Fast 200 Millionen Menschen sind moderne Sklaven oder verrichten Kinderarbeit

Von Trévon Austin
21. November 2017

Laut einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) sind weltweit ca. 200 Millionen Menschen Opfer von moderner Sklaverei oder Kinderarbeit. Im Jahr 2016 mussten 40,3 Millionen Männer, Frauen und Kinder moderne Sklavenarbeit verrichten. Fast zehn Prozent der Kinder sind Opfer von Kinderarbeit, umgerechnet 151,6 Millionen.

Der Bericht definiert „moderne Sklaverei“ als „Formen von Zwang, die in internationalen Menschenrechtsübereinkünften und Arbeitsgesetzgebungen verboten sind“. Diese Definition umfasst Sklaverei, staatlich verordnete Zwangsarbeit, Zwangsheirat und Menschenhandel. 25 Prozent aller von Zwangsarbeit Betroffenen sind Kinder und 71 Prozent sind Frauen.

An jedem Tag im Jahr 2016 verrichteten schätzungsweise 16 Millionen Menschen Zwangsarbeit im privaten Sektor. Mehr als die Hälfte dieses Sektors umfasst den häuslichen Bereich, den Bausektor und das verarbeitende Gewerbe. Im Durchschnitt werden die Opfer 20,5 Monate lang festgehalten, bevor sie entkommen oder freigelassen werden.

Wie aus der Studie außerdem hervorgeht, sind 4,8 Millionen Menschen Opfer von sexueller Ausbeutung. Die große Mehrheit von ihnen sind Frauen und Mädchen. Kinder stellen 20 Prozent der Betroffenen.

Nach Regionen aufgeschlüsselt weist Afrika mit 7,6 pro 1.000 Menschen die höchste Quote moderner Sklaverei auf. In Asien und der Pazifikregion liegt die Quote bei 6,1 von 1.000 Menschen, in Europa und Zentralasien bei 3,9 von 1.000, in den arabischen Staaten bei 3,3 von 1.000 und in Nord- und Südamerika bei 1,9 von 1.000. Länder, die aktuell oder vor kurzer Zeit von Krieg verwüstet wurden, weisen eine höhere Rate an Ausbeutung auf.

In der Definition der ILO von Kinderarbeit sind diejenigen nicht enthalten, die in legalen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Die Definition, die der Bericht nutzt, umfasst Arbeit, die gefährlich ist, bei der zu viele Stunden gearbeitet werden, die die Kinder oft des Rechts auf Spiel und Ausbildung beraubt und das Kindeswohl gefährdet. Trotz der Begrenztheit der Definition gibt die Studie dennoch ein Bild von dem erschreckenden Ausmaß der weltweiten Kinderarbeit.

Laut der Studie verrichten etwas weniger als die Hälfte der Kinder in Kinderarbeit gefährliche Tätigkeiten (72,5 Millionen), die ihre Gesundheit, Sicherheit oder moralische Entwicklung gefährden. Mehr als 19 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren, 16,3 Millionen im Alter von 13 bis 14 Jahren und 37 Millionen zwischen 15 und 17 Jahren müssen solche Tätigkeiten verrichten. Die Anzahl der Stunden, die Kinder gezwungen sind zu arbeiten, ist ebenfalls entsetzlich. Durchschnittlich 63,3 Prozent der Kinder zwischen 15 und 17 Jahren, die Zwangsarbeit leisten, sind gezwungen 43 Stunden oder mehr pro Woche zu arbeiten.

Etwa ein Drittel der Kinder, die Kinderarbeit leisten, hat keinen Zugang zum Bildungssystem. Diejenigen, die zur Schule gehen, zeigen im Durchschnitt schwächere Leistungen als ihre nicht arbeitenden Mitschüler. Die Zeit und Energie, die für die Arbeit aufgewendet wird, beeinträchtigt die Möglichkeit, die Schulstunden voll zu nutzen, und verhindert das Lernen außerhalb des Klassenzimmers.

Wie auch bei der modernen Sklavenarbeit gibt es in Ländern, die von Konflikten und Katastrophen betroffen sind, einen besonders großen Anteil an Kinderarbeit. Ungefähr 17 Prozent der Kinder in Kriegsgebieten leisten Kinderarbeit, fast doppelt so viele, wie im weltweiten Durchschnitt.

Zu diesen Ländern zählt der Bericht Afghanistan, die Zentralafrikanische Republik, Kolumbien, Irak, Mali, Nigeria, die Philippinen, Südsudan, die Ukraine, den Jemen und die Demokratische Republik Kongo. Nicht berücksichtigt sind Länder wie Syrien und Libyen, weil von dort keine Schätzungen vorliegen.

In Afrika verrichten 20 Prozent der Kinder Kinderarbeit. Das macht Afrika zu der Region, in der Kinderarbeit am häufigsten vorkommt, gefolgt von Asien und der pazifischen Region. Allerdings ist Kinderarbeit nicht auf Regionen mit niedrigem Einkommen beschränkt. Tatsächlich leben mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder in Ländern mit mittlerem Einkommen im unteren und oberen Segment. 1,3 Prozent der Kinder in Ländern mit hohem Einkommen sind ebenfalls von Kinderarbeit betroffens.

Der Prozentsatz an Kindern, die Kinderarbeit verrichten, ist zwar weltweit seit 2012 leicht gesunken, in Afrika südlich der Sahara ist er jedoch gestiegen.

Die Ausbreitung der Sklaverei und der Kinderarbeit ist ein Teil der kapitalistischen Ausbeutung. Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass im Privatsektor jedes Jahr 150 Milliarden Dollar an Profiten durch Zwangsarbeit erzielt werden.

Das Problem wird in den Ländern noch verschärft, die Opfer kolonialer Ausbeutung und imperialistischer Eroberung sind. Ein Video, das diese Woche von CNN veröffentlicht wurde, zeigt Jugendliche, die in Libyen als Landarbeiter versteigert werden; ein Land, das von dem durch die USA unter Obama angezettelten Krieg völlig zerstört wurde.

Eine Untersuchung von Amnesty International aus dem Jahr 2016 hat aufgedeckt, dass in der Demokratischen Republik Kongo Kinder im Alter von nur sieben Jahren unter lebensgefährlichen Bedingungen in Kobaltminen arbeiten. Das Kobalt wird in Smartphones, Autos und Computern verarbeitet, die millionenfach auf der ganzen Welt verkauft werden. Die Minen beliefern Firmen wie Apple, Microsoft und Vodafone.

Die Vereinten Nationen und die Anführer der industrialisierten Länder haben nur unbedeutende Maßnahmen ergriffen, um das Problem der modernen Sklaverei und der Kinderarbeit zu bekämpfen. Deren Ausbreitung ist keine rechtliche Frage oder eine Frage von unterbliebenen Reformen, sondern eine Folge des Kapitalismus.

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