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WSWS : WSWS/DE : Archiv der gleichheit : Januar 1998
Heinrich Heine
und der »wunderbare Prozeß der Weltergänzung«
Eine Nachlese zum 200. Geburtstag von Sybille Fuchs
"Ach teurer Leser, wenn du über die Zerrissenheit klagen willst, so beklage lieber, daß die Welt selbst mitten entzweigerissen ist. Denn da das Herz es Dichters der Mittelpunkt der Welt ist, so mußte es wohl in jetziger Zeit jämmerlich zerrissen werden. Wer von seinem Herzen rühmt, es sei ganz geblieben, der gesteht nur, daß er ein prosaisches, weitabgelegenes Winkelherz hat. Durch das meinige ging aber der große Weltriß..."1
"Nicht die Moralbedürfnisse irgendeines verheurateten Bürgers in einem Winkel Deutschlands, sondern die Autonomie der Kunst kommt hier in Frage. Mein Wahlspruch bleibt: Kunst ist der Zweck der Kunst, wie Liebe der Zweck der Liebe, und gar das Leben selbst, der Zweck des Lebens ist."... "Die großen Interessen des europäischen Lebens interessieren mich noch immer weit mehr als meine Bücher."2
"Oh, deutsches Vaterland! Teures deutsches Volk... Wenn ich dich nicht befreien kann, so will ich dich wenigstens trösten, und du sollst jemanden um dir haben, der mit dir schwatzt über die bedränglichste Labsal und dir Mut einspricht und dich liebhat und dessen bester Spaß und bestes Blut zu deinen Diensten steht."3
Der 13. Dezember 1797 gilt als Geburtstag Heinrich Heines.4 1997 wurde daher der 200. Geburtstag Heinrich Heines auf
vielfältigste Weise gefeiert. Eine große Heine-Ausstellung, die vom 11. Mai bis zum 20.
Juli in Düsseldorf zu sehen war, ging an schließend nach Paris, wo Heine von 1831 bis
1856 lebte und schließlich in seiner »Matratzengruft« gestorben ist. Der
umfangreiche Katalog dazu mit seinen Bildern und wissenschaftlichen Aufsätzen bringt uns
Heine auf vielfältige Weise nahe.5
Ende Mai fand in Düsseldorf ein einwöchiger Kongreß statt, dessen
wissenschaftliche Beiträge ein repräsentatives Bild der gegenwärtigen Heine-Forschung
lieferten. Die Zahl der Veranstaltungen, Lesungen, Inszenierungen etc. war groß und ging
weit über ihr Zentrum Düsseldorf, Heines Geburtsort und Sitz des
Heinrich-Heine-Instituts, hinaus. Selbst in kleinsten Orten in Deutschland, aber auch im
Ausland wurden aus diesem Anlaß Lyrik und Prosa Heines rezitiert. Allein fünf neue
Biographien sind 1997 erschienen. Tageszeitungen und Wochenmagazine fühlten sich, berufen
sich zu Heine zu äußern. Auch im modernsten Medium, dem Internet, häufen sich die
Heine-Seiten. Zahlreiche Rundfunk- und Fernsehsendungen, ja selbst Talkshows griffen die
Heine-Begeisterung auf.
Es ist zu hoffen, daß die vielfältigen Ehrungen Heines auch dazu geführt
haben, daß möglichst viele Menschen unserer Zeit dazu angeregt wurden, Heines Verse und
Prosa zu lesen. Dem Direktor des Heine-Instituts, Joseph A. Kruse, ist zuzustimmen, wenn
er im Katalog zur Heine-Ausstellung schreibt: »Gegen den Verlust von
unseres Erachtens lebensnotwendigen Lesegewohnheiten hilft nur die offensive Werbung für
Dichtung, ihre Erfinder und Leser. Insofern ist jede Heine-Ehrung eine
stellvertretende Würdigung wie Verteidigung der Poesie überhaupt, ein Eintreten für die
kulturelle Qualität unseres Alltags und eine Gewissenserforschung mit Blick auf Sinn und
Unsinn unserer Existenz.«6
Das Heine-Jahr hat mit seinen bunten und vielfältigen Veranstaltungen
zweifellos einen wichtigen Anstoß gegeben, Heine zu lesen, ihn sich anzueignen und erneut
seinen und unseren politischen und kulturellen Standort zu bestimmen, denn seine Verse,
aber auch seine provokative Prosa sind so lebendig wie zu seiner Zeit.
Was aber ist es, das diesen Autor, der Zeit seines Lebens in Deutschland mehr
verboten als erlaubt war, aber es dennoch zu Weltruhm brachte, heute so anziehend macht?
Ist es der rebellische Geist, den sein ganzes Werk atmet, der uns heute so nötig wäre?
Sind es die Widersprüche seines Lebens und seiner Zeit, die bis heute ungelöst sind? Ist
es die Schönheit seiner Verse, seiner geschliffenen Prosa, die uns weit über alle
aktuellen Bezüge hinaus heute besonders anspricht, weil diese Art des Umgangs mit der
Sprache so selten geworden ist?
Zwei neue Heine-Biographien
Die Antwort ist sicher nicht einfach. Suchen wir sie zunächst in
zwei Heine- Biographien, die in diesem Jahr erschienen sind, von Fritz J. Raddatz und
Jochanan Trilse-Finkelstein.7
Die beiden Biographien vermitteln ein recht unterschiedliches Heine-Bild. Die
Autoren zitieren gelegentlich dieselben Texte, Briefe und Zeugnisse, aber sie kommen oft
zu entgegengesetzten Einschätzungen und Schlußfolgerungen.
Raddatz gibt vor, Ziel seiner Biographie sei es, den Dichter Heine ins Zentrum
zu stellen und der Poesie zu ihrem Recht zu verhelfen. »Ein Schöpfer steht außerhalb
der Ordnung« überschreibt er sein erstes Kapitel. »Nichts stimmt
alles ist wahr, Heinrich Heine ist sein eigenes Sonnensystem«, lautet der erste Satz.8 Raddatz geht es darum, die »Kunstfigur« Heine
aufzuspüren und sichtbar zu machen, aber im Verlauf der Lektüre kommen erhebliche
Zweifel auf, ob ihm das gelungen ist.
Er beginnt sein Buch mit langen Erörterungen darüber, warum Heine dieses oder
jenes Datum seiner Lebensgeschichte, darunter das seines Geburtsjahres, nicht korrekt
angegeben hat. Er kommt zu dem Schluß, daß es für Heine zwei Elemente des Handelns
gegeben habe: Auf der einen Seite habe Heine als politisches Wesen, als ein
Sohn der Französischen Revolution gehandelt, der es Napoleon dankte, daß dieser den Code
Civil nach Deutschland brachte und die Emanzipation der Juden weitgehend durchsetzte, auf
der anderen Seite als Dichter, als Träumer, der sich seine Welt schaffte, als
»bindungsloses Subjekt«.9
Der Gesetzgeber des Individuums Heinrich Heine heißt Heinrich
Heine, und dem verdankt er die Kunstfreiheit, mit der er sein Leben besingt. Nur wenn es
schön ist, ist es wahr; es muß nicht stimmen, es muß nicht gerecht sein anderen
gegenüber schon gar nicht.10
Was Raddatz hier als Freiheit der Kunst behauptet, widerspricht meines Erachtens
vollkommen dem Heineschen Begriff davon. Weder Lüge noch Verunglimpfung anderer war
Heines dichterische Absicht. In seiner Kunst ging es ihm nicht nur um Schönheit, sondern
gerade auch um Wahrheit, um historische Wahrheit, auch wenn er nicht buchstabengetreu und
trocken die Zeitereignisse nacherzählte, sondern sie in poetische Bilder und Metaphern
kleidete oder sie durch das Mittel der Ironie oder Satire verfremdete. Genauso wahr sind
die Gefühle, denen er in seinen Liebesgedichten Form und Ausdruck gibt, auch wenn es
»die« Geliebte, von der er gerade spricht, vielleicht nie gegeben hat. Raddatz folgt in
seinem Buch Heines Lebenslauf, indem er immer aufs neue versucht, die historisch bezeugten
Ereignisse in dessen Leben seinen äußerungen als Autor entgegenzusetzen. Er bezichtigt
ihn schlicht der Unwahrheit.
Der Ansatz, den Künstler Heine ins Zentrum einer Biographie zu stellen, wäre
natürlich legitim, denn was Heine uns hinterlassen hat und was uns bis heute an ihm
fasziniert, sind seine Werke. Raddatz tut aber alles andere, als den Dichter Heine
aufzuspüren und ihn den heutigen Lesern nahezubringen. Weite Passagen des Buches lesen
sich vielmehr wie eine skandalöse Enthüllungsgeschichte der Yellow Press.
Seine wirkliche Intention verrät sich zum Beispiel, wenn er die
Emanzipationsversuche des Juden Heine durch Anpassung und ein gewisses Maß an
Assimilation zum Beispiel mit Michael Jacksons Bemühungen, ein »weißer Neger« zu
werden, vergleicht und diesen Martin Luther King entgegensetzt. Seitenweise rechnet er
vor, wie wohlhabend und verschwenderisch Heine trotz all seiner Bettelbriefe an den
reichen Onkel eigentlich war. Großen Raum nimmt bei Raddatz auch die Erpressung der
reichen Verwandtschaft durch die (nach Raddatz) nie geschriebenen Memoiren ein. Ein
weiteres Indiz, das die moralische Verurteilung Heines rechtfertigen soll. All dies hat
wenig damit zu tun, den Dichter Heine und den Grund seiner Kunst auszuloten.
»Heines Welt ist eine ästhetische Konstruktion«
»Heines Welt ist eine ästhetische Konstruktion«11 heißt es bei Raddatz. Wenn man darunter die »Welt«
versteht, die der Dichter in seinen Werken geschaffen hat, ist dies sicher richtig, aber
was soll dann der Vorwurf der »Lüge«? Was sollen die seitenweisen Aufrechnungen aller
Einkünfte und Pensionen beweisen, die Heine angeblich zu einem wohlhabenden Bourgeois
machten, der seiner Lebensgefährtin und späteren Frau Mathilde luxoriöse Kleider, Hüte
und die kostspieligen Vergnügungen der europäischen Metropole Paris finanzieren konnte?
Zweifellos ist das »Ich« im Buch der Lieder, in den Reisebildern,
ja, selbst in seinen journalistischen Arbeiten nicht die historische Person Heine,
aber ist er deshalb ein »Lügner von Geblüt«,12
wie Raddatz meint? Oder wie es an anderer Stelle heißt: »Heinrich Heine
lügt nicht. Heinrich Heine ist Lüge.«13
Wenn Heine sich eine Kunstfigur, den Autor der Reisebilder oder den
Dichter des Buchs der Lieder oder den Beobachter des Pariser Lebens in seinen
Korrespondentenberichten für die Augsburger Allgemeine Zeitung schafft, die nicht
identisch ist mit seinem historischen »Ich«, dann lügt er nicht, sondern sucht eine
künstlerische Form, in der er die Wahrheit so ausdrücken kann, wie er sie empfindet und
dem Publikum mitteilen möchte.
Diese Kunstfigur des »Autors« ist genau so ein ästhetisches Gebilde, wie z.
B. die fiktive Madame, an die er seine Geständnisse richtet. Dennoch kann man
sicher nicht behaupten, fiktiver Leser und fiktiver Autor hätten nichts mit der
Realität, dem wirklichen Heine oder seinem wirklichen Publikum zu tun. Sie entstammen
genauso der realen Welt und ihren Konflikten wie die historischen Personen und Umstände,
die er aufs Korn nimmt oder gegen die er rebelliert oder die Frauenbilder, die er anbetet.
Aber Heine hat sich vehement dagegen gewehrt, die dichterische Wahrheit der politischen
unterzuordnen.
Wie steht es eigentlich mit der Wahrheit bei Heinrich Heine? Das ist eine sehr
komplexe Frage, denn schon früh hat sich dieser Autor die Narrenkappe aufgesetzt. Sie ist
für ihn nicht nur die Maskerade, unter der er seinen Lesern bittere Wahrheiten über Zeit
und Gesellschaft sagen und gegen Unterdrückung rebellieren kann. Das Narrengewand ist
für ihn gleichzeitig eine Ritterrüstung, mit der er die verletzbare und früh verletzte
Seele schützt.
Dieses Bild des Narren zeichnet Heine selbst im Schlußwort zum
vierten Teil seiner Reisebilder in der Person des Kunz von der Rosen und seines
Dialogs mit dem gefangenen Karl V., dem er Trost und Rat bringt, ihm zur Freiheit
verhilft, indem er »so wütend ernsthaft den Kopf« schüttelte, »daß die närrischen
Schellen abfielen von der Mütze; sie ist aber darum nicht schlechter geworden.« Auf die
Frage des Kaisers, wie er die Treue des Narren belohnen könne, antwortet dieser »Ach,
lieber Herr, laßt mich nicht umbringen.«14
Dieses Schlußwort beginnt Heine mit den Worten: »Es war eine niedergedrückte,
arretierte Zeit in Deutschland« und daß ihm Gerüchte zu Ohren gekommen seien, der
zweite Band der Reisebilder solle, kaum gedruckt, schon wieder verboten werden. Er
beschwört dann den Freiheitsmut der Franzosen von 1930, »der von dort herüberwehte nach
Deutschland«, aber nur dazu führte, daß sich eine »noch dichtere
Kerkermauer um das deutsche Volk« wölbte.15
Der Dichter präsentiert sich dann als Kunz von der Rosen für das Deutsche Volk
»dessen eigentliches Amt die Kurzweil« sein sollte, der ihm aber gern die Freiheit
bringen möchte. Aber wenn ihm dies nicht gelänge, so wolle er es »wenigstens
trösten, und du sollst jemanden um dir haben, der mit dir schwatzt über die
bedränglichste Labsal und dir Mut einspricht und dich liebhat und dessen bester Spaß und
bestes Blut zu deinen Diensten steht.«16
Dieses Verhältnis von Kunst und Leben, das Heine in der Figur des Narren
andeutet, versucht Raddatz auf den Kopf zu stellen: »Kunst ist das
Höchste, das Leben nur eine minder organisierte Vorform; je kunstvoller
gelegentlich auch je künstlicher desto wertvoller. Kunst ist Religion«.17 Aber gerade für Heine war die Kunst alles andere als
Religion. Sie war für ihn niemals »Opium«. Im Gegenteil, sie war zugleich Zeichen
seiner Verwundung und seine Waffe. Er schuf sich und seinem Publikum eine neue, eine
Kunst-Welt gegen die, die ihn verletzte und zurückstieß. Für die Kunst der Romantiker
gebraucht Heine das Bild von der »verletzten Auster«, deren Arbeit die Perle
hervorbringt, dieses Bild läßt sich durchaus auch auf Heine und seine Kunst beziehen.
Der Dichter »bringt gleichsam die Welt mit zur Welt«
Heine selbst hat den künstlerischen Schaffensprozeß sehr oft
zum Thema gemacht wie zum Beispiel in seinem Essay über Shakespeares Mädchen und
Frauen, wo er erklärt, der Dichter »bringt gleichsam die Welt mit zur Welt«, aber
damit er dies tun könne, müsse ihm ein »Bruchstück der Erscheinungswelt« von außen
geboten werden, »ehe jener wunderbare Prozeß der Weltergänzung in ihm stattfinden
kann«.18
In seinen Schöpfungsliedern benutzt er für den Künstler gar die
Methapher von Gottvater:
Der Stoff, das Material des Gedichts,
Das saugt sich nicht aus dem Finger;
Kein Gott erschafft die Welt aus nichts,
Sowenig wie irdische Singer....
»Warum ich eigentlich erschuf
Die Welt, ich will es gern bekennen:
Ich fühlte in der Seele brennen
Wie Flammenwahnsinn, den Beruf.
Krankheit ist wohl der letzte Grund
des ganzen Schöpferdrangs gewesen;
Erschaffend konnte ich genesen,
Erschaffend wurde ich gesund.«19
Diese stärkste aller Metaphern macht unmißverständlich klar, daß Kunst für
Heine kein Mittel zum Zweck war, auch wenn er sich als Fechter und Soldaten für die
Emanzipation des Menschen verstand und seine Dichtung den Geist der Rebellion atmet, der
ihn durchdrungen hat, der sich immer wieder trotz aller Rückschläge, die er einstecken
mußte, Bahn gebrochen hat.
Wenn die Kunst für Heine auch eine Waffe in Kampf ums eigene überleben und
für die Befreiung der Menschheit war, dann heißt das natürlich nicht, daß er
»politische Kunst« im Sinne von »Agitprop« machen wollte. Nichts hat er so scharf
kritisiert und in satirischen Versen verhöhnt wie die seichten »politischen Gedichte«
gewisser zeitgenössischer Kollegen, auch wenn sie sich ungeheuer revolutionär und
martialisch gebärdeten. Er hatte ein sehr feines Gespür für die Hohlheit dieses Pathos.
Sei des Vaterlands Posaune,
Sei Kanone, sei Kartaune,
Blase, schmettre, donnre, töte!
Blase, schmettre, donnre täglich,
Bis der letzte Dränger flieht
Singe nur in diese Richtung,
Aber halte Deine Dichtung
Nur so allgemein als möglich.20
Die Rolle dieser deutschen »Helden« in der Revolution von 1848 gab ihm recht.
»Ein Talent, doch kein Charakter«
Wie den bramabarsierenden Heldendichtern, besonders den teutonischen
Franzosenhassern, mit denen er schon während seines Studiums aneinander geraten war,
mißtraute Heine auch dem Typus des kleinbürgerlichen, revolutionären Republikaners. Vor
allem aber lehnte er es ab, einer der ihren zu werden. Dies ist das Thema seiner
Denkschrift zu dem deutschen Publizisten und Mitexilanten in Paris, Ludwig Börne. Diese
umstrittene Denkschrift ist von ihrem Erscheinen bis heute nur von sehr wenigen Menschen
verstanden und geschätzt worden. Zu diesen wenigen gehörten aber immerhin Karl Marx und
Thomas Mann.
Raddatz stellt sich trotz aller Beteuerungen, daß er den Dichter Heine
verteidigen wolle, in diesem Streit auf die Seite Börnes und unterschreibt letztlich
dessen Schlußfolgerung, Heine sei zwar ein großer Dichter, »ein Talent,
doch kein Charakter«21 gewesen. Er greift Börnes
Argument auf, Heine sei ein Fürstenknecht, weil er der Monarchie des Bürgerkönigs Louis
Philippe I. in der er immerhin unbehelligt leben und schreiben konnte
wohlwollend gegenüberstand. Auch habe er sich von Rothschild aushalten lassen. Er
unterstellt Heine die »tief im deutschen Intellektuellen wurzelnde Sehnsucht nach
Teilhabe an der Macht«, nur weil dieser einen Brief an Metternich schrieb, durch den er
vergeblich versuchte, eine Aufhebung des für ihn existentiell bedrohlichen Verbots seiner
Schriften zu erreichen.
Raddatz versucht, um jede fortschrittliche Interpretation von vornherein in
Mißkredit zu bringen, Heine zu einem »reinen« Dichter zu machen, der sich letztlich um
niemanden auf der Welt außer sich selbst gekümmert und schamlos das Geld Rothschilds
oder des Onkels Salomon verpraßt hat. Heines halb ironische, halb anerkennende
Schilderungen von Rothschild und der Macht des Finanzkapitals zeugen aber von viel
tieferer Einsicht in ökonomische und gesellschaftliche Zusammenhänge als alle
eindimensionalen Verteufelungen der Reichen durch Börne und seine Anhänger.
Es geht Heine nicht darum, den Kampf für eine deutsche Republik
herabzuwürdigen und ihre Vorkämpfer lächerlich zu machen. Heines Denkschrift, so sehr
sie auch eine Streitschrift ist, stellt Börne keineswegs als jämmerliche Figur oder
Versager dar. Im Gegenteil, er hebt dessen schriftstellerische Qualitäten hervor und ist
immer wieder um höchste Objektivität bemüht, obwohl Börne selbst alles andere als
zimperlich in seinen Verunglimpfungen Heines gewesen war.
Heine zitiert in seiner Denkschrift Börnes Angriffe auf ihn seitenweise mit
einer geradezu frappierenden Ausführlichkeit. Diese Zitate dienen ihm dazu, Börne sich
selbst entlarven zu lassen. Seine Schrift ist bemüht ausgenommen die Stellen, wo
er die Beziehung Börnes zu Frau Wohl-Strauß angreift die positiven Seiten Börnes
herauszuarbeiten und ihn möglichst objektiv darzustellen. Ausdrücklich weist Heine den
Gedanken zurück, seine Schrift sei eine Verteidigung seiner Person gegen die
Beleidigungen, mit denen ihn Börne überhäuft habe.
Börne war in seinen Pariser Briefen und im Kreise seiner Anhänger übel
über Heine hergezogen. Als intriganten, feigen, wetterwendischen, eitlen Journalisten
stellt er ihn dar, der heute dies und morgen das Gegenteil schreibe. Raddatz sieht den
Hauptzweck der Denkschrift Heines, die er erst geraume Zeit nach Börnes Tod
veröffentlichte, darin, daß er Rache üben wollte und es ihm vor allem darum gegangen
sei, »die Plätze im Olymp richtig was für ihn hieß: gerecht, nämlich Heine
über Börne« zu verteilen.
Dieses Urteil, das sich höchstens auf eine ironische
Nebenbemerkung Heines stützen kann (Heine gebraucht für sich das Bild des Tambourmajors
mit dem schönen Federbusch auf dem Kopf und für Börne das des neidischen »kleinen
Tambour-Maitre«), geht so gezielt an der Sache selbst vorbei, daß man nicht umhin kann,
Raddatz dieselbe »nazarenische Beschränktheit«22
zu unterstellen, die schon Heine an Börne so aufgeregt hat.
Raddatz kann deshalb auch nicht viel anfangen mit den »Helgoländer Briefen«,
die Heine in seine Börneschrift einbaut. Diese Briefe drücken in geradezu euphorischer
Weise die Hoffnung aus, die der Dichter in die Julirevolution 1830 setzte:
Fort ist meine Sehnsucht nach Ruhe. Ich weiß jetzt wieder, was
ich will, was ich soll, was ich muß... Ich bin der Sohn der Revolution und greife wieder
zu den gefeiten Waffen... Ich bin ganz Freude und Gesang, ganz Schwert und Flamme!...
Sogar die armen Helgoländer jubeln vor Freude, obgleich sie die Ereignisse nur
instinktmäßig begreifen. Der Fischer, welcher mich gestern nach der kleinen Sandinsel,
wo man badet hinüberfuhr, lachte mich an mit den Worten: »Die armen Leute haben
gesiegt!« Ja mit seinem Instinkt begreift das Volk die Ereignisse vielleicht besser als
wir mit allen unseren Hülfskenntnissen.23
Heine ist sich sehr wohl bewußt, daß diese Revolution letztlich nicht dem Volk
genützt hat, sondern mit der Herrschaft Louis Philippes I. die Herrschaft der
Finanzbourgeoisie befestigte, auch wenn er selbst unter diesem Regime relativ frei atmen
und arbeiten konnte. Am Schluß dieser Helgoländer Briefe findet sich die berühmte
Stelle, wo Heine beklagt, daß das Volk sich einmal wieder für die Falschen geopfert
habe:
Es ist schon eine ältliche Geschichte. Nicht für sich hat das
Volk geblutet und gelitten, sondern für andre. Im Juli 1930 erfocht es den Sieg für jene
Bourgeoisie, die ebensowenig taugt wie jene Noblesse, an deren Stelle sie trat, mit
demselben Egoismus... Das Volk hat nichts gewonnen durch seinen Sieg als Reue und
größere Not. Aber seid überzeugt, wenn wieder die Sturmglocke geläutet wird und das
Volk zur Flinte greift, diesmal kämpft es für sich selber und verlangt den verdienten
Lohn.24
Diese nach Raddatz »leicht dubiosen«25
Briefe, dienen ihm lediglich dazu, aus Heine einen »verspäteten« Mirabeau zu machen,
einen Royalisten, der sich mit der Revolution nur eingelassen habe, um das Schlimmste für
das Ancien Regime zu verhindern, einen »IM«, wie Raddatz absurderweise bemerkt. Heines
Journalismus ist alles andere als wetterwendisch im Dienste der Aristokratie oder
Finanzbourgeoisie. Genauso wenig ist es ein Rückzug des Künstlers ins ästhetische »Schneckenhaus«, wie Raddatz unterstellt.26
Heine selbst sieht die Sache so:
Welche Ironie des Geschickes, daß ich, der ich mich so gerne
auf die Pfühle des stillen beschaulichen Gemütslebens bette, daß eben ich dazu bestimmt
war, meine armen Mitdeutschen aus ihrer Behaglichkeit hervorzugeißeln und in die Bewegung
hineinzuhetzen! Ich, der ich mich am liebsten damit beschäftige Wolkenzüge zu
beobachten, metrische Wortzauber zu erklügeln, die Geheimnisse der Elementargeister zu
erlauschen und mich in die Wunderwelt alter Märchen zu versenken ... ich mußte
politische Annalen herausgeben, Zeitinteressen vortragen, revolutionäre Wünsche
anzetteln, die Leidenschaften aufstacheln, den armen deutschen Michel beständig an der
Nase zupfen, daß er aus seinem Riesenschlaf erwache... Freilich ich konnte dadurch bei
dem schnarchenden Giganten nur ein sanftes Niesen, keineswegs aber ein Erwachen bewirken.
... Ich selber bin dieses Guerillakrieges müde und sehne mich nach Ruhe, wenigstens nach
einem Zustand, wo ich mich meinen natürlichen Neigungen, meiner träumerischen Art und
Weise, meinem phantastischen Sinnen und Grübeln ganz fessellos hingeben kann.27
Die Börne-Schrift ist kein politisches Pamphlet. Es ist Heines Versuch, seinen
unabhängigen Standpunkt als Dichter zu bestimmen. Seine Auseinandersetzung mit Börne
sosehr ihn dieser auch geärgert hat, ist mehr der Anlaß dazu als der Grund. Dies
wird deutlich, wenn er auf Börnes politische Rolle zu sprechen kommt.
Und dennoch beurkundete das Fest von Hambach (bei dem Börne
eine wichtige Rolle spielte, Anm .d. Red) einen großen Fortschritt, zumal wenn man
es mit jenem anderen Feste vergleicht, das einst ebenfalls zur Verherrlichung gemeinsamer
Volksinteressen auf der Wartburg stattfand... Der Geist, der sich auf Hambach aussprach,
ist grundverschieden von jenem Gespenste, das auf der Wartburg seinen Spuk trieb. Dort auf
Hambach jubelte die moderne Zeit ihre Sonnenaufgangslieder, und mit der ganzen Menschheit
wurde Brüderschaft getrunken; hier aber, auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit
ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die
des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! Auf Hambach hielt der französische
Liberalismus seine trunkensten Bergpredigten und sprach man auch viel Unvernünftiges, so
ward doch die Vernunft selber anerkannt als jene höchste Autorität, die da bindet und
löset und den Gesetzen ihre Gesetze vorschreibt; auf der Wartburg hingegen herrschte
jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber
nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand
und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte, als Bücher zu
verbrennen!28
Diese Stellen zeigen ebenso wie die Helgoländer Briefe, daß Heine weder den
Kampf für eine deutsche Republik noch für die Emanzipation der Menschen ablehnt, daß es
ihm als Dichter aber um etwas anderes geht. Für ihn kann dieses Ziel nicht ohne die Kunst
erreicht werden.
Wann wird die Harmonie wieder eintreten, wann wird die Welt
wieder gesunden von dem einseitigen Streben nach Vergeistigung, dem tollen Irrtume,
wodurch sowohl Seele, wie Körper erkrankten! Ein großes Heilmittel liegt in der
politischen Bewegung und in der Kunst. Napoleon und Goethe haben trefflich gewirkt. Jener
indem er die Völker zwang, sich allerlei gesunde Körperbewegung zu gestatten; dieser,
indem er uns wieder für griechische Kunst empfänglich machte und solide Werke schuf,
woran wir uns, wie an marmornen Götterbildern, festklammern können, um nicht
unterzugehen im Nebelmeer des absoluten Geistes.29
Heines Charakterisierung der beiden Antipoden »Nazarener« und »Hellenen«, in
die er die Menschen in der Börneschrift einteilt, dient ihm dazu, nicht den
Revolutionär, sondern den Typus des spießigen, missionarischen, kunst- und
lebensfeindlichen Puritaners mit all seiner selbstzufriedenen »political correctness«
herauszuarbeiten und in allen Facetten zu beleuchten. Ihm setzt er den »Hellenen«, ein
harmonisches, »lebensheiteres« Menschenbild entgegen, wie es gerade in Zeiten
verschärfter politischer Unterdrückung und gesellschaftlicher Spaltung nur die Kunst zu
vermitteln oder als Utopie aufrecht zu erhalten vermag.
Heine, der seinem Haß auf die reaktionären Zustände in Deutschland immer
wieder auf die vielfältigste Art Ausdruck gegeben hatte, hatte einen sicheren Instinkt
für die armselige Rolle, die die kleinbürgerlich radikalen Vorkämpfer für die deutsche
Republik spielen sollten. Schon ihr äußeres Gehabe stieß ihn ab.
Ich kann den Tabaksqualm nicht vertragen, und ich merkte, daß
in einer deutschen Revolution die Rolle eines Großsprechers in der Weise Börnes und
Konsorten nicht für mich paßte. Ich merkte überhaupt, daß die deutsche
Tribunalkarriere nicht eben mit Rosen und am allerwenigsten mit reinlichen Rosen bedeckt.30
Für sich sieht er auch in der wirklichen Revolution eine andere Rolle, auch
wenn diese sogleich wieder ironisiert.
Solange wir die Revolution in den Büchern lesen, sieht alles
sehr schön aus, und es ist damit wie mit jenen Landschaften, die kunstreich gestochen auf
weißem Velinpapier, die so rein, so freundlich aussehen, aber nachher, wenn man sie in
Natura betrachtet, vielleicht an Grandiosität gewinnen, doch einen sehr schmutzigen und
schäbigen Anblick in den Einzelheiten gewähren; die in Kupfer gestochenen Misthaufen
riechen nicht, und der in Kupfer gestochene Morast ist leicht mit den Augen zu durchwaten!31
Für Trilse-Finkelstein ist die Börne-Denkschrift alles andere als eine
verunglimpfende Polemik gegen einen politischen Gegner. Er sieht darin »eines
der wundersamsten und tiefsten Bücher« in der Geschichte der deutschsprachigen
Literatur.32 Statt sich wie Raddatz in langen Passagen
über die schwächsten Stellen der Schrift zu ergehen, konzentriert sich
Trilse-Finkelstein darauf, den philosophisch-ästhetischen Standort Heines
herauszuarbeiten.
»Das arme Volk ist nicht schön«
Heine selbst hoffte immerhin (wenn auch vergebens), seine Börne-Schrift würde »als das beste Werk, das ich geschrieben, anerkannt werden«.33 Sein Thema ist das Verhältnis von Kunst und Politik,
eine Verteidigung der Freiheit der Kunst und des Künstlers, die nichts zu tun hat mit
einer Ablehnung der sozialen Umwälzung der Gesellschaft, sondern im Gegenteil ein Teil
von ihr sein muß.
Heines ästhetik mochte angesichts der politisch notwendigen
Tagesforderungen elitär-aristokratisch erscheinen ein gewisser Adel des Geistes
war ihm eigen, der einzige Aristokratismus seiner Persönlichkeit... In Zeiten
revolutionärer Aktion kann es schwerste Folgen haben, sich auf Schönheit und Genuß
zurückziehen zu wollen. Doch keine Revolution (nicht als Aufstand, sondern als
grundlegende Umwälzung) kann auf langfristige Strategien und philosophisch-ästhetische
Konzepte verzichten, die auf individuelle Verwirklichung zielen, nicht auf Vermassung. In
der angestrebten Synthese liegt wohl die größte geistige Leistung dieses Buches und
seines Verfassers.34
Trilse-Finkelstein, verwendet in seiner Biographie im Gegensatz zu Raddatz
große Sorgfalt darauf, dem Leser die aufregenden, gesellschaftlichen und politischen
Umstände zu schildern, unter denen Heine lebte und schrieb. Er erklärt, wer die Menschen
waren, die ihm nahestanden oder seine Gegner waren. Er widmet einige Kapitel Heines
Beziehungen zu den frühen Sozialisten und Kommunisten, seinem Verhältnis zu Hegel und
den Junghegelianern und eines dem Verhältnis von Heine zu Marx. Vieles wird darin
gestreift und regt zu eigenem Nachlesen und Nachdenken an.
Noch ein anderes Verdienst hat Trilse-Finkelstein. Er verweist
in seiner eigenen auf eine andere, ältere Heinebiographie, die er sehr schätzt, auf die
von Lew Kopelew. Seiner Empfehlung können wir uns nur anschließen.35
Trilse-Finkelstein schildert die Freundschaft zwischen Heine und Karl Marx, der
als einer der wenigen dieses Buch verstand und eine leider nie zustande gekommene
Rezension darüber zu schreiben beabsichtigte.
Marx und Engels haben den Typus des kleinbürgerlichen
Demokraten, die »liberalen Advokaten und doktrinären Professoren« mit ihrer wortreichen
Impotenz in ihren Schriften immer wieder aufs Korn genommen, und mit Sicherheit ist auch
Heines Vorbild nicht unschuldig daran.36
Der große Vorteil der Biographie Trilse-Finkelsteins ist, daß er im Gegensatz
zu Raddatz die Widersprüche sichtbar und begreifbar macht, von denen Heine zerrissen war,
die er nicht zu lösen vermochte, denen wir aber sein großartiges Werk zu verdanken
haben. Er möchte dem Phänomen Heine auf die Spur kommen, indem er die äußeren, die
politisch-gesellschaftlichen und die »Widersprüche des Künstlers« zu erfassen
versucht. Zu den letzteren erklärt er:
Nicht der äußere Raum ist hier gemeint, sondern die inneren
Bezirke, zum Beispiel die Konstellation des Genies, das immer ein Kind geblieben ist.
Heine hatte stets den etwas staunend naiven Blick des Kindes, der sich jedoch in Reflexion
wandelte, und zwar auf höchstem intellektuellem Niveau. Damit ist zugleich das
Verhältnis von Realität und Fantasie angesprochen, das sich am Falle Deutschlands
exemplifizieren läßt: Er kannte das Deutschland der Realität und eines seiner Fantasie.
Aus dieser Konstellation ergab sich auch der Widerspruch zwischen Poesie und Prosa bzw.
Publizistik. Die Poesie wandte sich dem Inneren oder den Geschichtsvisionen zu, konnte
indes ebenso im weitesten Sinne Spiegel sein, wie Contra-Entwurf, ob im Buch der Lieder
oder in den beiden Verspoemen;... Heine dichtete in klassischen Formen (Lied, Romanze der
Sefarden) und schrieb als Publizist modernste Prosa. Mit seinem Lebensgefühl leitete er
die Moderne ein, von Goethe widerspruchsvoll sich ableitend, die Romantik differenzierend
und ihr am Ende entlaufend in Richtung Baudelaire, zwischen Entfremdung und Heimat...
zwischen Gebrochenheit und Ganzheit. Dieser Schriftsteller ganz homme de lettres, stellte
sich den Spannungen des Ancien Regime wie eben dieser beginnenden Moderne, während andere
Zeitgenossen sich mehr oder weniger in ästhetisch reine Räume oder in die Vergangenheit
zurückzogen. Das wiederum macht ihn so unglaublich heutig, just zu einem Zeitpunkt gegen
Ende der Moderne, so man das überhaupt sagen kann, da Rückzug und Selbstreflexion des
Individuums, geistige Nabelschau oder gar »neue Bocksgesänge« uns in den Ohren liegen,
lähmend.37
In einigen Punkten allerdings ist Trilse-Finkelstein wohl auch von der Stimmung
nicht ganz verschont geblieben, die die » neuen Bocksgesänge« hervorgebracht hat. So
ist seine Einschätzung meines Erachtens nicht richtig, wenn er zu Heines
Hunde-Metapher38 für das Volk bemerkt, dieser habe
einen »anderen Entwurf von Volk, als der Marxens, der auf ein organisiertes und
diszipliniertes Proletariat, auf eine kämpfende Avantgarde setzte und damit Schiffbruch
erlitt«. Oder etwas später: »Heute hätte Heine sicher eine
Bananen-Metapher gewählt.«39 Die Differenzen
zwischen Marx und Heine betrafen nicht den realen Charakter der unterdrückten Klasse.
Marx war sich wie Heine dessen sehr wohl bewußt, daß das Proletariat abgeschnitten war
von Kultur und Bildung und keineswegs von sich aus gleich in der Lage war, organisiert und
diszipliniert zu handeln. Es dazu in die Lage zu versetzen, darin sah er die Aufgabe der
Kommunisten.
Er war sicher einer Meinung mit Heine, wenn dieser den »Schmeichlern« und
»Hoflakaien des Volkes« widerspricht, die beständig dessen »Vortrefflichkeiten und
Tugenden« rühmen und begeistert ausrufen:
»Wie schön ist das Volk! Wie gut ist das Volk!«... Nein Ihr
lügt, Das arme Volk ist nicht schön; in Gegenteil, es ist sehr häßlich. Aber diese
Häßlichkeit entstand durch den Schmutz und wird mit demselben schwinden, wenn wir
öffentliche Bäder bauen, wo seine Majestät das Volk sich unentgeltlich baden kann...
Liebe und Vertrauen schenkt es nur denjenigen, die den Jargon seiner Leidenschaft reden
oder heulen, während es jeden braven Mann haßt, der die Sprache der Vernunft mit ihm
spricht, um es zu erleuchten und zu veredeln. Der Grund für diese Verkehrtheit ist die
Unwissenheit; dieses Nationalübel müssen wir zu tilgen suchen durch öffentliche Schulen
für das Volk, wo ihm der Unterricht auch mit den dazugehörigen Butterbrötchen und
sonstigen Nahrungsmitteln unentgeltlich erteilt werde. Und wenn jeder im Volke in
den Stand gesetzt ist, sich alle beliebigen Kenntnisse zu erwerben, werdet ihr bald auch
ein intelligentes Volk sehen.40
Von Schönfärberei und heuchlerischer Idealisierung des Proletariats war Marx
genauso weit entfernt wie Heine. Eine solche entstand erst als wichtiger Bestandteil der
Rechtfertigungsideologie der stalinistischen Bürokratie. Ihr »Sozialistischer
Realismus« sollte davon ablenken, daß diese Schmarotzerclique die Arbeiter in der
Sowjetunion systematisch daran hinderte, die Macht in ihrem Staat auszuüben. Wer für
Freiheit der Kunst und Emanzipation der Arbeiterklasse eintrat, dem drohte Verfolgung,
Lagerhaft und Ermordung.
Als Revolutionär sah Marx seine Hauptaufgabe darin, »bei den Arbeitern ein
möglichst klares Bewußtsein« über ihre historischen Aufgaben in der Revolution zu
erzeugen. Die politischen Niederlagen der Arbeiter waren für ihn Ansporn, ihre Analyse
sollte den Grundstein für künftige Siege legen.
Heine, dessen sozialistische Träume aus derselben Epoche stammten wie die
Utopien der Saint-Simonisten und anderen Frühsozialisten, sah in seiner Zeit der
politischen Rückschläge immer weniger Möglichkeiten, sie zu verwirklichen. Die Theorien
der utopischen Sozialisten entstanden in einer Zeit, in der die Arbeiterklasse noch eine
gesellschaftliche Minderheit darstellte und ihre selbständigen Kämpfe noch wenig
entwickelt waren. Daher gingen sie davon aus, daß die Utopien gleichsam von oben
durchgesetzt werden müßten. Heine stand in seinen politischen Einsichten zwischen Marx
und den utopischen Sozialisten.
Dazu kam, daß gerade die revolutionären Ereignisse 1848 zusammentrafen mit
einer tiefen persönlichen Krise Heines. Seine Krankheit verschlimmerte sich zusehends und
zwang ihn immer mehr dazu, jede Teilnahme am öffentlichen Leben aufzugeben. Heine war
kein Kommunist, aber er blieb selbst aus seiner »Matratzengruft« heraus nicht nur ein
hellwacher kritischer Beobachter der gesellschaftlichen Entwicklungen, sondern auch bis in
seine letzten Lebenstage ein großer Dichter, der an die Möglichkeit glaubte, eine
bessere Welt auf Erden zu verwirklichen.
»...daß die Zukunft den Kommunisten gehört«
Er begrüßte die Kommunisten als die politische Kraft der Zukunft, auch wenn er
für sich selbst keine Neigung verspürte, an ihrem Kampf teilzunehmen. Das hielt ihn aber
nicht ab, die falschen Freunde der Revolution zu geißeln. Die politischen Ergebnisse von
1848 haben seine Einschätzung vollauf bestätigt. Heines skeptische Einschätzung der
Situation war wesentlich komplexer als die Schwarzweißmalerei der Republikaner vom
Schlage Börnes.
Wie nur wenige seiner Zeitgenossen hat Heine nicht nur die politischen und
gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit durchlebt und scharfsichtig analysiert,
sondern sich trotz aller Skepsis und ängste über die Rolle des Proletariats, immer
wieder zur sozialen Revolution und diesem als der kommenden gesellschaftlichen Kraft darin
bekannt. Sein Bekenntnis, »daß die Zukunft den Kommunisten gehört«, hat er nicht
allzulange vor seinem Tode (am 30. März 1855) im Vorwort zur französischen Ausgabe
seiner Korrespondentenberichte von 1840 bis 1843 für die Augsburgische Allgemeine
Zeitung noch einmal bekräftigt:
Ich malte den Teufel an die Wand meiner Zeitung, oder, wie eine
geistreiche Persönlichkeit sich ausdrückte: Ich machte ihm eine gute Reklame. Die
Kommunisten, die vereinzelt in allen Landen verbreitet, ohne bestimmtes Bewußtsein ihrer
gemeinsamen Bestrebungen , erfuhren durch die »Allgemeine Zeitung«, daß sie wirklich
existierten... Durch die »Allgemeine Zeitung«, erhielten die verstreuten
Kommunistengemeinden authentische Nachrichten über die unaufhörlichen Fortschritte ihrer
Sache; sie vernahmen zu ihrer großen Verwunderung, daß sie keineswegs ein schwaches
Häuflein, sondern die stärkste aller Parteien waren; daß ihr Tag zwar noch nicht
gekommen, daß aber ruhiges Warten kein Zeitverlust sei für Leute, denen die Zukunft
gehört. Dieses Geständnis, daß den Kommunisten die Zukunft gehört, machte ich im Tone
der größten Besorgnis, und ach! Das war keineswegs eine Maske! In der Tat, nur mit
Grauen und Schrecken denke ich an die Zeit, wo jene dunklen Bilderstürmer zur Herrschaft
gelangen werden: mit ihren rohen Fäusten zerschlagen sie alsdann erbarmungslos die
Marmorbilder der Schönheit, die meinem Herzen so teuer sind. Sie zertrümmern all jene
Spielzeuge und phantastischen Schnurrpfeifereien der Kunst, die dem Poeten so lieb waren;
sie hacken meine Lorbeerwälder um und pflanzen darauf Kartoffeln;... und ach! Mein »Buch
der Lieder« wird der Krautkrämer zu Tüten verwenden, um Kaffee und Schnupftabak darin
zu schütten für die alten Weiber der Zukunft. Ach! Das sehe ich alles voraus, und eine
unsägliche Betrübnis ergreift mich, wenn ich an den Untergang denke, womit das
siegreiche Proletariat meine Gedichte bedroht, die mit der ganzen romantischen Weltordnung
untergehen werden. Und dennoch, ich gestehe es freimütig, übt ebendieser Kommunismus, so
feindlich er allen meinen Neigungen ist, auf mein Gemüt einen Zauber, dessen ich mich
nicht erwehren kann; in meiner Brust sprechen zwei Stimmen, die sich nicht zum Schweigen
bringen lassen, die vielleicht nur diabolische Einflüsterungen sind aber ich bin
nun einmal davon besessen, und keine exorzierende Gewalt kann sie bezwingen.
Denn die erste dieser Stimmen ist die der Logik... Ein schrecklicher Syllogismus
behext mich, und kann ich der Prämisse nicht widersprechen: »daß alle Menschen das
Recht haben zu essen«, so muß ich mich auch allen Folgerungen fügen... Sie ist seit
langem gerichtet diese alte Gesellschaft. Mag geschehen, was recht ist! Mag sie zerbrochen
werden, diese alte Welt, wo die Unschuld zugrunde ging, wo die Selbstsucht gedieh, wo der
Mensch vom Menschen ausgebeutet wurde... Und gesegnet sei der Krautkrämer, der einst aus
meinen Gedichten Tüten verfertigt, worin er Kaffe und Schnupftabak schüttet für die
armen alten Mütterchen, die in unserer heutigen Welt der Ungerechtigkeit vielleicht eine
solche Labung entbehren mußten fiat iustitia, pereat mundus!41
Die zweite Stimme, die für Heine zugunsten des Kommunismus spricht, ist die der
reaktionären »sogenannten Vertreter der deutschen Nationalität«.
Ja die überreste oder Nachkömmlinge der Teutomanen von 1815,
die bloß das altdeutsche Narrenkostüm gewechselt und sich die Ohren etwas verkürzen
ließen ich haßte und bekämpfte sie zeit meines Lebens. Und jetzt, wo das Schwert
der Hand des Sterbenden entsinkt, fühle ich mich durch die überzeugung getröstet, daß
der Kommunismus, der sie als erste auf dem Wege finden wird; ihnen den Gnadenstoß
versetzten wird... Aus Haß gegen die Anhänger des Nationalismus könnte ich schier die
Kommunisten lieben. Wenigstens sind sie keine Heuchler, die immer die Religion und das
Christentum im Munde führen.42
Heines (Selbst)Ironie in diesem Abschnitt, der immer wieder zitiert wurde, um
ihm echte Angst vor der Kunstfeindlichkeit der Kommunisten zu unterstellen, ist
unüberhörbar. Vom Kunstverständnis seines Freundes, Karl Marx, jedoch hatte er
ausgiebig Gelegenheit, sich zu überzeugen. Es ist eine Schilderung von Eleanor Marx
überliefert, die Raddatz zitiert: »Es gab eine Zeit, wo Heine tagaus,
tagein bei Marxens vorsprach, um ihnen seine Verse vorzulesen und das Urteil der beiden
jungen Leute einzuholen. Ein Gedichtchen von acht Zeilen konnten Heine und Marx zusammen
unzählige Male durchgehen, beständig das eine oder andere Wort diskutierend und so lange
arbeitend und feilend, bis alles glatt und jede Spur von Arbeit und Feile aus dem Gedicht
beseitigt war.«43
Heine und Marx waren im gemeinsamen Pariser Exil befreundet. Auch ihre
politischen Ansichten stimmten vor allem in der ersten Hälfte der vierziger Jahre in der
Grundrichtung überein. So manche treffende Formulierung übernahm Marx von Heine, wie zum
Beispiel die, daß Religion Opium fürs Volks sei. Aber ihre Intentionen waren sehr
unterschiedlich, auch wenn sie zeitweilig für die gleichen Zeitungen schrieben: der eine
war Revolutionär, der andere Dichter. Heine drückt sein Anliegen in einem Brief 1837 so
aus: »...mein Streben (ist) kein politisch revoluzionäres, sondern mehr
ein philosophisches,... wo nicht die Form der Gesellschaft sondern ihre Tendenz beleuchtet
wird.«44
Scharf geißelt Heine auch die Heuchelei der bürgerlichen Wohltätigkeit wie in
dem Gedicht Erinnerung an Hammonia, die nur dazu dient, sich in der guten
Gesellschaft ein Ansehen und ein gutes Gewissen zu verschaffen, aber das Elend in der Welt
zu lassen, wie es ist.
Waisenkinder, zwei und zwei,
Wallen fromm und froh vorbei
Tragen alle blaue Röckchen,
Haben alle rote Bäckchen
Oh, die hübschen Waisenkinder!
Jeder sieht sie an gerührt,
Und die Büchse klingeliert;
Von geheimen Vaterhänden
Fließen ihnen reiche Spenden
Oh, die hübschen Waisenkinder!...
Sitzen dort in langer Reih,
Schmausen gütlich süßen Brei,
Torten, Kuchen, leckere Speischen;
Und sie knuspern wie die Mäuschen,
Diese hübschen Waisenkinder.
Leider kommt mir in den Sinn
Jetzt ein Waisenhaus, worin
Kein so fröhliches Gastieren;
Gar elendig lamentieren
Dort Millionen Waisenkinder.
Die Montur ist nicht egal,
Manchem fehlt das Mittagsmahl;
Keiner geht dort mit dem andern,
Einsam, kummervoll dort wandern
Viel Millionen Waisenkinder.45
»Armut, Körperschmerz und Judentume!«
Daß Heine sich immer wieder so entschlossen auf die Seite der Unterdrückten
stellte, hatte seinen Grund natürlich auch in seiner eigenen Biographie. Zwar standen ihm
in seiner Jugend in Düsseldorf als Mitglied einer wohlhabenden und angesehenen jüdischen
Familie alle Einrichtungen der Bildung offen. Andererseits war Heine der Neffe eines der
reichsten Männer Europas seiner Zeit. Er selbst verkehrte mit Rothschilds und hatte
Freunde und Verehrer in allen gesellschaftlichen Kreisen. Aber nach der Niederlage
Napoleons waren in Deutschland alle Verordnungen zur Gleichstellung der Juden wieder
aufgehoben worden. Zwar konnte Heine die Universität besuchen, aber er erlebte dort
bereits verletzende Zurückweisungen wie den Ausschluß aus der Burschenschaft in
Göttingen.
Er erlebte als Jude all die Kränkungen des von der guten Gesellschaft
Ausgeschlossenen, des Angehörigen einer unterdrückten Minderheit. Ein öffentliches Amt
in Preußen, wie in Bayern blieb ihm verschlossen. Er wurde immer wieder Opfer
antisemitischer Beleidigungen. Auch sein übertritt zur christlichen Religion änderte
nichts daran.
Er hat diesen Widerspruch, das Leiden an seinem Judentum, häufig formuliert und
sich dazu bekannt. Er war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, angesehen zu werden
wie jeder andere Bürger auch und dem Wunsch, sein Judesein nicht verleugnen oder
verstecken zu müssen. Immer wieder wendet er sich im Laufe seines Lebens Themen aus der
Geschichte und Gegenwart des jüdischen Volkes zu. Am Rabbi von Bacharach arbeitet
er Jahrzehnte, er bleibt unvollendet. In vielen seiner Romanzen greift er Motive aus der
Geschichte der sephardischen Juden auf, von denen seine Familie abstammt, oder er
bearbeitet biblische Stoffe.
1842 schreibt er ein Gedicht über Das neue israelitische Hospital zu
Hamburg:
Ein Hospital für arme, kranke Juden,
Für Menschenkinder, welche dreifach elend,
Behaftet mit den bösen drei Gebresten,
Mit Armut, Körperschmerz und Judentume!
Das Schlimmste von den dreien ist das letzte,
Das tausendjährige Familienübel,
Die aus dem Niltal mitgeschleppte Plage,
Der altägyptisch ungesunde Glauben.
Unheilbar tiefes Leid! Dagegen helfen
Nicht Dampfbad, Dusche, nicht die Apparate
Der Chirurgie, noch all die Arzneien,
Die dieses Haus den siechen Gästen bietet.
Wird einst die Zeit, die ewge Göttin, tilgen
Das dunkle Weh, das sich vererbt vom Vater
Herunter auf den Sohn wird einst der Enkel
Genesen und vernünftig sein und glücklich?
Ich weiß es nicht! Doch mittlerweile wollen
Wir preisen jenes Herz, das klug und liebreich
Zu lindern suchte, was der Lindrung fähig,
Zeitlichen Balsam träufelnd in die Wunden...«46
Hier wird sein Mitleiden mit den doppelt Unterdrückten deutlich. Zwar gehört
er selbst nicht zu den Armen. Aber er ist einer der Unterdrückten. Er ist ein jüdischer,
politisch verfolgter Schriftsteller. Er empfindet tief die Ohmmacht des Almosens, das nur
Linderung, nicht Heilung bringt, dennoch begrüßt er, daß es gegeben wird.
Es ist ein besonderes Anliegen des Biographen Trilse-Finkelstein, gerade die
jüdischen Aspekte in Heines Leben und Werk hervorzuheben. Dabei macht er auf
Besonderheiten aufmerksam, die einem nicht jüdischen Leser nicht so ohne weiteres
auffallen, aber viel zum Verständnis der Texte beitragen können. Auch wenn in solchen
»jüdischen« Passagen gelegentlich der Kosmopolit und Internationalist, der Heine in
erster Linie war, etwas zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird, liegt hier mit
Sicherheit einer der »gelebten Widersprüche« Heines.
Aber das ist nur eine der vielen Facetten seines Werks, seiner Poesie und seiner
Prosa, die die Widersprüche und Verwerfungen seiner Zeit - und die seines persönlichen
Lebens in ihr - in einer bis dahin unbekannten Weise ausdrücken.
»Ich hatte einst ein schönes Vaterland«
Meist ging mit den reaktionären Angriffen auf den »Juden« Heine eine
Verunglimpfung seiner Dichtung als »undeutsch« einher. Man verzieh ihm weder seinen
vor allem in seinem publizistischen Werk gelegentlich respektlosen Umgang
mit der Sprache Goethes und Eichendorffs, noch die Tatsache, daß er die schönsten Natur-
und Liebesgedichte schreiben konnte, aber gleichzeitig z. B. die spießige
Schwärmerei für die Natur aufs Korn nahm.
Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang
»Mein Fräulein! Sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.«47
Immer wieder wurden Heines Sprache, sein Witz, sein respektloser Humor von
seinen Kritikern angegriffen. Sie sprachen ihm die Tiefe des Gedankens ab, weil er ihn so
gut und treffend auszudrücken verstand. »Undeutsch, französisierend« waren die
Attribute, mit denen man ihn belegte. Auch diese Kritik, die häufig genug mit
antisemitischen Untertönen versehen war, begann bereits zu Lebzeiten Heines. Sie wirkte
fort über den Verriß von Karl Kraus bis hin zu Adorno. Karl Kraus wirft Heine den von
ihm entwickelten Feuilletonstil vor, »der deutschen Sprache so sehr das
Mieder gelockert zu haben, daß heute alle Kommis an ihren Brüsten herumfingern
können«.48
Auch Adorno sieht in Heines » von der kommunikativen Sprache erborgten
Geläufigkeit und Selbstverständlichkeit« das »Gegenteil von
heimatlicher Geborgenheit in der Sprache. Nur der verfügt über die Sprache wie über ein
Instrument, der in Wahrheit nicht in ihr ist.«49
Ein ebenso tiefsinniges wie unhaltbares Urteil, ist doch gerade die Sprache Heines in
seinen Versen und seiner Prosa bei aller Geschliffenheit voller Widerhaken und Fallen für
den unbedarften, oberflächlichen Leser.
Heine selbst hat immer wieder deutlich gemacht, daß er die deutsche Sprache
liebte, daß sie seine »Heimat« war:
Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.
Das küßte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch
(Man glaubt es kaum
Wie gut das klang) das Wort: »Ich liebe dich!«
Es war ein Traum.50
Selbst in diesem Gedicht von 1834, das, wie Walter Hinck in
seinem Aufsatz über Heinrich Heines Deutschlandsliebe erklärt, ein »erotisches
und ein Deutschlandgedicht in einem« ist, drückt sich der Zwiespalt aus, in dem sich der
Exilant Heine zu Deutschland befindet: »Es war ein Traum«.51
Seine Liebe zu Deutschland ist gebrochen, am deutschen Leben nimmt er nur aus der Ferne
als Ausgeschlossener teil. Ausdruck gibt er seiner Liebe vor allem, indem er Kritik an
Deutschland übt.
Die deutsche Sprache ist sein Instrument dazu, das er virtuos handhabt. Heines
Sprache ist voller ungewöhnlicher Bilder, Metaphern, Vergleiche, Assoziationen und vor
allem voller Witz und frecher Anspielungen. Sogar wenn er über so schwierige und
komplizierte Themen wie die deutsche Philosophie schreibt, sind seine Texte selbst für
heutige Leser kein bißchen langweilig.
Heines Verse waren so »deutsch«, daß selbst die Nazis sie nicht alle
verbieten konnten. »Dichter unbekannt« stand in ihren Liedersammlungen unter dem
»Volkslied« Die Lorelei. Aber gerade auch diese Verse sind in zahlreiche Sprachen
übersetzt worden. Der Dichter Heine verstand sich bei aller Liebe zur deutschen Sprache
als Weltbürger.
Lessing, »derjenige Schriftsteller, den ich am meisten liebe«
Heine sieht sich in der Tradition der Aufklärung und ist mitten in eine Epoche
hineingeboren worden, in der Revolution und Konterrevolution in Europa einander
abwechselten. Seine Heimatstadt Düsseldorf gehörte zur Zeit seiner Kindheit zu
Frankreich. Dort galten die von der Französischen Revolution durchgesetzten
demokratischen Rechte des Code civil. Immer wieder bekennt sich Heine zu Napoleon. Seine
Verehrung für Napoleon geht vor allem auf die bürgerlichen Freiheiten der Französischen
Revolution nicht zuletzt die Emanzipation der Juden zurück, die seine
Truppen nach Deutschland brachten.
In seinem Essay Die Romantische Schule, durch den er einen deutlichen
Akzent gegen das von der reaktionären Seite der Romantik geprägte Deutschlandbild der
Madame de Stael setzen will, beginnt Heine die Darstellung der neueren deutschen Dichter
ausdrücklich mit Lessing. Er bekennt, »daß er in der ganzen
Literaturgeschichte, derjenige Schriftsteller ist, den ich am meisten liebe«.52 Er schätzt an Lessing vor allem dessen mutiges
Eintreten für sozialen Fortschritt und Humanität, obwohl er »den größten Teil seines
Lebens in Armut und Drangsal« verbrachte. »Das ist ein Fluch, der auf
fast allen großen Geistern der Deutschen lastet und vielleicht erst durch die politische
Befreiung getilgt wird. Mehr, als man ahnte, war Lessing auch politisch bewegt, eine
Eigenschaft, die wir bei seinen Zeitgenossen gar nicht finden.«53
Hier knüpft Heine selbst an, aber er lebt nicht, wie Lessing in der Zeit der
Aufklärung, vor der Französischen Revolution, er ist ein Mensch des 19. Jahrhunderts. In
seiner Jugend faszinieren ihn die Romantiker, vor allem die Sammlung Des Knaben
Wunderhorn hat es ihm angetan. Seine ästhetische Erziehung verdankt er zu einem
großen Teil August Wilhelm Schlegel, dessen Vorlesungen er hörte. Schlegel las seine
ersten Gedichte und gab ihm Ratschläge, um Form und Stil zu entwickeln.
Seine Abneigung gegen die Romantiker, deren poetische Qualitäten er durchaus
schätzte, ging vor allem auf deren Hinwendung zum mittelalterlich Mystischen und
politisch Reaktionären zurück, der Beschwörung der ständischen Ordnung des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation als Vorbild für die zukünftige Verfassung eines
geeinten Deutschlands. Diese politisch-gesellschaftliche Ausprägung der Romantik lehnte
Heine ab.
Dennoch war er sich seiner Wurzeln in der Romantik immer bewußt. Er akzeptierte
für sich die ihm von einem französischen Kollegen verliehene Bezeichnung »entlaufener
Romantiker«. Er war Erbe der Romantiker, wenn er das Recht auf Poesie, auf Schönheit,
Geschliffenheit und Eleganz der Sprache verteidigte gegen eine Literatur und Dichtung, die
sich in erster Linie als »politisch« verstand, als die Musen die »strenge Weisung«
bekamen, »sich hinfüro nicht mehr müßig und leichtfertig
herumzutreiben, sondern in vaterländischen Dienst zu treten, etwa als Marketenderinnen
der Freiheit oder als Wächterinnen der christlich-germanischen Nationalität«.54 Aber für Heine bedeutete Poesie niemals Flucht aus der
Wirklichkeit oder Ablehnung eines politisch-sozialen Engagements.
Im Atta Troll macht Heine sein Verhältnis zur Romantik zum Thema. Er
erklärt in der Vorrede:
...und in der Tat, schon die ersten Fragmente, die vom Atta Troll
gedruckt wurden, erregten die Galle meiner Charakterhelden, meiner Römer, die mich nicht
bloß der gesellschaftlichen Reaktion, ja sogar der Verhöhnung heiligster
Menschheitsideen beschuldigten. Was den poetischen Wert meines Poems betrifft, so gab ich
ihn gern preis, wie ich es auch heute noch tue; ich schrieb dasselbe zu meiner eigenen
Lust und Freude, in der grillenhaften Traumweise jener romantischen Schule, wo ich meine
angenehmsten Jugendjahre verlebt und zuletzt den Schulmeister geprügelt habe.
Weit von sich weist er den Verdacht, sein »Spott träfe jene
Ideen, die eine kostbare Errungenschaft der Menschheit sind und für die ich selbst soviel
gestritten und gelitten habe.«55
»Es beginnt ein neuer Abschnitt in der Weltgeschichte.«
Der »entlaufene Romantiker« Heine bejaht die neue Zeit mit ihren technischen
Errungenschaften, wenn auch nicht ohne ein gewisses Unbehagen. So schreibt er 1843
anläßlich der Eröffnung der beiden Eisenbahnlinien von Paris:
Die Eröffnung der beiden Eisenbahnen, wovon die eine nach
Orléans, die andere nach Rouen führt, verursacht hier eine Erschütterung, die jeder
mitempfindet, wenn er nicht etwa auf einem sozialen Isolierschemel steht. Die ganze
Bevölkerung von Paris bildet in diesem Augenblick gleichsam eine Kette, wo einer dem
andern den elektrischen Schlag mitteilt. Während aber die große Menge verdutzt und
betäubt die äußere Erscheinung anstarrt, erfaßt den Denker ein unheimliches Grauen,
wie wir es immer empfinden, wenn das Ungeheuerste, das Unerhörteste geschieht, dessen
Folgen unabsehbar und unberechenbar sind. Wir merken bloß, daß unsre ganze Existenz in
neue Gleise fortgerissen , fortgeschleudert wird, daß neue Verhältnisse, Freuden und
Drangsale uns erwarten, und das Unbekannte übt seinen schauerlichen Reiz, verlockend und
zugleich beängstigend. So muß unsern Vätern zumut gewesen sein, als Amerika entdeckt
wurde, als die Erfindung des Pulvers sich durch ihre ersten Schüsse ankündigte, als die
Buchdruckerei die ersten Aushängebogen des göttlichen Wortes in die Welt schickte. Die
Eisenbahnen sind wieder ein solches providentielles Ereignis, das der Menschheit einen
neuen Umschwung gibt, das die Farbe und Gestalt des Lebens verändert; es beginnt ein
neuer Abschnitt in der Weltgeschichte, und unsere Generation darf sich rühmen, daß sie
dabeigewesen. Welche Veränderungen müssen jetzt eintreten in unserer Anschauungsweise
und in unsern Vorstellungen! Sogar die Elementarbegriffe von Zeit und Raum sind schwankend
geworden. Durch die Eisenbahnen wird der Raum getötet, und es bleibt uns nur noch die
Zeit übrig. Hätten wir nur Geld genug, um auch letztere anständig zu töten! In
vierthalb Stunden reist man nun nach Orléans, in ebensoviel Stunden nach Rouen. Was wird
das erst geben, wenn die Linien nach Belgien und Deutschland ausgeführt und mit den
dortigen Bahnen verbunden sein werden! Mir ist, als kämen die Berge und Wälder aller
Länder auf Paris angerückt. Ich rieche schon den Duft deutscher Linden; vor meiner Türe
brandet die Nordsee.56
Durch die Spekulation mit Eisenbahnaktien war Heine, auch wenn er sich ab und zu
gewaltig verspekulierte, in der Lage, sein Dichtereinkommen gelegentlich etwas
aufzurunden. Rothschild griff ihm dabei unter die Arme. Eine Tatsache, die ihm manche
Moralapostel darunter sein Biograph Fritz Raddatz bis heute übelnehmen. Ihren strengen moralischen Anschauungen nach hätte die Lebensführung des
Dichters der Schlesischen Weber mehr denen des armen Poeten von Spitzweg
ähneln müssen. Doch was unterscheidet das Mäzenatentum Rothschilds von dem Nobelpreis
für z.B. Dario Fo? Heines Texte sind ein bleibendes Zeugnis dafür, daß er nicht
korrumpierbar war.57
In gewisser Weise setzte der Dichter Heine mit seinen Angriffen auf die deutsche
Rückständigkeit und Fürstenherrschaft eine deutsche Tradition fort, die mit dem Sturm
und Drang begonnen hatte. Aber Heine war nicht einfach Feind der Aristokratie und der
absolutistischen Unterdrückung in den deutschen Duodezfürstentümern. Er befand sich
bereits mitten in den sozialen Auseinandersetzungen zwischen Bourgeoisie und dem
allmählich zum Selbstbewußtsein gelangenden Proletariat. Die Errungenschaften der
französischen Revolution, die Beseitigung der Fürstenherrschaft, die in Deutschland
immer noch auf der Tagesordnung stand, waren bereits überlagert von dem immer deutlicher
aufbrechenden Konflikt zwischen Kapitalisten und Arbeitern. Für Heine, der seit 1830 in
Paris im Exil lebte, war dieser Konflikt mehr als deutlich.
Was Heine in der Romantischen Schule über Jean Paul und das Junge
Deutschland sagt, trifft auch in hohem Maße auf ihn selbst zu:
Sein Herz und seine Schriften waren eins und dasselbe. Diese
Eigenschaft, diese Ganzheit finden wir auch bei den Schriftstellern des heutigen Jungen
Deutschlands, die ebenfalls keinen Unterschied machen wollen zwischen Leben und Schreiben,
die nimmermehr die Politik trennen von Wissenschaft, Kunst und Religion und die zu
gleicher Zeit Künstler, Tribune und Apostel sind. Ja, ich wiederhole das Wort Apostel,
denn ich weiß kein bezeichnenderes Wort. Ein neuer Glaube an den Fortschritt, ein Glaube,
der aus dem Wissen entsprang. Wir haben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die
Mittel der Industrie berechnet, und siehe, wir haben ausgefunden, daß diese Erde groß
genug ist; daß sie jedem hinlänglichen Raum bietet, die Hütte seines Glücks darauf zu
bauen; daß diese Erde uns alle anständig genug ernähren kann, wenn wir alle arbeiten
und nicht einer auf Kosten des andren leben will; und daß wir nicht nötig haben, die
ärmere Klasse an den Himmel zu verweisen. Die Zahl dieser Wissenden und Gläubigen
ist freilich noch gering. Aber die Zeit ist gekommen, wo die Völker nicht mehr nach
Köpfen gezählt werden, sondern nach Herzen.58
Anmerkungen
1. Heinrich Heine: Sämtliche Werke. Herausgegeben von Karl Kaufmann,
München 1964, Band. V, S. 254. (Im Folgenden zitiert als SW) - zurück zum Text
2. Heine an Karl Gutzkow, 23. 08.1838 (Zitiert bei Trilse-Finkelstein, S. 200) - zurück zum Text
3. Heine: Reisebilder. Vierter Teil, SW, Bd. VI, S. 133 - zurück zum Text
4. Dokumente, die dies belegen würden, gibt es allerdings
nicht. Die Heine-Forschung hat sich darauf »geeinigt«, das Jahr 1797 als das Geburtsjahr
Heinrich Heines anzusehen. Die Gründe dafür sind einleuchtend und sollen hier nicht
länger hinterfragt werden, auch wenn nichts dagegen spricht, es bei der Unklarheit zu
lassen, die Heine selbst über seinen Geburtstag und sein Geburtsjahr zu verbreiten
beliebte. - zurück zum Text
5. »Ich Narr des Glücks«, Heinrich Heine 1797-1856.
Bilder einer Ausstellung. Stuttgart, 1997 - zurück zum Text
6. Joseph A. Kruse: 200 Jahre Heinrich Heine: Wirkung,
Ruhm, Kontroversen, in Ich Narr des Glücks, S. 4 - zurück zum
Text
7. Fritz J. Raddatz: Taubenherz und Geierschnabel.
Heinrich Heine. Eine Biographie, Weinheim, 1997 und Jochanan Trilse-Finkelstein: Gelebter
Widerspruch. Heinrich Heine Biographie. Berlin, Aufbau-Verlag, 1997 - zurück zum Text
8. Raddatz, a. a. O. S. 7 - zurück zum
Text
9. ebd., S. 68 - zurück zum Text
10. ebd., S. 10f - zurück zum Text
11. ebd. S. 217 - zurück zum Text
12. ebd. S. 109 - zurück zum Text
13. ebd. S. 181- zurück zum Text
14. Heine: SW, Bd. VI, S. 134 - zurück
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15. ebd. S. 132 - zurück zum Text
16. ebd. S. 133 - zurück zum Text
17. Raddatz, a. a. O., S. 67 - zurück
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18. Heine: Shakespeares Mädchen und Frauen, SW,
Bd. X, S. 152f - zurück zum Text
19. SW, Bd. I, S. 254f - zurück zum
Text
20. SW, Bd. II, S. 54 - zurück zum Text
21. Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift, SW,
Bd. XI, S. 122f - zurück zum Text
22. ebd., S. 15 - zurück zum Text
23. ebd., S. 49f - zurück zum Text
24. ebd., S. 56 - zurück zum Text
25. Raddatz, a.a.O., S. 219 - zurück
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26. ebd., S. 35 - zurück zum Text
27. SW, Bd. XI, S. 33 - zurück zum Text
28. ebd., S. 83 - zurück zum Text
29. ebd., S. 38 - zurück zum Text
30. ebd., S. 70 - zurück zum Text
31. ebd., S. 70f - zurück zum Text
32. Trilse-Finkelstein: a. a. O., S. 199 - zurück zum Text
33. Heine an seinen Verleger Campe, 1840, zitiert bei
Raddatz, S. 203 - zurück zum Text
34. Trilse-Finkelstein, a. a. O.,S. 205 - zurück zum Text
35. Lew Kopelew: Ein Dichter kam vom Rhein. Heinrich
Heines Leben und Leiden. Berlin 1981 (1997 als Taschenbuchausgabe bei Goldmann zum
Preis von 22.- DM neu herausgegeben) - zurück zum Text
36. Z. B. Friedrich Engels: in Revolution und
Konterrevolution in Deutschland, Berlin 1972, S. 80 - zurück
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37. Trise-Finkelstein, S. 11f - zurück
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38. Heine erzählt in der Börne-Schrift die Geschichte
vom treuen Hund Medor, der nicht vom Grab seines im Kampfe gefallenen Herren wich. In
»Wirklichkeit« jedoch war es ein ganz anderer Hund, der sich an dessen Stelle gesetzt
hatte. »Er ward gehätschelt, gefördert, vielleicht zu den höchten Ehrenstellen
erhoben, während der wahre Medor, einige Tage nach dem Siege, bescheiden davongeschliche
war, wie das wahre Volk, das die Revolution gemacht... Armes Volk, armer Hund!« SW, Bd.
XI., S. 56 - zurück zum Text
39. Trilse-Finkelstein: a. a. O., S. 250f - zurück zum Text
40. Heine: Geständnisse, SW, Bd. XIII, S. 113f - zurück zum Text
41. SW, Bd. XI, S. 337f (übersetzung des lat. Zitats:
Gerechtigkeit muß sein, und wenn die Welt darüber zugrunde geht.) - zurück
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42. ebd. S. 338 - zurück zum Text
43. Zitiert bei Raddatz: a. a. O., S. 250 - zurück zum Text
44. ebd. S. 224 - zurück zum Text
45. Heine: Gedichte 1853 und 1854, SW, Bd. III, S.
215 - zurück zum Text
46. Heine: Neue Gedichte, SW, Bd. II, S. 51f - zurück zum Text
47. Heine: Neue Gedichte, SW, Bd. I, S. 227 - zurück zum Text
48. Karl Kraus: Heine und die Folgen, in: Die
Fackel, Wien 1910, S. 1-33 - zurück zum Text
49. Theodor W. Adorno: Die Wunde Heine, in: Noten
zur Literatur I, Frankfurt 1963, S. 146 - zurück zum Text
50. Heine: Neue Gedichte I, SW, Bd. I, S. 264 - zurück zum Text
51. »Ich Narr des Glücks«, S. 37) - zurück zum Text
52. Heine: Die Romantische Schule, SW, IX, S. 25 -
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53. ebd.: S. 24 - zurück zum Text
54. ebd., S. 69 - zurück zum Text
55. Heine: Vorrede zu Atta Troll, SW, Bd. II, S.
68 - zurück zum Text
56. Heine: Lutetia (II), SW, Bd. XII, S. 65 - zurück zum Text
57. Dies wird übrigens auch nachgewiesen von
Jan-Christoph Hauschild und Michael Werner: »Der Zweck des Lebens ist das Leben
selbst«. Heinrich Heine. Eine Biographie. Köln, 1997, S. 75) - zurück
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58. Heine: SW, Bd. IX, S. 118 - zurück
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Einleitung
© gleichheit, Nr. 1/98, 20. Dezember 1997
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