Leipzig: 250 Zuhörer beim Vortrag über den „Marxismus der Oktoberrevolution“

Von unseren Reportern
19. März 2018

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse stellte der Mehring Verlag am Freitag auf zwei Veranstaltungen das zweibändige Buch „Warum die Russische Revolution studieren“ vor. Am Nachmittag sprachen David North und Peter Schwarz im Sachbuchforum der Messe zu der Neuerscheinung. Am Abend fand im Rahmen von „Leipzig liest“ eine Großveranstaltung an der Universität Leipzig statt.

David North spricht an der Universität Leipzig

Beide Veranstaltungen trafen auf reges und ernsthaftes Interesse. An der Universität verfolgten etwa 250 Zuhörer den Vortrag von David North zum Thema „Lenin, Trotzki und der Marxismus der Oktoberrevolution“ und die anschließende Diskussion darüber.

„Es gibt wohl kaum jemand anderes, der mit einer solchen Autorität zu diesem Thema sprechen kann“, erklärte Christoph Vandreier vom Mehring Verlag einleitend. North ist seit Jahrzehnten in eine führender Stellung in der internationalen sozialistischen Bewegung tätig. Er ist Vorsitzender der trotzkistischen Partei der USA, der Socialist Equality Party (SEP), und seit ihrer Gründung vor 20 Jahren der Chefredakteur der World Socialist Web Site.

Christoph Vandreier leitet die Veranstaltung an der Universität Leipzig ein

David North begann seinen Vortrag, den wir morgen im Wortlaut veröffentlichen werden, mit der Feststellung, dass die Oktoberrevolution den Marxismus bestätigt habe. Sie habe den „Zusammenhang zwischen der Philosophie des wissenschaftlichen Materialismus und der revolutionären Praxis sowohl bewiesen als auch auf eine neue Stufe gehoben“, zitierte North aus dem vorgestellten Buch.

Er ging dann ausführlich auf die philosophischen Grundlagen des Marxismus ein, wie sie von Karl Marx und Friedrich Engels entwickelt wurden. Er zeigte, dass revolutionäre Politik nur auf der Grundlage einer korrekten Einschätzung der objektiven Realität, gestützt auf die materialistische Geschichtsauffassung möglich sei

Marx Analyse werde durch die rasant wachsende soziale Ungleichheit und die enorme Kriegsgefahr täglich bestätigt, so North. „Doch mitten in dieser globalen Krise verkünden die geistigen Vertreter der kleinbürgerlichen Pseudolinken, die in der akademischen Welt führende Positionen innehaben, den Tod des Marxismus.“

Schon die Studentenbewegung von 1968 sei von den antimarxistischen Theorien der Frankfurter Schule und ähnlicher Tendenzen geprägt gewesen, erklärte North. „Das wesentliche Element des historischen Pessimismus und der Skepsis der Frankfurter Schule war ihre Ablehnung der klassischen marxistischen Konzeption, dass im Kampf gegen den Kapitalismus die entscheidende revolutionäre Rolle der Arbeiterklasse zukommt.“

Die Oktoberrevolution sei nur möglich gewesen, weil Lenin und Trotzki solche idealistischen Positionen in ihrer Zeit vehement bekämpft hätten, so North. In seinem Werk „Materialismus und Empiriokritizismus“ habe Lenin dargelegt, „dass die Arbeiterklasse die Gesetze der historischen und gesellschaftlichen Entwicklung verstehen muss und in der Lage sein muss, objektive Entwicklungen richtig einzuschätzen, um einen revolutionären Kampf gegen den Kapitalismus führen und die Welt verändern zu können“. Das sei die Grundlage der Revolution gewesen.

Der Vortrag wurde mit starkem Applaus bedacht, und es gab sofort zahlreiche Meldungen im Publikum. Die Fragen reichten von der Bedeutung einer marxistischen Analyse für eine revolutionäre Bewegung über die Situation in Venezuela bis zu den imperialistischen Interventionen in Syrien und im Iran.

Besonders starke Zustimmung bekam North Antwort auf eine Zuhörerin, die eine militärische Intervention der USA in Syrien befürwortete. North erklärte, dass die USA für den Bürgerkrieg verantwortlich seien und islamistische Milizen aufgebaut und finanziert hätten. Die USA seien im Nahen Osten für gewaltige Kriegsverbrechen verantwortlich. Der Kampf gegen Krieg bedeute deshalb den Kampf gegen den amerikanischen und auch den deutschen Imperialismus, so North unter Beifall.

Diskussionen am Büchertisch

Die Diskussion wurde noch lange nach der Veranstaltung am Büchertisch und in den Gängen fortgesetzt. „Mich hat besonders fasziniert, was David North für ein historisches Bewusstsein hat, und wie er die Klassenwidersprüche herausarbeitet“, sagt etwa Alexej, der in Leipzig Philosophie studiert. „Der Vortrag hat einige philosophische Fragen geklärt“, findet Isabell, die gerade der Leipziger IYSSE beigetreten ist. „Auch wenn die Ausführungen nicht ganz einfach waren und man die Fragen weiter studieren muss.“

Dutzende Teilnehmer hinterließen ihre Kontaktinformationen, um zu weiteren Veranstaltungen eingeladen oder Mitglied der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) zu werden, die den Mehring Verlag bei der Vorbereitung der Veranstaltung unterstützt hatten. Allein von dem vorgestellten Buch wurden 20 Exemplare verkauft.

Auf der Buchmesse stieß „Warum die Russische Revolution studieren“ ebenfalls auf großes Interesse. Rund 80 Zuhörer folgten der Buchvorstellung. David North betonte, dass nur das Internationale Komitee der Vierten Internationale am hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution deren revolutionäre, marxistische Perspektive verteidigt und ihre Bedeutung für die heutige Zeit herausgearbeitet hat.

David North und Peter Schwarz sprechen auf der Buchmesse

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