Der Klimawandel und der Kampf gegen den Kapitalismus

15. Juli 2017

Zwei Ereignisse haben letzte Woche die Öffentlichkeit erneut auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die der Erderwärmung und dem Klimawandel innewohnen. Am Montag veröffentlichte die Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) einen Bericht, der davor warnte, dass die Aktivitäten der Menschen die „biologische Vernichtung“ und ein massenhaftes Aussterben herbeiführen. Es wäre das sechste derartige Phänomen in der Geschichte des Lebens auf der Erde.

Eine Untersuchung der historischen Daten von 200 Landtierarten ergab, dass sich die meisten von ihnen in einer Krise befinden. Fast alle haben einen beträchtlichen Teil ihres geografischen Verbreitungsgebiets verloren, bei mehr als 40 Prozent ist der Bestand um 80 Prozent oder mehr zurückgegangen. Bei Löwen, Geparden, Giraffen und zahlreichen Vogelarten war der Rückgang am größten.

Das Zweite Ereignis war, dass am Mittwoch ein Teil des Larsen C-Eisschelfs in der Antarktis abbrach und einen riesigen Eisberg bildete, der mit einer Masse von schätzungsweise einer Billion Tonnen Eis etwa zweimal soviel umfasst wie das Süßwasser im amerikanischen Lake Erie. Die Landmasse des Eisbergs ist mit 175 Kilometern Länge und einer Breite von bis zu 50 Kilometern fast sieben Mal so groß wie Berlin und mehr als eineinhalb mal so groß wie Mallorca.

Antarktis-Experten waren sich uneins, ob der Klimawandel die Hauptursache für das „Kalben“ des neuen riesigen Eisbergs ist. Solche Abspaltungen sind ein normaler Bestandteil des Lebenszyklus der gigantischen Eisdecke über dem südlichen Kontinent. Allerdings steigt die durchschnittliche Temperatur in der Antarktis bereits seit einem Vierteljahrhundert, vor allem in der Region um Larsen C.

Die bisherigen Brüche der Eisschelfe Larsen A 1995 und Larsen B 2002 haben zweifelsfrei gezeigt, dass die Erderwärmung schwerwiegende und langfristige Folgen für die Antarktis hat. Jetzt ist zu befürchten, dass der Abbruch von zwölf Prozent der Gesamtfläche von Larsen C den Zusammenbruch der gesamten Eisdecke auslösen könnte. Dies wäre ein folgenschweres geophysisches Ereignis.

Die Erosion des antarktischen Eises ist Teil eines größeren globalen Prozesses, zu dem auch das rapide Schmelzen der nördlichen Eiskappen, das Schrumpfen der Eiskappe über Grönland und der weltweite Rückgang der Gletscher aufgrund der Erderwärmung gehören.

Man sollte darauf hinweisen, dass Larsen C hauptsächlich durch satellitengestützte Instrumente aus dem Orbit untersucht wurde, die von der NASA und der Europäischen Raumfahrtbehörde platziert wurden. Das Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) auf dem NASA-Satelliten Aqua hat den Abbruch des Eisbergs als erstes enthüllt. Seine vollständige Trennung von Larsen C wurde von dem NASA-Instrument Visible Infrared Imaging Radiometer Suite (VIIRS) bestätigt, das an Bord eines Satelliten den Südpol überfliegt.

Solchen Satellitenmissionen zur Erforschung der Erde sollen nach den Haushaltsplänen der Trump-Regierung für das Jahr 2018 entweder die Mittel gekürzt oder komplett gestrichen werden. Der republikanische Senator Ted Cruz, der auch den für die NASA zuständigen Senatsausschuss anführt, hat mehrfach gefordert, die NASA solle sich auf andere Planeten im Sonnensystem konzentrieren und ihre Erforschung der Erde vermeiden. Der Grund dafür ist die Sorge, dass die Bemühungen der NASA den wissenschaftlichen Konsens untermauern würden, dass Erderwärmung und Klimawandel ernsthafte Bedrohungen sind.

Angesichts des reaktionären Starrsinns der Trump-Regierung und der republikanischen Rechten könnten Menschen, die sich ernsthaft Sorgen um die Gefahren der Erderwärmung machen, den vermeintlichen Rationalismus der Obama-Regierung, der Demokraten und ihrer europäischen Verbündeten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem günstigeren Licht sehen. Dies wäre jedoch ein katastrophaler Fehler.

Die Maßnahmen der etablierten bürgerlichen Politiker – der Demokraten in den USA, der Konservativen und der Sozialdemokraten in Europa – laufen darauf hinaus, den Gefahren der Erderwärmung Lippenbekenntnisse zu zollen, aber kaum etwas dagegen zu unternehmen. Das hochgelobte Pariser Klimaschutzabkommen, von dem sich Trump letzten Monat zurückgezogen hat, war völlig zahnlos.

Bezeichnenderweise unterstützt die globale Wirtschaftselite, deren Vorstandschefs die Hauptverantwortung für Kohlenstoffemissionen und andere Formen von Umweltverschmutzung tragen, das Pariser Klimaschutzabkommen. Weniger als 100 Konzerne verursachen zusammen zwei Drittel aller anthropogenen Kohlenstoffemissionen.

Besonders erwähnen sollte man die „grünen“ Parteien, deren Ursprünge auf die Umweltbewegungen der späten 1960er und frühen 1970er Jahre zurückgehen. Kaum waren sie irgendwo an die Macht gekommen, entpuppten sie sich auch schon als schamlose Diener des Großkapitals. Ihre Entwicklung zeigt, dass es im Rahmen des bestehenden Wirtschaftssystems unmöglich ist, etwas gegen die Umweltkrise zu unternehmen.

Die Klimakrise erfordert eine globale Anstrengung zur die Mobilisierung der wissenschaftlichen, technologischen und produktiven Ressourcen der gesamten Menschheit. Zudem müssen der CO2-“Fußabdruck“ der Gesellschaft durch die Entwicklung effizienterer Energiesysteme reduziert und Methoden entwickelt werden, um den Kohlenstoff aus der Atmosphäre (bekannt als „CO2-Abscheidung“) zu entfernen. Auf diese Weise würde der Kohlendioxidanteil wieder auf ein historisch vertretbares Maß gesenkt werden.

Im Kapitalismus stoßen diese Bestrebungen jedoch auf unüberwindbare Hindernisse: das Privateigentum an den Produktionsmitteln einer Handvoll kapitalistischer Milliardäre und Großkonzerne sowie die Aufteilung der Welt in rivalisierende kapitalistische Nationalstaaten. Dies verdeutlicht, dass es im Rahmen des Profitsystems unmöglich ist, die Umkehrung der Erderwärmung und des Klimawandels zu erreichen.

Die Klimakrise ist neben der wachsenden sozialen Ungleichheit, den Angriffen auf demokratische Rechte und der wachsenden Gefahr eines imperialistischen Weltkriegs ein weiterer Grund, warum der Kapitalismus überwunden werden und eine sozialistische Gesellschaftordnung geschaffen werden muss, in der die Produktivkräfte statt dem privaten Profitstreben den Bedürfnissen der Weltbevölkerung untergeordnet sind.

Dieselben wissenschaftlichen Fortschritte, die – in den Händen der Milliardäre – den Planeten zu zerstören drohen, können in den Händen der Arbeiterklasse, d.h. der großen Mehrheit der Menschheit das genaue Gegenteil bewirken. Sie können eine Gesellschaft ohne Armut, Krieg und soziale Ungerechtigkeit, und ohne die Gefahren durch den Klimawandel und die Erderwärmung schaffen.

Patrick Martin