Australien: IYSSE gründet Hochschulgruppe an der University of Melbourne

Von unseren Reportern
5. Dezember 2016

Die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) haben erfolgreich eine Hochschulgruppe an der University of Melbourne gegründet. Bei einem Treffen am Montag bestätigte das Clubs and Societies Committee (C&SC) des Studierendenparlaments den IYSSE-Antrag und gab bekannt, dass die IYSSE jetzt als Gruppe offiziell anerkannt sind.

Die Gründung einer IYSSE-Gruppe an einer der ältesten und renommiertesten Universitäten Australiens ist von großer Bedeutung. Die IYSSE stützen sich auf das revolutionäre, sozialistische und internationalistische Programm der trotzkistischen Bewegung. Die erfolgreiche Kampagne zum Aufbau der Hochschulgruppe zeigt, dass immer mehr Studierende bereit sind, gegen Krieg, Sparpolitik und zunehmende Angriffe auf Bildung und demokratische Rechte zu kämpfen. Sie wenden sich gegen die rechte Politik, die von allen etablierten Parteien unterstützt wird, einschließlich der Arbeiterpartei, den Liberalen und den Grünen.

Junge Menschen fühlen sich von der Perspektive der IYSSE und ihrem Aufruf an Studierende, sich der Arbeiterklasse zuzuwenden und den Trotzkismus, also den klassischen Marxismus, zu studieren, angezogen. Das ist ein Zeichen für den wachsenden Widerstand gegen die angeblich „linke“ Politik an der Uni, die sich auf Identitätspolitik stützt und lediglich für einen privilegierten Teil der oberen Mittelschicht spricht.

Viele, die sich für die Gründung der IYSSE-Hochschulgruppe eingesetzt haben, lehnten die Versuche des pseudolinken Milieus ab, die Arbeiterklasse nach Geschlecht, Hautfarbe und sexueller Orientierung zu spalten und die grundlegenden Klassenfragen, einschließlich der wachsenden Kriegsgefahr, zu unterdrücken. Der Widerstand der IYSSE gegen die Behauptung der Postmoderne, es gäbe weder eine „objektive Wahrheit“ noch einen gesetzmäßigen historischen Prozess, sprach viele Studierende an, die die globale ökonomische und politische Krise in ihrem objektiven, historischen Kontext verstehen wollen.

Die Aufnahme der IYSSE als offizielle Studierendengruppe ist das Ergebnis eines politischen Kampfs, der länger als zwei Jahre andauerte. Der ursprüngliche Antrag im ersten Semester 2014 wurde vom C&SC mit der Begründung zurückgewiesen, die IYSSE hätten „überlappende Ziele“ mit der pseudolinken und antitrotzkistischen Organisation Socialist Alternative (SAlt).

Der zweite Antrag, der im ersten Semester 2015 auf den Weg gebracht wurde, ist mit der gleichen Begründung abgelehnt worden. Den IYSSE-Unterstützern wurde sogar vorgeschlagen, Socialist Alternative beizutreten. Nachdem die IYSSE eine Stellungnahme veröffentlichte, in der sie die tiefe Kluft zwischen ihrem sozialistischen und internationalistischen Programm und der Politik der SAlt erklärten, entwickelte das C&SC einen neuen Vorwand, um die IYSSE zu blockieren. Es lehnte den dritten Antrag im zweiten Semester 2015 mit der Begründung ab, das Komitee könne keine „vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre“ zur IYSSE aufbauen, da diese sich in einem offenen Brief gegen vorhergegangene Entscheidungen des C&SC gestellt hatten.

In diesem Jahr verstärkte die IYSSE ihre Kampagne für ihr Recht auf einen offiziellen Status als Hochschulgruppe. Sie entlarvte die antidemokratischen Positionen, die dem Vorgehen des C&CS zu Grunde lagen. Die Kampagne erreichte 2016 ihren Höhepunkt, als die IYSSE nachwiesen, dass das C&CS gegen seine eigene Verfassung verstoßen hatte, indem es den vierten Antrag der IYSSE ohne Angabe einer Begründung ablehnte.

Im Rahmen ihrer fünften Kampagne im zweiten Semester dieses Jahres sammelten die IYSSE mehr als 80 Interessensbekundungen von Studierenden, die die Gründung der Hochschulgruppe unterstützten. Angesichts dieser wachsenden Unterstützung seitens der Studierendenschaft genehmigte das C&SC diesmal den Antrag und erlaubte den IYSSE, eine konstituierende Sitzung abzuhalten.

In den Wochen vor der konstituierenden Sitzung verteilten IYSSE-Mitglieder tausende Flugblätter und hielten hunderte Diskussionen mit Studierenden über die Notwendigkeit, eine internationale Antikriegsbewegung auf der Grundlage eines sozialistischen Programms aufzubauen, um der Gefahr eines Weltkriegs entgegenzutreten.

Die Unterstützer der IYSSE erklärten, dass die Arbeiterpartei, die Liberalen und die Grünen Australien an die vorderste Front der Vorbereitungen der USA für einen Krieg gegen China gestellt haben. Sie warnten, dass diese Entwicklung unweigerlich mit verstärkten Angriffen auf demokratische Rechte und der Förderung von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit einhergeht. Proamerikanische Politiker und Medienkommentatoren würden nationalistische Propaganda verbreiten und vor dem „chinesischen Einfluss“ auf die australische Gesellschaft warnen. Die IYSSE-Vertreter gingen auch auf die Bedeutung der historischen Fragen ein und sprachen über die Aktualität der russischen Revolution in einer Zeit, in der der Weltkapitalismus erneut vor dem Zusammenbruch steht. Eine wichtige Rolle habe Leo Trotzki gespielt, der nach Lenins Tod den Kampf gegen den Verrat der stalinistischen Bürokratie führte.

Die große Resonanz unter den Studierenden zeigte sich bei der konstituierenden Sitzung, an der insgesamt 46 Studierende teilnahmen, darunter 38 IYSSE-Mitglieder. Nach der Wahl des Vorstandes und der Verabschiedung der Verfassung, hielt der Vorsitzende der Socialist Equality Party, James Cogan, einen ausführlichen Vortrag über die Kriegsvorbereitungen der USA gegen China und Russland.

In der anschließenden Diskussion verurteilten anwesende Mitglieder der Gruppe Socialist Alternative die IYSSE, weil sie nicht die Identitätspolitik und Bewegungen wie Black Lives Matter unterstützen und stattdessen darauf beharren, dass diese Tendenzen die Interessen der oberen Mittelschicht repräsentieren. Black Lives Matter hatte erst kürzlich einen Zuschuss von 100 Millionen Dollar von der Ford Foundation bekommen, die engste Verbindungen zum amerikanischen Staat und den Unternehmens- und Finanzeliten pflegt. Die offensichtliche Kluft zwischen der Klasseorientierung und der politischen Perspektive der IYSSE auf der einen Seite und der Socialist Alternative auf der anderen Seite zeigte allen Anwesenden, wie falsch die Behauptung des C&SC gewesen war, die beiden Organisationen hätten „überlappende Ziele“.

Nach der konstituierenden Sitzung reichten die IYSSE ihre Mitgliederliste mit 67 Studierenden ein.

Ein führendes Mitglied der neugegründeten Hochschulgruppe sprach mit der WSWS über die Bedeutung der Kampagne: „Diese Gründung ist das Ergebnis eines langwierigen Kampfes, den wir gegen die Zensur unserer Hochschulgruppe geführt haben. Es war eine prinzipielle Kampagne, in der wir unsere Bewegung gegenüber den pseudolinken Tendenzen an der Uni abgegrenzt haben und der wachsenden Kriegsgefahr entgegengetreten sind. Wir haben uns gegen die Aufforderung des C&SC gewandt, uns mit den Pseudolinken zu vereinigen.“

„Wir haben auf das demokratische Recht aller Studierenden bestanden, eine Hochschulgruppe ihrer Wahl zu bilden, und auf dieser Grundlage konnten wir große Unterstützung gewinnen. Die IYSSE ist die einzige Studierendengruppe an der Uni, die gegen Krieg kämpft. Nur wir geben der wachsenden Antikriegsstimmung unter Studierenden eine Stimme.“

Im kommenden Jahr 2017 werden die IYSSE an der Universität Melbourne in die Offensive gehen und die trotzkistische Perspektive bekannt machen, die in Opposition zur pseudolinken Politik steht, welche bislang den Campus dominiert hat. Wie ihre Schwesterorganisationen an anderen Hochschulen und Colleges in ganz Australien und weltweit, wird die IYSSE-Gruppe deutlich machen, weshalb es notwendig ist, dass sich Studierende auf der Grundlage eines sozialistischen Programms der Arbeiterklasse zuwenden. Im hundertjährigen Jubiläumsjahr der russischen Revolution planen die IYSSE Vorlesungen und Veranstaltungen über die historischen Erfahrungen der Arbeiterklasse im 20. Jahrhundert, vor allem die Oktoberrevolution 1917, und über die Lehren, die am Vorabend kommender sozialer Kämpfe aus der Geschichte gezogen werden müssen.

Das im Mehring-Verlag erschienene Buch "Wissenschaft oder Kriegspropaganda?" dokumentiert den Kampf der IYSSE und der Partei für Soziale Gleichheit (PSG) gegen die Wiederkehr des deutschen Militarismus in den vergangenen zwei Jahren.

Wer nicht bereit ist, die Wiederbelebung des deutschen Militarismus und die Verwandlung der Universitäten in staatlich gelenkte Kaderschmieden für rechte und militaristische Ideologien hinzunehmen, muss dieses Buch lesen. 

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