Der Mord, der keiner war

Von Andre Damon
2. Juni 2018

Am Dienstag meldete die rechtsgerichtete Regierung der Ukraine, dass Arkadi Babtschenko, ein in Kiew lebender russischer Journalist und lautstarker Kritiker des Kremls, in seiner Wohnung erschossen worden sei. Kiew zeigte sofort mit dem Finger auf Moskau. Der ukrainische Premierminister Wolodymyr Hrojsman machte den „totalitären russischen Apparat“ für die Ermordung des Journalisten verantwortlich.

Innerhalb weniger Minuten verbreitete sich die Meldung über den ganzen Globus und wurde zum Aufmacher großer Nachrichtenmedien in Europa und den Vereinigten Staaten, darunter die New York Times, die Washington Post, der Guardian und die BBC. Je mehr sie mit heißer Luft versorgt wurden, desto schriller tönten die Pfeifen der amerikanischen Propaganda-Orgel.

In jedem Bericht wurde die Meldung über den Mord von der Schlussfolgerung begleitet, dass die russische Regierung dahinter stecke: Zusammen mit dem rätselhaften Verbrechen verkündeten die Medien zugleich dessen Lösung.

Der Starreporter der New York Times, Andrew Higgins, erklärte: „Die Ermordung des Journalisten Arkadi Babtschenko, eines ehemaligen Kriegsberichterstatters, der mit seiner scharfen kritischen Berichterstattung die russischen Nationalisten in Rage brachte, ist der jüngste in einer Serie oftmals tödlicher Angriffe auf unerschrockene Gegner von Präsident Wladimir W. Putin, sowohl innerhalb als auch außerhalb Russlands.“

Higgins, der 2014 eine auf gefälschte Fotos basierte Story über einen Vorstoß russischer Soldaten in die Ukraine zurückziehen musste, stellte den Mord in eine lange Reihe von angeblichen Verbrechen des Putin-Regimes, darunter die Vergiftung von Sergei und Julia Skripal Anfang dieses Jahres und der Abschuss des Fluges MH17 über der Ukraine 2014.

Die Times und andere große Zeitungen verwendeten bei der Berichterstattung ihr übliches Drehbuch: Sobald ein prominenter Kritiker des Kremls im Ausland stirbt oder verletzt wird, wird sofort Moskau beschuldigt. Jeder Versuch Russlands, diese Behauptungen zu bestreiten oder gar die Anschuldigungen anzufechten, wird als weiterer Beweis für ein bösartiges Komplott des Kremls angesehen.

Doch auf dem Höhepunkt des internationalen Aufruhrs über den Mord geschah das Unerwartete: Der Journalist Babtschenko tauchte auf einer Pressekonferenz der ukrainischen Polizei quicklebendig wieder auf und gab bekannt, dass er seinen eigenen Tod nur inszeniert hatte.

Rückblickend hätte es kaum mehr als einer sorgfältigen Untersuchung des Fotos von Babtschenkos Leiche bedurft, das von Kiew veröffentlicht wurde, um zu erkennen, dass etwas nicht stimmte. Auf dem Foto war zu sehen, dass der Journalist in einer Pfütze aus einer Ketchup-ähnlichen Flüssigkeit zusammengebrochen war.

Die amerikanische Presse aber reagierte auf die Auferstehung Babtschenkos, indem sie nach anderen Anschuldigungen gegen den Kreml suchte. Typisch war der Leitartikel der New York Times vom Donnerstag mit dem Titel „Whatever It Was, We Didn‘t Do It“.

„Nachdem am Dienstag aus Kiew die Nachricht eingetroffen war, dass ein russischer Journalist, der Wladimir Putin kritisiert hatte, erschossen wurde, lief die Leugnungsmaschinerie des Kremls bald auf Hochtouren“, schrieb die Times und beschwerte sich bitterlich, dass der Kreml die Frechheit besaß, die Beteiligung an einem Mord abzustreiten, den es nie gegeben hatte.

Mit anderen Worten, die Times versuchte, auf die „Leugnungsmaschine“ des Kremls abzulenken, anstatt zuzugeben, was der Vorfall über die Lügen der Times enthüllt hat. In Wirklichkeit ist glasklar geworden, dass der für die Kommentarseiten der Times zuständige James Bennett ein Propagandablatt betreibt, das Nachrichten im Dienste der Geheimdienste manipuliert, um den Krieg im Ausland und die politische Unterdrückung im Inland zu fördern. Wenn eine Lüge ans Tageslicht kommt, schiebt die Zeitung eine noch größere Lüge hinterher.

Jeder Kommentar in der Online-Ausgabe der New York Times ist mit dem Hinweis versehen, dass der Meinungsteil der Zeitung „vom Nachrichten- und Thementeil getrennt ist“. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein: In Wirklichkeit sind Meldung und Meinung zumeist nicht zu unterscheiden. Die Times platziert routinemäßig Geschichten auf ihrer Nachrichtenseite, die ausschließlich aus unbegründeten Behauptungen und Spekulationen bestehen, und nimmt diese dann als Grundlage für Kommentare und Leitartikel, in denen Krieg und innenpolitische Repression gefordert werden.

Seit mehr als eineinhalb Jahren führen die US-Medien eine Kampagne gegen das, was sie „Fake News“ nennen, die angeblich von Russland und seinen Sympathisanten verbreitet werden. Im Namen dieser Kampagne rechtfertigen die großen Medien, führende Politiker und die US-Geheimdienste die umfassendste Zensur in der Geschichte der USA, bei der im Internet Tausende von Social-Media-Konten gelöscht, oppositionelle Standpunkte zum Schweigen gebracht und linke Nachrichtenseiten aus Suchergebnissen verbannt werden.

Aber der Betrug mit dem Mord an Arkadi Babtschenko hat gezeigt, wer die wahren Verbreiter von „Fake News“ sind: nicht die oppositionellen Nachrichten-Sites, die zensiert werden, sondern die Nachrichtenredaktionen der Mainstream-Presse in New York, Washington und London.

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