Vermögensblasen schaffen Bedingungen für neue Krise

23. Mai 2013

Es ist ein sicheres Anzeichen für den systemischen Zusammenbruch des Kapitalismus, dass die Maßnahmen, die eingeführt wurden, um eine Krise zu verhindern, die Bedingungen für eine noch größere Finanzkrise schaffen als die, die im Jahr 2008 ausbrach.

In den vergangenen fünf Jahren haben die großen Banken der Welt etwa sieben Billionen Dollar in die Finanzmärkte gesteckt, ihr erklärtes Ziel war es dabei, einen Wirtschaftsaufschwung in Gang zu bringen. Die Wirtschaftsdaten aus der ganzen Welt zeigen jedoch, dass sie damit umfassend gescheitert sind.

Die Statistiken zum Preisniveau gehören zu den wichtigsten. Sie zeigen, dass die Preise nicht steigen – unter „normalen“ Bedingungen sind steigende Preise ein Anzeichen für einen Aufschwung – sondern dass der deflationäre Druck steigt.

In den USA gingen die Verbraucherpreise im Mai um 0,4 Prozent zurück, dies war der größte Rückgang seit Ende 2008, nachdem sie im April bereits um 0,2 Prozent gesunken waren. In Europa sind die Verbraucherpreise im April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um nur ein Prozent gestiegen – abgesehen von den Preisen für Nahrungsmittel und Strom.

Der Abwärtstrend hat weitreichende Auswirkungen. Angesichts sinkender Preise für ihre Produkte, versuchen Firmen und Konzerne ihre Profite nicht durch Investitionen und Expansion zu erhöhen, wie sie es im Falle eines Aufschwungs tun würden, sondern durch brutale Kostensenkungsmaßnahmen und Finanzspekulationen. Die Lohnsenkungen und der Abbau von Arbeitsplätzen führen zu einem Rückgang der Nachfrage, was den deflationären Trend weiter verschärft.

Weitere Wirtschaftsdaten belegen diesen Prozess. Im letzten Monat sank die Industrieproduktion in den USA um 0,5 Prozent – prognostiziert wurden 0,2 Prozent. Dies führte zu der Prognose, dass die Ergebnisse für das zweite Quartal noch schlechter ausfallen würden als für das letzte Quartal 2012, als die amerikanische Wirtschaft fast keine Expansion vorwies.

In der Eurozone ist die Arbeitslosigkeit im 23. Monat in Folge gestiegen und liegt jetzt bei 12,1 Prozent, 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Wirtschaft der Eurozone ging im ersten Quartal um 0,2 Prozent zurück, d.h. der derzeitige Rückgang hat länger angehalten als der von 2008-2009.

Seit Beginn des Zusammenbruchs im Jahr 2008 war man davon ausgegangen, dass China die Grundlage für die langfristige Expansion der Weltwirtschaft liefern würde. Aber obwohl die Industrieproduktion und die Verkäufe im Einzelhandel im letzten Monat deutlich gestiegen sind und in diesem Jahr um etwa 7,5 Prozent steigen werden, wurden diese Hoffnungen zunichte gemacht.

Die Financial Times schrieb vor kurzem in einem Artikel über das Fehlen einer „starken Quelle für zunehmendes Wachstum“ in der Weltwirtschaft, dass die „Sorge“ über die chinesische Wirtschaft „weit verbreitet“ sei. Auf lange Sicht sei es klar, dass die zweistelligen Wachstumsraten der Vergangenheit angehörten, während auf kurze Sicht das Brutto Inlands Produkt (BIP) trotz zunehmender Kredite nahezu auf dem niedrigsten Niveau seit zehn Jahren war.

Im Gegensatz zu den Trends der Realwirtschaft erleben die Finanzmärkte einen beispiellosen Boom. Der Dow Jones ist um fünfzehn Prozent gestiegen, seit die amerikanische Zentralbank im letzten September die dritte Runde ihrer Politik der quantitativen Lockerung begann. In Japan stieg der Nikkei-Index um 44 Prozent seit letztem Dezember und der Wahl der Abe-Regierung, die gefordert hatte, dass die Bank von Japan die Geldmenge vergrößern solle. In Großbritannien stieg der FTSE-Index in den letzten sechs Monaten um zwanzig Prozent, da die Bank von England ebenfalls eine Politik der quantitativen Lockerung betrieb. Der britische „Aufschwung“ ist aber noch schwächer als während der Großen Depression. Die europäischen Aktienmärkte sind seit letztem Juli um 30 Prozent gestiegen.

Diese Steigerungen ergeben sich ausschließlich aus den Billionen von Dollar, die die großen Zentralbanken ins Finanzsystem pumpen.

Die boomenden Aktienmärkte stellen jedoch keinen „Aufschwung“ dar, sondern sind ein Zeichen für die wachsende Krise des kapitalistischen Systems. Noch nie in der Geschichte des Weltkapitalismus hat es eine so große Divergenz zwischen den Finanzmärkten und dem ihnen zugrunde liegenden Wirtschaftsprozess gegeben.

Das beispiellose Wachstum der internationalen Finanzmärkte führte zu Besorgnis, dass die Bedingungen für eine weitere Krise heranreifen. Die Kolumnistin der Financial Times, Gillian Tett schrieb: „Während die Flut der Liquidität aus den Zentralbanken es dem System ermöglicht, kleine Schocks zu absorbieren, verbirgt sie auch die zahlreichen inneren Widersprüche und Empfindlichkeiten, die an die Oberfläche geraten könnten, wenn es zu einem weiteren Schock käme... Gleichzeitig steigt das Potenzial für weitere gewaltsame Instabilität in gleicher Geschwindigkeit.“

Während alle rationalen Analysen zeigen, dass die derzeitige Lage den Weg für eine Katastrophe ebnet, geht die Spekulationsorgie nach ihrer eigenen wahnsinnigen Logik weiter. Wie es Chuck Prince, der damalige Vorstandschef des amerikanischen Bankenriesen Citigroup, im Juli 2007 formulierte: „Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen.“ Weniger als ein Jahr später stürzte das internationale Finanzsystem in die schwerste Krise seit den 1930ern.

Die heutige Situation hat noch mehr explosives Potenzial als die Situation vor fünf Jahren. Denn seit 2008 haben die Zentralbanken Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Wert von mehreren Billionen Dollar aufgekauft, sind selbst wichtige Mitspieler auf den Märkten und werden von einem Zusammenbruch der Finanzmärkte direkt betroffen sein.

Sie finden sich zunehmend in einer selbstgebauten Falle wieder. Durch die Einstellung der konjunkturfördernden Maßnahmen könnte die Blase platzen, gleichzeitig zieht die Ausgabe von weiterem Geld sie noch tiefer in den Sumpf.

Ökonomen des Internationalen Währungsfonds veröffentlichten letzte Woche eine Analyse, in der sie davor warnten, die Politik des billigen Geldes zu beenden. Die Zentralbanken könnten dadurch hohe Verluste erleiden, wenn dadurch die Zinssätze stiegen und die Wertpapierpreise sänken. Die Federal Reserve könnte einen Verlust von bis zu vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes erleiden (628 Milliarden Dollar), die Bank von Japan 7,5 Prozent des BIP verlieren, die Bank von England fast sechs Prozent.

Mit anderen Worten, ein neuer Finanzschock könnte die Stabilität der Zentralbanken selbst infrage stellen. Im Gegensatz zur Lage in den Jahren 2008-2009 wären sie nicht in der Lage, eine Rettungsoperation zu starten.

Die weltweite Krise des Kapitalismus hat weitreichende politische Auswirkungen.

In den letzten fünf Jahren wurden Milliarden Dollar an die Banken und Spekulanten verteilt, und die Finanzelite profitiert von ihren Aktivitäten, während die Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung ungebremst weitergegangen ist.

Diese Maßnahmen haben keinen Wirtschaftsaufschwung herbeigeführt, sondern die Grundlagen für noch größere Katastrophen gelegt.

Die internationale Arbeiterklasse muss ihre eigene unabhängige Antwort darauf vorbereiten: den politischen Kampf für den Sturz des gescheiterten kapitalistischen Systems durch einen revolutionären Kampf um die politische Macht und den Wiederaufbau der Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage.

Nick Beams