Israel schießt syrischen Kampfjet über besetzten Golanhöhen ab

Von Bill Van Auken
26. Juli 2018

Mit dem Abschuss eines syrischen Flugzeugs nahe den von Israel besetzten Golanhöhen am Dienstag eskaliert die Konfrontation Israels und der USA gegen Syrien und dem Iran.

Das Flugzeug war beteiligt an einer Offensive syrischer Regierungstruppen gegen vom Westen unterstützte islamistische Milizen, die in den Provinzen Daraa und Quneitra nahe der israelischen Grenze operierten. Es wurde von zwei Patriot-Raketen abgeschossen, die Israel aus den USA erhalten hat.

Laut der syrischen Regierung stürzte das Flugzeug in syrischem Staatsgebiet ab. Der erste Pilot, Omran Muri, starb bei dem Angriff, das Schicksal des zweiten ist noch unbekannt.

Die syrische Nachrichtenagentur Sana erklärte unter Berufung auf eine Quelle aus dem Militär: „Der israelische Feind bestätigt durch den Abschuss eines unserer Kampfflugzeuge, dass er die bewaffneten Terrorgruppen unterstützt. Das Flugzeug befand sich im syrischen Luftraum und war an Angriffen auf diese Gruppen am Rande des Yarmuk-Tals beteiligt.“

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon verteidigte den Abschuss mit den Worten: „Israel wird keine Verletzung seiner Souveränität zulassen. Wir streben keine Eskalation in der Region an.“

Jedes Wort aus Danons Mund ist gelogen. Es gibt keine Beweise, dass das syrische Flugzeug überhaupt in israelischen Luftraum eingedrungen ist, geschweige denn dass die Israelischen Streitkräfte (IDF) sein Verhalten als Bedrohung für die israelische Bevölkerung wahrgenommen hätten.

Die IDF geben in ihrer eigenen Stellungnahme offenbar zu, dass das Flugzeug in Syrien operierte: „Seit den Morgenstunden haben sich die inneren Kämpfe in Syrien verschärft, auch die Aktivitäten der syrischen Luftwaffe.“

Berichten zufolge richtete sich die syrische Operation gegen IS-Kräfte, die in dem Gebiet aktiv sind. Ein Sprecher des israelischen Militärs erklärte, das Flugzeug sei angegriffen worden, nachdem es sich dem Gebiet mit „relativ hoher Geschwindigkeit“ genähert und angeblich zwei Kilometer weit in israelischen Luftraum eingedrungen war.

Als „israelischem Luftraum“ bezeichnen die IDF die von der UN überwachten „Pufferzonen“, die Syrien von den ehemals syrischen Golanhöhen trennen, die 1967 von Israel besetzt und 1981 annektiert wurden. Es gibt keine Beweise dafür, dass das Flugzeug überhaupt in diese Zonen eingedrungen ist. Damaskus behauptet, es sei im syrischen Luftraum abgeschossen worden.

Erstmals seit Beginn des vom Westen unterstützten Kriegs zum Regimewechsel in Syrien sind syrische Truppen in dieses Grenzgebiet zurückgekehrt. Israel hat Gruppen wie den IS und andere islamistische Milizen in dem Gebiet logistisch unterstützt, u.a. mit Waffen, Munition, Ausrüstung und medizinische Versorgung für verwundete Kämpfer.

Laut den IDF ist das Flugzeug von dem Luftwaffenstützpunkt T4 nahe Palmyra in Zentralsyrien aufgestiegen. Der Stützpunkt war in der Vergangenheit mehrfach Ziel israelischer Luftangriffe, die sich angeblich gegen die dort stationierten iranischen Militärberater richteten.

Der Angriff selbst steht im Zusammenhang mit den zunehmend aggressiveren israelischen Operationen gegen iranische Ziele in Syrien. Die letzten Luftangriffe ereigneten sich noch weit nördlich der Grenze, u.a. nahe Aleppo.

Nur einen Tag vor dem Abschuss des syrischen Flugzeugs waren der russische Außenminister Sergei Lawrow und der Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte General Waleri Gerasimow nach Jerusalem geflogen und hatten mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu diskutiert. Ein Sprecher des russischen Außenministeriums bezeichnete das Treffen als „dringend und wichtig“.

Laut israelischen Quellen hat Lawrow Netanjahu den Vorschlag unterbreitet, Russland würde dafür sorgen, dass iranische Berater und vom Iran unterstützte Milizen mindestens 100 Kilometer von der syrischen Südgrenze entfernt bleiben. Netanjahu soll demnach das Angebot abgelehnt und den Abzug aller Iraner und vom Iran unterstützter Truppen aus Syrien gefordert haben.

Der Iran beharrte darauf, dass seine Berater auf Einladung der syrischen Regierung in Syrien seien und er nicht die Absicht habe, sie abzuziehen.

Im Vorfeld des Treffens hatte Netanjahu angekündigt, er werde den Russen mitteilen, dass „Israel auf der Einhaltung des Abkommens über die Trennung von Streitkräften zwischen uns und Syrien beharren wird, so wie es jahrzehntelang bis zum Beginn des Bürgerkriegs in Syrien befolgt wurde“.

Er erklärte außerdem, Israel werde „weiterhin gegen jeden Versuch des Iran und seiner Stellvertreter vorgehen, sich militärisch in Syrien festzusetzen“.

Ein Sprecher des russischen Außenministeriums dementierte am Dienstag die israelische Darstellung des Treffens und erklärte: „Israels Führung hat Russlands Bestrebungen zur Einrichtung einer Deeskalationszone im Südwesten Syriens sehr hoch bewertet. Diese Pläne sehen den Abzug aller nicht-syrischen bewaffneten Gruppen aus dem Gebiet vor.“

Netanjahu hatte sich am 11. Juli in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. Kurz darauf folgte das Gipfeltreffen zwischen Putin und Trump in Helsinki, bei dem beide andeuteten, dass sie über Syrien und die Sicherheit Israels diskutiert hatten.

Israel wusste offenbar im Vorfeld des provokanten Angriffs auf den syrischen Kampfjet, dass dieses Suchoi-Flugzeug aus russischer Produktion nicht von einem russischen Piloten gesteuert wurde. Die russische und israelische Militärführung haben Kommunikationskanäle aufgebaut, die es israelischen Kampfflugzeugen erlauben, syrische und vermeintlich iranische Ziele in Syrien anzugreifen, ohne sich der Gefahr durch hochmoderne russische Luftabwehrsysteme auszusetzen.

Israel hat auch aus Washington grünes Licht für seine Angriffe erhalten, da die USA selbst ihre Konfrontation mit dem Iran massiv verschärfen. Am Sonntag hatte Trump in einem vollständig in Großbuchstaben verfassten Tweet dem Iran gedroht, er werde „KONSEQUENZEN TRAGEN, DIE NUR WENIGE IN DER GESCHICHTE ERTRAGEN MUSSTEN“, wenn er es „JE WIEDER WAGT“, Washington mit Vergeltungsmaßnahmen für illegale Sanktionen zu drohen – obwohl diese selbst eine Kriegshandlung seitens der USA darstellen.

Die syrische Regierung hat die Kontrolle über ihr Staatsgebiet weitgehend zurückerobert. Washington gibt zu, dass der IS, der angeblich der Grund für seine Intervention im Land war, besiegt ist. Dennoch halten US-Truppen das Land weiterhin besetzt und Israels Provokationen schaffen die Grundlage für eine dramatische Verschärfung des Nahostkonflikts. Ein relativ kleiner Zwischenfall könnte einen Krieg entfachen, an dem die großen Regional- und Weltmächte beteiligt wären.

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