1968 – Generalstreik und Studentenrevolte in Frankreich

Teil 8: Der zentristische Kurs der OCI (4)

Von Peter Schwarz
6. Juni 2018

Diese achtteilige Serie erschien erstmals im Mai und Juni 2008 zum vierzigsten Jahrestag des Generalstreiks in Frankreich auf der WSWS. Sie analysiert die damaligen Ereignisse und zieht die politischen Lehren für heute daraus.

Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4Teil 5Teil 6Teil 7 │ Teil 8

Die politische Herkunft Pierre Lamberts

Das Versäumnis der SLL, die politischen Degeneration der OCI aufzuarbeiten, hatte zur Folge, dass deren Geschichte lange Zeit im Dunkeln blieb. Es war nur wenig über ihre politische Entwicklung, die parteiinternen Debatten und den Hintergrund ihrer Führer bekannt. In den vergangenen fünfzehn Jahren sind in Frankreich aber eine Vielzahl persönlicher Erinnerungen, historischer Werke unterschiedlicher Qualität sowie ernsthafter akademischer Studien über die Geschichte der trotzkistischen Bewegung erschienen, die einen Einblick erlauben. Der Grund für das gewachsene Interesse war zum einen die Wahl Lionel Jospins, eines früheren OCI-Mitglieds, zum Regierungschef im Jahr 1997, zum anderen der beachtliche Wahlerfolg angeblicher Trotzkisten wie Arlette Laguiller und Olivier Besancenot.

Im September 2006 reichte Jean Hentzgen an der historischen Fakultät der Universität Paris I eine Magisterarbeit ein, die sich ausführlich mit der Frühgeschichte der OCI befasst. (27) Gestützt auf die Auswertung umfangreicher Archivmaterialien, von Interviews mit Zeitzeugen und von bereits vorhandenen Werken gibt der Autor eine detaillierte Darstellung der Geschichte des Mehrheits-PCI von 1952 bis 1955. Die Mehrheit des Parti communiste internationaliste war 1952 von Pablo aus der Vierten Internationale ausgeschlossen worden, weil sie sich seiner Politik des „Entrismus sui generis“ – des Eintritts in die Kommunistische Partei und ihrer Auflösung als unabhängige Organisation – widersetzt hatte. Sie gehörte 1953 zu den Gründungsmitgliedern des Internationale Komitees und nannte sich ab 1965 OCI.

Hentzgens Arbeit macht deutlich, dass es im Mehrheits-PCI von Anfang an zwei unterschiedliche Strömungen gab. Die eine, geführt von Pierre Lambert, war stark syndikalistisch geprägt, sie konzentrierte ihre Arbeit auf die Gewerkschaften und später auf das Umfeld der Sozialdemokratie. Die andere, geführt von Marcel Bleibtreu, legte das Schwergewicht auf die Auseinandersetzung mit der Kommunistischen Partei.

Der Konflikt zwischen diesen beiden Strömungen wurde mit wachsender Schärfe und Erbitterung geführt. Im März 1953 löste Lambert Bleibtreu an der Spitze des PCI ab. Zwei Jahre später wurden Bleibtreu und seine engsten Gesinnungsgenossen trotz eines Protests des Internationalen Komitees aus der Partei ausgeschlossen. Beide Fraktionen wiesen erhebliche politische Schwächen auf. Viele der komplexen Fragen, die mit dem Kampf gegen den pablistischen Revisionismus verbunden waren, sind in der französischen Sektion nie wirklich geklärt worden.

Marcel Bleibtreu (1918-2001) hatte sich im November 1950 auf einem Treffen des Internationalen Exekutivkomitees der Vierten Internationale als erster gegen die Thesen Pablos ausgesprochen und diese unter dem Titel „Wohin geht Pablo?“ einer intensiven politischen und theoretischen Kritik unterzogen. (28) Das Dokument Bleibtreus (Parteiname: Favre), das im Juni 1951 veröffentlicht wurde, trug entscheidend zur politischen Orientierung der französischen Mehrheit bei, deren wichtigster Führer Bleibtreu war. Er hatte sich den französischen Trotzkisten 1934 angeschlossen, als diese innerhalb der sozialdemokratischen SFIO arbeiteten. Nach dem Krieg leitete er das Parteiorgan La vérité und wurde politischer Sekretär des PCI. Von Beruf war er Arzt.

Pierre Lambert (1920-2008) hatte sich 1937 der Gruppe von Raymond Molinier und Pierre Frank angeschlossen, die damals wegen ihres opportunistischen Kurses heftige Differenzen mit Trotzki und der offiziellen französischen Sektion hatte. Er war während des Krieges in den illegalen Gewerkschaften aktiv und leitete nach der Wiedervereinigung der französischen Trotzkisten im Jahr 1944 deren Gewerkschaftsarbeit. Die antipablistische Mehrheit unterstützte er erst nach anfänglichem Zögern. Einer der wichtigsten Gründe war offenbar, dass Pablos Kurs des „Entrismus sui generis“ die Gewerkschaftsarbeit des PCI zu zerstören drohte, in deren Rahmen sich vor allem jüngere Genossen in den Betrieben mutig den Stalinisten widersetzt hatten.

Viele Merkmale von Lamberts späterer Politik deuteten sich bereits vor der Spaltung mit den Pablisten an. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass er 1947 innerhalb des PCI einen Beschluss durchsetzte, der auf der völligen Unabhängigkeit der Gewerkschaften von politischen Parteien beharrte. Von 1950 bis 1952 beteiligte sich Lambert an der Herausgabe einer Gewerkschaftszeitung mit dem Namen L’Unité (Einheit), deren Redaktion sich aus Gewerkschaftern unterschiedlicher politischer Orientierung zusammensetzte – neben den Trotzkisten des PCI waren darin auch Anarchisten und Reformisten, darunter offene Antikommunisten, vertreten. Einige – wie Alexandre Hébert, Anarchist und von 1947 bis 1992 Sekretär der Gewerkschaft Force Ouvrière in der Region Loire-Atlantique – hielten Lambert Zeit ihres Lebens die Treue.

Im Juli 1952 tagte der achte Kongress des PCI. Erstmals trafen sich Mehrheit und pablistische Minderheit getrennt. Der Kongress der Mehrheit stand ganz im Zeichen des Kampfs gegen die Pablisten. In dieser Frage waren sich Bleibtreu und Lambert einig. Auch darin, dass sich der PCI nicht aus der Vierten Internationale verdrängen lassen, sondern innerhalb dieser für einen Kurswechsel und für ihre Wiederaufnahme kämpfen sollte. Zu Spannungen kam es dagegen über die Ausrichtung der politischen Arbeit. Bleibtreu lehnte zwar Pablos Kurs ab, die ganze Sektion in der Kommunistischen Partei aufzulösen, hielt aber eine geheime Fraktionsarbeit ausgewählter Kader innerhalb der Kommunistischen Partei für notwendig und unverzichtbar. Lambert war der Ansicht, dass die Organisation für eine solche Arbeit zu schwach sei, und wollte alle Kräfte auf die Gewerkschaftsarbeit konzentrieren.

In den folgenden Monaten verschärften sich die Spannungen. Auf einer Sitzung des Zentralkomitees Ende Dezember gab Bleibtreu den politischen Bericht, Lambert den Bericht über die Gewerkschaftsarbeit. Hentzgen fasst die gegensätzlichen Standpunkte zusammen:

Laut Bleibtreu „soll der PCI die Intervention der unabhängigen Partei mit einer geheimen Fraktionsarbeit und Hilfe für die Strukturierung der Linksoppositionellen [innerhalb der KPF] verbinden. Die revolutionäre Partei wird ausgehend von dieser Linksopposition aufgebaut.“

Laut Lambert „besteht die erste Aufgabe der Revolutionäre darin, die äußerst geschwächten gewerkschaftlichen Organisationen wieder aufzubauen: vorrangig die CGT aber auch FO. Die aktive Gewerkschaftsarbeit wird es den Trotzkisten erlauben, in die Massen einzudringen und sich dort zu verankern. Durch die Wirkungskraft ihrer Parolen und die von ihnen vorgeschlagenen Aktionen wird es den Trotzkisten gelingen, die Arbeiter zum Handeln zu bewegen und nach und nach die Rolle der Führung zu übernehmen.“ (29)

Beide Standpunkte näherten sich bedrohlich jenen der Pablisten. Diese vertraten die Auffassung, dass die revolutionäre Partei nicht aus dem bestehenden Kader der Vierten Internationale, sondern aus einer – von den Trotzkisten beeinflussten – linken Fraktion innerhalb der stalinistischen oder reformistischen Organisationen hervorgehen würde.

Die Hoffnungen, die Bleibtreu auf die Entwicklungen einer linken Opposition innerhalb der KPF setzte, fanden ihren deutlichsten Ausdruck in einem Bündnis mit André Marty. Der stalinistische Veteran, der seinen Ruhm der Meuterei auf einem französischen Kriegsschiff vor Odessa im Jahr 1919 verdankte, von 1935 bis 1943 als Sekretär der Kommunistischen Internationale diente und im spanischen Bürgerkrieg die Internationalen Brigaden organisierte, fiel 1952 in Ungnade und wurde aus der KPF ausgeschlossen. Obwohl Marty wegen seines brutalen Vorgehens gegen linke Oppositionelle in Spanien der Ruf des „Schlächters von Albacete“ anhaftete und es wenig Anzeichen dafür gab, dass er ernsthaft mit seiner stalinistischen Vergangenheit abrechnete, betrachtete ihn Bleibtreu als Anführer einer linken Opposition.

Bleibtreu traf sich persönlich mit Marty, der Interesse an einer Zusammenarbeit bekundete, aber auch mit den Pablisten in Kontakt stand. Der Mehrheits-PCI führte eine Kampagne zu Martys Verteidigung und gründete zu diesem Zweck Komitees der kommunistischen Reorganisation (Comités de redressement communiste), die sich zu einer linken Opposition gegen die stalinistische Führung entwickeln sollten. Im Januar 1953 forderte La Vérité Marty auf: „Gehen Sie vorwärts und Sie werden erst der Wortführer, dann der Organisator des revolutionären Proletariats dieses Landes sein!“ (30)

Die Anbiederung an Marty, die rund drei Jahre andauerte, stieß im PCI auf erheblichen Widerstand und brachte Bleibtreu den Vorwurf des „Pablismus ohne Pablo“ ein. Sie trug wesentlich dazu bei, seine Autorität zu unterhöhlen. Im März 1953 geriet er im Zentralkomitee in die Minderheit, und Lambert übernahm die Führung des PCI.

Während Bleibtreu den Kontakt zur André Marty pflegte, setzte Lambert große Erwartungen in ein anderes Führungsmitglied der KPF, in Benoît Frachon, den Führer der Gewerkschaft CGT.

Frachon hatte 1951 und dann wieder 1953 zur Aktionseinheit aller Gewerkschaften aufgerufen und damit die volle Unterstützung Lamberts gefunden. Es gab zwar Spannungen zwischen Frachon und anderen Führern der KPF, doch diese nahmen nie einen grundsätzlichen Charakter an. Die Wende der CGT zur „Aktionseinheit“ hing eher damit zusammen, dass die KPF selbst eine mögliche Regierungsbeteiligung ins Auge fasste und deshalb eine Annäherung an die reformistischen Parteien anstrebte. 1954 unterstützte sie dann tatsächlich eine Koalitionsregierung von Sozialisten, Radikalsozialisten und Linksgaullisten unter Pierre Mendès-France. Lambert dagegen behauptete, der Apparat der CGT sei – im Gegensatz zu dem der KPF – mit den Massen verbunden.

Die Forderung nach Einheit stand im Mittelpunkt der Gewerkschaftsarbeit des PCI. Ab 1953 rief er zur Organisation von „Assisen für die gewerkschaftliche Aktionseinheit“ auf, die auf örtlicher und nationaler Ebene Vertreter verschiedener Gewerkschaftsorganisationen zusammenbringen sollten. Die PCI-Mitglieder in den Gewerkschaften wurden angewiesen, alle Probleme des gewerkschaftlichen Lebens mit der Parole der „Nationalen Assisen für die gewerkschaftliche Aktionseinheit“ in Verbindung zu bringen.

Gegenüber den Gewerkschaftsführern verhielt sich der PCI dabei weitgehend unkritisch. Im März 1954 organisierte er eine nationale Konferenz, die ausdrücklich nicht das Programm der Partei, sondern die „demokratische Einheit“ in den Mittelpunkt stellte. Das Erscheinen eines hochrangigen CGT-Funktionärs auf dieser Konferenz, des Generalsekretärs der Postgewerkschaft G. Frischmann, feierte sie als großen Erfolg. Im Anschluss schickte das „Permanente Komitee für die Assisen“ eine Delegation in die Gewerkschaftszentralen, darunter drei Trotzkisten, die auch von der CGT empfangen wurden.

Schließlich traf sich Lambert persönlich mit CGT-Chef Frachon und wurde auf dessen Betreiben hin wieder in die Gewerkschaft aufgenommen, aus der er zuvor ausgeschlossen worden war. Frachon war der Auffassung, dass die Kampagne des PCI für Gewerkschaftseinheit für die Bürokratie keine Bedrohung darstelle.

Am 16. November 1953 veröffentlichte die amerikanische Socialist Workers Party den „Offenen Brief“, der zum Bruch mit den Pablisten und zur Gründung des Internationalen Komitees aufrief. Er wurde vom PCI mit Begeisterung aufgenommen. Ihre internationale Isolation hatte ein Ende. La Vérité erschien mit der Schlagzeile: „Der Trotzkismus wird siegen, ein Appell der amerikanischen Trotzkisten gegen die Liquidatoren der Vierten“. Die PCI organisierte am 23. November ein erstes Treffen des Internationalen Komitees in Paris. Marcel Bleibtreu, obwohl nicht mehr ihr Sekretär, vertrat den PCI im Internationalen Komitee, und Gérard Bloch übernahm die Aufgabe des Sekretärs. Doch die Auseinandersetzungen innerhalb des PCI gingen trotz dieser Veränderung unvermindert weiter.

Zu den bereits bestehenden Differenzen kamen weitere hinzu. Nach dem Tode Stalins und der Niederschlagung des DDR-Aufstands vom Juni 1953 gab es unterschiedliche Einschätzungen der stalinistischern Parteien. Bleibtreus Tendenz trat für die kritische Unterstützung linker Strömungen in der Bürokratie ein, die Parteimehrheit um Lambert und Bloch lehnte dies ab und setzte auf einen Arbeiteraufstand, wie er in Ost-Berlin stattgefunden hatte.

Auch hinsichtlich der nationalen Befreiungsbewegungen gab es Differenzen. Hier trat Lambert – ähnlich wie die Pablisten – für eine bedingungslose Unterstützung ohne jegliche Kritik ein, während die Bleibtreu-Tendenz die Auffassung vertrat, die Unterstützung müsse mit einer solidarischen Kritik verbunden sein.

Ab Mai 1952 pflegte die PCI enge politische und persönliche Beziehungen zu Messali Hadj, dem Führer der algerischen Befreiungsbewegungen MTLD (Mouvement pour le Triomphe des Libertés Démocratiques) und MNA (Mouvement national Algérien). Nachdem Messali Hadj von der Polizei aus Algerien ausgewiesen worden war, nahmen PCI-Mitglieder sogar seine Kinder bei sich auf. Das MTLD wurde von vielen algerischen Arbeitern in Frankreich unterstützt, und diese arbeiteten innerhalb der CGT zum Teil eng mit dem PCI zusammen. Messali Hadj war und blieb aber ein bürgerlicher Nationalist.

Mit dem Beginn des algerischen Befreiungskriegs 1954 rückte die Unterstützung des MNA, die von Lambert zeitweilig mit einer revolutionären proletarischen Partei verglichen wurde, immer mehr ins Zentrum der Arbeit des PCI. Der PCI übernahm logistische Aufgaben und beteiligte sich an der illegalen Arbeit. Die Bleibtreu-Tendenz kritisierte diesen Standpunkt und warf der Führung vor, sie habe „gegenüber der MTLD und ihren Mängeln eine Haltung des servilen Opportunismus“ eingenommen. (31)

In Algerien wurde die MNA von der Nationalen Befreiungsfront FLN verdrängt. Diese war aus einer Abspaltung der bewaffneten Untergrundorganisation des MTLD hervorgegangen, verfügte kaum über Wurzeln in der Arbeiterklasse und verdankte ihre Stärke der Unterstützung durch die ägyptische Regierung Gamal Abdel Nassers, die sie mit Waffen belieferte, sowie ihrem rücksichtslosen Vorgehen gegen politische Rivalen. Messali Hadj reagierte auf seine zunehmende Isolation mit einem politischen Rechtsruck. Im Sommer 1958 nahmen seine Anhänger Verhandlungen mit der französischen Regierung auf, und der PCI brach die Beziehungen zu ihm ab.

Die fraktionellen Spannungen im PCI wurden im Laufe des Jahres 1954 immer bitterer. Das Internationale Komitee und vor allem dessen britische Sektion bemühten sich vergeblich, die Wogen zu glätten und die beiden Flügel zu einer positiven Zusammenarbeit zu bewegen. Schließlich wurden Bleibtreu und zwei seiner Anhänger – Michel Lequenne und Lucien Fontanel – wegen einer Disziplinfrage ausgeschlossen. Sie hatten gegen den Willen des Politischen Büros einer Vorladung der Polizei Folge geleistet. Sie hatten dort zwar – wie es der bisherigen Politik der Partei entsprach – keinerlei Aussagen gemacht. Doch das Politische Büro hatte verlangt, dass sie die Vorladung ignorieren – was ihre sichere Verhaftung zur Folge gehabt hätte!

Das Internationale Komitee gab am 21. Mai 1955 in einer Erklärung seiner Entrüstung über den Ausschluss Bleibtreus, Lequennes und Fontanels Ausdruck. Es verlangte, dass sie wieder aufgenommen werden und in allen führenden Gremien der Partei vertreten sind. Vergeblich. Das Zentralkomitee des PCI lehnte die Forderung des Internationalen Komitees rundweg ab.

Lamberts Tendenz dominierte nun den PCI, der in der Arbeit des Internationalen Komitees nur noch eine geringe Rolle spielte. Als sich die amerikanische SWP 1963 mit den Pablisten zum Vereinigten Sekretariat zusammenschloss, hielt die französische Sektion zwar zum Internationalen Komitee. Aber alle wichtigen Dokumente gegen die Vereinigung wurden von der britischen Sektion verfasst.

In Frankreich widmete sich der PCI der Betriebsarbeit, wobei er jahrelang eine enge Arbeitsteilung mit der opportunistischen Voix Ouvrière pflegte, die erst 1966 durch den Konflikt auf dem Dritten Weltkongress des Internationalen Komitees beendet wurde. Ab 1959 produzierten und verteilten die beiden Organisationen gemeinsam Flugblätter vor Betrieben, wobei VO-Führer Hardy, der als Pharmavertreter ein Auto besaß, Lambert häufig zu gemeinsamen Fahrten mitnahm.

Auch Bleibtreu und Lequenne rückten nach ihrem Ausschluss weiter nach rechts. Sie schlossen sich der Neuen Linken an, bauten darin eine eigene Tendenz auf und beteiligten sich an der Gründung des Parti socialiste unifié (PSU), einer linken Sammlungsbewegung, aus der später zahlreiche sozialistische Regierungschefs und Minister hervorgehen sollten. 1968 beherrschte der PSU unter der Führung Michel Rocards den Studentenverband UNEF, wie wir gesehen haben.

Bleibtreu war eine Zeit lang Mitglied des Politischen Komitees und des Generalsekretariats des PSU, bis er ihm 1964 den Rücken kehrte. Danach engagierte er sich in zahlreichen Initiativen – für den Frieden in Vietnam, gegen Kinderarmut und, in den neunziger Jahren, gegen das Irak-Embargo. Lequenne ging 1963 nach Algerien, um das nationale Regime zu unterstützen, schloss sich dort den Pablisten an und wurde Mitglied des Vereinigten Sekretariats. Von 1974 bis 1995 arbeitete er für die Zeitung Libération. Er starb 2006.

Der Zentrismus, den die OCI 1968 an den Tag legte, hatte also eine lange Vorgeschichte. In letzter Analyse war er das Ergebnis davon, dass die französische Sektion den Kampf gegen den pablistischen Revisionismus aufgegeben hatte.

Anmerkungen

27) Jean Hentzgen, „Agir au sein de la classe. Les trotskystes français majoritaires de 1952 à 1955“, Université de Paris I, Septembre 2006. http://jeanalain.monfort.free.fr/Hentzgen/pci306.pdf

28) „’Where is Pablo going?’ by Bleibtreu Favre, June 1951“ in „Trotskyism versus Revisionism“, Volume 1, London 1974

29) Hentzgen, op.cit., p. 57

30) zitiert in ibid. p. 60

31) zitiert in ibid. p. 148

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