PSA-Konzern zerstört Arbeitsplätze mit Hilfe der Gewerkschaften

Von Alex Lantier
11. Januar 2018

Am 9. Januar bestellte der französische Autobauer PSA Peugeot-Citroën die französischen Gewerkschaftsverbände ein. Mit ihrer Hilfe will der Konzern einen massiven Arbeitsplatzabbau durchsetzen. Dieser soll hauptsächlich über Frühpensionierungen stattfinden, und dabei wird der so genannte Kollektive Aufhebungsvertrag (RCC), den Macrons Arbeitsrechtsrekrete ab Januar 2018 ermöglichen, eine entscheidende Rolle spielen.

Laut ersten Berichten sind in Frankreich 2.200 Stellen bei PSA bedroht, und weitere Stellenstreichungen sind in den Tochtergesellschaften in ganz Europa geplant. Am 8. Januar wurde bekannt, dass im Werk Ellesmere Port der britischen PSA-Tochter Vauxhall weitere 250 Stellen wegfallen sollen. Bei Opel Deutschland kündigten die Gewerkschaften und das Management am Dienstag den Beginn einer sechsmonatigen Kurzarbeit an, während PSA gleichzeitig den Abbau von etwa 4.000 Stellen vorbereitet. Bereits zuvor hatten die Gewerkschaften tausenden „freiwilligen“ Pensionierungen zugestimmt.

Im März 2017 hatte PSA Opel und Vauxhall von dem amerikanischen Autobauer General Motors für 1,9 Milliarden Euro gekauft, um einen europäischen Autokonzern aufzubauen, der es mit dem Marktführer Volkswagen aufnehmen kann.

Die Arbeiter stehen vor der Notwendigkeit, gegen die Pläne von PSA einen internationalen und politischen Kampf zu führen, denn der Konzern will das Arbeitstempo erhöhen und die Ausbeutung seiner europäischen Arbeiter deutlich verschärfen. Mit Unterstützung durch die Macron-Regierung und die EU will PSA die französischen Belegschaften umstrukturieren und ältere, besser bezahlte Vollzeitarbeiter durch junge Leiharbeiter ersetzen, die nur den Mindestlohn erhalten.

Reporter der WSWS sprachen am Dienstag mit der jungen Leiharbeiterin Sophie, die in einem PSA-Werk im Raum Paris arbeitet. Sie erklärte: „Wir bekommen 9,96 Euro pro Stunde, dabei arbeiten wir genauso lange wie die Vollzeitarbeiter. Ich arbeite von Montag bis Freitag, teilweise auch am Samstag, wenn das Werk es von mir verlangt.“

Sie kritisierte die Pläne von PSA und Macron, die Zahl der Leiharbeiter in der Autoindustrie zu erhöhen: „Es ist nicht gut. Eine Vollzeitstelle bedeutet Sicherheit. Für mich persönlich ist Leiharbeit momentan kein großes Problem, weil ich danach hoffentlich etwas anderes machen kann, aber für die Älteren, die sich nicht weiterbilden können, ist es schwer.“ Sie erklärte, das höchste, was sie bei PSA erwarten könne, sei eine längerfristige Beschäftigung als Leiharbeiterin. Dies sei jedoch aus Sicht der Personalplanung nicht möglich.

Über Macron sagte Sophie abschätzig: „An ihn verschwende ich nicht mal einen Gedanken. Bei ihm geht es nur um die Bosse und nie um die Arbeiter.“

Trotz des breiten Widerstands der Bevölkerung werden die Gewerkschaften gegen die PSA-Pläne weder in Frankreich, noch in einem andern Land, ernsthaften Widerstand organisieren.

Seit PSA im Jahr 2009 im Rahmen der Rettung der französischen Autoindustrie Milliarden Euro aus Steuergeldern erhalten hat, ist der Konzern dabei, längerfristig seine Wettbewerbsfähigkeit in den französischen Werken auf Kosten der Arbeiter zu sichern. Dazu sollen Löhne und Arbeitsbedingungen auf das Niveau in Osteuropa oder Asien gesenkt werden. Die Gewerkschaften verhandeln mit PSA innerhalb des nationalen Rahmens mit dem Ziel, die Rentabilität der französischen Werke zu sichern. Gegen die globale Strategie von PSA Widerstand zu leisten, dazu sind sie organisch unfähig.

Laut Presseberichten wird der Plan dem PSA-Betriebsrat offiziell am 19. Januar vorgelegt und soll im Februar angenommen werden. Nach den Gesprächen vom 9. Januar machten die Gewerkschaften deutlich, dass sie es PSA nicht allzu schwer machen werden, Arbeitsplätze mit Hilfe der so genannten Kollektiven Aufhebungsverträge (RCC) abzubauen. So haben mehrere Gewerkschaften bisher gegen den Sanierungsplan bestenfalls taktische Einwände erhoben.

Der Gewerkschaftsbund CFDT erklärte sich „zufrieden“ damit, dass PSA 1.300 Arbeiter und 2.200 staatlich finanzierte junge Leiharbeiter einstellen wolle. „Enttäuscht“ sei er nur darüber, dass PSA gleichzeitig nur 400 Vollzeitstellen in der Produktion schaffen wolle.

Schon in der ersten Januarwoche hatte die CFDT einen Tarifvertrag für die französische Chemieindustrie genehmigt, der dazu führen kann, dass Arbeiter weniger als den Mindestlohn erhalten. Auch dies haben Macrons Arbeitsrechtsdekrete erst möglich gemacht.

Die Gewerkschaft Force Ouvrière beklagte, Macrons RCC-Programm sollte nicht nur dazu dienen, Arbeiter zu Aufhebungsverträgen zu nötigen. Sie wies auf die mittlerweile große Zahl von Leiharbeitern in französischen Autowerken hin und forderte von PSA lediglich, siebzehn Prozent von ihnen fest einzustellen.

Die stalinistische CGT schlug einen militanten Ton an und bezeichnete den Plan als „inakzeptabel“, weil PSA über „Milliarden Euro“ verfüge. Auch wiesen CGT-Funktionäre darauf hin, dass PSA auch das Werk im Pariser Vorort Sain-Ouen schließen könnte.

Grundsätzlich unterscheidet sich die CGT jedoch nicht von den anderen Gewerkschaften, die offene Klassenkollaboration betreiben. Der CGT ist es zu verdanken, dass 2013 das PSA-Werk im Pariser Vorort Aulnay kampflos geschlossen wurde. Der CGT-Delegierte bei PSA, Jean-Pierre Mercier, ist ein führendes Mitglied der kleinbürgerlichen Partei Lutte Ouvrière. Er ist bei PSA der ranghöchste Gewerkschaftsfunktionär.

Alle Gewerkschaften sind für den Arbeitsplatzabbau und die Lohnsenkungen in der Autoindustrie mitverantwortlich. Sie haben es PSA ermöglicht, hohe Profite zu machen. Alleine letztes Jahr machte das Unternehmen nach eigenen Angaben Profite in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Da in Osteuropa und Nordafrika genug ausgebildete Autoarbeiter zur Verfügung stehen, die für 350 Euro pro Monat oder weniger arbeiten, hat die Firma in den letzten Jahren zusätzlich eine massive Arbeitsplatzabbau- und Lohnsenkungskampagne in den reichsten Staaten Europas durchgeführt.

Seit der Schließung des Werks in Aulnay im Jahr 2013 hat PSA in Frankreich 25.000 Vollzeitstellen abgebaut. Damit sind in Frankreich nur noch 33.000 Vollzeitarbeiter für PSA im Einsatz, obwohl das Unternehmen seine Produktion im Land von 860.000 auf über eine Million Fahrzeuge erhöht hat. Die zusätzlichen Milliardenprofite, die PSA damit macht, basieren auf einer drastischen Erhöhung des Arbeitstempos und der Einstellung von schlecht bezahlten Leiharbeitern.

In vielen wichtigen französischen Autowerken sind mittlerweile die allermeisten Autobauer Leiharbeiter. Die Unternehmenswebsite L’Usine Nouvelle berichtete 2016 unter Berufung auf Gewerkschaftsquellen, dass 84 Prozent der Fertigungsarbeiter im Renault-Werk in Flins und 70 Prozent der Belegschaft im PSA-Werk in Sochaux Leiharbeiter seien. Das PSA-Werk in Mulhouse, das wegen seiner weiblichen Produktionsmanagerin Corinne Spirios und der großen Zahl der Leiharbeiter allgemein als Vorbild für künftige Werke beschrieben wird, gab letztes Jahr Pläne bekannt, 800 Leiharbeiter einzustellen.

Die massiven Angriffe auf Arbeitsplätze, Löhne und Arbeitsbedingungen werden in der Arbeiterklasse in Frankreich und ganz Europa zweifellos breiten und zunehmend explosiven Widerstand auslösen. In Osteuropa kam es bereits letzten Monat zu einem wilden Streik der Ford-Arbeiter im rumänischen Craiova gegen eine Verschwörung von Gewerkschaft und Management mit dem Ziel, die Löhne zu senken. Dieser Kampf kann nur als internationaler Kampf gegen Macron und die EU auf der Grundlage einer revolutionären und sozialistischen Perspektive gewonnen werden.

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