Globale Aktienmärkte stürzen ab, Dow Jones verzeichnet größten Tagesverlust

Von Nick Beams
7. Februar 2018

Am Montag brachte ein weltweiter Abverkauf die Aktienkurse an der Wall Street zum Absturz. Der Dow Jones sank bis zum Ende des Börsentages nach starken Schwankungen um 1.175 Punkte und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

Zusammen mit dem Rückgang am letzten Freitag ist der Dow Jones in zwei Tagen um mehr als 1.800 Punkte gesunken. Dieser Rückgang machte alle Kursgewinne zunichte, die der Index seit Beginn des Jahres verzeichnet hatte.

Besonders bemerkenswert war die Geschwindigkeit des Kursverlustes am Montag. Um kurz nach 17 Uhr fiel der Dow Jones aufgrund einer „Lawine“ von Abverkäufen innerhalb von nur elf Minuten von minus 700 auf minus 1.600 Punkte, bevor er sich wieder etwas erholte. Allerdings gingen die Verkäufe weiter und der Index verzeichnete einen Tagesverlust von 4,6 Prozent.

Auch andere Indizes verzeichneten so starke Verluste wie zuletzt 2011. Der S&P 500 sank um 4,1 Prozent, der Nasdaq um 3,78 Prozent und der Russell 2000 um 3,63 Prozent. Die Aktienkurse von Technologiekonzernen gaben stark nach, u.a. büßten die Aktien von Apple und dem Google-Mutterkonzern Alphabet mehr als zehn Prozent an Wert ein.

Der allgemeine S&P 500-Aktienindex meldete Verluste in allen Bereichen. Die Kurse für Finanzunternehmen sanken um 4,7 Prozent, die Kurse der Gesundheitsbranche um 4,6 Prozent, Industrieaktien um 4,5 Prozent und die Energiebranche um 4,3 Prozent.

Die Marktturbulenzen äußerten sich im rapiden Anstieg des „Vix“ oder Volatilitätsindex, der mit 117 Prozent an einem Tag seinen größten Anstieg verzeichnete. Diese Situation ist deutlich verschieden zu der im vergangenen Jahr, als der Vix seine bisher niedrigste Jahresdurchschnittsrate verzeichnet hatte.

Das Wall Street Journal berichtete über den Kursrückgang, die Händler hätten „ein Gefühl zunehmender Besorgnis beschrieben“, als der Dow um 1.600 Punkte gesunken war. Die Zeitung zititert einen Investmentmanager: „Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass es fast wie ein Panikverkauf wirkte.“ Auf dem Parkett der New Yorker Börse sei es turbulent zugegangen.

Der rapide Absturz löste Spekulationen aus, er könnte das Ergebnis eines „Flash Crash“ sein, d.h. eines plötzlichen Rückgangs aufgrund eines Fat-Finger-Fehlers oder einer Fehlfunktion. Allerdings scheint nichts derartiges passiert zu sein. Der Rückgang wurde durch große computergesteuerte Geschäfte ausgelöst.

Vor dem Kurssturz an der Wall Street hatten auch die globalen Aktienmärkte schon deutliche Verluste gemeldet aufgrund des Absturzes der amerikanischen Märkte am letzten Freitag. Die Kurse an der Hongkonger Börse sanken zeitweise um 2,7 Prozent, der japanische Topix gab um 2,2 Prozent nach.

Auch in Europa sanken die Kurse zu Beginn des Handelstages. Der Londoner FTSE-Index sank um 1,5 Prozent, der Stoxx Europe 600 um 1,6 Prozent. Der Dax stürzte zum Start am Dienstag um 3,6 Prozent.

Marktanalysten und Kommentatoren waren sich uneins über die Gründe für den Abverkauf. Einige bezeichneten ihn als notwendige Korrektur und behaupteten, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien weiterhin gut und die Aussichten auf ein höheres Wachstum hätten sich verbessert. Andere wiesen auf die Versuche der Zentralbanken hin, die quantitative Lockerung zurückzufahren und die Niedrigzinspolitik zu beenden, die eine so wichtige Rolle bei dem Marktaufschwung seit der Finanzkrise von 2008 gespielt hat.

Während die kurzfristige Marktentwicklung kaum vorhersehbar ist, sind doch gleichzeitig unübersehbar beträchtliche Veränderungen im Gange. Der Abverkauf, der am Freitag begann, wurde durch die Meldung ausgelöst, dass die Löhne in den USA im letzten Jahr mit durchschnittlich 2,9 Prozent so stark gestiegen sind wie zuletzt 2009. Die Zinsen für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, die als Benchmark gelten, stiegen daraufhin um 2,85 Prozent, was wiederum Befürchtungen nährte, der Satz werde den kritischen Wert von drei Prozent überschreiten.

Die Lohnerhöhung ist zwar relativ gering und liegt zwar nur knapp über der Markterwartung von 2,7 Prozent. Wichtig ist jedoch, was sie bedeutet. Die Märkte fürchten vor allem ein Wiederaufleben von Kämpfen der Arbeiterklasse in den USA und der Welt für höhere Löhne, für die sich die Anzeichen mehren. Dies würde das Ende eines zentralen Aspekts der amerikanischen Geldpolitik seit dem Börsencrash im Oktober 1987 bedeuten.

Damals kündigte der künftige Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve Alan Greenspan an, er werde die Geldhähne der Zentralbank aufdrehen, um die Märkte flüssig zu halten. Seither wurde in jeder Periode der Marktturbulenzen die „Greenspan-Option“ gezogen.

Doch wenn die Arbeiterklasse versucht, die ständigen Lohnsenkungen der letzten vier Jahrzehnte rückgängig zu machen, muss die Fed diese Politik möglicherweise aufgeben und die Zinssätze erhöhen, um eine solche Offensive abzuwehren.

Der Leitzins der Fed ist zwar mit zwischen 1,25 und 1,5 Prozent noch immer relativ niedrig, doch die Entwicklung des Anleihenmarkts zu einem Leitzins von drei Prozent wird mit Beklommenheit beobachtet, da sie schwere Folgen für amerikanische Firmen mit sich bringt und weltweit spürbare Auswirkungen haben wird.

Laut den Ergebnissen einer Studie der Londoner Longview Economics, die in der Financial Times zitiert wurden, hätte ein schneller Anstieg der Zinsen auf dem US-Anleihenmarkt über drei Prozent weitreichende Folgen, da etwa zwölf Prozent der amerikanischen Unternehmen „Zombies“ sind. Das bedeutet, ihre Gewinne decken die Zinszahlungen für ihre Verbindlichkeiten nicht. Sie sind so vom ständigen Zugang zu ultrabilligem Geld abhängig, dass ein plötzlicher Anstieg der Zinssätze sie in die Insolvenz treiben würde.

Laut einem Bericht von CNBC über Studien der Investmentbank Merrill Lynch ist die Situation in Europa ähnlich: Auch hier sind eine beträchtliche Anzahl von „Zombie“-Firmen von billigen Krediten abhängig. Die Bank kommt in ihrem Bericht zu dem Ergebnis, dass neun Prozent der europäischen Unternehmen „Zombies“ sind mit „sehr schwacher Fähigkeit sind, ihre Zinsen zu begleichen“. Vor dem Crash von 2008 waren es nur sechs Prozent, Ende 2013 nur fünf Prozent.

In dem Bericht hieß es: „Die umfangreiche finanzielle Unterstützung, die es in Europa in den letzten fünf Jahren gab, hat es Unternehmen mit schwacher Rentabilität ermöglicht, ihre Schulden zu refinanzieren und Insolvenzen abzuwenden.“

Unabhängig von der unmittelbaren Zukunft der Märkte hatte der Abverkauf bereits politische Auswirkungen auf die Trump-Regierung, die immer tiefer in die Krise gerät. Noch vor zehn Tagen hatte Trump beim Treffen der globalen Eliten im Schweizerischen Davos erklärt, der Anstieg der Aktienkurse „knackt einen Rekord nach dem anderen“ und dies als Beweis für seine großartige Wirtschaftspolitik dargestellt.

Am Montagnachmittag sprach er in einer Rede in einem Produktionsunternehmen aus dem Raum Cincinnati von einer „Flutwelle von guten Nachrichten“. Bei den Fernsehberichten über diese Rede erschien bereits über den Ticker die Meldung, dass der Dow Jones um 1.600 Punkte gesunken ist.

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