Washingtons endlose Kriege verursachen gigantische Kosten

10. November 2017

Die Kriege im Irak, in Afghanistan, Pakistan und Syrien haben die amerikanische Wirtschaft in den letzten sechzehn Jahren insgesamt 5,6 Billionen Dollar gekostet. Das geht aus einer neuen Studie des Watson Institute of International and Public Affairs an der Brown University hervor, die den Titel „Costs of War“ trägt.

Diese schockierende Zahl übersteigt die Schätzung des Pentagon um das dreifache, weil sie gewaltige Kosten berücksichtigt, die das US-Militär in der Berechnung der Kosten für seine Kriege außen vor lässt. Dazu gehören medizinische Ausgaben für verwundete und körperlich behinderte Veteranen, Ausgaben des Heimatschutzministeriums in Zusammenhang mit den Kriegen und die wachsenden Kosten für Darlehen zur Finanzierung von Militäroperationen.

Die „Costs of War“-Studie berücksichtigt nicht die Kosten für US-Militäroperationen in anderen Teilen der Welt, darunter die eskalierende Intervention im Tschad, in Niger und anderen afrikanischen Staaten, die Teilnahme der USA an Saudi-Arabiens völkermörderischem Krieg gegen den Jemen, und die Einsätze von Spezialeinheiten auf praktisch allen Kontinenten.

Die Kosten der Kriege, die in der Studie zusammengefasst werden, liegen deutlich über dem jährlichen Etat des Pentagon von fast 700 Milliarden Dollar – und schon diese Summe ist deutlich höher als die Ausgaben der zehn nächstgrößten Militärmächte zusammen.

Die Autoren der Studie geben zu, dass die erstaunliche Summe von 5,6 Billionen Dollar nicht ansatzweise das ungeheure Gemetzel, die Zerstörung und das menschliche Elend berücksichtigt, die Washingtons Kriege verursachen. Sie schreiben:

„Eine vollständige Einschätzung der Lasten eines Krieges kann zudem nicht in Zahlenkolonnen in einer Aufstellung ausgedrückt werden. Von den Zivilisten, die Opfer von Gewalt werden oder flüchten müssen, über die getöteten und verwundeten Soldaten bis hin zu den Kindern, die noch Jahre später auf Straßen und Feldern spielen, die mit improvisierten Sprengsätzen und Streumunition übersät sind, können keine Zahlen die menschlichen Kosten der Kriege im Irak und in Afghanistan vermitteln. Ebenso wenig können sie darüber aussagen, wie sie sich auf die Nachbarstaaten Syrien und Pakistan ausgebreitet haben, und wie sie in Form von verwundeten Veteranen auch in den USA und bei ihren Verbündeten sichtbar werden.“

Natürlich gibt es Bilanzen und Zahlen, die von den Verantwortlichen für diese Kriege nicht niedergeschrieben werden. „Wir zählen die Toten nicht“, hat der amerikanische Befehlshaber bei den Einmärschen in Afghanistan und dem Irak, General Tommy Franks, dazu einmal erklärt.

Doch nach glaubwürdigen Schätzungen haben die Kriege der USA alleine im Irak über eine Million Todesopfer gefordert, und weitere 175.000 in Afghanistan. Viele weitere Millionen wurden verwundet oder zu obdachlosen Flüchtlingen.

Die Billionen Dollar teuren Kriege der USA im Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien und dem Jemen haben ganze Gesellschaften zerstört. Diese Zerstörungen sind zwar nicht Thema des Berichts der Brown University, doch er bietet einen nüchternen Einblick, wie viel vom gesellschaftlichen Reichtum der USA sich aufgrund des amerikanischen Militarismus buchstäblich in Rauchschwaden aufgelöst hat. Diese Mittel hätten in das Bildungs- und Gesundheitswesen investiert und dazu benutzt werden können, den Lebensstandard der Arbeiterklasse zu erhöhen.

Zu den größten langfristigen Kosten, die ebenfalls nicht in der Kosteneinschätzung des Pentagon auftauchen, gehören die Kosten in Verbindung mit den Schäden für die Menschen, die in diesen Kriegen kämpfen und mit stark unterschätzten und unterversorgten physischen und seelischen Problemen zurückkehren.

Die Studie zitiert einen Bericht des amerikanischen Kriegsveteranenministeriums vom Mai, laut dem die Zahl der Veteranen aus den Kriegen im Nahen Osten und Afghanistan, die Leistungen beanspruchen, in den letzten sieben Jahren um 215 Prozent gestiegen ist. Offiziell wurden im Irak und Afghanistan 52.000 Soldaten verwundet, mehr als 1.700 davon wurden Gliedmaßen amputiert, 6.500 erlitten „schwere durchschlagende Hirnverletzungen“. Diese Zahl unterschätzt jedoch noch deutlich das tatsächliche Ausmaß: mehr als eine Million Veteranen dieser Kriege erhalten Invalidenrenten, etwa 875.000 davon weisen einen Grad der Behinderung von über 30 Prozent auf.

Bis August dieses Jahres wurde bei sage und schreibe 327.000 dieser Veteranen eine traumatische Gehirnverletzung diagnostiziert. Bei fast einem Drittel der Heimkehrer aus diesen Kriegen wurde eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine andere Geisteskrankheit diagnostiziert.

Sowohl die Kriminalität, mit der diese Kriege begonnen und ausgefochten wurden, als auch die Art, wie sie finanziert wurden, sind Ausdruck des Finanzparasitismus und der gesellschaftlich zerstörerischen Spekulationsformen, die den amerikanischen Kapitalismus prägen.

Die 5,6 Billionen Dollar aus der Studie der Brown University entsprechen fast genau dem Schuldenstand der USA im Jahr 2001, also kurz vor Beginn von Washingtons „globalem Krieg gegen den Terror“. In den folgenden sechzehn Jahren hat sich der Schuldenstand mehr als vervierfacht, wobei die immer weiter ansteigenden Militärausgaben eine immense Rolle spielen.

Um den Widerstand der Bevölkerung gegen den US-Militarismus zu beschwichtigen, haben mehrere US-Regierungen und der Kongress davon abgesehen, die Kriege durch besondere Steuern zu finanzieren. Das Militär besteht ausschließlich aus „Freiwilligen“, die sich in Wirklichkeit größtenteils aus wirtschaftlichen Gründen melden, und es führt seine Kriege mit geliehenem Geld. Die Kosten für die Kriege tauchen nicht im Etat des Pentagon auf, sondern werden als „Notfalloperationen im Ausland“ (Overseas Contingency Operations, OCO) eingestuft und trotz der pausenlosen Kämpfe der letzten eineinhalb Jahrzehnte als unvorhersehbare Notfälle behandelt.

Auf diese Weise tauchen die Militäroperationen zwar nicht „in den Büchern“ auf, allerdings steigt die Staatsverschuldung der USA stetig, und die Arbeiterklasse wird dafür mit einem verschärften Angriff auf ihren Lebensstandard und ihre sozialen Rechte bezahlen müssen.

In der Studie heißt es dazu: „Allein die künftigen Zinskosten für Notfalloperationen im Ausland werden die Staatsverschuldung bis 2023 um mehr als eine Billion Dollar erhöhen. Bis 2056 werden sie nach einer konservativen Schätzung auf etwa acht Billionen Dollar angestiegen sein.“

Die amerikanische Oligarchie verdient an den Kriegen Milliarden. Die Studie der Brown University erschien zeitgleich mit Präsident Trumps Asienreise, während der er Nordkorea mit Krieg drohte und gleichzeitig im Auftrag der amerikanischen Rüstungskonzerne Waffengeschäfte aushandelte. In seinem Gefolge befanden sich mehr als zwei Dutzend Unternehmensvorstände, u.a. von Rüstungskonzernen wie Boeing, Bell Helicopter und Textron.

Demokratische und republikanische Präsidenten haben diese Kriege gleichermaßen begonnen und setzen sie fort. Beide Parteien im Kongress finanzieren sie auf die beschriebene Art und Weise und stimmen gleichzeitig selbst den gewaltigsten Etats für das Pentagon zu, egal wie hoch dessen Forderungen auch sind.

Gleichzeitig wird immer wieder behauptet, für das öffentliche Gesundheits- und Bildungswesen, die Infrastruktur und die Rente sei kein Geld da. Die Opfer von so genannten Naturkatastrophen wie den Hurrikans Harvey, Irma und Maria – deren Leid auf die bereits bestehenden Probleme durch Ausgabenkürzungen, Vernachlässigung der Infrastruktur und Massenarmut zurückgeht–, müssen selbst zurechtkommen. Fast 60 Prozent der 3,5 Millionen Einwohner von Puerto Rico haben noch sechs Wochen nach Hurrikan Maria keinen Strom, zwanzig Prozent von ihnen auch keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Die fast sechs Billionen Dollar, die Washington in den letzten sechzehn Jahren für Angriffskriege verschwendet hat, entsprechen in etwa dem Gesamtvermögen der Milliardäre der Welt, von denen fast die Hälfte in den USA lebt.

Die Gefahr, dass Washingtons zahlreiche Militärinterventionen zu einem mit Atomwaffen geführten Dritten Weltkrieg führen könnten, geht auf die immense Konzentration von Reichtum in den Händen einer parasitären Oligarchie zurück, die ihre Macht und ihre Privilegien durch Militarismus und zunehmende Unterdrückung der Bevölkerung verteidigt.

Als Reaktion auf diese Drohungen muss die Arbeiterklasse ihre Kraft unabhängig von den Republikanern und den Demokraten gegen das kapitalistische System und seinen Staat mobilisieren.

Sie muss die Demontage des riesigen amerikanischen Militär- und Geheimdienstapparats fordern. Die Billionen, die für Tod und Zerstörung verschwendet werden, müssen zur Erfüllung der sozialen Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung in den USA und der Welt benutzt werden. Gleichzeitig muss das Vermögen der Superreichen umverteilt werden, um die Probleme mit Wohnraum, Bildung, Gesundheitswesen und Infrastruktur zu lösen. Außerdem müssen die Banken und Konzerne in öffentliches Eigentum überführt werden, um statt dem Verlangen nach Profit die Bedürfnisse der Menschheit zu erfüllen.

Bill Van Auken

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