Große Resonanz auf David Norths Vortrag über die Geschichte der Vierten Internationale in Colombo

Von Von unseren Reportern
10. Oktober 2018

Am Sonntag hielt David North, Chefredakteur der Internationalen Redaktion der World Socialist Web Site, in der New Town Hall in Colombo, Sri Lanka vor einem 300-köpfigen Publikum einen Vortrag mit dem Thema „Lehren der Geschichte und der Kampf für den Sozialismus heute“.

North, der auch Vorsitzender der amerikanischen Socialist Equality Party (SEP) ist, besuchte das Land auf Einladung der srilankischen Schwesterpartei. Vier Tage zuvor, am 3. Oktober, hielt er an der Universität Peradeniya einen Vortrag über das gleiche Thema, der ebenfalls auf große Resonanz stieß.

Die beiden Veranstaltungen waren Teil einer Serie von Vorträgen, die vom Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI) zum 80. Jahrestags der Gründung der Vierten Internationale durch Leo Trotzki auf der ganzen Welt organisiert werden. Die Veranstaltung in Colombo fiel außerdem auf den 50. Jahrestag der Gründung der srilankischen SEP.

David North

Aufgrund der intensiven Kampagne von SEP-Mitgliedern und ihrer Jugendbewegung, der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), nahmen viele Arbeiter, Studierende und gesellschaftlich interessierte Intellektuelle aus mehreren Teilen der Insel an der Veranstaltung teil. Bezeichnenderweise reiste ein großes Kontingent von SEP- sowie IYSSE-Mitgliedern und -Anhängern über 400 Kilometer aus dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Norden der Insel an, um an der Veranstaltung in Colombo teilzunehmen.

Wije Dias, Generalsekretär der srilankischen SEP, leitete die Veranstaltung. Er erklärte, der 80. Jahrestag der Gründung der IV. Internationale falle zusammen mit einem entscheidenden Wendepunkt im internationalen Klassenkampf: „Einerseits bewegen sich die imperialistischen Großmächte auf einen dritten Weltkrieg hin, der mit Atomwaffen geführt werden wird. Gleichzeitig errichten die herrschenden Klassen in allen Ländern repressive autoritäre Regimes. Andererseits leistet die Arbeiterklasse Widerstand gegen diese Kriegsvorbereitungen und hat dieses Jahr in den USA eine Welle von Klassenkämpfen begonnen, die sich auf Europa, den Nahen Osten, Südasien und den Fernen Osten ausgedehnt hat.“

Dias betonte: „Was jetzt zusammenbricht, ist das kapitalistische Weltwirtschaftssystem. Ein alternatives Gesellschaftssystem muss aufgebaut werden.“ Weiter erklärte er, zu diesem Zweck müsse eine weltweite Föderation sozialistischer Republiken unter der Führung der Arbeiterklasse aufgebaut werden. Die Arbeiterklasse müsse alle unterdrückten Massen um sich sammeln.

Wije Dias

Dias machte klar: „Sri Lanka ist für die Arbeiter und Unterdrückten ein Paradebeispiel für die katastrophalen Folgen einer Abkehr vom Programm des internationalen Sozialismus.“ Damit meinte er den Verrat der Lanka Sama Samaja Party (LSSP) im Jahr 1964, der von den pablistischen Revisionisten abgesegnet wurde. Die heutige SEP wurde im Jahr 1968 als Revolutionary Communist League gegründet, um sich wieder auf den internationalen Sozialismus zu besinnen.

Weiter erklärte Dias: „Wir gedenken dieser Geschichte, weil ihre Lehren von entscheidender Bedeutung für die heutigen Klassenkämpfe sind. Die grundlegendste dieser Lehren ist die Notwendigkeit, die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse herzustellen und für ein internationales sozialistisches Programm sowie eine sozialistische Republik Sri Lanka und Eelam als Teil der sozialistischen Republik Südasiens zu kämpfen.“

Als Dias North vorstellte, wies er drauf hin, dass er eine Autorität in der Geschichte der trotzkistischen Bewegung ist und eine entscheidende Führungsrolle im IKVI gespielt hat, vor allem nach der Spaltung 1985–86 von den Renegaten der Workers Revolutionary Party. Dias erwähnte, dass sich die Sektionen des IKVI Mitte der 1990er von Bünden zu Parteien umgebildet haben. Außerdem verwies er auf die Gründung der World Socialist Web Site im Jahr 1998 als Organ der trotzkistischen Weltbewegung. Er stellte zusätzlich mehrere wichtige Bücher vor, die North verfasst hat.

Ein Teil des Publikums in Colombo

Zu Beginn seines Vortrags ging North auf die entscheidende Lehren der Geschichte im Kampf für den Sozialismus in der Gegenwart ein: „Die revolutionäre Bewegung entwickelt ihr Programm und ihre Praxis durch die kontinuierliche kritische Beschäftigung mit der historischen Erfahrung. Ohne historischen Referenzpunkt ist es unmöglich, sich in den turbulenten Strömungen des Klassenkampfes zurechtzufinden. Außerdem, wie kann eine revolutionäre Partei ihre jungen Kader und die gesamte Arbeiterklasse ausbilden, wenn sie nicht die monumentalen revolutionären Ereignisse des letzten Jahrhunderts studiert?“

North sprach von der Notwendigkeit, „die Lehren aus Trotzkis Kampf gegen den Stalinismus zu studieren und sich anzueignen“, und bezeichnete diesen als „den fundamentalen theoretischen und politischen Kampf des letzten Jahrhunderts. Er ist von tiefgreifender und unmittelbarer Bedeutung für alle wichtigen Fragen der politischen Strategie, mit der die Arbeiter und alle diejenigen konfrontiert sind, die ernsthaft nach dem richtigen Weg für den Kampf gegen den Kapitalismus in der heutigen Welt suchen.“ North gab dann eine kurze Zusammenfassung der historischen und politischen Grundlagen der Vierten Internationale.

North schilderte, wie die imperialistischen Mächte, vor allem die USA, die Welt an den Rand eines atomaren Dritten Weltkriegs gebracht haben. Diese Entwicklung steht im direkten Gegensatz zu den Äußerungen der herrschenden Eliten unmittelbar nach der Auflösung der stalinistischen Regimes in der Sowjetunion und Osteuropa, der Kapitalismus werde der Menschheit „Frieden, Wohlstand und allgemeine Demokratie“ bringen.

Danach verwies North auf die „weit verbreiteten Diskussionen über die Gefahr einer Rückkehr des Faschismus an die Macht“ und zitierte aus mehreren aktuellen Büchern über das Thema. Zur Unfähigkeit sämtlicher Autoren dieser Bücher, die wirkliche Ursache für dieses Aufleben rechter faschistischer Kräfte zu erklären, erklärte North: „Trotzki hat die beste Analyse des Faschismus geliefert. Er betonte, dass die Wurzel dieser politischen Geißel in den Widersprüchen des Kapitalismus liegt und dass der Zusammenbruch der bürgerlichen Demokratie unter dem Druck der globalen Wirtschaftskrise, der internationalen geopolitischen Spannungen und der sozialen Konflikte im Inland ein unumkehrbarer Prozess ist.“

Weiter sagte North: „Die politischen Alternativen, die sich im Niedergang des Kapitalismus präsentieren, sind entweder die faschistische Barbarei oder die sozialistische Revolution. Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, welche dieser Alternativen sich durchsetzt. Der Triumph des Faschismus bedeutet das Ende der menschlichen Zivilisation. Der Sieg der sozialistischen Revolution eröffnet die Möglichkeit eines Wiederauflebens und einer neuen Blüte der menschlichen Zivilisation auf einem neuen und fantastischen Niveau. Vor dieser Entscheidung stehen wir.“

David North während seines Vortrags in Colombo

Im Namen der amerikanischen SEP und des IKVI überbrachte North zudem Grüße an die SEP zu ihrem 50. Jahrestag und erklärte, die srilankische Partei habe unter äußerst schwierigen Bedingungen standhaft für eine internationale sozialistische Perspektive gekämpft.

Zum Schluss des Vortrags antwortete North auf Fragen aus dem Publikum. Seine Antworten wurden gut aufgenommen. Der Vortrag wurde zum besseren Verständnis des Publikums simultan vom Englischen ins Singhalesische und Tamilische übersetzt.

Mehrere Teilnehmer sprachen vor und nach dem Treffen mit Reportern der WSWS.

Keshani

Keshani, eine Studentin an der Universität Colombo, erklärte, sie habe vorher nicht an den Sozialismus geglaubt und ihn für praktisch nicht umsetzbar gehalten. „Aber nach langen Diskussionen mit SEP-Aktivisten an der Universität bin ich jetzt überzeugt, dass in der heutigen Weltlage die Chancen für den Sozialismus besser stehen. Vor allem die internationale Perspektive, die eure Partei repräsentiert, hat mein Interesse am Sozialismus gestärkt. Keiner der anderen so genannten Sozialisten spricht noch von einem sozialistischen Programm.“

Über Norths Vortrag erklärte Keshani, sie habe viel daraus gelernt und die Antworten auf viele Fragen erhalten: „Die Notwendigkeit, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und uns auf die Grundlage internationaler Perspektiven zu stellen, wurde gut erklärt. Ich bin begeistert. Die Angriffe des Kapitalismus unter der Globalisierung müssen mit dem internationalen Zusammenschluss der Arbeiter beantwortet werden.“

Keshani erklärte, die Geschichte des Verrats der LSSP in Sri Lanka sei ihr neu, sie bezeichnete es aber als wichtige Lehre: „Ich bin bereit, über diese Dinge zu diskutieren und die Initiative zu ergreifen.“

Percy

Percy, ein nicht-wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Moratuwa, bezeichnete die in Norths Vortrag diskutierten Erfahrungen als entscheidend für die Arbeiterklasse: „Ohne diese Lehren kann es nicht vorangehen. Das Besondere an der SEP ist, dass sie die Stärke der Arbeiterklasse betont. Diese Stärke muss weiter ausgebaut werden. Ich glaube, dazu werden weitere Vorträge wie dieser notwendig sein. Als Beschäftigter einer Universität habe ich viele Kämpfe von Studenten miterlebt. Die Arbeiterklasse kann nur siegreich sein, wenn sie eine internationale Perspektive und Führung hat.“

Thaneswari aus dem nördlichen Point Pedro erklärte, sie sei überzeugt, dass der internationale Sozialismus notwendig sei, um die Probleme der Weltbevölkerung zu lösen. Die Arbeiter seien in einen globalen Produktionsprozess eingebunden.

Über den brutalen, 30 Jahre andauernden Bürgerkrieg in Sri Lanka erklärte Thaneswari, sie verstehe jetzt, dass die Menschen im Nationalismus gefangen waren, mit katastrophalen Folgen. „Parteien wie die Tamil National Alliance (TNA, eine Frontorganisation der bürgerlichen tamilischen Parteien) unterstützen die Bevölkerung nicht. Obwohl der Krieg vorbei ist, werden die Tamilen weiterhin von der Regierung unterdrückt.“ Sie begrüßte es, dass an der Veranstaltung sowohl Singhalesen als auch Tamilen teilnahmen.

Gnanavel, ein Buchhalter in der Northsea-Fabrik, erklärte: „Ich bin aus Jaffna gekommen, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Es ist wahr, dass der Kapitalismus vom Sozialismus abgelöst werden sollte.

David North hat über die Geschichte der Partei gesprochen. Es ist gut, die Arbeiterklasse zum internationalen Sozialismus zu führen, weil der Kapitalismus die Welt regiert.“

Weiter erklärte er, die Politik der Partei habe leider noch nicht die breite Masse erreicht, daher solle sie ihre Aktivitäten verstärken und ausweiten. Sie sollte solche Veranstaltungen in mehrheitlich von Arbeitern bewohnten Gebieten organisieren, um ihre Positionen zu erklären.

Awantha Atigala, ein bekannter srilankischer Cartoonist, erklärte gegenüber Reportern der WSWS: „Meiner Meinung nach ist die Vorstellung absolut lächerlich, man könnte die Probleme der Massen im nationalen Rahmen lösen. Die JVP, die FSP und andere pseudolinke Parteien sprechen nie über die Bedeutung der Weltwirtschaft für die Ereignisse in Sri Lanka.

Die Erläuterungen über den Stalinismus und andere revisionistische Tendenzen waren im Vortrag besonders wichtig. Viele Menschen setzen Sozialismus mit Stalinismus oder anderen Formen von kleinbürgerlichem Radikalismus gleich. Ich glaube, Arbeiter werden von der SEP angezogen, weil keine andere Partei der Arbeiterklasse eine echte Perspektive bietet.“

Anjana, ein Student aus Kalutara, erklärte: „In dem Vortrag wurde erwähnt, dass die Kapitalisten auf einen Weltkrieg zusteuern. Als Student der Wissenschaften bin ich mir bewusst, wie verheerend ein solcher Atomkrieg wäre.

North erwähnte das Wiederaufleben des Faschismus. In den 1930ern standen die Massen in Deutschland vor der gleichen Situation und Trotzki rief zu einer Einheitsfront der deutschen Arbeiterparteien auf. Damals lehnten diese Parteien diesen Aufruf ab. Schließlich kam Hitler an die Macht, und es kam zu einem katastrophalen Weltkrieg. 1938 stellte Trotzki ein Programm gegen den Weltkrieg vor, das die Krise des Kapitalismus erläuterte.“

Anjana erklärte auch, dass andere Parteien wie die JVP und die FSP den internationalen Sozialismus nie erwähnen.

Die Begeisterung, die David Norths Vortrag auslöste, äußerte sich auch in der Sammlung von 28.800 Rupien aus dem Publikum für die Parteikasse. Außerdem wurde am Büchertisch der Veranstaltung marxistische Literatur im Wert von 13.500 Rupien gekauft.

Mehrere Fernseh- und Radiosender berichteten über die Veranstaltung, darunter das staatseigene Independent Television Network (ITN) und die Privatsender Siyatha und Hiru. Zu den Radiosendern gehörten die Privatsender IBC (Tamilisch), Lankasiri (Tamilisch) und Madyavediya (Singhalesisch).

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