Rom: Busse fangen Feuer auf Grund von Wartungsmängeln

Von Allison Smith
19. Mai 2018

In Rom fingen vor zehn Tagen gleich zwei Busse der Transportgesellschaft Atac Feuer und gingen in Flammen auf.

Der erste Brand wurde durch Funkenflug ins Innere eines Touristenbusses verursacht, der sich gerade auf Tour durch die historische Altstadt befand. Geistesgegenwärtig ließ der Fahrer die Reisenden aussteigen, als er die Gefahr erkannte. Kurz darauf fing der ganze Bus Feuer und brannte vollständig aus. Der qualmende Rauch verursachte schwere Schäden an den umliegenden Geschäften, und ein Ladenbesitzer musste sich im Krankenhaus behandeln lassen.

Am gleichen Tag fing ein weiterer Bus Feuer. Es war ein Schulbus, der Kinder in Castel Porziano, einem südwestlichen Stadtteil Roms, transportierte.

Im vergangenen Jahr brannten 22 Busse aus, und bei allen war der Hauptgrund ein Mangel an sachgemäßer Wartung. Geht man von den vier Busbränden in einem einzigen Monat in diesem Jahr aus, wird es 2018 aller Voraussicht nach noch schlimmer kommen. Der Busbestand ist extrem überaltert und die Busse sind äußerst schlecht in Stand gehalten.

Die Bewohner Roms äußern sich darüber auf Twitter, und sie nutzen dafür den Hashtag #flambus, was sich auf Tambus reimt (so hieß Atac früher). Viele schreiben, wenn ein Bus in Rom Feuer fange, dann denke jeder sofort, dass Atac verantwortlich sei, aber keiner nehme einen terroristischen Hintergrund an.

Nach einem internen Bericht von Atac sind ständig 36 Prozent ihrer Busse kaputt oder in Reparatur. Derzeit sind auch 50 Prozent der städtischen Straßenbahnen wegen nötiger Reparaturen außer Betrieb.

Seit Jahren ist Atac, wie der gesamte öffentliche Dienst Roms, das Zielobjekt einer gnadenlosen Verleumdungskampagne. Sie lastet der Agentur, oder genauer: ihren Arbeitern, die städtische Haushaltskrise an, indem sie sie beschuldigt, ineffizient und faul zu sein und zu oft krank zu feiern.

Im Gegensatz zu den üblichen, auch in den Medien wiederholten Behauptungen, die Arbeiter und die unfähigen Verwaltungsangestellten seien hauptsächlich am Haushaltsdefizit schuld, hat sich herausgestellt, dass in Wirklichkeit das Finanzkapital und fragwürdige Spekulationen die Hauptrolle spielen.

Tatsächlich haben die Regierenden von Rom seit Beginn der weltweiten Finanzkrise von 2008 sich entweder von Notlösung zu Notlösung gehangelt, oder sie haben sich auf zwielichtige Transaktionen mit Finanzderivaten eingelassen, die die Haushaltskrise der Ewigen Stadt weiter verschlimmerten und ihre Betriebe um das dringend benötigte Geld brachten.

2014 musste Rom unter Premierminister Matteo Renzi von der Demokratischen Partei (PD) beinahe Bankrott anmelden. Renzi handelte damals mit den drei großen Gewerkschaften das Dekret Salva Roma ter (Rettet Rom 3) aus. Mehrfach wurde Rom damals mit Detroit verglichen. Unter dem Vorwand, man führe „innovative Modelle für das Service-Management“ ein, wurde der Weg für eine Privatisierung lebenswichtiger Dienstleistungen freigemacht. Davon ist auch Atac betroffen.

Schon im nächsten Jahr gab der Römer Bürgermeister, Ignazio Marino (PD), bekannt, dass die Stadt einen Anteilseigner suche, der einen Minderheitsanteil von Atac kaufen werde. Das Ziel ist, das Management im Jahr 2019 auszulagern. Schließlich stolperte Marino über einen Skandal wegen Spesenbetrugs und Misswirtschaft in den städtischen Einrichtungen.

Letztes Jahr sagte Bruno Rota, der damalige Atac-Chef, die Gesellschaft habe 1,3 Milliarden Euro Schulden und müsse Bankrott anmelden. Seither versuchen die Kritiker von Atac verstärkt, die Verantwortung für die Verschuldung den Beschäftigten und den Schwarzfahrern in die Schuhe zu schieben.

Was die Gewerkschaften bei Atac angeht, insbesondere die zu CGIL gehörende FILT (Federazione Italiana Lavoratori Trasporti), so argumentieren sie, für eine „Kontinuität der Dienstleistung“ sei es nötig, dass das Atac-Management und die Römer Verwaltung dem Diktat der Kreditgeber folgten. Vor kurzem haben sie die Fahrzeiten verlängert, die die Fahrer absolvieren, ehe sie eine mindestens zweistündige Pause einlegen müssen.

Vor den Parlamentswahlen im März hat sich in Rom die Stimmung stark verändert. Wegen der immer schlechteren Infrastruktur und dem schlampigen Management hat sich die öffentliche Meinung gegen die derzeitige römischen Bürgermeisterin, Virginia Raggi, von der rechten Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) gewandt.

Raggi hatte einen „radikalen Neubeginn im Namen von Ehrlichkeit und Transparenz“ versprochen, aber seitdem sie im Juni 2016 ihr Amt übernommen hat, verliert sie wegen der zahlreichen Skandale, in die sie verwickelt ist, zusehends an Ansehen.

Die M5S entstand im Jahr 2008, dem Jahr der globalen Finanzkrise, als Reaktion auf den Bankrott der offiziellen Linken und ihrer pseudolinken Anhängsel. Bei den italienischen Nationalwahlen hat sie dieses Jahr die meisten Stimmen gewonnen. Aber weil im Wahlrecht ein Proporz eingeführt worden ist, braucht die M5S jetzt zum Regieren einen Partner.

Trotz all ihrer Establishment-feindlichen Rhetorik haben die Fünf Sterne deshalb ihr „Verantwortungsbewusstsein“ entdeckt, und sie verhandeln mit der rechtsextremen Lega, der langjährigen Verbündeten des italienischen Oligarchen, Silvio Berlusconi.

Wie die WSWS am 12. Mai erklärte, hat die kommende Koalition aus M5S und Lega die Aufgabe, „das Diktat der internationalen Finanzmärkte in einem Land durchzusetzen, das von hoher Armut und Arbeitslosigkeit, einer tiefen Bankenkrise und einer extrem hohen Staatsverschuldung geprägt ist“. Was Atac und die anderen städtischen Einrichtungen betrifft, so wird die nationale Schuldenkrise dazu genutzt werden, um ihnen weitere Kürzungen und die Privatisierung aufzuzwingen. Die italienische Arbeiterklasse muss sich weigern, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verursacht hat.

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