Studierende der Ruhr-Uni Bochum diskutieren über Trump

Von unseren Korrespondenten
31. Januar 2017

Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind über den Aufstieg Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine ersten Amtshandlungen empört und besorgt. An der Ruhruniversität Bochum in Nordrhein-Westfalen, wo die IYSSE für heute Abend die Veranstaltung „Wohin geht Amerika“ vorbereitet, haben viele Studierende die Entwicklung in den USA und besonders die jüngsten Demonstrationen gegen Trump mit Interesse und Anteilnahme verfolgt.

Ruhr-Universität Bochum

Die Ruhr-Universität ist mit über vierzigtausend Studierenden eine der zehn größten deutschen Universitäten und die älteste des ganzen Ruhrgebiets. Während der Kampagne für die IYSSE-Veranstaltung entwickeln sich im Eingangsbereich zum Hörsaalzentrum Ost lebhafte Diskussionen.

„Das ist wirklich beunruhigend, wenn die USA jetzt damit anfangen, die Einwanderer nicht mehr ins Land reinzulassen“, sagt Hien, eine vietnamesische Studentin. Sie weist darauf hin, dass die Vereinigten Staaten „ein Land von Einwanderern“ seien. „Bis heute besteht ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung der USA aus Immigranten. Wenn Trump das jetzt durchsetzt – das erinnert mich wirklich sehr an Hitler“, sagt die Studentin.

Dominic

Dominic, der Religionswissenschaften und Archäologie studiert, vertritt die Meinung, dass Donald Trump „bewusst bestimmte Volksgruppen wie ‚die Muslime‘ oder auch ‚die Mexikaner‘ herausgreift, um zu polarisieren und Feindbilder zu schaffen“. Er verstehe Trumps Machtantritt als „eine aus Angst geborene Ungerechtigkeit“.

Dabei habe Trump die Wahl in Wirklichkeit gar nicht gewonnen, sondern sei letztlich nur als Resultat eines Wahlsystems aufgestiegen, „bei dem das Wahlmännergremium mehr zählt als das wirkliche Stimmenverhältnis. Er wurde nicht durch die absolute Stimmenmehrheit gewählt, sondern vom Electoral College ernannt.“

Die rechte Entwicklung habe in den USA schon damit begonnen, dass die Regierung vor fünfzehn Jahren den Irak angegriffen habe, fährt Dominic fort. „Das wurde mit den Terrorangriffen vom 11. September begründet. Wieso haben sie denn auf einmal Hussein beschuldigt und den Irak angegriffen, wo sie doch vorher Bin Laden verantwortlich gemacht hatten? In Wirklichkeit ging es nur um das Öl, und die Terrorangriffe wurden als Rechtfertigung benutzt. Es ging ihnen ums Öl, insofern sind diese Kriege Kapitalismus in Reinkultur.“

Trump sei jetzt das Endergebnis dieser ganzen Entwicklung. „Er verkörpert die milliardenschweren Kapitalisten.“ Das sei schon daran zu sehen, dass die Trump-Agenda finanziell motiviert sei, und dass er sofort Steuervorteile für die Superreichen schaffen wolle.

Wenig später beteiligen sich gleich mehrere Studierende an einer Diskussion. Mario meint, Trumps Einreiseverbot für Muslime werde ein „wahnsinniges Tohuwabohu“ auslösen. „Zum Glück sind einige Richter dagegen eingeschritten“, fährt er fort. „Ich hoffe, dass Trump, der ja ein schlauer Mann ist, doch erkennt, dass er zu weit gegangen ist, aber gleichzeitig fürchte ich, dass das eine Illusion sein könnte. Mich erinnert es leider sehr an Hitler, es gibt da deutliche Parallelen.“

Der Unterschied, so Mario weiter, bestehe vielleicht darin, dass heute die sozialen Medien existieren. „Wichtige Informationen finden durch die internationale Berichterstattung eine viel raschere und größere Verbreitung.“ Schließlich sei „auch der arabische Frühling durch die sozialen Medien ausgelöst worden. Ich baue auf die Vernetzung der weltweiten Community.“

Sein Kommilitone Sebastian entgegnet, Trump mit Hitler zu vergleichen – nein, das gehe ihm zu weit, das sei so, als vergleiche man „Äpfel mit Birnen“. Trump habe seine Wahlkampfrhetorik „auf die Extreme ausgelegt“.

Dazu sagt ein Studierender, der bisher ruhig zugehört hat: „Wenn Trump alles das, was er im Wahlkampf angekündigt hat, auch wirklich umsetzt, das wäre schrecklich.“

Ivan kommt aus Kolumbien und studiert in Bochum Mechatronik. „Ich kann die Menschen aus Mexiko sehr gut verstehen, wenn sie jetzt besorgt und wütend sind“, sagt Ivan. „Wir sind in Lateinamerika sehr vertraut mit Korruption, Diktatur und Unterdrückung. Wir haben die Vereinigten Staaten immer als das bessere System angesehen, und es war der Traum vieler Menschen aus den südlichen amerikanischen Staaten, eines Tages in den USA zu leben.“

Ein junger Student kommentiert, die jüngste Entwicklung in Amerika sei „grauenvoll“, der Präsident sei „Rassist“. „Deshalb lehne ich ihn ab“, fährt er fort.

Seine Begleiterin erzählt, sie habe im Radio Einzelheiten über besondere Fälle gehört, bei denen Menschen jetzt von Trumps Einreiseverbot betroffen seien. „Wenn man das konkret am Einzelfall erfährt, dann ist das noch berührender, als wenn man die nackten Zahlen hört“, findet sie. Zum Beispiel dürfe eine Forscherin, die einen Lehrauftrag in Boston in der Tasche habe, jetzt nicht mehr in die USA einreisen, weil sie den falschen Pass besitze.

Jonas

Jonas, eine Student der Sozialwissenschaften, findet den Aufstieg Trumps „sehr bedenklich, eine Entwicklung, die man genau verfolgen muss. Trump ist in der globalen Entwicklung der letzte Warnschuss, der uns klar macht, dass wir aktiv werden müssen. Es gilt nicht nur für Amerika, sondern auch für Europa. Wenn wir all das verteidigen wollen, was jahrelang als selbstverständlich galt, dass man gewisse demokratische Freiheiten genießen kann – dann muss man jetzt dafür auch einstehen.“

Er habe auch beobachtet, fährt Jonas fort, dass sich die Linke, „oder das, was man früher als Linke bezeichnete“, die Gesellschaft ganz aufgegeben habe. „Sie hat sich immer weiter von der Gesellschaft entfernt.“ Dabei seien „die meisten Menschen, die arbeiten müssen, mit immer größeren Problemen und Zwängen konfrontiert. Viele müssen einen Zweitjob leisten und haben höchstens noch Zeit, sich um das Existentielle zu kümmern.“

Jonas betont, seiner Meinung nach seien die Probleme nicht nur auf Trump in Amerika beschränkt. Er nennt zum Beispiel Gesetze, die die Merkel-Regierung „seit 2014 zur Regelung von Einwanderung und auch Abschiebung von Flüchtlingen erlassen hat. Sie sind zwar nicht eins zu eins mit der Behandlung der Muslime durch Trump vergleichbar, aber sie gehen in genau dieselbe Richtung.“ Diese Gesetze seien ebenfalls menschenverachtend, sie „stellen eine Art Neo-Rassismus dar“. Wer immer die Menschenrechte, wenn auch nur in der allgemeinsten Form, verteidigen wolle, betont Jonas, „für den ist es jetzt unbedingt an der Zeit, aktiv zu werden“.

An diesem Tag führt Philipp Frisch, der im Ruhrgebiet die IYSSE-Arbeit leitet, an der Ruhr-Universität hunderte Diskussionen, in denen er den Zusammenhang zwischen der Trump-Regierung und der tiefen Krise des Kapitalismus erklärt.

„Trump ist nicht vom Himmel gefallen“, erklärt Philipp und erläutert, wie die herrschende Klasse der USA seit 25 Jahren versucht, ihren wirtschaftlichen Niedergang mit immer aggressiveren militärischen Mitteln auszugleichen. Alle imperialistischen Mächte, auch die deutsche Regierung, machen das Wettrüsten mit. Diese Entwicklung muss zu einem dritten Weltkrieg führen, sofern nicht die internationale Arbeiterklasse unter Führung der Vierten Internationale dem Kapitalismus ein Ende bereitet.

„Heute war es möglich, diese wichtigen Fragen ernsthaft mit sehr vielen Studierenden zu diskutieren“, fasst Philipp am Abend zusammen. „Man hat den Eindruck, als ob die Weltsituation jetzt für das Bewusstsein viel konkreter und klarer zu fassen ist. Es ist etwas in Bewegung geraten.“

Das im Mehring-Verlag erschienene Buch "Wissenschaft oder Kriegspropaganda?" dokumentiert den Kampf der IYSSE und der Partei für Soziale Gleichheit (PSG) gegen die Wiederkehr des deutschen Militarismus in den vergangenen zwei Jahren.

Wer nicht bereit ist, die Wiederbelebung des deutschen Militarismus und die Verwandlung der Universitäten in staatlich gelenkte Kaderschmieden für rechte und militaristische Ideologien hinzunehmen, muss dieses Buch lesen. 

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