Die Wahrheit über die Cambridge Analytica-SCL

Psychologische Operationen des britischen und amerikanischen „Staates im Staat“

Von Julie Hyland
28. März 2018

Der Skandal um die Beziehungen von Facebook zu Cambridge Analytica, dem Datenanalyse-Unternehmen, das mit dem ehemaligen Vorsitzenden von Trumps Wahlkampfteam Steve Bannon in Verbindung gebracht wird, beherrscht die Medien in den USA und Großbritannien.

Die ernsten datenschutzrechtlichen Bedenken in Bezug auf das Abschöpfen von persönlichen Daten von etwa 50 Millionen Facebook-Usern wurden von dem britischen Fernsehkanal Channel 4 News aufgebracht. Ein verdecktes Ermittlungsteam filmte den Geschäftsführer von Cambridge Analytica Alexander Nix, wie er sich mit unsauberen Operationen brüstet, um Politiker zu gewinnen und Wahlen zu beeinflussen.

Die Enthüllungen werden dazu benutzt, hysterische Behauptungen über eine „russische Einmischung“ zu verbreiten. Doch eine genauere Untersuchung zeigt, dass die eigentliche Gefahr für demokratische Rechte von Operationen zur subtilen Einflussnahmen ausgeht, für die Elemente des britischen und US-amerikanischen Staates im Staat verantwortlich sind.

Die Muttergesellschaft von Cambridge Analytica ist die in Großbritannien beheimatete Firma SCL. Sie war früher unter dem Namen Strategic Communication Laboratories bekannt, und ist eine private Firma für Verhaltensforschung und strategische Kommunikation. Sie wurde 1993 von Nigel Oakes gegründet. Oakes ist der Sohn von Major John Waddington Oakes und ein ehemaliger Freund von Lady Helen Windsor. Er war früher Angestellter bei der von Margaret Thatcher bevorzugten Werbeagentur Saatchi & Saatchi, bevor er SCL gründete.

Ähnlich wie Oakes sind die Vorstandsmitglieder von SCL Sprösslinge aus der britischen herrschenden Klasse, von ehemaligen militärischen Führungskräften und Militärausrüstern bis zu Sponsoren der konservativen Partei.

Lord Ivar Mountbatten, Cousin dritten Grades von Königin Elisabeth, sitzt im Aufsichtsrat, und CEO Roger Gabb ist ein millionenschwerer Weinhändler, ehemaliger britischer Offizier der Spezialeinheiten und wichtiger Geldgeber der Tory Party. SCL-Präsident Sir Geoffrey Pattie war Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium der Regierung Thatcher. SCL-Vorstandsvorsitzender ist der Risikokapitalgeber Julian Wheatland, der auch Vorsitzender der Oxfordshire Conservatives Association ist. Der ehemalige Schatzmeister der konservativen Partei, Jonathan Marland, Handelsbeauftragter unter Premierminister David Cameron, gehört zu den Aktionären.

Andere, die mit der SCL in Verbindung standen oder stehen, sind der Immobilienmilliardär und Sponsor der Tory Party Vincent Tchenguiz, Sir James Allen Mitchell, seit 1985 geheimer Kronrat, Konteradmiral John Tolhurst, früher stellvertretender Direktor für Seekriegsführung im Verteidigungsministerium und Adjutant der Königin und Gavin McNicoll, der Gründer der Firma Eden Intelligence, die Projekte für die britische Regierung durchgeführt hat.

SCL brüstet sich damit „Daten, Analysen und Strategien für Regierungen und militärische Einrichtungen weltweit“ zur Verfügung zu stellen, insbesondere für das britische Verteidigungsministerium, das Außenministerium der USA und für die Nato. Die Firma erklärt, sie habe in mehr als 60 Ländern „Verhaltensänderungsprogramme“ durchgeführt. Einer ihrer ersten Aufträge im Jahr 1999 war die Werbung für den indonesischen Präsidenten Abdurrahman Wahid. Sie hat unter anderem an der Beeinflussung von Wahlen in Afghanistan, Lettland, der Ukraine, Nigeria und Kenia mitgearbeitet.

Cambridge Analytica wurde 2012 von SCL gegründet, um ihre Geschäftstätigkeit auf die USA auszudehnen. In Kooperation mit dem Hedge-Fonds-Milliardär Robert Mercer gehörten dazu auch die republikanischen Vorwahlen für die Wahlen von 2016. Damals war sie erst für Ted Cruz und dann für Donald Trump tätig.

Das ist alles nichts Neues. Ähnliche Aktionen, die vom politischen und militärischen Establishment in Großbritannien und den USA angestiftet und unterstützt werden, kennt man seit Jahren.

Laut Liam O’Hare vom Online-Magazin Bella Caledonia ist SCL 2005 auf einer DSEI-Konferenz, einer Messe für Rüstungsgüter in London, an die Öffentlichkeit gegangen. Sie hat dort Werbung für sich gemacht als erstes privates Unternehmen, das dem britischen Militär Dienstleistungen für die psychologische Kriegsführung zur Verfügung.

„Ihre ,harte Verkaufsstrategie‘ war eine Demonstration, wie eine ausgefeilte Medienkampagne der britische Regierung aussehen müsste, um dem britischen Volk weiszumachen, es habe einen Unfall in einer chemischen Fabrik gegeben, der das Zentrum von London bedrohe.“

Dies ist umso erschreckender in Anbetracht der jüngsten Ereignisse in Salisbury. Dort wird der mutmaßliche Mordanschlag auf Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter Julia, die Opfer eines immer noch unbekannten Nervengiftes sind, von der Regierung benutzt, um Provokationen gegen Russland in Gang zu setzen.

Eine Anfrage auf der Grundlage des Gesetzes zur Informationsfreiheit vom August 2016 zeigte, dass das Verteidigungsministerium im Jahr 2010/11 einen 40.000-Pfund-Vertrag mit SCL über „die „Durchführung externer Schulungen“ abgeschlossen hat und das Unternehmen 2014/15 für die „Beschaffung von Zielgruppenanalysen“ 150.000 Pfund bekam.

„Außerdem besitzt SCL eine Sicherheitsfreigabe als ,Liste X‘-Dienstleister für das Verteidigungsministerium. Ein Liste-X-Dienstleister ist eine gewerbliche Niederlassung auf britischem Boden, die die Genehmigung hat, Informationen der britischen Regierung zu bekommen, die als ,vertraulich’ und höher eingestuft werden. Das heißt, im Grunde hat SCL die Genehmigung bekommen, auf Geheimnisse der britischen Regierung zuzugreifen.“

Enthüllungen über die Verbindungen zwischen dem britischen Militär und SCL haben Premierministerin Theresa May gezwungen, am Mittwoch im Parlament zu erklären: „Soweit ich weiß, hat die Regierung keine laufenden Verträge mit Cambridge Analytica oder mit der SCL-Gruppe.“

Ein Pressesprecher räumte ein, dass die Regierung zuvor drei Verträge mit der SCL-Gruppe hatte, diese seien jedoch beendet.

Laut Guardian haben „Vertreter des Verteidigungsministeriums zusammen mit der SCL-Gruppe 2014 an dem ,Projekt Duco‘ gearbeitet, um zu analysieren, wie die Menschen auf bestimmte Nachrichten der Regierung reagieren“.

Das Projekt wurde vom Defence Science and Technology Laboratory (DSTL) des Verteidigungsministeriums durchgeführt, das sich schwerpunktmäßig damit beschäftigt, den „Einfluss von Wissenschaft und Technik auf die Verteidigung und die Sicherheit Großbritanniens“ zu maximieren.

Das Projekt Duco war Teil der Studie „menschliche und soziale Einflussnahme“ der Regierung. SCL erhielt dafür 150.000 Pfund. Sie untersuchte, wie eine Zielgruppenanalyse zur „strategischen Kommunikation der Regierung beitragen“ könnte.

Der Guardian stand an der Spitze der Kampagne gegen russische Fake News in Großbritannien. Die Zeitung sieht sich jedoch gezwungen zuzugeben, dass die Arbeit der SCL am Projekt Duco und die „Liste X“-Einstufung „wahrscheinlich die Sorge hervorrufen, Regierungsvertreter hätten Kenntnis von den Operationen der Cambridge Analytica und von SCL und beabsichtigten, sie zu benutzen, um Meldungen der Regierung zu verbreiten“.

Mit anderen Worten Cambridge Analytica and SCL agierten nicht als russische Handlanger sondern für wichtige Teile des Militär- und Geheimdienstapparats der USA und Großbritanniens. Ein Link zu dem stark überarbeiteten Bericht über Projekt Duco befindet sich hier. Man beachte, dass das intellektuelle Urheberrecht beim Wissenschafts- und Technologie-Labor der britischen Regierung in Porton Down liegt, nur 13 Kilometer von Salisbury entfernt.

Nafeez Ahmed von INSURGE intelligence hat über die Verbindungen zwischen dem SCL, dem britischen Außenministerium und „anderen Elementen des politischen und Finanz-Establishments Großbritanniens“ recherchiert. Sie sind so eng, dass „im letzten Jahr das Exekutivorgan des Außenministeriums, Wilton Park, die Tochtergesellschaft der SCL-Gruppe, die SCL Elections, eingeladen hat, um darüber zu sprechen, wie die Daten der Präsidentschaftswahlen von 2016 in Bezug auf die diplomatische und außenpolitische Agenda der britischen Regierung angewandt werden können“.

Die Führungskräfte der SCL-Gruppe waren Mark Turnbull, Geschäftsführer der SCL Elections, und David Wilkinson, der damalige führende Datenwissenschaftler, der im Februar 2017 im britischen Außenministerium über das Thema „Untersuchung über die Anwendung von Daten bei der jüngsten US-Präsidentschaftswahl“ sprach.

„Jonathan Allen, der damalige geschäftsführende Generaldirektor des Außenministeriums für Verteidigung und Geheimdienste, war bei dem Treffen anwesend und eröffnete es. Allen ist jetzt Theresa Mays stellvertretender Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen.“

O’Hare erklärt, dass die Zielgruppenanalyse „sich im Kampf um die Herzen und Köpfe der Menschen in Afghanistan weiterentwickelt hat“.

Ein interner Informant des SCL hat erklärt, dass die Methoden der Zielgruppenanalyse, die von der SCL benutzt werden, auf die Methoden zurückgeführt werden können, die das britische und amerikanische Militär im Irak benutzt haben. IR.net berichtet, der Insider habe erklärt, dass „einige dieser Techniken tatsächlich Eigentum des britischen Verteidigungsministeriums und/oder des US-Militärs waren. Jetzt sollen die Menschen nicht erfahren, dass es diese Waffe ist, die gegenwärtig losgelassen und privat genutzt wird, um weltweit Wahlen zu manipulieren.“

SCL hat 548.000 Pfund für Nato-Schulungen erhalten, wozu auch ein Acht-Wochen-Kurs für die Mitarbeiter gehörte. Das wurde „anschließend an georgische, ukrainische und moldauische Regierungsvertreter weitergegeben“.

Turnbull ist außerdem der Chef der Cambridge Analytica Political Global. Zuvor war er 18 Jahre lang bei Bell Pottinger beschäftigt, wie O’Hare berichtet, und er war Chef der „vom Pentagon finanzierten Pressearbeit im besetzten Irak, wozu auch die Produktion von gefälschten Videos über al-Qaida gehörte“.

Das Außenministerium der USA hat mit SCL einen Vertrag über 500.000 Dollar abgeschlossen. SCL soll dafür „Forschungs- und Analyse-Unterstützung“ liefern „in Zusammenhang mit unserer Mission, der Terrorpropaganda und Desinformation im Ausland entgegenzuwirken“.

Ein Ableger, die SCL Defense, erhielt 775.000 Dollar „um Nato-Operationen in Osteuropa zu unterstützen, die gegen Russland gerichtet sind“.

O’Hare berichtet: „Die Firma hat in Riga einen dreimonatigen Kurs abgehalten, auf dem ,modernste Gegenpropaganda-Techniken‘ gelehrt wurden. Sie haben zum Ziel, den Mitgliedsstaaten zu helfen, Russlands Propaganda in Osteuropa einzuschätzen und entgegenzuwirken.‘

Die Nato-Website erklärte, das ,revolutionäre‘ Training würde, ,den Ukrainern helfen, sich besser gegen die russische Bedrohung zu verteidigen‘.“

SCL hatte auch Verträge mit dem Pentagon über psychologische Operationen im Iran und im Jemen.

Wann immer genau mit dem Programm der Zielgruppenanalyse begonnen wurde: Die eigentliche Nachricht, die von den offiziellen Medien verschwiegen wird, besteht darin, dass die verdeckten Operationen und subtilen Techniken, die in den neokolonialen Abenteuern des amerikanischen und britischen Imperialismus benutzt wurden, jetzt auf ihre eigene Bevölkerung angewandt werden.

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