung schreiben wollte, die nur von einem Land handelt. Pitts und sein Drehbuchschreiber Razvan Radulescu (Autor einiger beachtlicher rumänischer Filme) wählten die amerikanisch-mexikanische Grenze deswegen, weil sie die “absurdeste” sei. Pitts schreibt: „Die Vereinigten Staaten sind ein Land von Einwanderern … und die kalifornische Wirtschaft ist abhängig von der Gemeinschaft der Latinos und der Immigration, doch sie haben eine Mauer errichtet.“

Der Film Soy Nero verdient gerade in diesen Tagen ein großes Publikum.

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