Buchbesprechung: „Crashed“ von Adam Tooze

Die Grenzen eines linksliberalen Historikers

Von Nick Beams
3. Oktober 2018

Der Historiker Adam Tooze hat eine detaillierte Darstellung der Entstehung und Entwicklung der globalen Finanzkrise von 2008 und ihrer Folgen veröffentlicht.

„Crashed – Wie zehn Jahre Finanzkrise die Welt verändert haben“

In der Einleitung zu „Crashed“ bezeichnet sich der Autor als linksliberalen Historiker, für den es am zehnten Jahrestag „nicht angenehm“ sei, auf die Finanzkrise 2008 zurückzublicken.

Indem er beiläufig auf die enorme Gefahr dieser Krise hinweist, deren Folgen noch immer nachwirken, stellt er fest: „Ein zehnjähriger Gedenktag zu 1929 wäre 1939 [dem Jahr des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs] fällig gewesen … Wir sind nicht so weit, zumindest noch nicht. Aber das ist zweifellos unangenehmer und beunruhigender, als man es sich vor Beginn der Krise hätte vorstellen können“ (S. 21, alle Zitate aus dem Englischen).

Tooze‘s Selbstbeschreibung als Linksliberaler verweist zumindest in gewissem Maße auf die Stärken und Schwächen seines Buches.

Als „Linker“ nimmt er eine wichtige Analyse der Abläufe im globalen Finanzsystems vor, die zum Zusammenbruch geführt hatten, und untersucht die „Klassenlogik“, mit der die unmittelbare Krise bewältigt wurde.

Aber als Liberaler, dessen Perspektive nicht über den Rahmen der kapitalistischen Ordnung hinausgeht, betrachtet er den freien Markt und das Profitsystem als die einzig mögliche Gesellschaftsform. Das ist der Standpunkt des gesamten akademischen Milieus, in dem er arbeitet. Er untersucht nicht die tiefere historische Bedeutung der Krise. Obwohl er sich manchmal über die Maßnahmen zur Rettung der Banken und ihrer Aktionäre empört, die zugleich das Leben von Millionen von Menschen zerstörten, liefert er am Ende eine Rechtfertigung für das, was getan wurde.

Es ist bezeichnend, dass in einem Buch von mehr als 600 Seiten der Name von Karl Marx, der etwas über die Widersprüche des kapitalistischen Systems mit seinen wiederkehrenden Krisen und Zusammenbrüchen zu sagen hätte, kein einziges Mal erwähnt wird. Auch bleibt die Art und Weise unerwähnt, wie „die moderne Staatsgewalt …nur ein Ausschuss [ist], der die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisie verwaltet“.

Immerhin beschreibt Tooze sehr wohl diese letztere grundlegende Tatsache des politischen Lebens. Er stellt fest, dass man „der absoluten Priorität, das Finanzsystem zu retten, alles nachgeordnet hatte. Man schuf in bitter ironischer Weise die Voraussetzungen für eine bemerkenswerte Umkehr. Während seit den 1970er Jahren das unablässige Mantra der Finanzindustriellen in den freien Märkten und der leichten Regulierbarkeit bestand, forderten sie nun die Mobilisierung sämtlicher staatlicher Ressourcen, um die finanzielle Infrastruktur der Gesellschaft vor der Bedrohung durch eine systemische Explosion zu bewahren, eine Bedrohung, die sie mit einem militärischen Notstand verglichen“ (S. 165).

Wie Tooze erklärt, habe er angenommen, dass die Krise 2008–2012 überwunden gewesen sei, als er mit der Arbeit an dem Buch zum Crash begann. „Es sollte eine Jubiläums-Retrospektive über eine Krise sein, die abgeschlossen war.“

Bei näherer Betrachtung habe sich jedoch gezeigt, dass dies nicht der Fall war. „Wir müssen jetzt konstatieren, dass die Krise entgegen den Einschätzungen aus den Jahren 2012–2013 noch gar nicht vorbei ist. Die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007–2012 mutierte zwischen 2013 und 2017 zu einer umfassenden und geopolitischen Krise der Nachkriegsordnung“ (S. 20).

Damit macht er eine korrekte Aussage. Er unterstreicht, dass die nächste Finanzkrise unter Bedingungen ausbrechen wird, in denen viel intensivere geopolitische Spannungen und Konflikte vorherrschen als noch vor einem Jahrzehnt. Und mit der grassierenden Spekulation und den erhöhten Schuldenständen sind alle Voraussetzungen für einen erneuten Ausbruch gegeben.

Was die unmittelbaren politischen Folgen betrifft, lokalisiert Tooze in der Krise von 2008 und ihren Nachwirkungen den Sieg von Trump und die „außerordentlich ungeschliffene Vielfalt postfaktischer Politik, die Trump verkörpert“. Wer jedoch, fährt er fort, die „Postfaktualität“ (d.h. das Lügen) allein mit Trump und seinem Gefolge assoziiere, der erliege einer „Wahnvorstellung“.

Vielmehr sei es typisch für die ganze „Mainstream-Politik“, dass sie unfähig sei, mit der Situation sachlich umzugehen.

„Wir brauchen nicht zur berüchtigten, irreführenden und inkohärenten Erzählung zurückzukehren, wie sie für den Irakkrieg und die Medienberichterstattung darüber erfunden wurde. Auch der derzeitige Präsident der Europäischen Kommission [Jean-Claude Juncker] im Frühjahr 2011 verkündet: ,Wenn es ernst wird, musst du lügen‘.“ Anders ausgedrückt: „Eine Strategie der Unwahrheit für den öffentlichen Diskurs ist einfach das, was die Herrschaft des Kapitalismus derzeit benötigt“ (S. 21-22).

Aber logische Schlüsse aus diesem suggestiven Kommentar zieht der Autor nicht. Denn für einen Liberalen, egal wie links, würden sich daraus zu viele beunruhigende Fragen über die historische Lebensfähigkeit des Systems ergeben, das er schließlich verteidigt.

Immerhin liefert Tooze einige wertvolle Einblicke in die Entstehung und Entwicklung der Finanzkrise.

Das ergibt sich aus seinem methodischen Ansatz zur Untersuchung des globalen Finanzsystems. Dessen Dynamik, so Tooze, sei nicht nachzuvollziehen im Rahmen der keynesianischen Ökonomie mit ihrem Fokus auf dem Bruttoinlandsprodukt und den Handelsbilanzen.

Um das Finanzsystem zu verstehen, müsse der Fokus statt auf nationale Wirtschaftsdaten auf Unternehmensbilanzen gerichtet werden, „wo das eigentliche Handeln im Finanzsystem stattfindet“.

„Das Finanzsystem besteht nicht aus ‚nationalen Geldströmen‘. Es besteht auch nicht aus einer Masse von winzigen, anonymen, mikroskopisch kleinen Unternehmen – dem Ideal des ‚perfekten Wettbewerbs‘ (was eine ökonomische Entsprechung zum partikulären Bürger darstellen würde). Die überwiegende Masse der privaten Kreditvergabe erfolgt durch eine eng geknüpfte Unternehmens-Oligarchie … Auf globaler Ebene sind zwanzig bis dreißig Banken wichtig … Die nackte Wahrheit über Ben Bernankes ‚historische Entscheidung‘ zur globalen Liquiditätsausweitung lautet, dass es darum ging, Billionen von Dollar in Form von Krediten an diesen Bankenklüngel, seine Aktionäre und seine unverschämt hochbezahlten Führungskräfte zu vergeben … Obwohl es gar kein Geheimnis ist, dass wir in einer Welt leben, die von Geschäftsoligopolen beherrscht wird, wurde diese Realität während der Krise und den daraus erwachsenden Regierungs-Implikationen jedermann offensichtlich. Dies ist eine unpopuläre und explosive Wahrheit, die dem demokratischen Handeln auf beiden Seiten des Atlantiks die Luft abdrückt“ (S. 13)

Nirgendwo wurde diese Erdrosselung deutlicher als in Griechenland. Die berüchtigte Troika aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank setzte verschiedene „Rettungs“-Aktionen durch, die den Lebensstandard des griechischen Volkes massiv senkten und die Gelder in die Hände der Privatbanken umleiteten. Kein Widerspruch wurde toleriert. Wie der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble erklärte: „Man kann nicht zulassen, dass Wahlen die Wirtschaftspolitik beeinflussen.“

Tooze verweist auf die historische Bedeutung der Entscheidung von Präsident Nixon vom 15. August 1971, dem US-Dollar die Golddeckung zu entziehen.

Dies markierte das Ende des Nachkriegs-Währungssystems, das auf der Konferenz von Bretton Woods 1944 eingeführt worden war. Nach diesem System war jede wichtige Währung der Welt zu einem festen Kurs an den US-Dollar gebunden, der wiederum zum Kurs von 35 US-Dollar pro Unze Gold gedeckt war. Dieses Abkommen war in den 1950er und 1960er Jahren ein wichtiger Bestandteil des Finanzsystems, das die Grundlage für den kapitalistischen Boom der Nachkriegszeit darstellte und durch strenge Kontrollen des Kapitalverkehrs gestützt wurde.

Das Bretton-Woods-System bot eine stabile Basis für die Ausdehnung der internationalen Investitionen der USA, insbesondere nach Europa. Und wohin die Produktion geht, dahin folgt die Finanzierung. Aber das gesamte System war von Anfang an von einem tiefen Widerspruch geprägt. Die globale Liquidität hing vom Abfluss des Dollars aus den USA ab, aber dieser Abfluss hatte den Effekt, dass das Verhältnis der US-Währung zu Gold untergraben wurde.

Ab den späten 1950er Jahren und zunehmend in den 1960er Jahren wurde die City of London zum Zentrum des so genannten Euro-Dollar-Marktes, über den Finanzgeschäfte getätigt werden konnten, ohne den in den USA geltenden Vorschriften zu unterliegen. Wie Tooze betont: „In den 1960er Jahren boten die Eurodollar-Konten in London den Rahmen für einen weitgehend unregulierten globalen Finanzmarkt“ (S. 80).

Damit gibt es zu, dass die Offshore-Dollars, getrieben von der Suche nach Profit und gestärkt durch Risikoinvestments der Banken, eine zerstörerische Kraft entwickelten, da sie den offiziellen Dollarwert im Rahmen von Bretton Woods kaum beachteten, und dieser Druck musste dazu führen, dass die Dollar-Gold Konvertierbarkeit nicht zu halten war.

Diese Rolle der City of London weitete sich in den 70er Jahren rapide aus, als aufgrund von Nixons Entscheidung keine Währung der Welt mehr an Edelmetallen gemessen wurde. Die Rolle der Londoner City wurde mit der finanzpolitischen Wende der Thatcher-Regierung im Jahr 1986 noch wichtiger. Die Deregulierungspolitik setzte sich unter der Labour-Regierung von Blair fort, so dass „für die besonders schnellen, globalen Transaktionen London, und nicht die Wall Street, die bevorzugte Börse war“ (S. 81).

2007 wurden zuletzt 35 Prozent des täglichen weltweiten Devisenumsatzes von 1 Billion Dollar in der City of London getätigt. Sie wurde auch das Zentrum für Zinsderivate. Von einem weltweiten Jahresumsatz von 600 Billionen Dollar beanspruchte London 43 Prozent gegenüber 24 Prozent in New York. Tooze schreibt: „Das, was wir heute als amerikanische Finanzhegemonie kennen, hatte eine komplexe Geographie.“ Es sei „genauso wenig auf die Wall Street reduzierbar, wie die Herstellung von iPhones auf das Silicon Valley reduziert werden kann“ (S. 80).

Dieser Fokus auf den globalen Charakter des Finanzsystems ist eine Stärke von Toozes Analyse. So ist es ein wiederkehrendes Thema in den Kommentaren zur Krise der letzten zehn Jahre, dass sie durch die Abschaffung der Regulierungsmechanismen in den USA ausgelöst worden sei. Dieser Prozess kam in Gang, als im Jahr 1999 mit dem Glass Steagall Act das letzte wichtige Gesetz seit den 1930er Jahren aufgehoben wurde und die Clinton-Regierung den Financial Modernization Act einführte. Diese Entscheidung erfolgte auf Druck des internationalen Wettbewerbs, vor allem aus der City of London.

Charles Schumer, der demokratische Senator von New York, betonte damals, auf dem Spiel stehe „die Zukunft der Dominanz Amerikas als Finanzzentrum der Welt“. Wenn der Kongress das Gesetz nicht verabschiede, dann würden London, Frankfurt oder Shanghai übernehmen.

Tooze schreibt: „New York verschaffte sich sicherlich eigene Vorteile, aber das sollte einen nicht dazu verleiten, in Kategorien von nationale Champions zu denken. Niemand war aktiver an der Gestaltung des globalen Handelsplatzes in London beteiligt als abgewanderte amerikanische Banker, die für die Londoner Büros großer Wall-Street-Firmen arbeiten. Was die Wall Street wollte, war die Freiheit, die abenteuerlichen Praktiken, die vor allem die ‚erfahrenen Broker‘ in London entwickelt hatten, nach Hause zu bringen“ (S. 82).

Diese Verbindung weist auf den Grund für die schnelle Ausbreitung der Krise über den Atlantik hin. Das gesamte nordatlantische Finanzsystem, britische und europäische kontinentale Finanzhäuser, die oft über die City of London operierten, waren von Anfang an stark in die zunehmend spekulativen und in einigen Fällen sogar kriminellen Aktivitäten involviert, die den Absturz auslösten.

Die Behauptung, dass das „soziale Europa“ in irgendeiner wesentlichen Weise von der Logik des aufgeladenen „Turbokapitalismus“ abgewichen sei, weist Tooze als Illusion zurück. „Tatsächlich war Europas Finanzkapitalismus noch spektakulärer überspannt und verdankte einen großen Teil seines Wachstums seiner tiefen Verstrickung in den amerikanischen Boom“ (S. 116).

Indem er die historischen Ursprünge der Krise, ihren globalen Charakter und die „Klassenlogik“ der Rettungsaktionen aufzeigt, vermittelt Tooze uns einige wichtige Erkenntnisse.

Dasselbe kann man nicht behaupten, sobald er sich auf das Gebiet der Politik begibt. Besonders schwach ist er da, wo es um ein Nachbeben geht, den politischen Umbruch in der Ukraine im Jahr 2014, bei dem die USA eine Regime-Change-Operation durchführte. Zwar bezieht er sich auf Victoria Nuland, die stellvertretende Staatssekretärin für europäische und eurasische Angelegenheiten, die an der manipulierten Amtsenthebung von Präsident Janukowitsch beteiligt war.

Dabei folgt Tooze jedoch der offiziellen Linie, dass dies letztlich das Ergebnis einer „lautstarken und mutigen Minderheit in der ukrainischen Bevölkerung“ gewesen und die Regierung durch „Volksprotest“ gestürzt worden sei. Er lässt unter den Tisch fallen, dass die treibende Kraft dieser „mutigen Minderheit“ und „Volksbewegung“ rechtsextreme und faschistische Kräfte waren, deren Ursprünge direkt auf besonders üble Verbrechen der Nazis zurückgehen.

In seinem Schlusskapitel grübelt Tooze über die Bedeutung der von ihm analysierten Ereignisse. Er urteilt über die Bankenrettungen wie folgt: „Als eigentliche kapitalistische Stabilisierungsmaßnahme war die eilig zusammengeschusterte Reaktion des US-Finanzministeriums und der Fed bemerkenswert erfolgreich. Ziel war es, die Liquidität der Banken wiederherzustellen. Nicht nur hat sie dies erreicht, sondern sie hat darüber hinaus dem gesamten, auf dem Dollar basierenden Finanzsystem, Europa und den aufstrebenden Märkten massive Liquiditäts- und Währungsimpulse verliehen“ (S. 610).

In eingeschränkter Weise kann man das so sehen. Doch als Wirtschaftshistoriker ist sich Tooze mehr als bewusst, dass wirtschaftliche „Lösungen“ an einer Stelle sehr oft zum Auslöser einer neuen Krise an anderer Stelle werden. Und das letzte Wort ist sicherlich zu den finanziellen Maßnahmen, die in den letzten zehn Jahren entwickelt wurden, noch nicht gesprochen. Immerhin hat die Rettungsaktion der Fed und anderer Zentralbanken eine zügellose Spekulation, einen Anstieg der Verschuldung, einen unhaltbaren Börsenboom in den USA, die Schaffung einer immer reicheren und raffgierigeren Finanzoligarchie und eine nie dagewesene soziale Ungleichheit hervorgebracht.

Das soll nicht bedeuten, dass Tooze die großen historischen Probleme infolge der Ereignisse, die er schildert, für gelöst hält. Weit gefehlt. Wie er schreibt, könnte das Jahr 1914, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, „ein guter Ansatzpunkt [sein], über die Art von historischen Problemen nachzudenken, die die Finanzkrise von 2008 stellt. Eine auffallende Ähnlichkeit besteht zwischen den Fragen, die uns das Jahr 1914 aufgibt, und den Fragen, die wir zu 2008 stellen müssen“ (S. 615).

Dann nennt er eine Reihe solcher Fragen, zum Beispiel: Wie kommt es zum Ende einer Periode des kontrollierten Weltwirtschaftswachstums? Sind wir wie Schlafwandler in die Krise geschliddert, oder haben uns dunkle Kräfte dahin geschoben? Ist die ungleiche und vernetzte Entwicklung des globalen Kapitalismus die Antriebskraft für die gesamte Instabilität und für das Menschen-gemachte Desaster?

„Das sind die Fragen, die wir uns seit hundert Jahren zu 1914 stellen. Es ist kein Zufall, dass auch die Fragen, die wir uns zum Crash von 2008 mit all seinen Folgen stellen, ähnlich lauten. Diese Fragen stellen sich zu allen großen Krisen der Moderne“ (S. 616).

Es ist jedoch bezeichnend, dass er auf keine dieser Fragen eine Antwort geben kann. In einer früheren Periode hätte ein liberaler Historiker eine Perspektive geboten, zumindest eine Art Reform vorgeschlagen. Aber Tooze ist dazu nicht in der Lage, weil es im Rahmen des Kapitalismus keine Lösung mehr gibt, und weil seine gesamte politische Perspektive auf dem Kapitalismus beruht. Also lässt er die Fragen offen.

Aber für Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt ist die Antwort auf diese Fragen eine Sache von Leben und Tod. Das bedeutet, eine Reise auf historisches Gebiet zu unternehmen, wohin uns Tooze wegen seiner Klassenposition und seiner politischen Einstellung nicht folgen wird.

Wer diesen Weg zumindest skizzieren möchte, muss wie Tooze bei 1914 beginnen. Dazu erklärte Leo Trotzki in seinem berühmten Text „Krieg und die Internationale“ (1915): „Der Krieg von 1914 ist der größte Zusammenbruch eines an seinen eigenen Widersprüchen zugrunde gehenden ökonomischen Systems, den die Geschichte kennt.“

Er betonte, dass die Perspektive der sozialistischen Weltrevolution, der Sturz der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse auf internationaler Ebene von der Arbeiterklasse als „praktisches Programm“ der Gegenwart vorangetrieben werden müsse, wenn die Menschheit nicht in die Barbarei zurückgeworfen werden solle.

In diesem Fall wurde der revolutionäre Aufschwung, der mit der Russischen Revolution vom Oktober 1917 begann, zurückgedrängt und besiegt. Das Ergebnis war die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, die Entstehung faschistischer Regime, Massenmord und dann der Ausbruch eines zweiten Weltkrieges, der in der Verwendung von Atomwaffen gipfelte. Kurz gesagt, Barbarei.

Auf der Grundlage des Blutes und der Knochen von Millionen wurde etwas Stabilität wiederhergestellt, und der Kapitalismus erlebte sogar einen Boom. Kurzsichtigen Beobachtern schien es, dass seine Widersprüche, wenn auch nicht vollständig überwunden, zumindest unter Kontrolle gebracht worden seien. Aber sie entwickelten sich weiter und führten innerhalb von nur einer Generation zum Ende der Nachkriegsordnung und setzten die Prozesse in Gang, die den kapitalistischen Zusammenbruch des Jahres 2008 und seine Folgen hervorriefen.

Mit anderen Worten, die wirklich historischen Prozesse und Ereignisse, die Tooze selbst analysiert und detailliert vorstellt, bedeuten, dass – wie Trotzki zu Beginn dieser Epoche darlegte – die Perspektive der sozialistischen Weltrevolution, die Entwicklung einer höheren Form der sozialen Organisation, die auf menschlichen Bedürfnissen und nicht auf privatem Profit basiert, jetzt zum „praktischen Programm des Tages“ werden muss. Das ist die Bedeutung der Krise von 2008.

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