Milliardäre raffen eine weitere Billion und USA planen Abschaffung der Erbschaftssteuer

Von Andre Damon
28. Oktober 2017

Die Schweizer Bank UBS und PricewaterhouseCoopers (PwC), zwei der weltweit führenden Beratungsdienstleister für Ultrareiche, haben ihren jährlichen Bericht über die Milliardäre der Welt („Billionaire Insights“) vorgelegt. Daraus geht hervor, dass deren Gesamtvermögen im letzten Jahr um 17 Prozent zugenommen hat.

Der Höhenflug der Aktienkurse hat die Zahl der Milliardäre um 10 Prozent auf 1.542 ansteigen lassen. Ihr Vermögen stieg um fast 1 Billion Dollar auf 6 Billionen und ist damit größer als das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland oder Japan.

Die Wachstumsrate des Milliardärsvermögens war 2016 höher als die Wachstumsrate der Weltwirtschaft und mehr als doppelt so hoch wie diejenige des globalen Aktienmarkts.

Laut dem Bericht ging dieser Zuwachs in erster Linie auf Finanzspekulationen zurück: „Veränderungen auf den Finanz- und Devisenmärkten prägen das Bild von Jahr zu Jahr.“

Asien hat jetzt mehr Milliardäre als die Vereinigten Staaten. Auf China, das 2015 nur 67 Milliardäre vorweisen konnte, entfallen mittlerweile 318. Aber die USA weisen nach wie vor mit Abstand die größte Milliardärsdichte der Welt auf. Sie verzeichnen 563 Milliardäre, 25 davon sind 2016 dazugekommen. Fast die Hälfte des Vermögens aller Milliardäre der Welt, 2,8 Billionen US-Dollar, befindet sich in den USA.

Der schwindelerregenden Bereicherung der Finanzoligarchie stehen die wachsende Armut und Verelendung der breiten Masse der Bevölkerung gegenüber. Besonders deutlich zeigt sich dies in der sinkenden Lebenserwartung, für deren Ursachen ein Wissenschaftler den treffenden Ausdruck „Tod aus Verzweiflung“ prägte.

Obwohl die Vermögensberater, die den Bericht zusammenstellten, eifrig mitverdienen, schlagen sie einen besorgten Ton an.

In ängstlicher Erwartung blicken sie dem Ende des neuen „vergoldeten Zeitalters“ entgegen. „Die Zeit der Schaffung großer Vermögen dauert nun schon beinahe so lange an wie das ,Gilded Age‘, das von den meisten Historikern auf die Jahre 1870 bis 1910 datiert wird. Die heutige Periode hat unserer Meinung nach 1980 begonnen und währt seit nunmehr 35 Jahren.“ Die Schlussfolgerung: „Wir glauben, dass die Schaffung von Wohlstand in Zyklen stattfindet und dass Wachstum nicht linear, sondern eher in S-Kurven verläuft.“

Diese Analyse kommentierte Josef Stadler, der bei der UBS für die globale Vermögensverwaltung im UHNW-Segment („Ultra High Net Worth“) zuständig ist, gegenüber dem Business Insider: „Das letzte Gilded Age führte zum Sherman Act [Gesetz gegen Monopole von 1890].“ „Heute haben wir wieder den Scheitelpunkt erreicht“, so Stadler: „Was wird als Nächstes geschehen?“

Als größtes Problem bezeichnen die Autoren des Berichts die Frage, wie der von den Milliardären aufgehäufte Reichtum an die nächste Generation weitergegeben werden kann. „Das größte idiosynkratische Risiko ist die Nachfolge“, erklärte Stadler gegenüber dem Business Insider.

Mehr als zwei Drittel der amerikanischen Milliardäre, so der Bericht, haben ihr Vermögen in den Jahren seit 1980 gemacht. In dieser Zeit sind die Börsenkurse und die soziale Ungleichheit rasant gestiegen. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung durch eine Politik der Deindustrialisierung und des billigen Geldes.

Nur wenige der zehn reichsten Menschen der Welt wurden in extrem reiche Verhältnisse hineingeboren. Bill Gates, 88 Milliarden Dollar schwer und heute 62 Jahre alt, ist Sohn eines Rechtsanwalts. Der biologische Vater von Jeff Bezos betreibt in Glendale (Arizona) einen Fahrradladen. Bezos, 53, nennt heute 83,5 Milliarden Dollar sein eigen. Der Vater des spanischen Tycoons Amancio Ortega, mittlerweile der viertreichste Mann der Welt, war Eisenbahnarbeiter.

Diese Milliardäre kommen nun in die Jahre, und mehr als die Hälfte des Vermögens der Milliardäre in den USA liegt in den Händen von Menschen über 70.

Die UBS/PwC-Bericht stellt fest: „Die Personen in unserer Datenbank werden älter und reicher. Wir gehen davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren diejenigen, die 70 Jahre oder älter sind, 2,4 Milliarden Dollar vererben werden. Das sind 16 % mehr als im Vorjahr.“ Auf die Erben, heißt es, werde ein „riesiger Geldsegen“ niedergehen.

Seltsamerweise jedoch „scheint im vergangenen Jahr keine signifikante Vermögensübertragung erfolgt zu sein“, sodass sich die Frage stellt, weshalb die Milliardäre „so lange warten, bis sie das Vermögen an die nächste Generation weitergeben“.

Die Antwort wird in dem Bericht nur angedeutet. Er beklagt, dass die Planung von Vermögensübertragungen aufgrund „komplexer Steuergesetze“ immer aufwendiger werde.

Eine zentrale Komponente der Steuerpläne, die die Trump-Regierung gegenwärtig durch den Kongress zu drücken versucht, ist die effektive Abschaffung der Steuer auf testamentarisch vererbtes Vermögen, die bis zu 40 Prozent betragen kann. Die Demokraten ihrerseits haben sich wiederholt dazu bereit erklärt, bei der „Vereinfachung“ des Steuerrechts mit Trump zusammenzuarbeiten.

Dieses Vorhaben kam am Donnerstag einen Schritt voran, als das Repräsentantenhaus ein Haushaltsgesetz verabschiedete, auf dessen Grundlage Trumps Steuerkonzept im Eilverfahren durch den Kongress gepeitscht werden kann. Einige Abgeordnete fordern bereits die Verabschiedung noch vor Thanksgiving (der vierte Donnerstag im November).

Man muss kein Ökonom sein, um zu merken, dass die Milliardäre Zeit schinden in der Hoffnung, dass die Erbschaftssteuer in den USA und anderen Ländern abgeschafft wird.

Die Abschaffung der Erbschaftssteuer wäre ein großer Schritt zur Verwandlung der Vereinigten Staaten in eine Oligarchie, in der Macht und Reichtum genauso vererbt werden wie im europäischen Adel vor der bürgerlichen Revolution.

Eine solche Entwicklung – die, wie die Autoren der Studie freimütig zugeben, zur weiteren Verarmung der Masse der amerikanischen Bevölkerung führen und demokratischen Regierungsformen endgültig den Garaus machen würde – ist natürlich alles andere als unvermeidlich. Das letzte „vergoldete Zeitalter“ führte zu einer Welle von revolutionären Aufständen in der ganzen Welt, die in der Russischen Revolution von 1917 gipfelten.

Wozu wird das heutige „Gilded Age“ führen? Wenn es nach der Finanzoligarchie geht, werden sich die USA und der Rest der Welt in ein modernes Äquivalent des mittelalterlichen Europas verwandeln, in dem die Elite über Leben und Tod der arbeitenden Bevölkerung bestimmt.

Aber der Menschheit steht auch ein anderer, sozialistischer Weg offen. Anstatt zuzulassen, dass die Finanzoligarchie ihren aufgehäuften Reichtum zur Versklavung der Menschheit benutzt, kann und muss sie enteignet werden. Die Billionen Dollar in ihrem Besitz müssen dazu verwendet werden, alle gesellschaftlichen Probleme, von Arbeitslosigkeit bis hin zu Hunger und Krankheit, unter der demokratischen Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung zu lösen.

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