Die Bargeldzahlungen der CIA und ihre Bedeutung für Afghanistan

2. Mai 2013

Am Montag wurde bekannt, dass die CIA dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai regelmäßig Säcke mit Bargeld in Millionenhöhe hat zukommen lassen. Dies ist nur die jüngste Episode in der Geschichte von Afghanistans langer und tragischer Beziehung zum US-Imperialismus.

Die New York Times schrieb: „Seit mehr als zehn Jahren wurden jeden Monat riesige Dollarbeträge in Koffern, Rucksäcken und manchmal Plastiktüten im Amtssitz des Präsidenten abgegeben.“

Nachdem sich Karsai und US-Präsident Barack Obama Anfang des Jahres im Weißen Haus getroffen hatten, veröffentlichten sie eine gemeinsame Stellungnahme. Darin erklärten sie ihre Absicht, gemäß dem Abkommen über eine strategische Partnerschaft amerikanische Truppen auf unbestimmte Zeit im Land zu behalten.

Die beiden bezeugten außerdem ihren Respekt für die „Souveränität“ Afghanistans und erklärten, ihre wirtschaftliche Strategie für das Land bestehe darin, sich auf „Investitionen in sein Humankapital zu konzentrieren, um die Institutionen des Landes zu fördern und eine wachstums- und investitionsförderliche Umgebung zu schaffen.“

Die Enthüllungen über amerikanische Geldkoffer zeigen, dass die USA viel in „Humankapital“ investiert haben, das „die Institutionen des Landes führen soll“ und zweifellos eine „förderliche Umgebung“ geschaffen hat, in der eine Ansammlung von CIA-Marionetten, Warlords, Drogenhändlern und Mördern Afghanistan ausplündern und seine Bevölkerung terrorisieren, während sie ihre Bankkonten mit Geld aus Washington füllen.

Die Obama-Regierung setzt nahtlos die kriminellen Methoden der Bush-Regierung fort.

Aber der Geldhahn der CIA wurde schon lange davor aufgedreht. Bereits seit Ende der 1970er, als die demokratische Regierung von Präsident Jimmy Carter beschlossen hatte, die Sowjetunion in eine Falle zu locken, um ihr „ihr eigenes Vietnam“ zu geben, indem sie eine islamistische Rebellion gegen ein prosowjetisches Regime in Kabul schürte und finanzierte, verteilte die CIA Millionen von Dollar.

Auf den Gehaltslisten der CIA stand damals ein junger Mann namens Hamid Karsai. Er diente als Mittelsmann zwischen dem amerikanischen Geheimdienst, dem pakistanischen ISI und den Mudschaheddin. Zu dieser Zeit hatte er zweifellos auch mit Osama bin Laden zu tun, der eine ähnliche Funktion ausübte.

Nach dem Rückzug der Sowjetarmee begannen die Gruppen, die von der CIA unterstützt wurden, einen langen Bürgerkrieg, der im Jahr 1996 mit der Machtübernahme der Taliban endete. Dieser Krieg ging unter der Schirmherrschaft der CIA weiter, als Washington die Anschläge vom 11. September 2001 als Vorwand nutzte, um in Afghanistan einzumarschieren und das Land zu besetzen. Die CIA verteilte wieder kofferweise Geld an afghanische Warlords, um ihre Dienste als Stellvertretertruppen der USA in einem Krieg für den Regimewechsel zu erkaufen.

Bei einer Reise durch Europa, auf der er wieder einmal Geld sammeln wollte, behauptete Karsai, die Zahlungen der CIA seien moderat und würden für „Hilfe für Verwundete und Kranke“ ausgegeben.

In Wirklichkeit fließt das Geld entweder direkt in die Taschen und Offshore-Konten von Karsais Familie oder wird für die Bezahlung der Warlords eingesetzt – darunter Kriegsverbrecher wie Abdul Rashid Dostum, der in seiner Zeit auf der Gehaltsliste der CIA im Jahr 2001 ein Massaker an tausenden von gefangenen Taliban bei Mazar-i-Sharif organisierte. Laut einigen Berichten hat er bis zu 100.000 Dollar im Monat erhalten.

Auch Karsais Halbbruder Ahmed Wali Karsai war bis zu seiner Ermordung im Jahr 2011 auf der Gehaltsliste der CIA. Er leitete eine Todesschwadron namens Kandahar Strike Force und spielte eine wichtige Rolle im afghanischen Heroinhandel, der Milliarden Dollar Umsatz im Jahr macht.

Auch der Chef von Karsais Nationalem Sicherheitsrat, Mohammed Zia Salehi, erhält einen Teil des Geldes. Er wurde im Jahr 2010 verhaftet, als eine Untersuchung unter Führung der USA ihm nachweisen konnte, dass er Geld aus dem Land geschmuggelt, mit Heroin gehandelt und die Taliban finanziert hatte. Karsai und die CIA schritten ein, erzwangen innerhalb weniger Stunden seine Freilassung, sowie den Abbruch der Ermittlungen gegen ihn.

Um dieses Marionettenregime von Mördern, Drogenhändlern und Kleptokraten an der Macht zu halten, haben die USA den längsten Krieg ihrer Geschichte geführt, der 2.200 Amerikaner und 1.000 Soldaten der anderen Besatzungsmächte das Leben gekostet und zehntausende verstümmelt und traumatisiert hat. Die Kosten des Krieges beliefen sich im Jahr 2009 auf etwa 60 Milliarden pro Jahr – wobei das Geld der CIA noch nicht berücksichtigt ist.

Die Zahl der Toten und Verwundeten aus der afghanischen Bevölkerung geht, seit die CIA vor fast 35 Jahren begonnen hat, Militäroperationen zu organisieren, in die Millionen.

Die riesigen Geldmengen, die für die kriminellen Operationen der USA in Afghanistan aufgewendet wurden, haben dem afghanischen Volk in keiner Weise geholfen. Laut einigen Schätzungen gehen von den zwanzig Milliarden Dollar, die dem Land in den letzten zehn Jahren an Entwicklungshilfe gezahlt wurden, von jedem Dollar 90 Cent durch Korruption verloren.

Mehr als die Hälfte der Familien des Landes leben in extremer Armut, mehr als ein Drittel leidet an Hunger. Jedes zehnte afghanische Kind stirbt, bevor es zur Grundschule kommt. Weniger als ein Viertel der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser, der Anteil lese- und schreibfähiger Menschen über fünfzehn Jahren ist ähnlich gering.

Die Abschlachten afghanischer Zivilisten geht Tag für Tag weiter. Am Sonntag veröffentlichte Karsais Büro eine offizielle Protestnote wegen der Erschießung von vier Zivilisten durch einen amerikanischen Militärkonvoi in der ostafghanischen Provinz Nangarhar. Anfang des Monats wurden bei einem Nato-Luftangriff in der Provinz Kunar nahe der pakistanischen Grenze elf Kinder zwischen zwei Monaten und sieben Jahren getötet.

Trotz ihrer Behauptung, alle ausländischen Besatzungstruppen bis Ende 2014 abziehen zu wollen, hat die US-Regierung nicht vor, die amerikanische Militärpräsenz zu beenden. Derzeit bereitet sie Pläne vor, zwischen 6.000 und 20.000 Soldaten im Land zu behalten, um den Widerstand gegen Karsai und seine kriminelle Clique zu unterdrücken.

Dieses Regime wurde gegen den Willen des afghanischen Volkes eingesetzt und ist ein Werkzeug der amerikanischen Finanzoligarchie. Sie ist fest entschlossen, ihre Interessen durch die militärische Durchsetzung ihrer Hegemonie über Zentralasien und seine strategischen Rohstoffe zu sichern. Den Preis dafür zahlt die arbeitende Bevölkerung Afghanistans und der USA.

Bill Van Auken