USA: Wachsende Proteste und Streiks von Schülern gegen Schulmassaker

Von Kate Randall
22. Februar 2018

Nach dem Schulmassaker in Parkland weiten sich Proteste und Streiks von High-School-Schülern immer weiter aus. Am 14. Februar waren bei einem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, 17 Menschen getötet worden. Am Dienstag reisten die Schüler der Douglas High School hunderte Kilometer weit in die Hauptstadt Floridas, Tallahassee, um ihre Wut zum Ausdruck zu bringen und ein Verbot von Sturmgewehren zu fordern. An mehreren anderen Schulen verließen die Kinder aus Solidarität den Unterricht und riefen „Stoppt die Waffengewalt!“

Viele Schüler der McArthur High School in Hollywood, Florida, verließen die Schule noch vor Mittag, Hunderte stürmten direkt nach der Mittagszeit aus der West Boca Raton High School und marschierten die 1,6 km zur Douglas High in Parkland.

Die Schüler der Douglas High School hielten am Mittwoch eine Kundgebung vor dem Regierungssitz in Florida ab und trafen mit Regierungsvertretern zusammen, darunter auch Senatspräsident Joe Negron. Negron hatte 2011 eine Gesetzesvorlage unterstützt, die es Städten und Bezirken untersagt, den Verkauf von Gewehren und Munition zu reglementieren. Der republikanische Gouverneur Rick Scott hatte das Gesetz unterzeichnet. Während die Schüler von der Tribüne zuschauten, weigerte sich der Gouverneur von Florida, über eine Gesetzesvorlage zum Verbot von Sturmgewehren zu beraten.

Auch in anderen Teilen des Landes gab es Proteste von High-School-Schülern. Am Montag demonstrierten Schüler aus Washington D.C. vor dem Weißen Haus. Sie forderten von den Abgeordneten, die Waffengesetze zu reformieren. Mehr als 100 Jugendliche und ihre Unterstützer veranstalteten einen „Lie in“ vor dem Sitz des Präsidenten.

Schüler der Cary High School in North Carolina und in Los Angeles bestreikten ebenfalls den Unterricht. In Los Angeles versammelten sich am Montag ca. 500 Menschen in einem Park der Innenstadt, um gegen die vielen Schießereien an Schulen und die Untätigkeit der Regierung zu demonstrieren.

Der 19-jährige Schütze Nicholas Cruz hatte am letzten Mittwoch mit einem halbautomatischen Gewehr 14 Schüler der Douglas High im Alter von 14 bis 18 sowie drei Trainer erschossen, von denen einer auch Lehrer war. Schüler, Lehrer und Eltern nahmen am Dienstag an der Beerdigung von vier weiteren Opfern teil: Cara Loughran, Carmen Schentrup, Gina Montalto und Peter Wang.

Seit dem Massaker sind Informationen bekannt geworden, die die schweren, langjährigen psychischen und emotionalen Probleme von Cruz belegen, für die er keine medizinische oder soziale Unterstützung erhielt.

Nach dem Horror des Parkland-Massakers, dem 17. Amoklauf an einer Schule in diesem Jahr, suchen die Schüler nach einem politischen Weg, um gegen diese Form der Gewalt vorzugehen, die den sozialen Niedergang in Amerika so krass zum Ausdruck bringt. Laut der Gruppe Everytown for Gun Safety gab es in diesem Jahr im Durchschnitt alle 63 Stunden eine Schießerei an einer Schule. Das ist mehr als das Doppelte als in den letzten drei Jahren.

Die Washington Post veröffentlichte am Dienstag eine Übersicht, die zeigt, dass seit dem Columbine-Massaker von 1999 insgesamt 150.000 Schüler an Grund- und weiterführenden Schulen eine Schießerei an ihrer Schule miterlebt haben und 400 getötet wurden.

Die protestierenden Schüler nahmen Lokalpolitiker, den US-Kongress und Präsident Trump ins Visier. Die Gruppe March For Our Lives hat für den 24. März zu einem Marsch auf Washington und zu Demonstrationen in Städten überall in den USA aufgerufen. In ihrer Grundsatzerklärung verkündet die Gruppe: „March For Our Lives wird von Schülern überall im Land gegründet, inspiriert und geführt, die ihr Leben nicht länger riskieren wollen. Wir können nicht länger darauf warten, dass jemand anderes etwas unternimmt, um die Welle von Schulmassakern zu stoppen, die nur allzu alltäglich geworden sind.“

Die protestierenden Schüler repräsentieren eine Generation, die meist nach Columbine geboren wurde und nichts kennt als ständige Kriege, die Verherrlichung des Militärs, Polizeibrutalität und Morde, Massaker, wachsende Ungleichheit, Armut und wirtschaftliche Unsicherheit sowie die Rauschgift-Epidemie – alles Ausdrucksformen der tödlichen Krise des amerikanischen Kapitalismus.

Diese Bedingungen wurden durch die reaktionäre, militaristische Politik beider großer Parteien des Kapitals geschaffen – unter den Regierungen der Demokraten nicht weniger als unter denen der Republikaner. Nach der Schießerei von Parkland, wie bei jedem vorherigen Amoklauf, versuchen das gesamte politische Establishment und die Medien die Wurzeln dieser Tragödien zu vertuschen, die in einem gesellschaftlichen System liegen, das von einer oligarchischen Elite sowie dem Militär und den Geheimdiensten beherrscht wird.

Die Demokraten versuchen wieder einmal die Diskussion auf die Frage der Kontrolle von Schusswaffen zu begrenzen, was sie zu ihrem eigenen Vorteil bei den Wahlen benutzen wollen. Gleichzeitig drängen sie – womöglich noch lautstärker als Trump und die Republikaner – auf einen Krieg gegen Russland und mehr militärische Gewalt im Nahen Osten. Im Innern treiben sie Sparmaßnahmen, Zensur und Unterdrückung voran.

Die Schüler dürfen nicht zulassen, dass ihre Proteste gegen die rechte Trump-Regierung hinter die Demokratische Partei und deren eigene rechte Agenda und Kampagne zu den Zwischenwahlen von 2018 kanalisiert werden. Der einzige Weg vorwärts besteht darin, sich der arbeitenden Bevölkerung zuzuwenden, die anfängt gegen die herrschende Klasse und ihre beiden Parteien zu kämpfen.

Die World Socialist Web Site hat mit Schülern in New York City und Minnesota über die Welle von Schießereien an Schulen und die Proteste gegen die Tragödie von Parkland gesprochen. Eoin in New York erklärte: „Über die Schießerei in Parkland wurde an meiner Schule gesprochen. Es wurde viel über Sicherheit geredet, für den Fall, dass da jemand hereinkommt. Man kümmert sich aber nicht darum, warum die Menschen so was tun. Es wird jetzt viel über Sicherheit und Waffengesetze diskutiert. Der Schwerpunkt sollte auf präventiven Maßnahmen liegen, um diesen psychisch gestörten Schülern zu helfen.

Ich glaube nicht, dass es etwas nützt, wenn die Polizei und das Militär in die Schulen stürmen. Das erzeugt den Eindruck, man könne Feuer einfach mit Feuer bekämpfen. Die Kinder wachsen auf und sehen die ganze Zeit das Militär im Fernsehen. Sie sehen, dass die Dinge mit Waffen geregelt werden, und deshalb denken sie, auch ihre Probleme können so gelöst werden.“

Jie, ein Schüler an der John Dewey High School in Brooklyn, erklärte: „Die Verherrlichung von Gewalt ist Teil des Nationalismus. In den Filmen liegt der Fokus jetzt oft auf Gewalt, und das ist ein Thema, das spaltet. Ich denke, es ist das gesellschaftliche System, das die Menschen dazu bringt feindselig zu sein und die anderen als Feinde zu sehen.“

Shea, eine Schülerin an der Assa High School in Minnesota, erklärte: „Die Schüler haben sehr viel darüber diskutiert, und es ist beängstigend. Die meisten Schüler haben schon zuvor darüber nachgedacht, was wir machen würden, wenn hier etwas Ähnliches passiert. Das ist wie eine Infektion, und die Schießereien sind wie ein platzendes Geschwür. Das ist ein Symptom, aber nicht der Ursprung des Problems. Ich denke, strengere Waffengesetze wären ein guter Anfang. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das irgendetwas lösen wird.“

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