Rechtsradikaler Professor Baberowski attackiert kritische Kollegen

Von Christoph Vandreier
27. April 2018

Der rechtsradikale Professor Jörg Baberowski geht immer aggressiver gegen Andersdenkende vor. Auf seiner Facebook-Seite beleidigt und bedroht er andere Professoren der Humboldt-Universität, weil sie eine fremdenfeindliche Erklärung kritisiert haben.

Baberowski zählt zu den Wortführern der neuen Rechten in Deutschland. Nachdem er 2015 mit einem in der F.A.Z. veröffentlichten Angriff auf Flüchtlinge bundesweites Aufsehen erregt hatte, gründete er einen Gesprächskreis mit dem Ziel, rechtsradikale Positionen wieder salonfähig zu machen, wie Die Zeit am 22. März berichtete. Anfang dieses Jahres ging aus diesem braunen Netzwerk die sogenannte „Erklärung 2018“ hervor. Darin kritisierten rechte Akademiker eine angebliche „illegale Masseneinwanderung“ und solidarisierten sich mit der ausländerfeindlichen Rechten.

Dieser abstoßende Aufruf wurde durch mehrere Gegenerklärungen beantwortet, die tausende Akademiker unterzeichneten. Besondere Aufmerksamkeit erweckte dabei ein offener Brief an Wilhelm Hopf, den Gründer und Leiter des LIT-Verlags, der auf wissenschaftliche Veröffentlichungen spezialisiert ist. Hopf hatte die „Erklärung 2018“ unterzeichnet. Über 200 Professoren und Akademiker aus Deutschland und Österreich stellten deshalb ihre bisherige Zusammenarbeit mit dem rechten Verleger in Frage.

„Mit Erstaunen“ hätten sie zur Kenntnis genommen, dass Hopf, der mit dem LIT-Verlag einem „international agierenden Unternehmen mit Dependancen in Berlin, Wien, Hamburg, London, Zürich und New York“ vorstehe, die „Erklärung 2018“ unterschrieben habe, heißt es in dem offenen Brief. Diese stehe im Kontext einer „politischen Konjunktur, in der ein gegen Geflüchtete gerichteter Diskurs zentraler Baustein der derzeitigen Institutionalisierung der extremen Rechten in Deutschland ist“.

„Unsere wissenschaftlichen Anstrengungen verfolgen nicht zuletzt das pädagogische und demokratische Ziel, Ressentiments und Ausgrenzung zu bekämpfen“, erklären die Unterzeichner weiter. „Wir distanzieren uns daher nicht nur von den menschenfeindlichen Zielen der ‚Erklärung 2018‘, sondern wollen auch nicht im Zusammenhang mit einem Verleger gesehen werden, der sich derart äußert. Daher können wir in Zukunft nicht mehr mit dem LIT-Verlag zusammenarbeiten und fordern eine klare Absage an Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.“

Hopf zog darauf seine Unterschrift zurück und bezeichnete es als „Fehler“, die „Erklärung 2018“ als Verleger des LIT Verlags unterschrieben zu haben.

Der offene Brief war auch von vier Professoren und drei weiteren Mitarbeitern der Humboldt-Universität unterzeichnet worden, darunter der Literaturwissenschaftlerin Eva Boesenberg, der Kulturwissenschaftlerin Susanne Gehrmann, dem Ethnologen Wolfgang Kaschuba und der Sportsoziologin Tina Nobis.

Diese Professoren werden von Baberowski nun übel verunglimpft. In zwei Texten, die er unter anderem auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat, beleidigt Baberowski die Kollegen als „Denunzianten“ und als „satte Professoren, die in ihrem ganzen Leben noch niemals ein Widerwort gegeben haben“. Ihre Erklärung vergleicht er mit dem Boykottaufruf der Nazis gegen jüdische Geschäfte. Die Erklärung sei eine „Hetzkampagne“, die ihn „an finstere Zeiten“ erinnere. „Kauft nicht beim Ausgestoßenen!“, so Baberowski.

Das ist an demagogischer Hetze kaum zu überbieten. Kollegen, die sich der Hetze gegen Flüchtlinge und dem Aufkommen des Rechtsextremismus entgegenstellen, werden mit dem faschistischen Terror in Zusammenhang gebracht. Und dies durch einen Professor, der für die Verharmlosung der Nazi-Verbrechen und die Relativierung des Holocaust bekannt ist.

Baberowski hat Hitler öffentlich bescheinigt, er sei „nicht grausam“, weil er angeblich nicht wollte, „dass an seinem Tisch über die Judenvernichtung geredet wird“ (was nachweislich nicht stimmt). Er hat den Hitler-Apologeten Ernst Nolte verteidigt und in seinen eigenen Schriften behauptet, die Rote Armee habe der Wehrmacht den Vernichtungskrieg im Osten aufgezwungen.

Baberowski belässt es nicht dabei, seine kritischen Kollegen zu denunzieren, er droht ihnen auch unverhohlen. Am Ende seiner Tirade gegen die Unterzeichner des offenen Briefs erklärt er: „Die Gedemütigten und Ausgeschlossenen werden sich daran erinnern, wer sie an den Pranger gestellt hat.“ Aus dem Munde des Gründers eines rechtsradikalen Gesprächskreises muss das als ernste Drohung verstanden werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Baberowski Kritiker massiv beleidigt und bedroht. Im März warf er dem Tagesspiegel vor, er diskreditiere „Andersdenkende auf eine Weise, die man nur aus Diktaturen kennt“, weil sich die Berliner Tageszeitung kritisch über die „Erklärung 2018“ geäußert hatte.

Schon im Februar letzten Jahres hatte er Studierende seines eigenen Instituts bedroht und beschimpft, weil sie ein kritisches Flugblatt verteilt hatten. Baberowski nannte den Abgeordneten der IYSSE im Studierendenparlament, Sven Wurm, einen „rotlackierten Faschisten“ und „widerwärtigen Denunzianten“ und fotografierte ihn gegen seinen Willen. In seiner Vorlesung rief er dann Studierende auf, gegen seine Kritiker vorzugehen. „Sie können auch Nein sagen. Jeder kann irgendetwas tun...“, sagte er und las Ort und Termin der nächsten IYSSE-Veranstaltung vor.

Der rechtsradikale Professor kann nur deshalb so aggressiv an der Universität auftreten und mittlerweile sogar Kollegen bedrohen und beleidigen, weil er von der Universitätsleitung gedeckt wird.

Als das Oberlandesgericht Köln im letzten Jahr eine Klage Baberowskis gegen den Bremer Asta abwies, dem er verbieten wollte, ihn einen Rechtsradikalen zu nennen, sprang ihm die Universitätsleitung bei. Sie veröffentlichte eine Stellungnahme, in der sie den rechten Ideologen als „hervorragenden Wissenschaftler“ verklärte und „mediale Angriffe“ auf ihn als „inakzeptabel“ bezeichnete. Während der rechtsradikale Professor Studierende und Kollegen übel diffamiert und bedroht, verbietet die Universitätsleitung den Betroffenen eine Replik in den Medien.

Die Redaktion der World Socialist Web Site wies diesen Angriff auf die Meinungsfreiheit schon damals zurück und erklärte den Grund für die Liaison der Universitätsleitung mit Baberowski: „Das offizielle Zusammenrücken von HU-Präsidium und Baberowski, um Kritik an rechtsradikalen Standpunkten zu unterdrücken, kann nur mit dem scharfen Rechtsruck in den herrschenden Kreisen erklärt werden. Innenpolitisch passen sich die SPD und Teile der Linkspartei an die Flüchtlingshetze an oder nehmen sogar selbst daran teil. Baberowski wird als Verbündeter für diese reaktionäre Orientierung betrachtet.

Um Deutschland wieder als einflussreiche und aktive Militärmacht zu etablieren, muss die Ablehnung der deutschen Bevölkerung gegen Krieg gebrochen werden, die auf die tragischen und blutigen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zurückgeht. Daher gilt es die Geschichte umzuschreiben und die Verbrechen des deutschen Imperialismus reinzuwaschen. Bei diesem schmutzigen und hinterhältigen Vorhaben spielt Baberowski eine wichtige Rolle.“

Diese Analyse hat sich seither vollends bestätigt. Die rechte Politik der etablierten Parteien hat den Weg für den Einzug der AfD in den Bundestag geebnet, und dieser wird nun für einen weiteren Rechtsruck des gesamten politischen Establishments genutzt. Die Neuauflage der Großen Koalition ist die rechteste Regierung seit dem Ende der Nazi-Herrschaft. Sie rüstet massiv auf, verschärft den Sozialabbau und übernimmt die Flüchtlingspolitik der AfD.

Doch diese Politik ist unter breiten Teilen der Bevölkerung verhasst. Sie sind nicht bereit, die Wiederkehr des braunen Drecks der Vergangenheit einfach hinzunehmen. Zahlreiche Studierendenparlamente, Asten, Fachschaften und andere Studierendenvertretungen haben die IYSSE unterstützt und sich scharf gegen Baberowski gewandt, Hunderte kamen zu den Veranstaltungen der IYSSE zu dem Thema, und auch die breite Kritik an der „Erklärung 2018“ ist Ausdruck der weitverbreiteten Opposition.

Deshalb reagieren Baberowski und andere rechte Ideologen zunehmend aggressiv auf diese Kritik. Sie wissen, dass sie ihre rechten Ziele letztendlich nur mit Unterdrückung und Gewalt durchsetzen können. Die Art und Wiese, wie Baberowski mit Rückendeckung der Universitätsleitung über kritische Kollegen herfällt, muss deshalb eine ernste Warnung sein. Sie unterstreicht die Bedeutung des Kampfs der IYSSE gegen rechte Ideologie und Geschichtsfälschung an den Universitäten.

Das im Mehring-Verlag erschienene Buch "Wissenschaft oder Kriegspropaganda?" dokumentiert den Kampf der IYSSE und der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) gegen die Wiederkehr des deutschen Militarismus in den vergangenen zwei Jahren.

Wer nicht bereit ist, die Wiederbelebung des deutschen Militarismus und die Verwandlung der Universitäten in staatlich gelenkte Kaderschmieden für rechte und militaristische Ideologien hinzunehmen, muss dieses Buch lesen. 

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