Srilankische SEP lädt zum Kongress der Plantagenarbeiter ein

Von der Socialist Equality Party (Sri Lanka)
29. März 2012

Die Socialist Equality Party (SEP) und die International Students for Social Equality (ISSE) rufen Arbeiter und Jugendliche, die auf den Tee-, Kautschuk- und Kokosnussplantagen der Insel arbeiten, dazu auf, Delegierte zum Kongress der Plantagenarbeiter zu schicken, der am 20. Mai stattfinden wird. Dort wird diskutiert, wie demokratische und soziale Grundrechte verteidigt werden können, und er wird ein sozialistisches Programm verabschieden.

Wie alle Regierungen der Welt führt auch die srilankische einen beispiellosen Angriff auf den Lebensstandard der Bevölkerung. Im Auftrag des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat Präsident Mahinda Rajapakse die Rupie abgewertet und Preissubventionen für Benzin, Strom und andere Lebensnotwendigkeiten gekürzt und wichtige Sozialleistungen abgebaut.

Plantagenarbeiter gehören zu den am schlechtesten bezahlten und am meisten unterdrückten Schichten der Arbeiterklasse. Als Tagelöhner sind sie der Willkür der Plantagenbesitzer ausgeliefert und auf die erbärmliche Unterkunft und Verpflegung auf den Plantagen angewiesen. Diese Arbeiter sind von den Regierungsmaßnahmen besonders betroffen.

Auf der ganzen Welt sehen sich Arbeiter mit ähnlichen Angriffen konfrontiert, da die Regierungen die wachsende Last der Wirtschaftskrise auf ihren Rücken abladen. In allen Ländern erleben Arbeiter und Jugendliche eine soziale Konterrevolution, deren Ziel die Zerstörung aller demokratischen und sozialen Grundrechte ist.

Der Widerstand der Arbeiterklasse formiert sich. Im Nahen Osten, in Nordafrika, Europa, den USA und anderen Teilen der Welt kam es schon zu Aufständen. In Ägypten führten sie zur Absetzung Diktators Hosni Mubarak, einem Freund der USA. In diesen ersten Kämpfen haben jedoch die alten Organisationen – Parteien und Gewerkschaften – mit Unterstützung verschiedener Ex-Linker dafür gesorgt, dass die Proteste und Streiks für die Herrschaft des Kapitals nicht zur Gefahr wurden.

Die SEP und die ISSE rufen zu dem Kongress auf, um über wichtige politische Fragen zu diskutieren. Dies ist dringend notwendig, damit die Arbeiter Sri Lankas Arbeitsplätze, Löhne und ihren Lebensstandard verteidigen können. Für Plantagenarbeiter ist es besonders wichtig, mit den Gewerkschaften, die ihre Kämpfe immer wieder verraten haben, vollständig zu brechen.

Letzten April beeilten sich die Gewerkschaften auf Geheiß der Regierung, in den Teeplantagen einen Tarifvertrag mit den Betreiberfirmen abzuschließen. Er verordnete den Arbeitern im Gegenzug für eine unbedeutende Lohnerhöhung ein zweijähriges Streikverbot. Im Dezember verletzten die Unternehmen den Vertrag mutwillig: Sie erhöhten die Sollmenge für Teepflücker auf zwei Kilo Teeblätter pro Tag. Wenn das Soll nicht erfüllt wird, wird der Lohn halbiert. Eine Produktivitätssteigerung soll letzten Endes zu weniger Arbeitstagen pro Monat führen.

Die Regierung und die Gewerkschaften unterstützten diesen Rechtsbruch der Arbeitgeber. Allerdings nahmen die Plantagenarbeiter von Kotiyagala den Kampf auf, um ihre Rechte zu verteidigen. Als sich die Arbeiter in Welioya anschlossen, rief das Management Einheiten der berüchtigten Special Task Force der srilankischen Polizei zu Hilfe. Die Arbeiter reagierten mit spontanem Streik.

Die Hauptgewerkschaft, der Ceylon Workers Congress (CWC), lehnte diesen Streik ab und kollaborierte mit dem Management und der Polizei, um die Arbeiter einzuschüchtern. Als sich der Streik in Welioya auszubreiten drohte, schickte die Regierung zwei Minister (Mahindananda Aluthgamage und R. Rathakrishnan), um mit den Arbeitern zu sprechen. Rathakrishnan ist der Chef der Up-country Peoples Front, einer Plantagengewerkschaft, die an dem Streik teilgenommen hatte.

Doch Aluthgamage und Rathakrishnan tischten den Arbeitern von Welioya Lügen auf. Sie haben ihnen erzählt, das Unternehmen hätte sich bereit erklärt, auf die Erhöhung des Arbeitspensums zu verzichten, wenn sie den Streik beenden würden. Sofort knickten sämtliche Plantagengewerkschaften ein und brachen den Streik ab. Sie sind allesamt mit den Regierungs-, bzw. den Oppositionsparteien verbunden.

Kurz darauf trafen sich die Gewerkschaftsführer mit dem Manager von Welioya und dem stellvertretenden Arbeitsminister. Der Manager erklärte, sein Unternehmen habe sich nie bereit erklärt, das Arbeitspensum zu senken, vielmehr sei die Erhöhung nötig, um die Verluste im April auszugleichen. Der Vizeminister stimmte der Erhöhung zu, und die Gewerkschaften akzeptierten dies. Sie baten nur darum, dass das Management sie vor der Umsetzung anhöre.

Dieser Verrat unterstreicht die Tatsache, dass die Arbeiter gegen eine Troika aus Regierung, Management und Gewerkschaften kämpfen müssen, die gemeinsam eine gnadenlose Offensive führen, um Gewinne und Produktivität auf Kosten der Arbeiter zu erhöhen.

In früheren Kämpfen haben die Gewerkschaften die gleiche verräterische Rolle gespielt. Im Jahr 2006, während einer riesigen Streikbewegung, parierten sie, als Präsident Rajapakse ihnen vorwarf, den Kampf gegen die separatistischen Befreiungstiger von Tamnil Eelam (LTTE) zu sabotieren. Im Jahr 2009 unterzeichnete der CWC einen schlechten Tarifvertrag, während die UPF und andere oppositionelle Gewerkschaften vorgaben, eine Bummelstreikkampagne von zehntausenden Arbeitern zu unterstützen. Damit wollten sie den Widerstand der Arbeiter jedoch nur unter ihre Kontrolle bringen und abwürgen.

Ein weiterer Angriff auf die Plantagenarbeiter ist der Haushaltsplan, den Rajapakse im November vorgestellt hat. Er sieht vor, bis zu 37.000 Hektar Plantagenland an Kleinbauern zu verkaufen. Dadurch werden Arbeitsplätze zerstört und tausende Arbeiter und ihre Familien enteignet. Das erste Ziel wird die staatseigene Plantage Janawasama sein, die angeblich Verlust machen soll.

Die Regierung genießt die Unterstützung der Gewerkschaften, der Oppositionspartei Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) und der Exlinken von Nava Sama Samaja (NSSP). Sie behauptet, ihre Maßnahmen würden den Arbeitern und der armen Landbevölkerung helfen, mit kleinen Teepflanzungen Gewinn zu erzielen. In Wirklichkeit ist der Plan darauf ausgelegt, tamilische Plantagenarbeiter zu atomisieren und sie in einen Kampf um Land gegen arme singhalesische Bauern zu drängen. Ein großer Teil des Landes geht an Privatinvestoren. Diese werden dort Hotels, Privatkrankenhäuser und Universitäten bauen.

Die SEP und die ISSE rufen zu dem Kongress auf, um die Plantagenarbeiter in eine Gegenoffensive zu führen und dafür die politische Perspektive zu diskutieren.

Ein solches Programm muss sich auf den Zusammenschluss der Arbeiter Sri Lankas mit ihren Klassenbrüdern- und Schwestern in Südasien und weltweit gründen. Die Plantagenbetreiber und die Gewerkschaften rechtfertigen ihre Armutslöhne und grauenhaften Bedingungen damit, dass die Kosten für die Teeproduktion in Sri Lanka mit denen in Indien, China und Kenia konkurrieren müssen. Den Arbeitern in jenen Ländern sagt man das Gleiche.

Gegen diese gnadenlosen Angriffe auf Lebensstandard und Lebensbedingungen können Arbeiter nur kämpfen, wenn sie sich auf der Grundlage eines gemeinsamen sozialistischen Programms zusammenschließen und dafür kämpfen, das Profitsystem abzuschaffen. Dazu ist ein politischer Kampf gegen alle Formen von Nationalismus und Chauvinismus nötig, die von den herrschenden Klassen gefördert werden, um die arbeitende Bevölkerung abzulenken.

Es ist notwendig, für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse von allen Teilen der Bourgeoisie zu kämpfen, sowohl von der Rajapakse-Regierung und den Oppositionsparteien, als auch von CWC, UPF und anderen Plantagengewerkschaften. Keine dieser Parteien lehnt die wirtschaftsfreundliche Agenda des IWF ab. Der CWC und die UPF sind zurzeit Teil einer Regierung, die die Forderungen des IWF umsetzt. Die anderen Gewerkschaften sind mit der rechten UNP-Opposition verbunden, die ebenfalls tiefe Einschnitte in die gesellschaftliche Stellung der Arbeiterklasse vornahm, als sie selbst an der Macht war.

Die SEP und die ISSE fordern die Bildung von Basiskomitees, die unabhängig von den Gewerkschaften sind, um ein Programm für den Kampf zur Verteidigung demokratischer und sozialer Grundrechte zu entwickeln. Diese Komitees müssen ihre eigenen Verteidigungskräfte gegen die gewaltsame Intervention von Polizei, Militär und Schlägern der Gewerkschaften organisieren.

Die SEP und die ISSE erheben folgende unmittelbare Forderungen als Grundlage für einen politischen Kampf der Plantagenarbeiter:

* Bürgerrechte für alle Plantagenarbeiter!

* Ein Monatslohn von 30.000 Rupien gebunden an die Lebenshaltungskosten!

* Keine Erhöhung des Arbeitspensums! Arbeitsplätze für Arbeitslose und Jugendliche zum gleichen Lohn!

* Anständige Unterkunft, medizinische Versorgung und Bildung für alle!

Unter Bedingungen des kapitalistischen Eigentums an den Plantagen und ihrem Betrieb für privaten Gewinn ist die vollständige Erfüllung dieser grundlegenden Forderungen unmöglich. Die SEP und die ISSE treten für die Verstaatlichung der Plantagen unter demokratischer Kontrolle der Arbeiterklasse ein.

Die Plantagenarbeiter müssen auf andere Sektionen der Arbeiterklasse und der unterdrückten Massen der Landbevölkerung zugehen, deren Lebensstandard ebenfalls angegriffen wird, und den Kampf für eine Arbeiter- und Bauernregierung und die Umsetzung eines sozialistischen Programms aufnehmen. Die Gesellschaft muss von Grund auf umgestaltet werden, um statt dem Profitstreben einer winzigen, reichen Elite die grundlegenden Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung zu befriedigen. Die SEP und die ISSE kämpfen für die Errichtung einer sozialistischen Republik Sri Lanka und Eelam als Teil der Union sozialistischer Republiken Südasiens und international.

Diese fundamentalen Fragen werden auf dem Kongress der Plantagenarbeiter diskutiert werden, um den notwendigen Kampf für die Verteidigung der Grundrechte der Arbeiterklasse zu führen. Wir fordern Arbeiter und Jugendliche auf, sich mit der SEP und der ISSE in Verbindung zu setzen, sich aktiv an der Kampagne zu beteiligen und den Kongress mit aufzubauen.

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