US-Verteidigungsminister bereitet die Armee auf Krieg gegen Nordkorea vor

Von Peter Symonds
11. Oktober 2017

US-Verteidigungsminister James Mattis hat am 9. Oktober betont, dass die US-Armee auf einen Krieg mit Nordkorea vorbereitet sein müsse. Auf einer Veranstaltung der Association of the US Army erklärte er, die Armee müsse „sicherstellen, dass wir militärisch für alle Optionen bereit sind, die unser Präsident notfalls anordnet“.

Mattis bezog sich damit auf eine Äußerung Präsident Trumps, der am 6. Oktober bei einem Treffen mit der obersten Militär- und Geheimdienstführung (zu der auch Mattis gehört) erklärt hatte: „Ich erwarte, dass Sie auch eine breite Palette von militärischen Optionen notfalls rasch zur Verfügungen halten.“

Am Montag betonte Mattis: „Das US-Militär muss sich bereithalten.“ Den Offizieren im Publikum gab er den Rat, T.R. Fehrenbachs Buch, „This Kind of War“, zu lesen, ein Geschichtsbuch über den Koreakrieg von 1950–1953. Auf diese Weise machte er deutlich, dass das Militär in naher Zukunft in einen weiteren, verheerenden Krieg geschickt werden könnte.

Er zitierte aus Fehrenbachs Buch und gab damit einen abschreckenden Vorgeschmack darauf, was geplant ist und vom Militär erwartet wird: „Man kann immer wieder über ein Land fliegen, es bombardieren, atomisieren, pulverisieren und alles Leben vernichten. Doch wenn man es verteidigen will … dann muss man das am Boden tun, wie es die römischen Legionen getan haben: indem man junge Männer in den Schlamm schickt.“

Der Generalstabschef der Armee, Mark Milley, erklärte auf dem gleichen Treffen, das Militär sei zum Losschlagen bereit, und er warnte, die Zeit sei knapp: „Wir haben nicht unbegrenzt Zeit, und es wird eine Entscheidung fallen, das steht außer Frage.“

Wie Mattis wies auch Milley darauf hin, was bei einem Krieg gegen Nordkorea auf dem Spiel stehe: „Es gibt hier keine guten, einfachen, risikolosen Optionen. Diese Sache ist äußerst schwierig und gefährlich, und man darf sie nicht unterschätzen.“

Mattis behauptete, das Weiße Haus führe eine „hauptsächlich diplomatische, von Sanktionen unterstützte Kampagne, um Nordkorea von diesem Weg [in Richtung Krieg] abzubringen.“

Präsident Trump hat jedoch immer wieder ganz offen alle Versuche abgeblockt, Verhandlungen mit Nordkorea aufzunehmen. Erst letzte Woche erklärte er, Außenminister Rex Tillerson „verschwendet seine Zeit“, wenn er die Möglichkeit von Verhandlungen mit Pjöngjang sondiere.

Am Sonntag hatte Trump auf Twitter erklärt, bei Nordkorea „funktioniert nur eins“: Damit meinte er einen Krieg mit dem Ziel der vollständigen Vernichtung. Am Montag bekräftigte er dies: „Unser Land hat seit 25 Jahren erfolglos mit Nordkorea verhandelt, es hat dem Land Milliarden Dollar gegeben – und nichts dafür bekommen? Da hat Politik wohl nicht funktioniert, nicht wahr?“

In den amerikanischen und internationalen Medien regt sich kein Widerstand gegen Trumps grobe, ignorante und bedrohliche Äußerungen. Vielmehr machen sich die Medien einmal mehr zum Werkzeug der Kriegspropaganda, indem sie unaufhörlich gegen das Regime in Pjöngjang hetzen. Die wirkliche Gefahr für die Welt geht nicht von Nordkorea und seinem kleinen Atomarsenal aus, sondern vom US-Imperialismus. Dieser steht kurz davor, einen Krieg auszulösen, in den alle großen Atommächte hineingezogen werden könnten.

Seit 25 Jahren verhalten sich alle US-Regierungen unverhohlen feindlich gegenüber Pjöngjang. Verhandlungen haben nie in gutem Glauben stattgefunden. 1994 stand Präsident Clinton kurz davor, einen offenen Krieg gegen Nordkorea vom Zaun zu brechen. Erst im letzten Moment machte er einen Rückzieher, als ihm seine Generäle klar gemacht hatten, dass in diesem Krieg alleine in den ersten drei Monaten zehntausende US-Soldaten und fast eine halbe Million Südkoreaner sterben würden.

Die Clinton-Regierung setzte ihre Verpflichtungen aus dem hastig ausgehandelten Genfer Rahmenabkommen von 1994 nie um, und später kündigte George W. Bush das Abkommen kurz nach seinem Amtsantritt wieder auf. Bush handelte 2007 nur deshalb ein nukleares Abrüstungsabkommen mit Pjöngjang aus, weil das US-Militär mit den Kriegen in Afghanistan und dem Irak ausgelastet war. Faktisch sabotierte er jedoch dieses Abkommen, indem er einseitig ein neues und gründlicheres Inspektionsregime forderte. Obama hat nie versucht, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Trumps Erklärung, gegen Nordkorea „funktioniert nur eins“, macht deutlich, dass nur eine vollständige Kapitulation der Regierung in Pjöngjang die USA von einem Krieg abhalten wird.

Der drohende Krieg in Nordostasien mit unwägbaren Folgen führt sowohl im Weißen Haus in Washington, als auch in allen Hauptstädten der Welt zu scharfen Spannungen.

Mattis und Tillerson sorgen sich nicht nur über die Gefahr eines größeren Konflikts, sondern auch darüber, dass eine breite Antikriegsbewegung entstehen könnte. Deshalb betonen sie die Notwendigkeit, zuerst alle diplomatischen Mittel auszuschöpfen. Allerdings befürworten auch sie die „militärische Option“.

Andere Persönlichkeiten des Establishments haben ähnliche Bedenken geäußert, obwohl keiner von ihnen einen Krieg gegen Nordkorea grundsätzlich ablehnt.

Der ehemalige Nationale Geheimdienstdirektor, James Clapper, erklärte am 9. Oktober auf CNN, Trump müsse einen kühlen Kopf bewahren, da Nordkorea seine Schimpfkanonaden „leicht als Kriegserklärung oder kriegerische Handlung“ auslegen könnte. Er warnte außerdem, Trumps „kriegerische Rhetorik“ erhöhe nur das Risiko, dass aus Pjöngjang eine Reaktion darauf erfolge.

Am gleichen Tag betonte der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates auf einer Konferenz in Sydney, ein Präventivschlag der USA gegen Nordkorea wäre ein „großer Fehler“ und könnte einen verheerenden Krieg auslösen. Er fragte: „Ab wann werden diese Tweets provokant und schaffen eine Lage, in der jeder Zwischenfall zu einem viel größeren Konflikt führen kann?“

Nach Trumps provokanten Tweets forderten Russland und China alle Seiten auf, sich zu mäßigen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow rief alle Parteien auf, „sich in Zurückhaltung zu üben und alles zu vermeiden, was die Situation verschlimmern könnte“. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, bezeichnete die Lage als äußerst komplex und ernst. Obwohl beide Länder das nordkoreanische Atomprogramm ablehnen, will keines von ihnen einen Krieg vor seiner Haustür.

Gleichzeitig bereiten sich die USA und ihre Verbündeten auf den Konflikt vor. Die südkoreanische Zeitung Hankyoreh erklärte letzte Woche, die Flugzeugträgerkampfgruppe unter Führung der USS Ronald Reagan werde Mitte Oktober zusammen mit südkoreanischen Kriegsschiffen „hochintensive gemeinsame Übungen“ abhalten. Berichten zufolge schickt die australische Marine außerdem Ende des Monats zwei Fregatten nach Südkorea, um an einer einwöchigen Militärübung teilzunehmen.

In Großbritannien berichtete die Daily Mail, dass die britische Regierung an Kriegsplänen arbeite. Möglicherweise werden im Rahmen dieser Pläne der neue Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth und andere Kriegsschiffe als Unterstützung für die USA nach Nordostasien geschickt.

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