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WSWS : WSWS/DE : Archiv der gleichheit : November 1997
gleichheit. - eine neue Zeitschrift stellt sich vorMit der ersten Ausgabe der gleichheit stellt die Partei für Soziale Gleichheit ihre neue Zeitschrift vor. Sie löst die neue Arbeiterpresse und deren Vorgängerin Der Funke ab, die seit 1971 in fast tausend Ausgaben erschienen sind. Die neue Zeitschrift wendet sich an alle, die sich nicht mit Massenarbeitslosigkeit und wachsender Armut abfinden wollen und nach einer Alternative zur gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung suchen. Sie richtet sich insbesondere an die junge Generation in den Fabrikhallen, Dienstleistungsbetrieben, Schulen und Universitäten. Die gleichheit ist eine marxistische Zeitschrift. Sie will gleichzeitig informieren und orientieren. Jede Ausgabe umfaßt ein breites Spektrum von Themen politische und ökonomische Analysen, Reportagen über soziale Mißstände, Berichte aus der Arbeitswelt, Stellungnahmen und Kommentare, Buchbesprechungen, Aufsätze über Kultur und Wissenschaft und Informationen über die Tätigkeit der Partei für Soziale Gleichheit. Die Redaktion arbeitet aufs engste mit der Presse der Vierten Internationale in anderen Ländern zusammen. Das versetzt sie in die Lage, politische Ereignisse aus einem Blickwinkel zu verfolgen, der aus den offiziellen Medien weitgehend verbannt ist. Sie ermutigt ihre Leser, alle gesellschaftlichen und politischen Probleme vom Standpunkt der internationalen Arbeiterklasse zu betrachten, und weist jene engstirnige nationale Sichtweise entschieden zurück, die jedes Ereignis danach beurteilt, ob es gut für den »Standort Deutschland« sei oder nicht. Während öffentliche und private Medien darin wetteifern, jede politische Frage zu verflachen und auf die Ebene von Talkshow-Geschwätz herabzuziehen, verfolgt die gleichheit das Ziel, unter Arbeitern und Jugendlichen eine neue politische Kultur zu schaffen. Durch gewissenhafte Recherchen, präzise Analysen und scharfe Kommentare spitzt sie politische Fragen zu und verhilft der Arbeiterklasse gegenüber der milliardenschweren Meinungsindustrie zu einer eigenen Stimme. Die gleichheit erweckt bewußt jene Streitkultur zu neuem Leben, die allen großen Marxisten eigen war angefangen bei Marx und Engels, über Bebel und Liebknecht, bis hin zu Luxemburg, Lenin und Trotzki. Die Vorstellung, man müsse im Namen der »Einheit gegen rechts« alle politischen Meinungsverschiedenheiten begraben, liegt ihr vollkommen fern. Sie teilt das Motto Karl Liebknechts: »Erst Klarheit, dann Einheit.« Das Verwischen von Differenzen lähmt und nutzt dem Gegner. Sie nennt die Dinge beim Namen und nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie sagt allen den Kampf an, die von Sozialismus reden und sich gleichzeitig an die Rockschöße von SPD, Grünen und Gewerkschaften hängen. Dem Gejammer und dem Zynismus der ehemals radikalen Presse setzt sie Zuversicht und Streitlust entgegen. So versetzt sie die Arbeiterklasse in die Lage, selbständig ins politische Geschehen einzugreifen. Der Name gleichheit wurde mit Bedacht für die neue Zeitschrift ausgewählt. Er identifiziert sie mit der Partei für Soziale Gleichheit und ist gleichzeitig Programm: Ohne soziale Gleichheit gibt es keinen gesellschaftlichen Fortschritt. Gleichheit ist das Grundprinzip des Sozialismus. Der Name ist eine Kriegserklärung an die vorherrschende gesellschaftliche Entwicklung, die durch die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich geprägt ist. 358 Milliardäre verfügen inzwischen über gleich viel Besitz wie die ärmsten 2,5 Milliarden Menschen zusammengenommen. Hand in Hand mit dem Anwachsen der sozialen Ungleichheit wird jede Art von kultureller Rückständigkeit gefördert. Rassistische Theorien erheben Anspruch auf Wissenschaftlichkeit; der Nationalismus treibt die wildesten Blüten. Nicht nur marxistische, sondern alle fortschrittlichen Ideen, die seit der Aufklärung verkündet wurden, stehen unter Feuer. Die Fähigkeit der menschlichen Vernunft, die Welt zu erkennen und in positiver Weise zu verändern, wird grundsätzlich in Frage gestellt. Alle möglichen Formen von Obskurantismus brechen sich Bahn. Die offizielle Politik hat sich mit diesem Zustand längst abgefunden, das zeigt am deutlichsten der Wandel der SPD. Warb sie früher mit der Losung »Mehr Demokratie wagen«, profiliert sie sich heute als Law-and-Order-Partei. Unfähig, dem sozialen Niedergang Einhalt zu gebieten, droht sie seinen Opfern mit drakonischen Strafen. Trat sie früher für den sozialen Ausgleich ein, fordert sie heute »Dienstleistungsarbeitsplätze im Niedriglohnsektor«. Wohin dies führt, liegt auf der Hand vier Fünftel der Bevölkerung dienen dem anderen Fünftel als Dienstmädchen, Schuhputzer und sonstige Sklaven; und dies wenn möglich rund um die Uhr. Das alte Rom läßt grüßen. Die gleichheit sagt aber nicht nur den Sozialdemokratie ohne Reformen und Demokratie den Kampf an, sondern auch dem Stalinismus, der die Prinzipien des Kommunismus jahrzehntelang durch den Dreck gezogen hat. Es gibt im Aufstieg der stalinistischen Bürokratie eine bezeichnende Episode. Sinowjew veröffentlichte 1925 einen Artikel, »Philosophie der Epoche«, in dem es hieß: »Es wäre schlimm, wenn wir nicht wüßten, wovon heute die Volksmassen träumen, und es würde um uns schlimm bestellt sein, wenn die Volksmassen nicht davon träumen würden! Diesen Traum kann man mit einem Worte charakterisieren: Gleichheit! Unter welchem Banner haben sich das Proletariat und mit ihm die ganzen ungeheuren Massen des Volkes erhoben? Unter welchem Banner gingen die Massen hinter Lenin ins Feuer? Unter welchem Banner folgten diese Massen im Kreuzfeuer des Feindes in Hunger und Kälte dem Rufe Lenins in den ersten schweren Jahren der Sowjetmacht? Im Namen der Idee der Gleichheit, der Idee eines neuen Lebens auf nichtbürgerlicher Grundlage!« Diese Passage zog auf dem folgenden Parteitag den geballten Zorn der Stalin-Fraktion auf sich. Ihr Aufstieg erfolgte Namen des Kampfs gegen die Gleichheit das ist eine unbestreitbare historische Tatsache. Stalins Diktatur sicherte nicht den Sozialismus, sondern verteidigte die Privilegien der Staats- und Parteibürokratie gegen die Gleichheitsbestrebungen der Arbeiterklasse. Der Sozialismus ist in der Sowjetunion nicht gescheitert, sondern verraten worden. Dasselbe trifft auf die DDR zu, die stets nur eine Kopie des sowjetischen Vorbilds war. Der Umstellung von einer vierzehntägigen Zeitung zu einer monatlichen Zeitschrift liegen mehrere Erwägungen zugrunde. Das Magazinformat ermöglicht eine qualitativ viel hochwertigere Gestaltung als das Zeitungsformat wie Farbbilder, Schmuckfarben und eine bessere Papierqualität. Eine geheftete Zeitschrift kann zudem leichter gehandhabt und aufbewahrt werden, daher kann auch in späteren Diskussionen leichter darauf zurückgegriffen werden. Auch die Verbreitung über ausgewählte Buchläden und Kioske ist einfacher. Durch die monatliche Erscheinungsweise erhält die Redaktion die Möglichkeit, einzelne Artikel gründlicher zu recherchieren und zu diskutieren. So kann das hohe politische Niveau, das schon die neue Arbeiterpresse ausgezeichnet hat, weiter angehoben werden. Beide Veränderungen Format wie Erscheinungshäufigkeit entspringen letztlich politischen Überlegungen. Sowohl Der Funke als auch die neue Arbeiterpresse wurden in einer Zeit gegründet, in der SPD und Gewerkschaften die Vorherrschaft über die Arbeiterbewegung ausübten. In der DDR saß die SED noch fest im Sattel. Die wichtigste Aufgabe der Zeitung bestand darin, den Einfluß der bürokratischen Apparate zu bekämpfen, ihre Rolle zu entlarven und eine sozialistische Perspektive zu propagieren. Inzwischen hat sich die Lage grundlegend verändert. Die rasche Verschärfung der sozialen Krise bringt neue Schichten junger Arbeiter und Lehrlinge in Aktion, welche die Bedingungen des drastischen Sozialabbaus am eigenen Leib erleben, sichere Arbeitsplätze und umfassende Sozialleistungen nur aus der Generation ihrer Eltern oder vom Hörensagen kennen und von SPD und Gewerkschaften nie etwas anderes erlebt haben, als einen Ausverkauf nach dem anderen. Der politische Kampf gegen die alten bürokratischen Apparate ist direkt mit dem Aufbau einer politischen Alternative verbunden, die die Verantwortung für die Führung der Arbeiterklasse übernimmt. Aus diesem Grund hat der Bund Sozialistischer Arbeiter im Frühjahr die Partei für Soziale Gleichheit gegründet. Auch die Zeitschrift soll auf diese Aufgabe ausgerichtet sein. Sie soll in der Lage sein, Arbeiter und Jugendlichen, die durch die soziale Krise mobilisiert werden und in Konflikt mit der Bürokratie geraten, anzusprechen, zu orientieren und politisch zu entwickeln. Grundlegende Konzepte der marxistischen Theorie und des Programms des sozialistischen Internationalismus sollen in verständlicher und populärer Form dargestellt werden, ohne sie zu vulgarisieren oder an das gegenwärtig niedrige Niveau des politischen Bewußtseins anzupassen. Deshalb hat sich die Redaktion für die Devise entschieden: »Lieber weniger, aber besser«. Die Qualität der Zeitschrift ist vom Standpunkt der gegenwärtigen politischen Aufgaben viel wichtiger, als die Häufigkeit ihres Erscheinens. Wo wichtige Ereignisse im Klassenkampf eine rasche Reaktion verlangen, wird die PSG mit Flugblättern reagieren. Sie können in kurzer Zeit in hoher Zahl gedruckt und umsonst verteilt werden, und finden damit eine weit größere Leserschaft als Zeitung oder Zeitschrift. in weiterer Grund für die Umstellung besteht darin, daß in Zukunft Druckerzeugnisse wie Zeitungen, Flugblätter, Plakate und Bücher nicht mehr die einzigen Publikationen der Partei für Soziale Gleichheit sein werden. Das Internet entwickelt sich schnell zu einem populären und leicht zugänglichen Instrument der Massenkommunikation. Es verfügt über den Vorteil, daß Texte schneller und weltweit ohne jede geographische Einschränkung zugänglich sind und laufend aktualisiert werden können. Auch die Korrespondenz mit dem Leser gestaltet sich wesentlich einfacher: Er muß keinen Brief mehr schreiben, adressieren, frankieren und zur Post tragen, sondern kann seine Bemerkungen oder Fragen direkt am Computer eintippen und in wenigen Stunden eine Antwort erhalten. Die PSG wird deshalb in Zukunft einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeit und Mittel der Entwicklung des World Socialist Web Site widmen, mit dem die Vierte Internationale im Internet präsent ist. Das World Socialist Web Site wird von einer internationalen Redaktion betreut und regelmäßig erneuert. Es bietet einer wachsenden Zuhörerschaft von Arbeitern, Studenten und Intellektuellen eine internationalistische und marxistische Orientierung und widmet sich der ganzen Bandbreite der politischen, historischen, kulturellen und praktischen Probleme, vor denen die moderne, sozialistische Arbeiterbewegung steht. Trotz den neuen Verbreitungsmöglichkeiten ist auch die Zeitschrift gleichheit, wie schon die neue Arbeiterpresse, auf die Unterstützung seiner Leser und politischen Gesinnungsfreunde angewiesen. Nur mit ihrer Hilfe wird es möglich sein, die Auflage zu steigern, die Zeitschrift in Betrieben, Berufsschulen, Universitäten, Stadtteilen und Wohnsiedlungen bekannt zu machen und die nötigen Abonnenten zu gewinnen. Eine rege Beteiligung der Leser durch Zuschriften, Anregungen und Kritik, mit der die Redaktion fest rechnet, ist zudem eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung und Verbesserung des Inhalts. Der Preis ist mit 3,50 DM für eine 48seitige Zeitschrift, die auf jegliche kommerzielle Werbung verzichtet, äußerst günstig. Für Arbeitslose, Schüler und Studenten wird zudem ein subventioniertes Jahresabonnement für 25 DM angeboten. Um die Kosten dennoch zu decken, führt die gleichheit den bisherigen Monatsfonds von 6000 DM weiter. Auch ein Förderabonnement zu 70 DM im Jahr dient diesem Zweck. © gleichheit, Nr. 1, 14. Oktober 1997
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