Minderjährige bei der Bundeswehr

Von Stefan Steele
16. Januar 2018

Bei ihrer Rückkehr zu einer aggressiven Außen- und Großmachtpolitik greift die herrschende Klasse in Deutschland zu immer skrupelloseren Maßnahmen. Diese schließen nunmehr auch die massenweise Rekrutierung von Minderjährigen für den Armeedienst ein.

Während die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten bei der Bundeswehr nach wie vor stagniert und sich im vergangenen Jahr auf dem drittniedrigsten Stand seit dem Jahr 2000 Befand, hat der Anteil minderjähriger Rekruten ein Rekordhoch erreicht. Während 2011 noch 689 Minderjährige an der Waffe ausgebildet wurden, hat sich diese Zahl in den letzten sechs Jahren mehr als verdreifacht. So rekrutierte die Bundeswehr 2017 insgesamt 2128 unter 18-Jährige.

Die durchgeführten Tauglichkeitsuntersuchungen schließen dabei nicht nur 17-, sondern sogar schon 16-Jährige ein. Minderjährige nehmen zwar nicht an Auslandseinsätzen teil, werden allerdings ab dem achtzehnten Lebensjahr im Umgang mit scharfen Waffen ausgebildet und potentiell mit dem Erreichen der Volljährigkeit in Einsätze geschickt.

Diese Praxis dient der Bundesregierung auch zur Rechtfertigung gegenüber der UN-Kinderrechtskonvention, welche den Einsatz von Minderjährigen in Kampfhandlungen offiziell ächtet. Während der Wehrbeauftrage des Bundestags Hans-Peter Bartels (SPD) heuchlerisch erklärt: „Minderjährige in der Bundeswehr, das muss die Ausnahme sein“, richtet sich die Werbekampagne der deutschen Armee ganz gezielt an junge und perspektivlose Menschen.

Bereits die berüchtigte Web-Serie „Die Rekruten“, welche jungen Soldaten bei der Grundausbildung folgte, hatte eine Produktionsbudget von 1,7 Millionen Euro. Hinzu kommen tausende Plakate, diverse Auftritte auf Jobmessen, Besuche in Schulen und das massenweise Verschicken von Werbebriefen an Jugendliche kurz vor dem Erreichen der Volljährigkeit. Die dazu benötigten Daten erhält die Bundeswehr von den Ländern und Gemeinden.

Auch beim Perspektivtag für Mädchen und Jungen, dem sogenannten Girl's beziehungsweise Boy's Day tritt die Bundeswehr auf und führt den Soldatenberuf somit bereits an Schüler heran. „Welches Mädchen hat schon einmal die Möglichkeit, das Kommando über einen Panzer zu übernehmen, mit Nachtsichtgeräten zu arbeiten und komplizierte Aufgaben zu lösen [?!]“, heißt es dabei in dem Vorstellungsvideo.

Daraufhin wird im Gespräch mit der Ausbilderin versichert, dass Frauen bei der Armee gleich behandelt, respektiert und gefördert werden. Angesichts der zahlreichen Missbrauchsskandale, welche in letzter Zeit bekannt wurden und von demütigenden Aufnahmeritualen, bis hin zu mutmaßlicher Vergewaltigung reichten, darf daran berechtigter Zweifel bestehen.

Trotzdem hat sich die Anzahl minderjähriger Frauen unter den Rekruten mittlerweile verachtfacht. Während unter den jungen Soldaten im Jahr 2011 nur 57 weibliche waren, sind es mittlerweile 448.

Am 16. Oktober startete die neue Webserie „Mali“, welche deutsche Soldaten begleitet, die im Rahmen des UN-Einsatzes MINUSMA in Mali stationiert sind. Die neue Werbekampagne lässt sich die Bundeswehr 6,5 Millionen Euro Kosten, wovon ca. zwei Millionen in die Produktion der Serie fließen.

Kritik daran kam seitens der etablierten Partien, wenn überhaupt, an Budget und Aufmachungsweise der Serie. So erklärte der Grünen Politiker Tobias Lindner: „Statt verantwortlich künftige Staatsbürger in Uniform zu werben, produziert das Verteidigungsministerium für viel Geld Eigenwerbung auf dem Niveau einer Scripted-Reality-Serie, die man sonst nur von Privatsendern kennt“.

Während die Linkspartei Kritik an der Rekrutierung Minderjähriger heuchelt, unterstützt sie die Rückkehr des deutschen Militarismus, der diese Praxis einschließt, vollkommen. Erst jüngst stellte sich Dietmar Bartsch, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, hinter die außenpolitische Großmachtrede Rede Sigmar Gabriels (SPD) in der Körber Stifung und versicherte: „Also klar und deutlich: Wir unterstützen Sigmar Gabriel und würden uns wünschen, dass das schnell Regierungspolitik wird.“

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