Google hat die 45 wichtigsten Suchbegriffe der WSWS blockiert

Von Andre Damon
5. August 2017

Eine sorgfältige Auswertung der Internetdaten zeigt, dass Google die Verbindungen zwischen der World Socialist Web Site und den 45 Suchbegriffen gekappt hat, die bisher die meisten Leser auf die WSWS führten. Googles physische Zensur ist so umfangreich, dass die WSWS bei 145 von 150 Suchbegriffen, die sie noch im April 2017 mit ihren Lesern verbanden, nicht mehr erscheint.

Diese Ergebnisse machen deutlich, dass der Rückgang des Google-Suchtraffic für die WSWS nicht auf technische Probleme, sondern auf eine bewusste Zensurpolitik zurückzuführen ist. Vor drei Monaten, am 25. April, gab Google seine Pläne bekannt, „autoritative Websites“ solchen mit „anstößigen“ Inhalten und „Verschwörungstheorien“ vorzuziehen. Der Rückgang der Verbindungen zur WSWS vollzog sich innerhalb dieser drei Monate.

Die Maßnahmen bewirken, dass der Suchtraffic über Google zur WSWS seit April um zwei Drittel abgenommen hat.

Die WSWS hat zehntausende von Suchbegriffen analysiert und die wichtigsten Begriffe und Worte identifiziert, die am ehesten auf der ersten oder zweiten Seite der Suchergebnisse einen Link zur WSWS erbringen müssen. Bisher gehörten zu den 45 wichtigsten Begriffen „socialism“, „Russian revolution“, „Flint Michigan“, „proletariat“ und „UAW“ (United Auto Workers). Unter den 150 wichtigsten befinden sich die Suchbegriffe „UAW contract“(UAW-Tarifvertrag), „rendition“ (Überstellung) und „Bolshevik revolution“. Mittlerweile sind alle diese Begriffe blockiert.

Im März hatte Google seinen Bewertern eine Reihe von Richtlinien vorgelegt. Im April erklärte Ben Gomes, der Vice President of Engineering des Unternehmens, Google habe seine Bewerter angewiesen, Seiten mit „Verschwörungstheorien“ oder „verstörendem“ Inhalt zu markieren, sofern „der Suchverlauf des Users nicht darauf hindeutet, dass er eine alternative Perspektive sucht“. Das passt zu den Änderungen, wie sie jetzt bei den Suchrankings von WSWS-Inhalten festgestellt wurden.

Google-User können die WSWS nur noch finden, wenn sie die Worte „World Socialist Web Site“ ausdrücklich in ihre Suchanfrage eingeben. Wenn sie nur nach Begriffen wie „Trotsky“, „Trotskyism“, „Marxism“, „Socialism“ oder „inequality“ (Ungleichheit) suchen, werden sie die Seite nicht finden.

Mehr als 90 Prozent der User der Google-Suchmaschine klicken nur Ergebnisse auf der ersten Seite an, über 99 Prozent nur die Links auf den ersten zehn Seiten. Das bedeutet, wenn ein Ergebnis nicht in den ersten 100 Ergebnissen auftaucht, ist es faktisch unerreichbar.

Die neuen Zahlen basieren auf einer detaillierten Analyse der 30.000 besten Suchbegriffe für die WSWS, die von der Suchoptimierungssoftware SEMRush zusammengestellt und mit Googles eigenen Daten und Google-Suchen verglichen wurden.

Die WSWS hat mehrfach versucht, Googles Pressestelle zu erreichen. Doch das Unternehmen will zu den Fakten, welche die WSWS mit ihrer Untersuchung aufgedeckt hat, keine Stellungnahme abgeben.

Aber die Berichterstattung der WSWS rückt die Rolle von Googles so genannten Bewertern stark ins Zentrum. Andere unabhängige Nachrichtenseiten haben die Artikel der WSWS geteilt und darauf Bezug genommen.

Am Mittwoch wurde John Mueller, ein Analyst für Webmastertrends bei Google, gefragt ob diese Bewerter „die Reputation einer Website“ beeinflussen könnten. Mueller dementierte die Frage auf eine Weise, die in Wirklichkeit einer Bestätigung gleichkommt: Das Urteil der Bewerter könne „theoretisch auch so etwas wie den allgemeinen Ruf einer Website beeinflussen“.

Damit gab er faktisch zu, dass das Heer der Zensoren bei Google die Möglichkeit hat, individuelle Seiten herabzustufen, indem sie ihre „Reputation“ schlecht bewerten.

Die Liste der Suchbegriffe, die Google blockiert, macht den Inhalt dessen deutlich, worüber die Bevölkerung nach dem Willen der Regierung und der Wirtschaftsoligarchie nichts erfahren soll.

Am stärksten werden Begriffe manipuliert, die direkt etwas mit Sozialismus zu tun haben. Bei den Begriffen „socialism vs. Capitalism“ (Sozialismus gegen Kapitalismus), „socialist healthcare” (sozialistisches Gesundheitswesen), „social class struggle“ (sozialer Klassenkampf) und „socialist party manifesto” (sozialistisches Parteiprogramm) erschienen früher auf der ersten Seite der Suchergebnisse Artikel aus der WSWS, heute erscheint sie nicht einmal mehr in den ersten 100 Ergebnissen. Bei den Begriffen „socialism“, „socialist“, „socialist movement“ (sozialistische Bewegung) und „class conflict“ (Klassenkonflikt) erschien die WSWS früher auf den ersten vier Seiten. Heute erscheinen überhaupt keine WSWS-Artikel mehr.

Im Jahr 2014 erklärte das Internationale Komitee der Vierten Internationale, es werde den Kampf gegen Krieg in den Mittelpunkt seines politischen Programms stellen. Es kündigte an, die auf die Arbeiterklasse gestützte Antikriegsbewegung wieder aufzubauen. Bezeichnenderweise erscheinen bei der Suche nach den Begriffen „anti-war literature” (Antikriegsliteratur), „articles against war” (Artikel gegen Krieg) und „war socialism” (Krieg, Sozialismus) keine WSWS-Artikel mehr, obwohl früher auf der ersten Seite der Suchergebnisse WSWS-Artikel erschienen.

Die WSWS wurde auch bei Suchanfragen auf die schwarze Liste gesetzt, bei denen es um geschichtliche Themen geht, vor allem um die revolutionären Kämpfe des zwanzigsten Jahrhunderts. Dazu gehören die Begriffe „Russian revolution“, „Bolshevik revolution“ und „October revolution“. Im April erschienen WSWS-Artikel noch in den obersten 50 Ergebnissen.

Arbeiter auf der ganzen Welt verfolgen die Enthüllungen der WSWS über die arbeiterfeindlichen Gewerkschaften. Das könnte erklären, warum auch die Suche nach „UAW“, dem Kürzel für die Autogewerkschaft United Auto Workers, unter den ersten 100 Ergebnissen keine WSWS-Artikel mehr erbringt. Auch bei über 125 Suchbegriffen mit dem Wort „strike“ (Streik) erscheinen unter den ersten 100 Ergebnissen keine WSWS-Artikel mehr.

Ein wichtiges Thema bei der Berichterstattung der WSWS sind soziale Fragen, vor allem die soziale Ungleichheit, welche die WSWS schon 1998 als bestimmenden Trend in den USA und weltweit festgestellt hat. Bezeichnenderweise erhält man mit den Suchbegriffen „social inequality in the world“ (weltweite soziale Ungleichheit), „poverty and social inequality“ (Armut und soziale Ungleichheit) und „global inequality articles” (Artikel zur globalen Ungleichheit), bei denen bisher auf den ersten Seiten WSWS-Artikel erschienen, nicht einmal unter den ersten 100 noch Artikel. Bei dem Suchbegriff „Flint Michigan“, der bisher von allen Schlüsselworten den zweitmeisten Traffic auf die WSWS gebracht hat, erscheinen in den ersten 100 Einträgen keine WSWS-Artikel mehr.

Schließlich wäre da noch der zunehmende Krieg schlechthin. Von den 30.000 Suchbegriffen, bei denen die WSWS noch im April in den obersten 100 Ergebnissen erschien, enthielten 1.100 den Begriff „war“ (Krieg). Fügt man diese selben Suchbegriffe heute ein, erscheinen bei mehr als der Hälfte, genauer bei 761, keine WSWS-Artikel mehr in den ersten zehn Seiten der Ergebnisse.

Im April erzielten folgende Suchbegriffe einen WSWS-Artikel unter den ersten fünf Ergebnissen: „nuclear war with China“ (Atomkrieg gegen China) – Ergebnis auf Platz 1, „is the US going to war with Iran“ (fangen die USA Krieg gegen Iran an?) – auf Platz 1, „China US war scenario” (Szenario eines Kriegs China, USA) – auf Platz 3 und „what would happen if a nuclear war happened” (Was würde bei einem Atomkrieg passieren?) – auf Platz 5. Alle diese Begriffe wurden gesperrt.

Weitere nennenswerte Begriffe, bei denen WSWS-Artikel früher in den ersten zehn Ergebnissen erschienen, waren: „will Russia start a nuclear war“ (Wird Russland einen Atomkrieg beginnen?) – auf Platz 6, „war against Russia“ (Krieg gegen Russland) – Platz 8 und „threat of nuclear war“ (Gefahr eines Atomkriegs) – Platz 9. Heute taucht bei ihnen in den obersten 100 Ergebnissen kein WSWS-Artikel mehr auf.

Google behauptet, die Korrekturen an seiner Suchmaschine würden die Anwendung für ihre User „verbessern“.

Aber jemand, der nach den Worten „Sozialismus“, „sozialistisch“ oder „russische Revolution“ sucht, ist offensichtlich auf der Suche nach sozialistischen Websites und einer sozialistischen Perspektive!

Googles Argument, es gehe darum, Inhalte zu markieren, die nicht dem entsprechen, „was die Leute suchen“, ist eine absurde und zynische Lüge. Für alle Suchbegriffe, die in diesem Artikel erwähnt worden sind, sind WSWS -Artikel relevant.

Google blockiert die Inhalte der WSWS genau aus dem Grund, weil „die Leute“ danach suchen. Doch Google und die Führungsetagen der Geheimdienstapparate, mit denen die Firma zusammenarbeitet, wollen nicht, dass diese Inhalte gefunden werden.

Die WSWS braucht eure Hilfe im Kampf gegen die Google-Zensur! Alleine die Zusammenstellung der Zahlen, die wir in diesem Artikel präsentiert haben, erforderten Dutzende Stunden Arbeit und beträchtliche finanzielle Mittel. Und das ist erst der Anfang. Bitte spendet noch heute!

Kämpft gegen Googles Zensur!

Google blockiert die World Socialist Web Site in Suchergebnissen.

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