Milliardär Jeff Bezos im Goldrausch

Amazon-Chef verdient über Nacht 3,3 Milliarden Dollar

Von Evan Blake und Eric London
13. Mai 2017

Am 5. Mai gelang es Jeff Bezos, Milliardär und Amazon-Chef, sein Vermögen über Nacht um 3,3 Milliarden Dollar zu vergrößern. Der Versandhandelsriese Amazon hatte sein achtes profitables Quartal in Folge gemeldet, worauf der Wert der Aktie im nachbörslichen Handel um 50 Dollar anstieg.

Um 3,3 Milliarden Dollar zu verdienen, müsste ein amerikanischer Amazon-Arbeiter mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 12,41 Dollar 133.064 Jahre lang arbeiten – das ist grob gerechnet die Zeit, in der es auf Erden menschliches Leben gibt. Für Amazon-Arbeiter in China, Brasilien, Indien und Mexiko, die deutlich schlechter bezahlt werden, wäre es noch viel länger.

Hätten sämtliche 200.000 Mitglieder der amerikanischen Amazon-Belegschaft am 1. Januar mit Arbeiten begonnen, dann hätten sie mit all ihren Löhnen und Gehältern die Summe von 3,3 Milliarden Dollar erst Ende August erreicht. Um eine einzige Amazon-Aktie (für etwa 940 Dollar) zu kaufen, müsste ein amerikanischer Lagerarbeiter mindesten zwei Wochen lang oder länger schuften.

Bezos Nettovermögen wuchs an dem Abend seines jüngsten Goldrauschs auf die Summe von 80,6 Milliarden Dollar an, was ihn zur drittreichsten Person der Welt machte. Bezos ist zuversichtlich, bis zum Ende des Jahres der reichste Mensch der Welt zu werden.

Verglichen mit den anderen Milliardären auf der Welt konnte Bezos mit zusätzlichen 15,3 Milliarden Dollar seit dem 1. Januar dieses Jahres bisher den größten Zuwachs an persönlichem Reichtum verzeichnen, wie der Bloomberg Billionaires Index bekanntgibt. Im vergangenen Jahr hat Bezos 22,4 Milliarden Dollar eingenommen, und in den letzten fünf Jahren waren es beachtliche 62,5 Milliarden Dollar.

Zum besseren Verständnis: Nach Schätzung des Stockholmer Internationalen Institut für Friedensforschung würde es etwa 51 Milliarden Dollar kosten, um der ganzen Weltbevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen, wodurch jedes Jahr Millionen Menschen mehr überleben könnten als heute. Das sind immer noch 11,5 Milliarden Dollar weniger, als Bezos in den letzten fünf Jahren verdient hat.

Ein Amazon-Arbeiter in einem amerikanischen Warenlager verdient im Jahr durchschnittlich 25.792 Dollar brutto. Bezos nimmt im Jahr das 868.486-Fache dieses Betrags ein. Pro Minute hat Bezos in den vergangenen fünf Jahren fast so viel verdient wie der Arbeiter im ganzen Jahr, nämlich 23.782 Dollar.

Amazon und Bezos üben großen Einfluss auf das politische System aus: 2016 zahlte das so genannte Politische Aktionskomitee von Amazon Hunderttausende Dollar an 129 Kongressabgeordnete (an fast jeden dritten) und an 35 Senatoren. Das Geld wurde meist zu gleichen Teilen an Vertreter der Demokraten und der Republikaner verteilt. Bezos besitzt auch eine der einflussreichsten Zeitungen, die Washington Post.

Bezos Milliarden und sein Einfluss resultieren aus der Ausbeutung hunderttausender Amazon-Arbeiter auf der ganzen Welt, die täglich für den Konzern schuften und viel mehr Werte für ihn schaffen, als sie in Form von Lohn zurückbekommen. Daraus resultiert der Profit des Konzerns.

In jedem Land, in dem Amazon tätig ist, versucht der Konzern noch den letzten Cent an Profit aus den Arbeitern herauszuholen. In Deutschland führte Amazon kürzlich eine Regelung über die kollektive Bestrafung ihrer Belegschaft ein, mit der die Arbeiter davon abgebracht werden sollten, sich krankschreiben zu lassen, wie es ihnen nach deutschem Recht zusteht.

Die Regelung setzt fest, dass die Arbeiter nur dann einen Anspruch auf einen Gruppenbonus von 6-10 Prozent haben, wenn sein gesamtes Team nur ein Minimum an Krankentagen aufweist. Dies bringt die Arbeiter gegeneinander auf und setzt Einzelne einem enormen Druck aus, sich nach einer Krankheit keine Erholung zu gönnen, aus Angst vor dem Vorwurf, für den Verlust der Boni der Kollegen verantwortlich zu sein.

In den vergangenen fünf Jahren sind die Einnahmen von Amazon stärker gestiegen als seine Umsatzkosten (einschließlich der Löhne). Das bedeutet, dass bei Amazon die Ausbeutungsrate jedes Jahr gestiegen ist, während die Arbeiter jedes Jahr einen kleineren Anteil am Bruttogewinn erhielten. Von 2012 bis 2016 nahm der Unterschied zwischen den Gesamteinnahmen der Firma und den Ausgaben für die Umsatzkosten (einschließlich der Arbeitskosten) von 15.12 Milliarden Dollar im Jahr 2012 auf 47.72 Milliarden Dollar im Jahr 2016 zu. Das sind mehrere Dutzend Milliarden Dollar, die die Arbeiter erwirtschaftet, aber nie zu Gesicht bekommen haben.

Hinter den Milliarden Dollar in der Firmenbilanz stehen Hunderttausende von Amazon-Arbeitern, die täglich kämpfen müssen, um über die Runden zu kommen. Auf diesem Überlebenskampf beruht Bezos verschwenderischer Lebensstil.

Im letzten Oktober kaufte er das größte Haus in Washington DC: ein über 2500 Quadratmeter großes, ehemaliges Textilmuseum, und bezahlte dafür 23 Millionen Dollar in bar. Um nur einen einzigen Quadratfuß (das sind 0,093 Quadratmeter, etwa 30 x 30 cm) in Bezos‘ Villa kaufen zu können, müsste ein Amazon-Arbeiter mit einem Stundenlohn von 12,40 Dollar fast siebzig Stunden arbeiten.

Das Haus hat 14 Badezimmer, 10 Schlafzimmer und 11 Kamine. In Bezos‘ unmittelbarer Nachbarschaft wohnen Barack Obama und Außenminister Rex Tillerson sowie Jared Kushner und Ivanka Trump.

Bezos Reichtum kommt nicht bloß daher, dass ein einzelnes Individuum den Hals nicht vollkriegt. Es ist das Ergebnis des kapitalistischen Profitsystems. Dieses fußt auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln in der Hand einer hauchdünnen Minderheit, die ihren Reichtum durch die Ausbeutung der weltweiten Arbeiterklasse vermehrt.

Aller Reichtum der Gesellschaft wird von der Arbeiterklasse erzeugt; das trifft auf Amazon zu wie auf alle Produktionsanlagen und Industriezweige der Welt. Die Sozialistische Gleichheitspartei ruft zur Verstaatlichung von Amazon und allen Großkonzernen auf. Sie fordert die Enteignung der Superreichen, Beschlagnahmung ihres Reichtums und seine Neuverteilung, um die Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft zu befriedigen.

Dazu ist ein politischer Kampf notwendig, der die Arbeiterklasse aller Nationalitäten gegen die großen Konzerne und die von ihnen kontrollierten Parteien und Regierungen zusammenschließt. Dieser Kampf muss sich auch gegen die Kriege richten, mit denen die Konzerne die Welt ausplündern. Die World Socialist Web Site ermutigt alle Amazon-Arbeiter, diesen Artikel so breit wie möglich auf den sozialen Medien zu verbreiten und Kontakt mit uns aufzunehmen, um mehr über den Kampf für Sozialismus zu erfahren.