Größter weltweiter Kurssturz seit 2008

Von Andre Damon
10. August 2011

Am Montag gingen die Aktienkurse weltweit steil nach unten. Die amerikanischen Aktienindizes verzeichneten den stärksten Rückgang seit Dezember 2008. Diese Panik auf den Finanzmärkten ereignet sich vor dem Hintergrund zunehmender Anzeichen für einen neuen Wirtschaftsabschwung in den USA und der ganzen Welt, einer Verschlimmerung der Schuldenkrise in Europa und der destabilisierenden Auswirkungen der Herabstufung der amerikanischen Kreditwürdigkeit letzten Freitag.

Dieser Ausverkauf widerlegt die Behauptung, die im Jahr 2008 ausgebrochene Krise sei nur eine vorübergehende gewesen. Keine der Maßnahmen, die Regierungen und internationale Organisationen, allen voran die Obama-Regierung in den USA, als Reaktion auf den Finanzcrash von 2008 getroffen haben, hat die tieferen Ursachen der Krise beheben können. Die Verteilung von Billionen von Dollar an Banken zur Begleichung der Schulden der Finanzoligarchen hat nur zur Bildung einer neuen Spekulationsblase geführt.

Der Einbruch der Aktienpreise in den USA hat an einem einzigen Tag Vermögenswerte in Höhe von einer Billion Dollar vernichtet. Der Aktienindex Dow Jones fiel um 634 Punkte, bzw. 5,6 Prozent. Der breitere S&P 500 fiel um 6,6 Prozent, und der NASDAQ um 6,9 Prozent. Seit dem 22. Juli ist der S&P 500 um 16,8 Prozent gefallen. Alle großen Aktienindizes schlossen mit Werten die nahe an ihren Tagestiefpunkten lagen, was auf weitere Einbrüche heute hindeutet.

Auf das Debakel in den USA folgten miserable Ergebnisse in Europa. Der britische Index FTSE 100 fiel um 3,4 Prozent, der deutsche DAX um 5 Prozent, womit er bereits seit 9 Tagen in Folge sinkt. In Asien sanken die Märkte am Montag um mehr als 2 Prozent, und am Dienstagnachmittag verzeichneten sie noch stärkere Verluste.

Nachdem Standard & Poor’s am Freitag die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft hatte, folgten am Montag weitere Herabstufungen, darunter die von langfristigen regierungsgestützten Schulden, die von Banken und den beiden staatlich unterstützten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac herausgegeben wurden.

Allerdings wurde am Montag viel Geld in Staatsanleihen investiert. Diese gelten als „sicher“ im Gegensatz zu den chaotischen Verhältnissen auf den Kapital- und Spekulationsmärkten, auf denen mit Handelswaren, abgesehen von Edelmetallen, spekuliert wird.

Inzwischen meldete die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag, dass ihre kombinierten Leitindikatoren insgesamt von 102,5 Punkten im Mai auf 102,2 Punkte im Juni gesunken seien. Dies deutet auf einen stärkeren weltweiten Rückgang hin. „Im Vergleich zum letzten Monat gab es in den Vereinigten Staaten, Japan und Russland stärkere Anzeichen für eine Wende in den Konjunkturzyklen“, ließ die OECD in einer Stellungnahme verlauten.

Mittlerweile geht die Finanzpresse größtenteils davon aus, dass die Weltwirtschaft wahrscheinlich vor einer zweiten Rezession steht. Am Montag schrieb der Ökonom Nouriel Roubini von der Universität von New York in der Financial Times: „Schon vor der Panik letzte Woche war es sehr wahrscheinlich, dass die USA und andere große Wirtschaftsmächte vor einer zweiten schweren Rezession stehen.“

Roubini schrieb: „In der ersten Hälfte des Jahres 2011 kam es bei den meisten großen Wirtschaftsmächten zu einer Verlangsamung des Wachstums – oder sogar zu Rückgängen.“ Er sagte voraus: „Eine zweite Rezession ist vielleicht nicht zu verhindern,“ und kam zu dem Schluss, dass es für die Regierungen das Beste sei, zu versuchen, eine „zweite Depression“ zu verhindern.

Ein weiterer Grund für die Kursstürze waren die zunehmenden Währungskonflikte, die durch die Bestrebungen der US-Regierung und der Federal Reserve gefördert werden, den Dollar niedrig zu halten. Letzte Woche griffen Japan und die Schweiz auf den Währungsmärkten ein, um ihre Wechselkurse zu senken. Dies erinnert an die Währungskriege der 1930er Jahre, durch die die Weltwirtschaftskrise verschlimmert wurde.

Die europäische Staatsschuldenkrise gerät weiter außer Kontrolle und greift jetzt auf Italien und Spanien über. Am Montag versuchte die Europäische Zentralbank, die Investoren zu beschwichtigen, indem sie versprach, italienische und spanische Staatsanleihen zu kaufen. Aber selbst dieser außergewöhnliche Schritt konnte Verkäufe in Europa und der Welt nicht verhindern.

Hinter diesen unmittelbaren Ursachen steht ein fundamentaler Zusammenbruch des weltweiten kapitalistischen Systems. Die Hauptrolle dabei spielt der lange Niedergang des amerikanischen Kapitalismus. Bei der Herabstufung der amerikanischen Kreditwürdigkeit handelte S&P im Namen der Wall Street nach deren politischer Agenda, um durch Ausübung von Druck schärfere Sparmaßnahmen durchzusetzen. Allerdings trugen sie auch der Tatsache Rechnung, dass die Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten im weltweiten Vergleich stark gesunken ist.

Angesichts schärferer weltweiter Konflikte sind sich die herrschenden Klassen der Welt nur darin einig, dass sie ihre Angriffe auf die internationale Arbeiterklasse eskalieren müssen. Durch immer brutalere Kürzungen bei Sozialprogrammen, Arbeitsplätzen und Löhnen versuchen sie, sich über Wasser zu halten und die Arbeiterklasse für das Versagen des kapitalistischen Systems zur Kasse zu bitten.

Am Montagnachmittag gab Obama im Weißen Haus eine Stellungnahme ab, in der er nochmals seine Bereitschaft zu weiteren Sozialkürzungen bekundete. Er sagte, die USA seien nicht herabgestuft worden „weil die Agenturen daran zweifeln, dass wir unsere Schulden zahlen können“, sondern weil sie „die Handlungsfähigkeit unseres politischen Systems anzweifeln.“

Beispiellose Kürzungen bei Sozialprogrammen, darunter auch bei grundlegenden allgemeinen Programmen wie Medicare, Medicaid und Social Security (Renten) sollen von einem „Superkomitee“ des Kongresses ausgearbeitet werden. Hierbei handelt es sich um einen Teil der Vereinbarung zur Schuldenobergrenze, die letzte Woche erzielt wurde. Die Regierung hat angedeutet, sie werde das Komitee dahingehend beeinflussen, dass es nicht nur die vorgesehenen Kürzungen in Höhe von 1,5 Billionen Dollar ausarbeitet, sondern die volle Summe von vier Billionen, wie es von Standard & Poor’s gefordert wird.

Auffallend war, dass Obama auf seine üblichen demagogischen Forderungen nach der Schließung von Steuerschlupflöchern für Reiche verzichtete, mit denen er zuvor angeblich die Ausgabenkürzungen „gerecht machen“ wollte. Stattdessen wiederholte er nur seine Forderung nach „Steuerreformen“, womit er Vorschläge meint, die zuvor von überparteilichen Kommissionen ausgearbeitet wurden. Diese würden die Steuersätze für Unternehmen und Reiche deutlich senken und Steuerabschreibungen abschaffen, von denen bisher breite Teile der Bevölkerung profitiert haben.

Dieses Sparprogramm wird nicht nur verheerende Folgen für die große Mehrheit der Bevölkerung haben, sondern auch die rezessiven Tendenzen der Weltwirtschaft verstärken.

Die Augen der Investoren sind auf eine Strategiebesprechung der Federal Reserve am Dienstag gerichtet, sowie auf Anzeichen, dass die amerikanische Zentralbank auch weiterhin die Finanzmärkte mit Geld überschwemmen wird.

Solche Maßnahmen werden zu keiner Lösung führen. Die derzeitige Krise zeigt die Unfähigkeit der Politik der Obama-Regierung und der herrschenden Klasse. Sie haben keine vernünftige Antwort auf den Wirtschaftszusammenbruch anzubieten.

Die zugrundeliegenden unlösbaren Widersprüche, die das System des Weltkapitalismus zerreißen und erstmals im Jahr 2008 hervortraten, zeigen sich wieder in voller Stärke. Die Regierung hangelt sich von einem improvisierten Lösungsversuch zum nächsten, nur geleitet von ihrem Ziel, den Reichtum der Finanzaristokratie zu verteidigen.

Es gibt deutliche Anzeichen für wachsenden Widerstand in der weltweiten Arbeiterklasse. Dazu gehören Massendemonstrationen in Israel, wachsender Widerstand gegen die Militärjunta in Ägypten, heftige Ablehnung gegenüber den Forderungen nach Sparmaßnahmen in Europa und ein Streik von Zehntausenden von Angestellten von Versorgungsbetrieben in den Vereinigten Staaten.

Diese neueste Krise zeigt, dass diese Kämpfe nur erfolgreich sein können, wenn die Arbeiterklasse einen neuen Weg findet. Der erste Schritt auf diesem Weg ist der unversöhnliche Gegnerschaft gegenüber allen bürgerlichen Regierungen und dem kapitalistische System, das sie verteidigen.

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