Trump in Asien: Am Vorabend eines Krieges

7. November 2017

Donald Trumps Verhalten in Japan, dem ersten Ziel seiner Asien-Reise, deutet stark darauf hin, dass er sich auf einen Krieg gegen Nordkorea vorbereitet.

Der US-Präsident besuchte zunächst den Luftwaffenstützpunkt Yokata bei Tokio und hielt noch vor dem Treffen mit den politischen Führern Japans eine Rede vor dem dort stationierten US-Militärpersonal. Sie sind Teil der Streitmacht, die vorbereitet wird, um Trumps Drohung wahrzumachen, Nordkorea „vollständig zu zerstören“, mit „Feuer und Wut“.

Während Sprechchöre „USA, USA“ skandierten, tauschte er die Jacke seines Anzugs gegen eine Bomberjacke der US Air Force und hielt eine nationalistische Brandrede. Er polterte, die Vereinigten Staaten besäßen „die furchterregendste Streitmacht der Weltgeschichte“.

Er fuhr fort: „Amerikas Krieger sind bereit, unsere Nation zu verteidigen und dabei die gesamte Bandbreite unserer unübertroffenen Fähigkeiten zu nutzen. Niemand - kein Diktator, kein Regime und keine Nation - sollte jemals Amerikas Entschlossenheit unterschätzen.“

Danach höhnte er wie ein Mafiaboss: „In der Vergangenheit haben sie uns immer mal wieder unterschätzt. Es war nicht angenehm für sie, oder?“ In Japan wurde dieser Kommentar allgemein als Anspielung auf den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und die Ermordung von Zehntausenden Zivilisten interpretiert.

Trump verkörpert mit seinen Äußerungen und seinem Verhalten den Niedergang des amerikanischen Imperialismus und das verbrecherische Kalkül seiner Strategen, die Zerstörung eines weiteren verarmten Landes würde die wachsenden inneren und äußeren Krisen abmildern. Unter amerikanischen Strategen wird ein Krieg gegen Nordkorea für eine Möglichkeit gehalten, den wachsenden Einfluss Chinas zurückzudrängen und zu zeigen, dass der amerikanische Kapitalismus seine Stellung als dominante Macht in der Region und der Welt nicht aufgeben wird.

In den über 25 Jahren seit der Auflösung der Sowjetunion bestand die Außenpolitik der USA aus anhaltenden Kriegen, Intrigen und Verschwörungen. Sie dienten alle dem Ziel, der Welt die Vorherrschaft Amerikas aufzuzwingen. Ganze Länder wurden verwüstet und Millionen getötet. Den schwindenden Einfluss der USA konnten sie dennoch nicht rückgängig machen. Vor diesem Hintergrund besteht kaum ein Zweifel, dass die USA bereit sind, erneut Atomwaffen einzusetzen.

Im Weißen Haus wird Krieg auch als eine Möglichkeit diskutiert, von politischen Konflikten innerhalb der amerikanischen herrschenden Klasse abzulenken und diese einzudämmen, bevor sie Trumps Präsidentschaft zerstören und die Republikanische Partei in Stücke reißen. Krieg wird als Mittel gesehen, die immensen Klassengegensätze innerhalb den USA nach außen zu projizieren und Kämpfe gegen soziale Ungleichheit und unerträglichen Lebensbedingungen der amerikanischen Bevölkerung zu verhindern.

Am 27. Oktober erhielten zwei Kongressabgeordnete einen Bericht von US-Verteidigungsminister James „Mad Dog“ Mattis, den sie zuvor angefordert hatten und der von Rear Admiral Mike Dumont verfasst wurde. Das Dokument verdeutlicht die Kriminalität und den schieren Wahnsinn dessen, was nicht nur erwogen, sondern aktiv geplant wird. So heißt es offen: „Der einzige Weg, alle Teile von Nordkoreas Atomprogramm mit hundertprozentiger Sicherheit zu lokalisieren und zu zerstören, ist ein Einmarsch mit Bodentruppen.“

Dumont stellt fest, dass eine Schätzung über die Zahl der Todesopfer „schwierig“ sei, weil ein Krieg ungeheure militärische Gewalt der USA und ihrer Verbündeten beinhalten und potenziell beide Seiten Atomwaffen einsetzen würden.

Vom Pentagon unabhängige Organisationen haben dennoch Schätzungen angefertigt. Der Forschungsdienst des Kongresses geht von 300.000 Toten allein in den ersten Tagen eines Kriegs gegen Nordkorea aus. Dies sofern keine Atomwaffen eingesetzt werden. Mindestens 25 Millionen Menschen auf beiden Seiten der Grenze, d.h. die gesamte Bevölkerung Nordkoreas und die Hälfte der Bevölkerung Südkoreas wären „betroffen“.

Im September kommentierte die World Socialist Web Site, dass die Annahme, ein Kriegsverbrechen von solch monumentalem Ausmaß würde den Status der USA verbessern, wahnsinnig sei. Wir schrieben, es würde „die USA vor der ganzen Welt zum Außenseiter stempeln. Sie wären weltweit verhasst, weil sie Verbrechen wie zuletzt von Nazi-Deutschland begangen hätten... Die politischen, wirtschaftlichen und auch moralischen Folgen eines solchen Krieges würden eine innenpolitische Krise von beispiellosem Ausmaß auslösen und den Fortbestand der USA in Frage stellen.“

Dennoch unterstützen mehrere Verbündete der USA die Kriegsvorbereitungen und stacheln Trump und die Generäle und Milliardäre in seiner Regierung an. Am Samstag bezeichnete der ultranationalistische japanische Premierminister Shinzo Abe den faschistischen Demagogen an der Spitze der US-Regierung als seinen „wunderbaren Freund“ und erklärte, das Bündnis zwischen den USA und Japan sei „unerschütterlich“. Der japanische Imperialismus nutzt die Hysterie um Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramme aus, um sich selbst wieder als Militärmacht zu etablieren.

Auch der australische Imperialismus hat seine uneingeschränkte Unterstützung erklärt. Premierminister Turnbull versprach, sein Land werde an jedem Krieg teilnehmen und schickte Kriegsschiffe zur Unterstützung der US-Armada aus drei Trägerkampfgruppen, die sich vor der koreanischen Küste sammelt.

Am Dienstag wird die herrschende Klasse Südkoreas Trump ihre Treue bekunden und ihm erlauben, im Parlament seine Drohungen zu wiederholen, Tod und Zerstörung über die Halbinsel zu bringen. Sollte es zu Kampfhandlungen kommen, wird die südkoreanische Regierung von Präsident Moon Jae-in dem Pentagon das Kommando über die 625.000 Soldaten und 3,1 Millionen Reservisten des südkoreanischen Militärs für den von Washington geplanten Einmarsch und die Besetzung des Nordens zur Verfügung stellen.

In seiner Rede vor US-Soldaten in Tokio benutzte Trump den Begriff „indopazifische Region“ und erklärte, Washington werde sich „gemeinsam mit Freunden und Verbündeten für eine freie und offene indopazifische Region einsetzen“. Die neue Bezeichnung für Ostasien soll verdeutlichen, dass Indien für die Koalition aus den USA, Japan, Südkorea und Australien gegen China gewonnen werden soll.

Das chinesische und russische Regime haben die amerikanischen Kriegsvorbereitungen größtenteils geduldet, um die Spannungen mit Washington nicht zu verschärfen. Allerdings haben sie selbst strategische Interessen auf der koreanischen Halbinsel und in Asien allgemein. Ein Angriff der USA auf Nordkorea könnte zu einer Intervention Chinas, Russlands oder beider Staaten führen und damit unmittelbar die Gefahr eines atomar geführten Weltkriegs mit sich bringen.

Der Kapitalismus und das Nationalstaatensystem drohen, die Menschheit in eine Katastrophe zu führen. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale und seine nationalen Sektionen kämpfen für den Aufbau einer internationalen Antikriegsbewegung, die sich auf die Arbeiterklasse stützt und eine sozialistische Perspektive vertritt.

Wie wir schon oft erklärt haben, treibt die unlösbare Krise des kapitalistischen Systems nicht nur die herrschenden Eliten in Richtung Weltkrieg, sondern auch die internationale Arbeiterklasse in Richtung sozialistische Revolution. Es braucht jedoch eine revolutionäre Führung, um diese Bewegung mit einem bewussten Programm und einer Strategie zu bewaffnen. Wir appellieren an alle Leser und Unterstützer der WSWS, sich dem IKVI anzuschließen und eine solche Führung aufzubauen.

James Cogan

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