Der schreckliche Preis von Washingtons Kriegen

4. April 2013

Der neue Bericht der Universität Harvard kommt zu der Einschätzung, dass die amerikanischen Kriege im Irak und in Afghanistan insgesamt mehr als sechs Billionen Dollar kosten werden. Dies ist ein weiteres Beispiel für den schrecklichen Preis, den die arbeitende Bevölkerung der Welt für die Verbrechen des Imperialismus zahlen muss.

Es handelt sich hierbei um die aktuellste einer Reihe von Studien, die die führende Politik-Dozentin Harvards, Linda Bilmes, zusammen mit dem Ökonomen Joseph Stiglitz verfasst hat. Bei jeder neuen Studie wurde die Schätzung der langfristigen Kosten für die Kriege nach oben korrigiert, hauptsächlich aufgrund der steigenden und bleibenden Kosten für die Pflege und Entschädigung hunderttausender Veteranen der Kriege im Irak und in Afghanistan, die mit schweren Verletzungen und psychologischen Traumata nach Hause zurückgekehrt sind.

Hinter den nackten Zahlen verbergen sich Leben, die für immer verändert wurden – nicht nur die der 50.000 amerikanischen Soldaten, die im Gefecht verwundet wurden, sondern auch der hunderttausend anderen, die an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD) und anderen psychischen Problemen leiden (ein Drittel aller eingesetzten Soldaten) oder traumatische Gehirnverletzungen erlitten haben (mehr als eine Viertelmillion Soldaten).

Das Pentagon hat die beispiellos hohe Zahl von Soldaten und Marines, bei denen PTSD, Depression, Anspannung und andere geistige Probleme diagnostiziert werden, mit einem Kulturwandel erklärt: die Streitkräfte haben einige der Stigmata abgeschafft, mit denen die Meldung solcher Probleme in früheren Kriegen verbunden war.

Das ist zweifellos ein Faktor, aber die Art der Kriege spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Kriege gegen Afghanistan und den Irak wurden mit Lügen über Terrorismus und „Massenvernichtungswaffen“ gerechtfertigt und entwickelten sich zu schmutzigen neokolonialen Operationen, deren Ziel es war, ganze Völker zu unterwerfen und strategisch wichtige Ressourcen, vor allem Öl, unter Kontrolle zu bringen.

Den Soldaten wurde erklärt, sie sollten Rache für die Anschläge des 11. September üben und gegen Al-Qaida kämpfen. Stattdessen wurden sie gezwungen, schreckliche Verbrechen an der Zivilbevölkerung zu verüben und eine ganze Bevölkerung als „den Feind“ zu sehen.

Natürlich sind die sechs Billionen nicht einmal ein kleiner Teil der Gesamtkosten dieser Kriege. Sie berücksichtigen nur ihre Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft. Die Kosten für den Wiederaufbau der Länder, die von Kriegen zerstört wurden und in denen mehr als eine Million Iraker und Afghanen zu Tode kamen, sind nicht mit einberechnet. Ebenso wenig die Kosten für die Millionen, die in ihren eigenen Ländern zu Flüchtlingen geworden sind.

Was die messbaren Kosten für die umfassende Zerstörung der sozialen Infrastruktur – Wasser, Strom, Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeit – angeht, so berücksichtigt die Studie nur die Summen, die die US-Regierung für Wiederaufbauprojekte ausgegeben hat, die von Korruption und Inkompetenz gekennzeichnet waren, und in denen Milliarden Dollar verschwendet oder in den Taschen von zwielichtigen Vertragspartnern und korrupten Politikern verschwunden sind.

Dann wäre noch die Frage der Finanzierung der Kriege. Mitglieder der Bush-Regierung wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld behaupteten Anfangs, die Kosten für den Irakkrieg würden bei „etwas unter 50 Milliarden Dollar“ liegen – weniger als ein Hundertstel der aktuellen Schätzung.

Die Kriege wurden durch „zusätzliche Bewilligungen“ finanziert, eine Praxis, die unter Bush begonnen und unter Obama fortgesetzt wurde. Unter anderem wurde damit die Aufstockung in Afghanistan finanziert. Die wahren Kosten für den Krieg erschienen nicht in normalen Haushaltsauflistungen und wurden geheim gehalten – mittlerweile geht man von 75.000 Dollar pro Haushalt aus. Statt die Militäroperationen durch Steuereinnahmen zu finanzieren, senkte die Regierung die Steuern für Reiche und lieh sich etwa zwei Billionen Dollar, größtenteils aus dem Ausland.

Diese Finanzierungsform, die von Demokraten und Republikanern unterstützt wurde, entsprach den Betrügereien, dem Parasitismus und den gesellschaftlich zerstörerischen Spekulationsmethoden, die im amerikanischen Finanzsystem und Kapitalismus insgesamt praktiziert werden.

Während Vertreter beider Parteien behaupten, es sei kein Geld für Arbeitsplätze, angemessene Löhne, Bildung, hochwertige Gesundheitsversorgung und andere wichtige soziale Dienstleistungen da, waren sie bereit, immense Mittel für Washingtons Kriegsmaschinerie aufzutreiben – für die die Arbeiterklasse durch verschärfte Sparmaßnahmen bezahlen muss.

Bilmes bestreitet jede Aussicht auf eine „Friedensdividende“ durch die Beendigung der Kriege im Irak und in Afghanistan. Sie sagt voraus, dass eine weitere langfristige Folge der Kriegskosten eine „viel kleinere, und bereits jetzt sinkende Geldmenge für Kernaufgaben des Militärs“ sein wird. Sie prognostiziert, dass die außer Kontrolle geratenden Kosten für medizinische Behandlungen und Entschädigungen zu einer Senkung der Truppenstärke und zu „weiteren Investitionen in unbemannte Waffensysteme“ wie bewaffnete Drohnen führen werden.

Die Obama-Regierung hat die Drohnenkriegsführung stark ausgeweitet und führt mörderische ferngesteuerte Bombenkriege gegen die hilflose Bevölkerung in Afghanistan, Pakistan, dem Jemen, Somalia und anderen Ländern, und schreibt dem Präsidenten das Recht zu, Drohnenangriffe auf amerikanische Staatsbürger anzuordnen. Diese taktische Wende hindert ihn jedoch nicht daran, weitere Kriege zu beginnen, die viel mehr Menschenleben und Ressourcen kosten werden, als die im Irak und in Afghanistan.

Dass die Verantwortlichen für die Angriffskriege im Irak und in Afghanistan – allen voran George W. Bush, Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Colin Powell, Condoleezza Rice und George Tenet – nie zur Verantwortung gezogen wurden, macht solche Kriege noch wahrscheinlicher.

Die Obama-Regierung hat bereits auf kriegerischem Weg einen Regimewechsel in Libyen erreicht, unterstützt in Syrien einen ähnlichen Krieg und droht dem Iran mit Krieg. Sie hat Truppen nach Afrika geschickt und einen Schwerpunktwechsel auf Asien begonnen, in dessen Rahmen sie andauernd die militärischen Spannungen mit China anheizt.

Die Arbeiterklasse hatte zwar bei der Entscheidung, die Angriffskriege gegen Afghanistan und den Irak zu beginnen, nichts mitzureden, und wird auch bei den neuen Kriegen, die bereits vorbereitet werden, nicht um Erlaubnis gebeten werden, aber sie wird durch Angriffe auf Arbeitsplätze, Löhne und wichtige Sozialleistungen dafür bezahlen müssen – außerdem in Form von toten oder versehrten jungen Arbeitern, die in diesen Kriegen kämpfen müssen.

Die ungeheuren Ressourcen, die für den aufgeblähten Militär- und Geheimdienstapparat der USA verschwendet werden, und das unschätzbare menschliche Leid, das er verursacht, macht den Aufbau einer echten Massenbewegung gegen Militarismus und Krieg notwendig. Dies ist nur im Rahmen einer unabhängigen politischen Bewegung der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische System möglich.

Bill Van Auken

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