Kundgebung gegen den Krieg in Rotterdam

Von einem Korrespondenten
15. April 2003

Mehrere Hundert Menschen demonstrierten am Samstag im niederländischen Rotterdam gegen den Irakkrieg. Vom Schouwburgplein (dem Theaterplatz) bewegte sich der Protestzug eineinhalb Stunden durch die Innenstadt.

Die Stadt an der Maas ist vor allem durch ihren weltgrößten Hafen berühmt. Traurige Berühmtheit erlangte Rotterdam durch den Aufstieg des später ermordeten Rechtspopulisten Pim Fortuyn. Bei den Kommunalwahlen im März vergangenen Jahres war Fortuyn mit seiner Liste "Leefbaar Rotterdam" (Lebbares Rotterdam) in der Lage, die weit verbreitete politische Opposition und Verbitterung in rassistische Bahnen zu lenken. Fast die Hälfte der Einwohner Rotterdams sind Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien oder stammen von ihnen ab. In einigen armen Vierteln liegt ihr Anteil noch höher, in Feyenoord beispielsweise bei 77 Prozent.

Die Demonstration am vergangenen Samstag spiegelte die Bevölkerungsstruktur der Stadt wieder. Viele Immigranten-Gruppen aus dem Nahen und Mittleren Osten - Iraker, Iraner, Türken, Kurden, Palästinenser - protestierten gegen den US-geführten Krieg im Irak Das dominierende Thema auf der Auftaktkundgebung und der Demonstration waren vor allem die Lügen der politischen Verbrecher in Washington, London - und Den Haag. Denn die niederländische Übergangs-Regierung unter dem Christdemokraten Jan-Peter Balkenende unterstützt die USA und Großbritannien bei ihrem Krieg. Erst diese Woche sind Koalitionsverhandlungen zwischen den Christdemokraten vom CDA und den Sozialdemokraten der PvdA gescheitert, obwohl die PvdA alle Vorbehalte gegen den Krieg aufgegeben hatte. Die Niederlande sind somit seit Anfang des Jahres ohne gewählte Regierung.

Die Sprecher der Kundgebung sowie die Demonstranten mit ihren Schildern und Transparenten sprachen vor allem eins deutlich aus: Der Krieg im Irak bringt keine Freiheit und keinen Frieden für das irakische Volk. Viele Teilnehmer der Demonstration kamen zum Informationsstand der World Socialist Web Site und erklärten, dass sie die WSWS verfolgen und regelmäßig lesen. "Ich erhalte täglich per Mail die neuesten Artikel", sagte ein 58jähriger Mann.

Guus und Arthur, zwei 15 und 16 Jahre alte Schüler, sagten, sie bezweifeln, dass die Bush-Regierung den Irak-Krieg für die Freiheit und den Frieden führt. "Die Kontrolle über das Öl ist das eigentliche Ziel des Kriegs. Dafür mussten zahlreiche irakische Männer, Frauen und Kinder sterben. Die Zukunft wird nicht Frieden und Freiheit sein. Durch das Vorgehen der USA wird viel Hass gegen die USA entstehen, auch wenn einige im Irak froh sein werden über den Sturz des Regimes."

Auf die Frage, was ihrer Meinung nach geschehen müsste, um weitere Kriege zu verhindern und Frieden zu schaffen, sagten sie: "Natürlich erst einmal mehr Demonstrationen und Prosteste der Bevölkerung weltweit. Aber wir brauchen vor allem einen prinzipiellen Wechsel in der Weltpolitik. Es ist ja nicht nur die Frage des Kriegs. In Afrika sterben Hunderttausende an Hunger und Elend. Das hat die gleiche Ursache."

Den führenden Politikern glauben sie nicht und schenken ihnen kein Vertrauen. "Der Vorsitzende der Sozialdemokraten von der PvdA Wouter Bos hat sich vor den letzten Wahlen gegen den Krieg der USA im Irak ausgesprochen. Jetzt, einige Wochen später, hat er seine Haltung um 180 Grad gewendet. Er hat in den Verhandlungen mit den Christdemokraten alle Vorbehalte und Aussagen gegen den Krieg zurückgenommen. Alle Politiker erklären nur das, von dem sie glauben, dass es die Bevölkerung hören möchte. Es ist nicht ernst gemeint, es sind Lügen. Wir haben gehört, dass die Schröder-Regierung in Deutschland der US-Armee den deutschen Luftraum überlassen und Waffen- und Militärtransporte zugelassen hat, um den Irak-Krieg zu führen. Ist das wirklich wahr? Das sind doch alles Lügner. Sie sind nicht wirklich gegen Krieg."

Ary aus Leiden, der regelmäßig die Artikel und Analysen der WSWS liest und auch schon Demonstrationsberichte aus den Niederlanden an die WSWS gesendet hatte, trafen wir auf der Auftaktkundgebung. "Die Medien sagen, dass der Krieg zu Ende sei", sagte er. "Für das irakische Volk ist er aber nicht zu Ende. Wenn ein amerikanischer Soldat meint, dass man zu schnell laufe, dann wird man von ihm erschossen. Wohnviertel werden weiterhin bombardiert. Auch beim Tschetschenienkrieg war der Krieg mit dem Einmarsch der russischen Armee nicht zu Ende. Das amerikanische Militär muss aus dem Irak abgezogen werden."

Ary berichtete, dass bei Venlo an der holländisch-deutschen Grenze ein Zug mit militärischen Gütern für den Krieg von Kriegsgegnern blockiert wurde und nicht weiterfahren konnte. "Der Zug musste wieder nach Deutschland zurückkehren. Die Antikriegsgruppen in Holland sollten bei der Abfahrt solcher Züge aus Deutschland informiert werden, dann können diese versuchen, sie aufzuhalten. Auch die Nutzung der US Militärbasen in Deutschland muss beendet werden."

Zur Haltung der Regierung in den Niederlanden erklärte er: "Offiziell gibt es keine militärische Unterstützung. Aber US-Verteidigungsminister Powell möchte, dass 600 niederländische Soldaten im Irak eingesetzt werden. Wie sich die holländische Regierung dazu verhalten wird, ist zu Zeit unklar. Die Koalitionsverhandlungen sind ja diese Woche gescheitert. Der Krieg gegen den Irak hat dabei wohl auch eine Rolle gespielt. Bei einer Umfrage vor kurzem haben wegen der Ablehnung des Irakkrieges 18 Prozent der Bevölkerung ihre Unterstützung für die Sozialistische Partei erklärt und 17 Prozent für Groenlinks. Diese Parteien lehnen den Krieg ab, hatten bei den Wahlen Anfang des Jahres aber nur 5 Prozent der Stimmen bekommen."

Siehe auch:
Hunderttausende demonstrieren in Rom
(15. April 2003)
10.000 protestieren in Berlin
( 15. April 2003)
Protest in Kopenhagen gegen Bushs und Rasmussens Krieg im Irak
( 15. April 2003)
Weitere Berichte über die weltweiten Antikriegsdemonstrationen

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