USA bombardieren Afghanistan mit größter nicht-nuklearer Waffe: Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

15. April 2017

Der Abwurf der stärksten nicht-nuklearen Waffe im US-Arsenal über Afghanistan ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Noch während die US-Regierung ihre Lügenpropaganda über den angeblichen Giftgaseinsatz Syriens und Russlands in den Massenmedien verbreiten ließ, brachte das amerikanische Militär die monströse Massive Ordnance Air Blast (Moab) für den Einsatz in Afghanistan in Stellung.

Das Pentagon hat zwar nur wenige Details über die verheerenden Auswirkungen der Bombe bekanntgemacht, die am 13. April über der afghanisch–pakistanischen Grenze abgeworfen wurde. Man kann jedoch sicher davon ausgehen, dass die Zahl der Getöteten die Opferzahl des angeblichen syrischen Gasangriffs um ein Vielfaches übersteigt. Dabei ist es alles andere als sicher, dass der Gasangriff überhaupt stattgefunden hat.

72 Jahre nach der Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki hat der amerikanische Imperialismus erneut bewiesen, dass er die rücksichtsloseste und kriminellste Macht auf diesem Planeten ist.

Die Bedeutung des Einsatzes der Moab geht weit über Afghanistan hinaus. Er demonstriert – und das ist tatsächlich sein hauptsächliches Ziel – dass das amerikanische Militär vor nichts, aber auch gar nichts zurückschreckt, wenn es um die Interessen des US-Imperialismus geht.

Vor dem Hintergrund zunehmender militärischer Spannungen von Korea über Syrien bis Osteuropa ist der Abwurf dieser gigantischen Bombe über Afghanistan eine Warnung an Russland, den Iran, Nordkorea und jedes andere Land, das es wagen sollte, sich den Interessen Washingtons entgegenzustellen. Der Angriff demonstriert die Bereitschaft des US-Imperialismus, mit grenzenloser Gewalt gegen sie vorzugehen.

Die Waffe mit dem offiziellen Namen GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast wird in Pentagon-Kreisen Moab oder „Mutter aller Bomben“ genannt. Sie ist in der Lage, in einer gewissen Höhe fast 9.000 Kilo Sprengstoff zur Explosion zu bringen und die Atmosphäre zu entzünden. Dadurch erzeugt sie eine gewaltige Erschütterung, die in einem Radius von 300 Metern alles zerstört. Ihre Schockwelle kann Menschen noch in knapp drei Kilometer Entfernung töten. Die Gewalt der Explosion kommt für die Personen im Zielgebiet der Gewalt einer Atombombe gleich.

Die Bombe wurde für den „Shock and Awe“-Feldzug 2003 bei der Invasion im Irak entwickelt, aber sie wurde in den folgenden 14 Jahren nie im Gefecht eingesetzt. Selbst im Krieg zur Besetzung des Irak, in dem etwa eine Million Iraker umkamen, wurde die Bombe als zu zerstörerisch angesehen, als dass sie den strategischen Zielen der USA hätte dienen können.

Der Plan, diese schreckliche Waffe in Afghanistan einzusetzen, geht auf die Obama-Regierung zurück.

Der Pentagon-Führung zufolge wurde diese wirkliche „Massenvernichtungswaffe“ jetzt in einer abgelegenen Gegend der ostafghanischen Provinz Nangahar zum ersten Mal eingesetzt. Angeblich sollte damit ein System von Höhlen und Tunneln vernichtet werden, das einem afghanischen Ableger des IS als Unterschlupf diente.

Es gibt keine taktische, geschweige denn strategische Rechtfertigung dafür, solch eine gewaltige Waffe gegen diese kleine, schlecht bewaffnete Bande von islamistischen Guerillas einzusetzen. Die Gruppe, die ihre Stützpunkte in Pakistan hat, hat sich das IS-Logo nur umgehängt. In Wirklichkeit weist der Angriff alle Merkmale einer kalkulierten Demonstration amerikanischer Militärmacht auf. Es ist die schrecklichste Demonstration, die man sich vorstellen kann, mit Ausnahme einer Atomwaffe.

Nur eine Woche vor diesem Bombenabwurf ging die amerikanische Regierung in einem Akt nackter Militäraggression gegen Syrien vor, als 59 Cruise Missiles auf einen Luftstützpunkt der Regierung abgeschossen wurden. Mindestens 15 Syrer wurden getötet, die meisten davon Zivilisten.

Der Angriff war angeblich die Vergeltung für eine behauptete Chemiewaffenattacke, die der syrischen Regierung angelastet wird. Damaskus streitet den Einsatz solcher Waffen ab, und den Lügen der westlichen Medien zum Trotz deuten alle objektiven Hinweise auf eine Provokation der CIA und der al-Qaida-Kämpfer hin, die die CIA in Syrien unterstützt.

Während die US-Regierung noch ihre Kriegspropaganda über diesen fabrizierten „Chemiewaffenangriff“ in Syrien verbreiten ließ, bereitete sie schon den Abwurf ihrer größten nicht-nuklearen Waffe auf Afghanistan vor.

Das Pentagon behauptet, es habe alle denkbaren Vorkehrungen getroffen, um bei diesem Schlag zivile Opfer zu vermeiden. Aber solche Versprechungen sind völlig wertlos. Das US-Militär hat schon Millionen Menschen im gesamten Nahen Osten getötet. Ersten Berichten zufolge gibt es in dem Zielgebiet mehrere Dörfer. So wird die Zahl der zivilen Toten und Verwundeten höchstwahrscheinlich sehr hoch sein.

Die wirkliche Opferzahl ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unbekannt, und wenn es nach den US-Medien geht, dann wird das auch so bleiben. Die Leitartikler der CIA-Hausorgane, der New York Times und der TV-Nachrichten, haben schon jede Verleumdung der Regierung über das Assad-Regime bezüglich des provozierten Chemiewaffenangriffs nachgeplappert. Wie viele Menschen der US-Bombe in Afghanistan zum Opfer gefallen sind, ist ihnen völlig gleichgültig.

Auch das Blutbad, das amerikanische Bomben und Raketen nach wie vor im Irak und in Syrien anrichten, ist den Medien im Allgemeinen keine Zeile wert. Am Mittwoch tötete ein US-Luftschlag in West-Mossul 13 Zivilisten, 17 wurden verletzt, die meisten davon schwer. Am gleichen Tag beschrieb eine UN-Agentur die Verwüstungen, die die Folgen der belagerten irakischen Stadt sind. Tausende, wenn nicht zehntausende Männer, Frauen und Kinder, sind bisher getötet worden. In dem Bericht heißt es: „Häuser wurden zerstört, Schulen und Gesundheitszentren wurden beschädigt und wichtige öffentliche Infrastruktur, darunter die Stromversorgung und die Wasserwerke, liegen in Trümmern.“ Demnach haben die Zerstörungen schon 300.000 Menschen zu heimatlosen Flüchtlingen gemacht.

In Nordsyrien hat die US-Luftwaffe derweil einen „Friendly Fire“-Schlag geführt, bei dem 18 kurdische Kämpfer getötet wurden. Die syrische Regierung berichtete, dass eine amerikanische Bombe ein al-Qaida-Depot getroffen habe, wobei chemische Kampfstoffe frei gesetzt worden seien. Sie haben möglicherweise hunderte Zivilisten getötet. Über keines dieser Ereignisse wird größer berichtet, und niemand zeigt sich moralisch empört. Die Krokodilstränen werden nur über die Opfer des angeblichen syrischen Giftgasangriffs vergossen.

Wer sind diese Leute, das sie es wagen, irgendjemanden über „Menschenrechte“ zu belehren, oder gar als Gegner des „Terrorismus“ aufzutreten? Einmal mehr hat der US-Imperialismus der Welt vorgeführt, dass er keinerlei Skrupel hegt, was das internationale Recht betrifft, geschweige denn die Moral. Sein gewaltsames und räuberisches Vorgehen auf Weltebene ist der direkte Ausdruck des kriminellen und parasitären Charakters der herrschenden Kapitalistenklasse in Amerika. Verkörpert wird sie in der abscheulichen Figur eines Donald Trump.

Diese jüngste Gräueltat kommt fünfzehneinhalb Jahre nach der Invasion Afghanistans durch die USA. Damals wurde die Taliban-Regierung gestürzt und ein Marionettenregime eingesetzt. Seither herrschen Krieg und Besetzung.

Konservative Schätzungen sehen die Zahl der afghanischen Todesopfer seit 2001 bei ungefähr 200.000, hunderttausende wurden verwundet und Millionen zu Flüchtlingen. Von Anfang an war dieser Krieg darauf ausgelegt, die afghanische Bevölkerung einer halbkolonialen Vorherrschaft durch Amerika zu unterwerfen und den US-Imperialismus dabei zu stärken, seine Vorherrschaft in dieser energiereichen Region Zentralasien fest zu verankern.

Auch das Timing des Bombenabwurfs ist bedeutsam. Er fand am Vorabend von Gesprächen statt, die am 14. April in Moskau über eine Friedensregelung für Afghanistan beginnen sollten. Russland hat zusammen mit China und Pakistan zu dieser Konferenz eingeladen. Weitere neun Länder, darunter der Iran und Indien, nehmen daran teil. Die Taliban haben wissen lassen, dass auch sie teilnehmen könnten. Die US-Regierung wurde zwar eingeladen, hat aber ihre Teilnahme nicht bestätigt. US-Kommandeure haben völlig unbegründete Vorwürfe erhoben, dass Russland die Taliban unterstütze.

Der nächste Schritt nach dem Abwurf der Superbombe auf Afghanistan – ob es eine bewaffnete Konfrontation zwischen amerikanischen und russischen Kampfflugzeugen über Syrien, ein Militärschlag gegen Nordkorea oder eine Provokation an Russlands Westgrenze sein wird – wird mit dem Einsatz von Atombomben einhergehen.

Arbeiter und Jugendliche in den USA und weltweit müssen diese Bedrohung sehr ernst nehmen. Sie müssen den amerikanischen und globalen Kapitalismus daran hindern, den Planeten in einen dritten, diesmal nuklearen Weltkrieg zu stürzen.

Überall in den Vereinigten Staaten und in aller Welt müssen Proteste gegen die jüngsten amerikanischen Gräueltaten in Afghanistan, Syrien und dem Irak organisiert werden. Das muss Bestandteil des Kampfs sein, eine massive Antikriegsbewegung aufzubauen, die sich auf die Arbeiterklasse stützt und ein Programm des sozialistischen Internationalismus zugrunde legt. Im Zentrum dieses Kampfs steht der Aufbau des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und seiner Sektionen als revolutionäre Führung der Arbeiterklasse.

Bill Van Auken und David North

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