Kalifornien in Flammen: Der soziale und politische Hintergrund der tödlichen Waldbrände

2. August 2018

Das zweite Jahr in Folge wird der US-Bundesstaat Kalifornien von verheerenden Waldbränden heimgesucht. Allein im Juli sind neun Menschen in den Flammen gestorben und über Tausend Häuser abgebrannt, so dass Zehntausende gezwungen waren, ihre Häuser zu verlassen.

Die Zahl der schrecklichen Tragödien nimmt zu. Am Donnerstag verließ der 76-jährige Ed Bledsoe seine Frau Melody (70) und seine Urenkel, die vierjährige Emily und den fünfjährigen James, um zu einem Arzttermin zu gehen. Das Feuer, das „Carr Fire“ genannt wird, hatte vier Tage lang in der Nähe seines Hauses in Shasta County gebrannt, aber sie befanden sich trotzdem nicht unter einem Evakuierungsbefehl.

Nach einem panischen Anruf seiner Frau, die sagte, sie könne das Feuer kommen sehen, raste Bledsoe zurück, blieb aber im Verkehr stecken und wurde durch das vordringende Feuer blockiert. Er war nicht in der Lage, nach Hause zurückzukehren, aber erreichte seine Familie über Handy, als sie sich unter nassen Decken zusammengedrängt hatte und vom Feuer ergriffen wurde.

Ihr tragischer Tod ist Teil der sozialen Katastrophe, die jede Naturkatastrophe hervorruft. Ursache des Ereignisses ist oft höhere Gewalt, die der Mensch nicht kontrollieren kann, aber diese trifft auf ein soziales und politisches System, in dem alle Bedürfnisse der Profitmaximierung der Wirtschafts- und Finanzelite untergeordnet werden.

Während in Kalifornien die Brände wüten, stieg in Griechenland die Zahl der Todesopfer in der Waldbrandkatastrophe der vergangenen Woche auf 88 an. Während die unmittelbare Ursache dieser Brände noch untersucht wird, besteht kein Zweifel daran, dass die von den europäischen Banken diktierten Sparmaßnahmen der Syriza-Regierung für die hohe Opferzahl verantwortlich sind. In den letzten zehn Jahren wurde bei der Feuerwehr über 20 Prozent gespart, in der gesamten öffentlichen Infrastruktur gekürzt und der Katastrophenschutz ausgehöhlt. Hinzu kommen weitere Kürzungen bei den Energieversorgern, die zu Strom- und Wasserversorgungsausfällen beigetragen haben.

In Kalifornien sind aufgrund der anhaltenden Dürreperioden große Teile der Region ausgetrocknet, was die Ausbreitung anhaltenden Brände beschleunigt. Von den zehn verheerendsten Waldbränden, die in Kalifornien verzeichnet wurden, fanden allein vier innerhalb der letzten zehn Monate statt.

43 Menschen starben bei den Bränden im vergangenen Jahr. Fast 10.000 Gebäude wurden zerstört und eine Viertelmillion Menschen evakuiert. Eine im vergangenen Monat veröffentlichte Untersuchung ergab, dass ein Dutzend der Brände, die im Oktober 2017 neun Menschen in Nordkalifornien töteten, durch Stromleitungen der Pacific Gas and Electric Company verursacht wurden. Hier werden die fatalen Konsequenzen der vernachlässigten Infrastruktur sichtbar.

Auch der Klimawandel gehört zu den Faktoren, die die Häufigkeit und Intensität der Brände erhöhen. Studien am National Center for Atmospheric Research zeigen, dass erhöhte globale Temperaturen zu wärmeren Wintern geführt haben, die die Zeit bis zum Schmelzen der Schneedecke und somit auch bis zum Verdampfen des neu entstandenen Wassers verkürzen.

Die britische Zeitung Guardian zitiert Professor Anthony LeRoy Westerling von der University of California, der feststellt, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels „wahrscheinlich beschleunigen werden“. Es werde zu unseren Lebzeiten keine „neue Normalität“ geben. Das Carr-Feuer sei nur einer von „einer ganzen Reihe großer Brände, die sich auf untypische Weise verhalten haben“. So bildeten sich etwa sogenannte „Feuertornados“, vertikale, mit Flammen erfüllte Luftwirbel, die in rasender Geschwindigkeit die Häuser zerstörten.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in Europa und weltweit. Die Daten der Satelliten Suomi NPP, Terra und Aqua zeigen, dass sich die Landschaft in Europa im vergangenen Monat aufgrund der rekordverdächtigen Dürreperioden in Deutschland, Großbritannien, Irland und Norwegen von Grün auf Braun verändert hat. Etwa fünfzig Waldbrände, die 25.000 Hektar Land niedergebrannt haben, wüteten Mitte Juli in Schweden.

Trotz der zunehmenden Warnungen von Wissenschaftlern über die Folgen des Klimawandels sind die kapitalistischen Staaten, die von nationalen Konflikten getrieben werden und sich den Profiten riesiger Konzerne unterordnen, nicht in der Lage, ernsthafte Maßnahmen gegen diese Entwicklung zu ergreifen.

Es gibt viele Faktoren, die zur Ausbreitung von Bränden beitragen – zahlreiche Maßnahmen könnten ergriffen werden, um deren Auswirkungen zu mildern. Der Forstdienst der USA schätzt, dass es in der Wildnis Kaliforniens ungewöhnlich viele tote Bäume gibt – 129 Millionen – die durch Dürre und Käferbefall gestorben sind. Die immense Menge an brennbarem Material verstärkt und beschleunigt die Verbreitung der Brände.

Häuser werden überall gebaut, wo Bauunternehmen sich große Gewinne versprechen. Sie tragen keine Haftung für langfristige Risiken. Darüber hinaus haben die steigenden Wohnkosten viele Menschen gezwungen, außerhalb der Großstädte in kleineren Orten und Vororten, wo ein höheres Brandrisiko herrscht, nach günstigeren Mietwohnungen zu suchen. Die kalifornische Wald- und Brandschutzbehörde Cal Fire identifizierte in Kalifornien mehr als 1.300 Gemeinden „mit hohem Schadensrisiko durch Waldbrand“. Diese Liste wurde jedoch aus den Daten der Volkszählung von 1990 zusammengestellt und 2001 veröffentlicht. Seitdem gab es keine Aktualisierung.

Hinzu kommen die Auswirkungen der ständig unterfinanzierten Feuerwehren, die seit der Wirtschaftskrise 2008 mit einer Reihe von Budgetkürzungen konfrontiert sind. Ein Viertel der kalifornischen Feuerwehrleute für Waldbrände sind Gefängnisinsassen, die bei der aktiven Brandbekämpfung 1 Dollar pro Stunde und bei präventiver Arbeit nur 2 Dollar am Tag erhalten. Zwei dieser Arbeiter starben bei den Bränden im Jahr 2017.

Die Folgen der Brände für die Betroffenen sind katastrophal: Wer in den Flammen alles verloren hat, sieht sich danach den Versicherungsgesellschaften ausgeliefert – wenn er überhaupt eine Versicherung hatte. Bledsoe, der seine Familie verlor, war Mieter ohne Versicherung. Alles, was ihm geblieben ist, sind sein Truck und die Kleidung, die er am Leib trug. Nur eine GoFundMe-Initiative, die ein Familienfreund für ihn gestartet hat, schützt ihn vor der völligen Armut.

Es sind Mittel vorhanden, um Sofortmaßnahmen zu ergreifen und die Bedingungen, unter denen solche Katastrophen entstehen, anzugehen. Kaliforniens aktueller Notfallfonds für Waldbrände umfasst 442,8 Millionen Dollar – davon wurde seit dem 1. Juli ein Viertel ausgegeben, 114,7 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Jeff Bezos, Amazon-Chef und reichster Mann der Welt, streicht in zwei Tagen mehr Geld ein – 510 Millionen Dollar. Was Bezos in einer Woche verdient, entspricht in etwa dem gesamten Budget von Cal Fire, das die 12,5 Millionen Hektar der kalifornischen Wildnis verwaltet.

In einer sozialistischen Planwirtschaft würden Milliarden für den wissenschaftlichen Brandschutz und Methoden der kontrollierten Verbrennung bereitgestellt werden. Ressourcen müssten in die Errichtung von Frühwarnsystemen und Evakuierungsrouten investiert werden. Jeder hätte Zugang zu modernem Wohnraum in Siedlungen, die von Anfang an geplant werden, um Waldbrände zu vermeiden. Denjenigen, die trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ihr Zuhause verlieren, würde neuer Wohnraum zur Verfügung gestellt. Weltweit würden Sofortmaßnahmen ergriffen, um den Klimawandel aufzuhalten und umzukehren.

Jede Naturkatastrophe enthüllt die soziale und politische Realität. Während die kalifornischen Brände wüten, plant die Trump-Regierung neue Milliarden-Steuersenkungen für die Reichen. Die Demokraten, die im Bundesstaat Kalifornien regieren, konzentrieren alle Kräfte darauf, Donald Trump zu verurteilen, weil er gegenüber Russland angeblich nicht aggressiv genug auftritt, und gleichzeitig versuchen sie sicherzustellen, dass das Militär mit einem gigantischen Budget von 716 Milliarden Dollar ausgestattet wird.

Das gesamte politische Establishment, das der großen Mehrheit der Bevölkerung völlig gleichgültig und feindlich gesinnt ist, stellt in diesen verheerenden Ereignissen den eigenen Bankrott zur Schau und offenbart die Irrationalität des kapitalistischen Systems, in dem die herrschende Klasse ihre Macht ausübt.

David Brown

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