Bundeswehr wirbt mit tödlichen Schüssen

Von Stefan Steele
28. Juli 2017

Am 17. Juli äußerte der Militärhistoriker Sönke Neitzel im Spiegel-Interview die Ansicht, Soldaten sollten „kämpfen und töten können“. Das ist offensichtlich auch die Leitlinie der Bundeswehr. Ihr offizieller Youtube-Kanal veröffentlichte am 19. Juli erstmals ein Werbe-Video, das die tödliche Verwendung von Schusswaffen zeigt.

Unter dem Titel „Kampfschwimmer – Der Film“ stellt es die Befreiung von drei Geiseln durch Kampfschwimmer der Bundeswehr aus einem nicht näher definierten Land dar, in dem die „örtlichen Staatsorgane ohnmächtig“ sind.

Die Kampfschwimmer infiltrieren ein Gebäude, in dem sich die Geiseln befinden, und erschießen dabei mehrere Geiselnehmer, die dem klischeehaften Bild des mit „Pali-Tuch“ vermummten Terroristen entsprechen. Ihr Tod wird zwar nicht explizit gezeigt, ein Schwenk der Kamera auf den schießenden Soldaten sowie das darauffolgende unbehelligte Durchqueren des vormals blockierten Ganges macht ihn jedoch mehr als eindeutig.

Eine ähnliche Darstellung findet sich später erneut, wenn eine kleine Gruppe von Snipern zwei Pick-ups anrückender Feinde stoppt.

Die betont „coole“ Präsentation des Einsatzes, hinterlegt mit actionlastiger Musik und durchsetzt mit Codewörtern sowie Befehle brüllenden Soldaten, ist offensichtlich der Versuch, junge Leute anzusprechen und sie für den deutschen Imperialismus in den Kampf ziehen zu lassen.

Interessant ist nun allerdings, dass das ursprüngliche Video auf Youtube nicht mehr frei verfügbar, sondern auf „nicht gelistet“ gestellt ist. Das bedeutet, es ist weder auf dem Kanal der Bundeswehr, noch über die Suchfunktion Youtubes zu finden, sondern nur über die direkte Eingabe des Links in den Browser. Außerdem sind Kommentare und Bewertungsfunktion deaktiviert. Über die Gründe dafür lässt sich nur mutmaßen. Allerdings ist es naheliegend, dass das Video nicht die erhoffte Reaktion hervorgerufen hat.

Am 26. Juli wurde auf dem offiziellen Kanal der Bundeswehr genau das selbe Video erneut hochgeladen. Diesmal unter dem Titel „Unsichtbare Helden – Die Kampfschwimmer der Bundeswehr“. Einzige Unterschiede: das Video ist eine Sekunde kürzer und es befindet sich über die komplette Laufzeit ein „eisernes Kreuz“ in der linken oberen Ecke.

Die bei diesem Video aktivierten Kommentare lesen sich in einem nahezu überzogenen Maß positiv. Die Rede ist vom „Stolz“ auf die „Helden der Bundeswehr“, vor denen man sich „Verneigen“ müsse, und einem „hollywoodähnlichen Film“, für den man nur „Respekt“ haben könne. Außerdem findet sich die Bitte nach mehr solchen Videos. Kritische Beiträge sind quasi nicht vorhanden. Es sei nun jedem selbst überlassen, seine Schlüsse daraus zu ziehen.

Doch trotz dieser Umstände sollte man die Bedeutung dieses Videos nicht unter den Tisch kehren. Die offizielle „Werbung“ mit Soldaten, die offensichtlich töten, und somit auch die explizite Anwerbung neuer Rekruten für eben diese Tätigkeit sind ein weiterer Schritt zur Rückkehr des deutschen Militarismus. Die militärische Zurückhaltung lässt sich nicht mit einer „Verteidigungsarmee“ beenden. Ohne die Geiseln hätte das Video-Szenario ebenso die gezielte Ermordung feindlicher Führungspersönlichkeiten darstellen können.

Die Aufdeckung eines rechtsextremen Terrornetzwerks um den Oberleutnant Franco A. im Frühjahr sowie die Verbindungen der „Identitären Bewegung“ in die Bundeswehr-Universitäten machen gleichzeitig deutlich, welche Elemente sich durch eine solche Armee angezogen fühlen.

Selbst die fadenscheinige oberflächliche Aufklärung dieser Entwicklungen, die Verteidigungsministerin von der Leyen angeleiert hat, stößt auf Widerstand in der herrschenden Klasse. Der eingangs erwähnte Militärhistoriker Neitzel bezeichnet die Entfernung von Wehrmachtdevotionalien aus Bundeswehrkasernen gar als „historischen Exorzismus“ und lobt den von den Nazis als Kriegsheld gefeierten Kommodore Helmut Lent als großartigen Soldaten.

Alexander Neu, Obmann der Linkspartei im Verteidigungsausschuss, sagte: „Es gibt in der Bundeswehr gewisse Tendenzen, die man als rechtsextrem oder rechtsradikal bezeichnen kann. Das gibt es in der Truppe nicht wenig, aber man darf natürlich auch nicht sagen, dass die Bundeswehr rechts ist. Das ist sie definitiv nicht.“

Wolfgang Hellmich von der SPD griff von der Leyen für ihre „hektische Reaktion“ an, und der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) hält es für „völlig unangemessen und absurd, die ganze Bundeswehr unter einen Wehrmachtsverdacht zu stellen“.

Doch trotz dieser Propaganda- und Werbekampagne fühlen sich Jugendliche nach wie vor nicht vom Militärdienst angesprochen. So beschwert sich der Journalist Thomas Wiegold jüngst auf seinem Militärblog „Augen geradeaus“ darüber, dass die militärische Stärke der Bundeswehr „wieder unter 178.000 Soldaten“ gefallen ist. Auch das Ziel von 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten ist nach wie vor nicht erreicht.

Laut einer Studie der ARD haben nur noch 49 Prozent der Deutschen großes Vertrauen in die Bundeswehr, ebenso viele haben wenig oder gar keins. Im Juli 2016 hatten noch 59 Prozent der Befragten der Bundeswehr ihr Vertrauen ausgesprochen.

In der europaweiten Studie „Generation what“ anworteten 67 Prozent der Jugendlichen auf die Frage, ob sie im Kriegsfall für ihr Land kämpfen würden mit Nein!

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