Kriegsvorbereitungen gegen Russland: US Army und Bundeswehr verlegen Kampftruppen nach Osteuropa

Von Johannes Stern
31. Dezember 2016

Gegenwärtig findet ein massiver Aufmarsch von US- und Nato-Truppen in Polen und den baltischen Staaten statt. Laut einer Mitteilung des Presse- und Informationszentrums der Streitkräftebasis der deutschen Bundeswehr vom 30. Dezember werden „in der ersten Januarwoche im Rahmen der NATO Operation ‚Atlantic Resolve‘ drei Transportschiffe der US-Streitkräfte in Bremerhaven erwartet“.

Bereits Anfang November hätten „Soldaten der 3. Brigade der 4. US-Infanteriedivision in den USA damit begonnen, die Schiffe mit Fahrzeugen und Containern zu beladen“. Insgesamt würden „mehr als 2.500 sogenannte Ladungsstücke (LKW, Gefechtsfahrzeuge, Anhänger, Container) zunächst nach Deutschland verschifft und anschließend über Polen in weitere Länder Mittel- und Osteuropas transportiert.“ Das Material werde „im Zeitraum vom 6. bis 8. Januar per Seetransport in Bremerhaven eintreffen und anschließend im Bahntransport und mit Militärkonvois bis voraussichtlich zum 20. Januar nach Polen befördert“.

Die Kieler Nachrichten hatten die Aufrüstungsoffensive bereits Mitte Dezember als „die größte Truppenverlegungsoperation der US Army nach Deutschland seit 1990“ bezeichnet. Es gehe um mehr als 2000 Panzer, Haubitzen, Jeeps und LKW für NATO-Manöver, die neun Monate lang in Osteuropa stattfinden sollen.

Laut Aussagen der US-Army Europe sollen die zusätzlichen 4000 Soldaten und 2000 Panzer ein „Zeichen der Abschreckung und der Verteidigungsfähigkeit“ setzen. Zudem diene die Operation dem Nachweis, dass „die nötige Kampfkraft zur rechten Zeit an den rechten Ort in Europa gebracht“ werden könne, so Oberst Tedd Bertulis, Vize-Logistik-Chef des US-Kommandos in Europa (EuCom), das seinen Sitz in Stuttgart hat.

„Drei Jahre, nachdem die letzten amerikanischen Panzer den Kontinent verlassen haben, müssen wir sie zurückholen“, erklärte der Befehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, Generalleutnant Frederick „Ben“ Hodges, seinerseits bei einem Besuch der Logistikschule der Bundeswehr im niedersächsischen Garlstedt. Gegenüber Journalisten bezeichnete er die Maßnahmen als „Antwort auf die russische Invasion der Ukraine und die illegale Annexion der Krim“.

Russland bereite sich auf Krieg vor, behauptete der General weiter. Alle russischen Ministerien würden sich „dementsprechend vorbereiten – mobilisieren, wenn Sie so wollen. Das heißt nicht, dass es unbedingt Krieg geben muss, nichts davon ist unausweichlich, aber Moskau bereitet sich auf die Möglichkeit vor.“

Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Tatsächlich ist die Verlegung der US-Kampftruppen Bestandteil der Kriegsvorbereitungen der Nato, die seit der Auflösung der Sowjetunion vor 25 Jahren systematisch gen Osten vorrückt, gegen Russland. Auch in der Ukraine ist nicht Russland der Aggressor, sondern die USA und die Nato. Washington und Berlin haben dort Anfang 2014 in enger Zusammenarbeit mit faschistischen Kräften einen Putsch gegen den pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch organisiert. Seitdem nutzen sie die überwiegend defensive Reaktion Russlands, um systematisch politisch und militärisch gegen Moskau in die Offensive zu gehen.

Vor dem Amtsantritt des designierten US-Präsidenten Donald Trump am 20. Januar preschen die extrem anti-russischen Elemente in der amerikanischen herrschenden Klasse vor, um sicherzustellen, dass die USA und die Nato auch unter der neuen US-Administration auf Kriegskurs gegen Moskau bleiben.

In dieser Woche bereiste der republikanische Senator John McCain die baltischen Staaten, um ihnen die fortdauernde Unterstützung der USA zu versichern. Trump habe jüngst erklärt, dass er die Nato unterstütze und das Militär aufgerüstet werden müsse, erklärte er in einem Interview im estnischen Rundfunk. Außerdem halte jedes „glaubwürdige Mitglied“ im US-Kongress, den russischen Präsident Putin „für das was er ist: ein Verbrecher, ein Tyrann und ein KGB-Agent“.

Die Bundeswehr spielt bei der gefährlichen Eskalation gegen die Atommacht Russland, die die Gefahr eines Dritten Weltkriegs erhöht, eine zentrale Rolle. „Ohne die Unterstützung der Bundeswehr kommen wir nirgendwo hin“, erklärte Hodges bei seinem Aufritt in der Streitkräftebasis der Bundeswehr.

Generalleutnant Peter Bohrer, stellvertretender Inspekteur der Streitkräftebasis, pflichtete ihm bei: „Früher war Deutschland ein Frontstaat, heute sind wir Transitzone und eine unserer zentralen Aufgaben ist es, gemeinsame Unterstützungsaufgaben zu leisten.“ Und: „Wir sind offen, diese Aufgaben gemeinsam mit unseren amerikanischen Partnern durchzuführen.“

In Deutschland angekommen, sollen die amerikanischen Soldaten und ihre schweres Gerät von Bremerhaven mit der Bahn durch Norddeutschland nach Osteuropa verlegt werden. „Etwa 900 Waggons mit militärischem Material werden per Eisenbahn von Bremerhaven nach Polen gebracht. Dazu kommen ungefähr 600 Frachtstücke, die vom Truppenübungsplatz Bergen-Hohne ebenfalls per Bahn nach Polen transportiert werden. Knapp 40 Fahrzeuge werden direkt über die Straße von Bremerhaven nach Polen bewegt“, so die Pressestelle der Bundeswehr.

Gleichzeitig bereitet Deutschland, das im Zweiten Weltkrieg ganz Osteuropa mit einem brutalen Vernichtungskrieg überzogen hat, selbst die Entsendung von Kampftruppen ins Baltikum vor. Ebenfalls bereits im Januar sollen 26 Panzer, 100 weitere Fahrzeuge und 120 Container mit der Bahn nach Litauen verlegt werden.

In einem Interview mit der Militärzeitung Bundeswehr aktuell bestätigt General Volker Wieker, dass sich Deutschland zusammen mit den USA, Kanada und Großbritannien auf dem Nato-Gipfel in Warschau verpflichtet habe, „ins Lead zu gehen und jeweils einen Gefechtsverband aufzustellen“. Deutschland werde das Panzergrenadierbataillon 122 entsenden. Vor Ort in Litauen erfolgten „dann weitere Beistellungen durch die Niederländer und die Norweger, so dass wir eine sogenannte Full Operational Capability bis Mitte des Jahres erreichen werden“.

Was mit „Full Operational Capability“ gemeint ist, unterstrich eine öffentliche Übung der Bundeswehr in Grafenwöhr, mit der sich das deutsche Bataillon jüngst auf den Einsatz vorbereitete. Laut einer Videoreportage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ging es bei dem Manöver um „einen feindlichen Übergriff an der litauisch-russischen Grenze“. Der künftige Kommandeur der Nato-Battle-Group in Litauen, Oberst-Leutnant Christoph Huber, erklärte den „taktischen Zweck“ des Manövers wie folgt: „Die Kameraden der zweiten Kompanie haben hier erfolgreich das Gefecht [...] geführt, Zeit für ihre Kameraden gewonnen und dabei feindliche Kräfte vernichtet. Dies ist eine hochintensive Gefechtsausbildung.“

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