USA: Massenentlassungen zum neuen Jahr

Von Jerry White
10. Januar 2017

Zu Beginn des neuen Jahres kündigen mehrere amerikanische Unternehmen Entlassungen an und drohen mit weiterem Stellenabbau im Laufe des Jahres.

Der jüngste Schlag für den Einzelhandel ist die Schließung Hunderter Damenmodegeschäfte der Kette The Limited aus Ohio. Über das Wochenende kündigte das Unternehmen die Schließung seiner Filialen überall in den Vereinigten Staaten an. Das Unternehmen unterhielt landesweit über 235 Filialen und beschäftigte 4.000 Mitarbeiter. Im Dezember begannen die Entlassungen, und am Sonntag wurden schließlich alle Läden geschlossen.

Letzte Woche kündigte zudem Macy's die Schließung von 68 Geschäften und den Abbau von mehr als 10.000 Stellen an. Sears wird aufgrund des schlechten Feiertagsgeschäfts ebenfalls 150 weitere Sears- und Kmart-Filialen schließen. Auch bei Kohls und JC Penney kam es bereits zu Massenentlassungen.

Der Einzelhandel leidet unter einer Reihe von Faktoren, u.a. unter der Stagnation der Reallöhne bei großen Teil der Verbraucher sowie der Expansion von großen Online-Shopping-Konzernen wie Amazon.

Abgesehen von den Einzelhandelsunternehmen werden auch bei den drei großen Detroiter Autobauern Tausende von Arbeitern befristet oder dauerhaft entlassen. In Montagewerken in Detroit und Lansing, Michigan sowie in Lordstown, Ohio, auf halber Strecke zwischen Cleveland und Pittsburgh, werden ganze Schichten gestrichen und mehr als 3.000 Arbeitsplätze vernichtet.

Letzten Freitag meldete das amerikanische Amt für Arbeitsstatistik, dass die Zahl der Arbeitsplätze im Dezember langsamer gestiegen sei als erwartet. Die Wirtschaft habe im letzten Monat 156.000 Arbeitsplätze geschaffen, die große Mehrheit davon jedoch im schlecht bezahlten Dienstleistungssektor. Obamas Arbeitsminister Thomas Perez erklärte stolz, die Zahlen würden die „Stärke“ der Wirtschaft zeigen. In Wirklichkeit gab es für Millionen von Amerikanern keinen Aufschwung. Sie leben von einer Gehaltsabrechnung zur nächsten, sind bis zum Hals verschuldet und müssen ständig mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes rechnen.

Weitere aktuell angekündigte Entlassungen:

• Lexmark International aus Lexington, Kentucky entlässt 320 Mitarbeiter bzw. zehn Prozent seiner Beschäftigten im Software-Bereich.

• Das Datenspeicherunternehmen Seagate Technology Inc. hat in seinem Werk in Shakopee, Minnesota 155 Arbeitsplätze abgebaut.

• Alorica wird in seinem Kundenkommunikationszentrum in Utica, New York 200 Stellen abbauen.

• Dole Packaged Foods wird sein Frozen-Yoghurt-Werk in Stockton, Kalifornien schließen und damit 30 stundenweise bezahlte Jobs und Aufsichtstätigkeiten abbauen.

• Der chinesische Technologiekonzern ZTE wird international fünf Prozent seiner weltweiten Belegschaft, d.h. 3.000 Stellen abbauen.

Die katastrophale Lage der Arbeiter wird sich unter der künftigen Trump-Regierung noch weiter verschlechtern. Trotz der betrügerischen Behauptungen, ihm läge das Wohl der amerikanischen Arbeiter am Herzen, basiert Trumps Wirtschaftsprogramm auf massiven Steuersenkungen für Unternehmen, Deregulierung und protektionistischen Handelsmaßnahmen. Sie werden die Weltwirtschaft destabilisieren und Vergeltungsaktionen gegen amerikanische Exporteure heraufbeschwören. Er schlägt außerdem eine deutliche Erhöhung der Ausgaben für das Militär und einige Mittel für Infrastrukturprojekte vor, die allesamt einen Geldsegen für private Firmen und andere Unternehmen bedeuten.

Die Konzerne fordern außerdem die kontinuierliche Senkung der Lohnkosten in den USA, was bereits eine zentrale Säule von Obamas Wirtschaftspolitik in den letzten acht Jahren war.

Dieses Programm wurde mit voller Unterstützung der Gewerkschaften umgesetzt. Sie arbeiteten mit dem Weißen Haus zusammen, um den „Lohndruck“ von Millionen von Arbeitern zu verhindern, deren Tarifabkommen in den Jahren 2015 und 2016 ausliefern und die entschlossen waren, den Lohnverluste aus den Jahren nach der Finanzkrise von 2008 wieder auszugleichen. Dank der Unterstützung der Gewerkschaften blieben die Lohnerhöhungen im privaten und öffentlichen Sektor größtenteils auf Inflationsniveau. Alle weiteren Erhöhungen wurden durch die höheren Beiträge für die Krankenversicherung unter der Obamacare mehr als aufgefressen.

Die jüngsten Entlassungen im Einzelhandel unterstreichen strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft. Millionen von Arbeitern jeden Alters sind mit der „neuen Normalität“ von schlecht bezahlten, prekären Arbeitsplätzen konfrontiert, während die wohlhabende Elite Milliardengewinne einfährt, hauptsächlich durch Finanzparasitentum.

1963 eröffnete der Geschäftsmann Leslie H. Wexner aus Dayton, Ohio in einem Einkaufszentrum in Upper Arlington, einem Vorort von Columbus, Ohio den ersten The Limited-Laden. Der Name rührt daher, dass er die Auswahl an Kleidung auf billige, leicht verkäufliche Waren beschränkte. Das Unternehmen wuchs schließlich auf eine Größe von 750 Filialen an und machte einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar.

So konnte Wexner auch auf andere Einzelhandelsunternehmen aus dem Gebiet von Columbus expandieren, darunter bekannte Ketten wie Abercrombie & Fitch, Victoria's Secret, Express, Bed, Bath & Beyond und andere. Vor zehn Jahren verkaufte Wexner die Mehrheit der Aktien von The Limited an die Beteiligungsgesellschaft Sun Capital Partners, die im Jahr 2010 das gesamte Unternehmen aufkaufte. Wexner, damals Vorstandschef von L Brands, erhielt im Jahr 2015 eine Vergütung von insgesamt 26.669.306,00 Dollar.

Vor einem Monat kündigte The Limited die Entlassung von 248 Beschäftigten in seinem Hauptsitz in New Albany, Ohio an, während Sun Capital weiterhin einen möglichen Verkauf anstrebte. Am Sonntag nun wurden alle Filialen dauerhaft geschlossen, nachdem die restlichen Kleidungsbestände mit bis zu 90 Prozent Rabatt sowie die Regale und Schaufensterpuppen verkauft waren.

Amanda Conley, 49, die zwei der letzten Hosen bei einer Filiale in der Innenstadt von Ohio kaufte, erklärte in der Zeitung Columbus Dispatch: „Ich finde es sehr traurig. [Der Laden] hatte immer seinen festen Platz hier. Natürlich sind die Beschäftigten und ihre Existenz davon betroffen.“

Doch noch während die Arbeiter auf die Straße gesetzt wurden, quetschte die Beteiligungsgesellschaft, die über ein Kapital von neun Milliarden Dollar verfügt, das Letzte aus dem Unternehmen heraus. Sun Capital Partners erklärte am Freitag in einem Brief an seine Investoren, es habe seine Investition in die Limited-Läden in Höhe von 50 Millionen Dollar 1,8mal wieder hereingeholt und dabei den verbleibenden Eigenkapitalwert auf Null gesenkt.

Fortune schreibt dazu: „Diese Enthüllung zeigt, wie Beteiligungsgesellschaften auch mit Unternehmen Profite machen können, deren Eigenkapitalwert vernichtet wurde. Vorab holen sie ihre ursprüngliche Investition aus dem Unternehmen heraus, indem sie das Unternehmen Dividenden zahlen lassen. Oft lassen sie das Unternehmen sogar Geld leihen, um die Dividenden zu finanzieren.“

Viele traditionelle Einzelhändler fallen dem Druck durch den Online-Riesen Amazon zum Opfer, der in kürzester Zeit Waren aus seinen großen und strategisch günstig gelegenen Lagerhäusern liefern kann. Seine Beschäftigten sind Niedriglohnempfänger, deren Produktivität elektronisch kontrolliert wird. The Limited wurde auch Opfer anderer „Fast Fashion“-Läden wie der multinationalen schwedischen Kette H&M (Hennes & Mauritz AB), die sich auf billige Kleidung in der aktuellsten Mode spezialisieren und damit vor allem auf junge Kunden abzielen.

Bekleidungsketten wie H&M sind von einer globalen Versorgungskette abhängig, wozu auch brutal ausgebeutete Arbeiter überall auf der Welt gehören. Im April 2013 wurden 1.133 Textilarbeiter getötet und 2.500 weitere verwundet, als in der Hauptstadt von Bangladesch, Dhaka, das achtstöckige Fabrikgebäude Rana Plaza zusammenbrach, in dem mehrere Textilfabriken untergebracht waren. Die Hälfte der 125.000 Shirts, die dort täglich hergestellt wurden, gingen an H&M. Die Arbeiter verdienten bei Schichten von zehn bis zwölf Stunden, in denen sie 250 T-Shirts pro Stunde produzierten, 1,43 Dollar pro Tag.

Die Einzelhandelsbeschäftigten in Amerika sind uneinheitlichen Arbeitszeiten, niedrigen Löhnen und einer autoritären Arbeitsatmosphäre unterworfen. Die meisten Beschäftigten müssen ihren Chef anrufen oder auf einen Anruf von ihm warten, um ihre Arbeitszeiten zu erfahren. Wer eine Schicht ablehnt, weil sie sich mit der Terminplanung der Familie, der Schule oder einer anderen Arbeit überschneidet, muss mit der Kürzung der Arbeitszeit oder der sofortigen Entlassung rechnen.

Insgesamt arbeiten in der Einzelhandelsbranche etwa 16 Millionen Beschäftigte, das entspricht einem Anstieg um mehr als neun Prozent seit 2009. Die Löhne für Einzelhandels-Jobs ohne Aufsichtsfunktion liegen 30 Prozent niedriger als die Löhne in der Privatwirtschaft.

Letzten Juni organisierten 5.000 Arbeiter den ersten Streik seit 40 Jahren in Macy's Vorzeigeladen im Zentrum von Manhattan und in vier weiteren Filialen in dem Bundesstaat. Die Arbeiter forderten Lohnerhöhungen und eine bessere Krankenversicherung sowie die Abschaffung der Praxis, dass einem Verkäufer bei Macy's die Provision gekürzt wird, wenn der Kunde die Ware innerhalb von sechs Monaten zurückgibt.

Die Gewerkschaft Retail, Wholesale & Department Store Union (RWDSU), die zum Gewerkschaftsbund United Food and Commercial Workers (UFCW) gehört, arbeitete mit den Demokraten im Bundesstaat und in den Kommunen zusammen und handelte schnell ein Abkommen aus. Der Abzug der Provision blieb darin ebenso enthalten wie beträchtliche Eigenbeteiligungen bei der Krankenversicherung.

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