Dave Hyland: Ein lebenslanger Kampf für den Trotzkismus

Von Chris Marsden
25. Januar 2014

Wir veröffentlichen hier den Redebeitrag von Chris Marsden, dem Nationalen Sekretär der Socialist Equality Party in Großbritannien, den er am 18. Januar auf der Gedenkveranstaltung zu Ehren von Dave Hyland hielt, dem früheren Nationalen Sekretär der Partei, der am 8. Dezember 2013 verstorben ist (vgl. „Gedenkveranstaltung würdigt Dave Hylands politischen Kampf“).

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Es ist mir eine Ehre, an der Gedenkveranstaltung für Dave Hyland sprechen zu dürfen, der sowohl mein Genosse als auch mein Freund war.

Ich kannte Dave dreißig Jahre lang und viele Jahre lang habe ich so eng mit ihm zusammengearbeitet, wie es nur menschenmöglich ist. Würde ich Anekdoten über unsere gemeinsamen Erfahrungen aufzählen wollen, dann säßen wir noch die ganze Nacht beisammen.

Aber das ist nicht notwendig. Viele in diesem Saal kannten Dave und alle werden ihre eigenen Geschichten zu erzählen wissen. Sie werden natürlich alle unterschiedlich sein, aber ich würde annehmen wollen, dass jede dieser Geschichten, auf die eine oder andere Weise, einen von der Politik getrieben Mann schildern würde, der in seinen Überzeugungen vollkommen authentisch war und absolut prinzipienfest für sie kämpfte.

Glaubt mir, er war kein bequemer Bursche.

Ich habe versucht, ein Wort zu finden, das auf den Punkt bringt, wer Dave war. Ich dachte, „kämpferisch“ könnte es sein. Wie Redakteure es tun, schlug ich es also nach. Meine Liste von Synonymen enthielt: streitbar, kämpferisch, angriffslustig – die nahe dran sind, wie ich glaube – aber auch: kriegerisch, rabiat, herausfordernd – die es nicht sind.

Die Sache ist die, dass er von Genossen erwartete, sie würden im Ringen um den Aufbau der Partei alles geben, weil er selbst es nicht anders tat.

Und wenn er hart und kompromisslos war, dann deshalb, weil er sich gezwungen sah, diese Aufgabe unter denkbar schwierigsten Bedingungen auszuführen – vor allem angesichts des der Verrats jener Führer, die er als Inspiration betrachtet hatte.

Ein gewaltiges politisches Ereignis formte Daves Leben: der Kampf, den David North, die Workers League und das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) gegen die politische Degeneration und den Verrat am Trotzkismus der Workers Revolutionary Party (WRP) führten.

Ich werde über diesen wegweisenden Kampf nicht ausführlicher sprechen, denn heute ist auch der Mann auf dem Podium, der dies nicht nur am besten vermag, sondern dazu auch das volle Recht besitzt: Genosse North.

Ich werde lediglich später Dave Hyland zu der ausschlaggebenden Entscheidung zitieren, am 9. Oktober 1985 die Workers League zu kontaktieren.

Ich selbst werde mich auf Dave vor und nach der Spaltung beschränken, um darzulegen, was für eine wichtige Persönlichkeit er innerhalb der Geschichte der Bewegung in Großbritannien und weltweit gewesen ist.

Das erste Mal traf ich im Jahr 1983 mit Dave zusammen, als er einem (ziemlich) jungen Studenten erklärte, er werde an diesem Wochenende an einer Konferenz der Young Socialists Active Workers teilnehmen und er solle seine Zeit doch nicht mit Lernen für bevorstehende Prüfungen verplempern.

Ich wusste damals nichts über Daves Geschichte in der Bewegung, doch im Verlauf des darauffolgenden Jahres, das vom nationalen Bergarbeiterstreik beherrscht war, der im Februar 1984 begonnen hatte, lernte ich ihn kennen und respektierte und bewunderte ihn für seine absolute Zuverlässigkeit und Hingabe.

Ich wusste außerdem, dass er ohne seine Familie nach Yorkshire gekommen war, auf dem Fußboden übernachtete, sich dank der Großzügigkeit von Mitgliedern und Unterstützern verpflegte, sich glücklich schätzte, wenn er gelegentlich bezahlt wurde und sein eigenes Benzingeld einsammelte.

Ich wusste, dass er bei Tagesanbruch zu den Streikposten ging, politische Berichte anfertigte und eine Region der Partei wiederbelebte, die durch die Aktivitäten der WRP-Führung so gut wie zerstört worden war.

Und das zählte. Als Dave nämlich die Einsetzung einer Kontrollkommission forderte, um die Aktivitäten von Gerry Healy zu überprüfen, konnten weder ich noch andere, die ihn kannten, sich vorstellen, dass er (wie dies von manch anderem bekannt war) aus subjektiven Erwägungen handelte. Wir wussten, dass sein Handeln von Prinzipien geleitet wurde.

Ich möchte auch etwas zu Dave nach der Spaltung sagen. Genosse Larry Roberts aus den Vereinigten Staaten machte eine wichtige und scharfsinnige Bemerkung in seinem Beileidsschreiben an Daves Familie. Er schrieb:

“Es ist eine Sache, ein Arbeiterführer innerhalb der Partei zu sein. Eine ganz andere Herausforderung ist es dagegen, ein marxistischer Führer einer nationalen Sektion im Kampf für Internationalismus zu werden, wobei dies im Kampf gegen jene Leute zu geschehen hatte, die man einmal respektiert hatte und denen enorme Mittel zur Verfügung standen. Dave machte sich auf diesen aufreibenden Weg, den schwierigsten, den man sich denken kann.“

Das hat er ganz gewiss getan.

Besonders außergewöhnlich ist, wie sehr Dave, der nur bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr eine formale Schulbildung erhalten hatte und zuvor in der WRP als Arbeiteraktivist betrachtet und einer schlechten Behandlung ausgesetzt wurde, darauf vorbereitet gewesen war, sich der Herausforderung seiner Rolle als Nationaler Sekretär zu stellen.

Er verfasste Artikel und politische Streitschriften, schrieb Berichte – und er las wissbegierig.

Um anzudeuten, wie ernsthaft er sich politischen Fragen näherte, fragte ich Eileen, wie viele Bücher sich in Daves Bibliothek befinden. Sie sagte mir, über tausend. Die Sammlung reicht von Dichtern, Prosa-, Bühnen- und Drehbuchautoren, über Medizin, Arbeiter-, allgemeine und Lokalgeschichte, Chartismus bis zu Biographien über Mohammed Ali bis Thomas Paine.

Er bildete sich selbständig und tat alles in seinen Kräften stehende, um andere zu bilden.

Das sind bemerkenswerte individuelle Charakterzüge, doch sie müssen ebenso tiefgehende soziale Wurzeln haben.

Erst nachdem der Trubel der Spaltung vorübergegangen war, habe ich in vollem Umfang wahrnehmen können, dass es gerade Dave gewesen war, der am entschiedensten und in politisch prinzipientreuester Weise auf den Kampf reagiert hatte, welcher im IKVI entfacht wurde, und der daraufhin die Minderheit der WRP (Internationalisten) im Zentralkomitee begründet hatte.

Ich wusste, dass Dave auf dem Höhepunkt großer politischer Kämpfe der britischen Arbeiterklasse in die Socialist Labour League, die Vorgängerin der WRP, eingetreten war. Zu diesen Kämpfen zählten die Bergarbeiterstreiks in den Jahren 1972 und 1974 gegen die Tory-Regierung unter Heath. Ich wusste außerdem, dass er selbst Streiks bei Kodak und andernorts angeführt hatte, wofür er entlassen und schikaniert wurde.

Während der IRA-Bombenanschlagsserie setzten das Kodak-Management und die Gewerkschaft das Gerücht in Umlauf, er bewahre Bomben in seinem Spind auf. Er wurde vom Betriebsgelände geführt, um zu verhindern, dass er vor den Arbeitern sprach, und stand auf der schwarzen Liste der Wirtschaftsliga (Economic League).

Die WRP unternahm nichts, um ihn zu verteidigen. Dies war Ausdruck der politischen Wende, die stattfand, als die Partei die Fabriken verließ und in die Theater umzog.

Zunehmende finanzielle Probleme zwangen die Familie wiederholt umzuziehen. Dave arbeitete in verschiedenen Fabriken, solange bis man herausfand, wer er war. Einmal wartete die Polizei bei Schichtwechsel auf ihn, um ihn vom Betriebsgelände zu führen. Natürlich rührten die Gewerkschaften keinen Finger für ihn, vielleicht lieferten sie ihn sogar dem Management aus.

Aus diesen Gründen sah ich ihn als unverfälschtes Vorbild – als jemanden, der den Kampf für den Aufbau einer revolutionären Führung der Arbeiterklasse aufgenommen hat, was ihn das auch immer persönlich kosten mochte.

Aber er war weit mehr, als einfach ein militanter Kämpfer. Er war ein Trotzkist, und sein Orientierungspunkt, seine Inspirationsquelle, war nicht allein das Schicksal der Arbeiterklasse in Großbritannien, sondern dasjenige der internationalen Arbeiterklasse.

Er betrachtete sich niemals nur als Mitglied einer britischen Partei – was, wie ich später herausfand, indessen viele taten –, sondern als Mitglied des Internationalen Komitees der Vierten Internationale.

Als Dave Hyland der SLL beitrat, befand sich nicht bloß die englische, sondern die Weltgeschichte an einer kritischen Wendemarke. Und es waren die Weltereignisse, die Dave letztlich formten.

In einem Interview sagte er seiner Tochter, Genossin Julie, dass sein Parteieintritt nicht allein vom entschlossenen Kampf der SLL in der Gewerkschaft veranlasst wurde, sondern ebenso von ihrer Analyse des Stalinismus und der internationalen Grundlage ihrer Perspektive.

Dave kaufte eine Ausgabe der Workers Press und las einen Artikel über den Nahen Osten und die historische Rolle des Stalinismus. „Ich war ganz außer Fassung,“ erklärte er. „Denn ich hatte augenblicklich die Rolle begriffen, die der Stalinismus weltweit spielte, und auch, dass meine Erlebnisse beim Zusammenstoß mit den Stalinisten bei Kodak Teil dieser weltweiten Rolle waren. Diese Rolle war konterrevolutionär und basierte auf der Verteidigung der Interessen einer nationalen Bürokratie.“

“Das veränderte mein Leben“, sagte er.

Dave war einer der Repräsentanten einer Generation, die die wichtigste Rolle im IKVI spielte und nach wie vor spielt. Das sollte man sich vor Augen halten.

Von 1968 bis 1975 war der Kapitalismus laut unserer Analyse von einer revolutionären Krise ergriffen. Während dieser Phase traten die besten Repräsentanten der Arbeiterklasse und der Intellektuellen dem IKVI bei. In diesen Jahren gewannen wir nicht nur Dave Hyland, sondern auch Uli Rippert, Nick Beams, Peter Schwarz und David North in die Reihen des IKVI. Damit sind nur die prominentesten Persönlichkeiten genannt, die die zentrale Führung der heutigen Weltbewegung darstellen.

Aus diesem Grunde war auch nichts zufällig an der Tatsache, dass Dave auf die politische Kritik reagierte, die David North formuliert hatte. Er war ein überzeugter Trotzkist, und er reagierte auf das, was er als authentische trotzkistische Kritik am opportunistischen Kurs der WRP erkannt hatte.

Ich möchte jetzt gern Auszüge aus zwei Briefen vorlesen, die Dave in den beiden letzten Wochen verschickte, die ihm verblieben waren – Briefe, in denen er eine kluge politische Bewertung seines eigenen Lebens zog. Sie verdienen es reichlich, öffentlich verlesen zu werden.

Der erste kurze Auszug ist aus einem Brief vom 19. November an Linda Tenenbaum in Australien.

Er schrieb:

“Julie hat Dir vielleicht von meiner Prognose erzählt. Ich hoffe, man wird nur wenige Tränen für mich vergießen. Ich will nicht selbstgefällig wirken, aber dank der theoretischen und politischen Ausbildung, die ich als Bestandteil der Führung im IKVI erhalten hatte, habe ich ein wunderbar erfülltes und dankbares politisches Leben geführt.

Über die Jahre habe ich viele enge Freunde und Genossen in der Bewegung gefunden, und dank der unermüdlichen Hilfestellung von Eileen und einer liebenden Familie hat meine Lebensspanne fast ihr achtes Jahrzehnt erreicht.

(…) Natürlich ist es Genosse Dave gewesen, der mein politisches Leben seit 1985 beherrschte, indem er durch den theoretischen Kampf gegen die politisch degenerierten Führer der alten WRP, Healy-Banda-Slaughter, Führung gab. Er führte auch den Kampf für die Wiederbelebung marxistischer Theorie, Literatur und Kultur innerhalb der internationalen Arbeiterbewegung, für die objektive historische Wahrheit gegen stalinistische Lügen und Fälschungen, wie auch für die fantastische Entwicklung dieser eminenten Waffe marxistischer Bildung und revolutionärer Propaganda: der World Socialist Web Site.”

Am 9. November schrieb er an Bettina Rippert:

“Es gibt keinen Grund, mich zu betrauern. Ich will zwar nicht gehen und meine Familie und Genossen zurücklassen, aber es gibt einige Dinge, über die man letztlich keine Macht hat.

(…) Rheumatoide Arthritis ist in der Hyland-Familie verbreitet. Meine Großmutter litt seit ihrem dreißigsten Lebensjahr sehr übel daran. Mir wurde sie diagnostiziert, als ich vierzig war, und ich kämpfe seit 26 Jahren gegen medizinische Komplikationen, die mit ihr in Verbindung stehen. Ich wurde damit nicht alleingelassen, möchte ich ergänzen.

Die Genossen Dave, Linda und Uli haben oft im Namen des IK versucht, mir die bestmögliche ärztliche Behandlung weltweit zukommen zu lassen. Vergleiche das einmal mit dem Umgang der WRP-Führung mit dem Kader während der letzten Phasen ihrer politischen Degenration.

Die zunehmend kaltschnäuzige Haltung gegenüber dem Wohlergehen des Kaders, die in Zusammenhang stand mit der Zurückweisung des Marxismus und der internationalen sozialistischen Perspektive, drückte sich in den uns bekannten grotesken Formen aus. Wie vollständig anders diese Fragen doch vom IKVI und seinen Sektionen behandelt wurden, nachdem Healy-Banda-Slaughter bezwungen und der Marxismus wiederbelebt worden war.

(…) Uli kam gerade an, als ich diese Zeilen schrieb und wir plauderten ganz ausgezeichnet über alles Mögliche. Wir erinnerten uns an die ‚alten Tage‘, als wir noch junge Männer waren und täglich neue politische Lektionen über die Spaltung und ihre unmittelbaren Folgen lernten. Es war nicht die Art zu lernen, wie man an der Universität oder an der Schule lernt, auch nicht wie die Arbeiter an Streikposten lernen, sondern wie Revolutionäre lernen, die getreu der marxistischen sozialistischen Weltanschauung sich diejenigen politischen Fragen vornehmen, vor denen das Proletariat steht.

Es war ein Fall ‘gleicher und ungleicher’ Entwicklung innerhalb des IK. Diejenigen unter uns, die der britischen Sektion angehörten, und folglich kurze Distanz zur WRP-Führung hatten, hatten den Preis zu zahlen, dass ihr marxistisches theoretisches Bewusstsein ‘beschädigt’ wurde.

Tatsächlich aber hat der Trotzkismus tiefe Wurzeln in der britischen Arbeiterklasse. Viele dieser Wurzeln wurden durch den historischen Kampf gesetzt, den Gerry Healy während der 1950er, 1960er und frühen 1970er Jahre gegen die verschiedenen Formen des Pablismus geführt hatte.

Ich war mir der Tatsache bewusst, dass ich Mitglied einer Weltpartei war und glaubte deshalb, mich an diese wenden und das Telefongespräch mit Genossen Dave North führen zu können.

Deshalb glaube ich, dass, allen Widrigkeiten zum Trotz, eine authentische trotzkistische Tendenz aus der WRP hervorgegangen ist, die auf die programmatische und theoretische Kritik reagierte, die Genosse D[avid] N[orth] an den revisionistischen Positionen der WRP-Führer geübt hatte.“

Diese Schilderung braucht keine weitere Ergänzung.

Schließlich fügte Dave demselben Brief einen kurzen Abriss bei, mit dem er die gegenwärtigen politischen Umstände in Großbritannien und weltweit skizzierte.

Er schrieb:

“Die Krise des Jahres 2008 destabilisierte das gesamte kapitalistische System immer weiter. In jedem Land durchlaufen die ökonomischen, politischen und sozialen Beziehungen ein komplettes Wechselbad. Ich beobachte die Auswirkungen, die Snowdens Enthüllungen der NSA-Spionageaktivitäten in Deutschland hatten. Er ist, sehr zum Verdruss der Merkel-Regierung, ein echter Held geworden.

In Großbritannien hat die Bourgeoisie, die sich hinter der Regierung der Tories und Liberalen versteckt, ihre gnadenlose Raserei gegen die Arbeiterklasse weiter intensiviert. Sie ist gerade dabei, auch die komfortablen Lebensbedingungen breiter Schichten der Mittelklasse zu zerstören.

Als hätten sie vollkommen den Verstand verloren, reißen sie alle Stützen nieder, die sie sich einmal errichteten, um ihre Herrschaft zu sichern. Alle Brücken werden verbrannt. Dies erstreckt sich von den reformistischen Sozialprogrammen bis zu den Einschnitten bei der Kulturfinanzierung, die besonders großen Einfluss auf die Mittelklassen haben. Bei den Kollisionen mit ihren internationalen Konkurrenten schleift die herrschende Klasse alles, was es bis dahin an Gesundheits-, Sicherheits- und Bauvorschriften gegeben hat.

Dies alles führt zu einer zunehmend heftiger erregten politischen Atmosphäre, in der lediglich die Verrätereien der Gewerkschaftsbürokratie imstande sind, die Situation zu kitten.

Doch das kann nicht ewig so weitergehen und alles Mögliche kann zu weiteren politischen Eruptionen führen (…) die ganze Situation geht schwanger mit politischen Möglichkeiten für das Wachsen unserer Bewegung in England und der ganzen Welt.

Ich möchte nicht etwa andeuten, dass keine Gefahren oder Hürden zu überwinden sein werden, doch ich bin sehr optimistisch.

Das Leben eines Revolutionärs ist niemals leicht, wie Du weißt. Wie könnte es auch anders sein? Wir befinden uns in einem fortwährenden Kampf um die Organisierung der internationalen Arbeiterklasse, mit dem Ziel, das verfaulende, historisch abgewirtschaftete kapitalistische System zu überwinden, während wir gleichzeitig alles Fortschrittliche aus der Vergangenheit verteidigen. Wir kämpfen für einen Wandel der Gesellschaft und darum, ein neues Stadium menschlicher Entwicklung im Sozialismus zu eröffnen.

Ich traf auf gute Freunde und Genossen innerhalb der Bewegung und glaube, meine revolutionären Pflichten gegenüber meiner Partei und meiner Klasse erfüllt zu haben.“

Lasst mich mit einer letzten Bemerkung zu diesem sehr bewegenden Absatz schließen.

Für Daves Generation war es nicht einfach, den Weg in die Reihen der Vierten Internationale zu finden. Die Arbeiterklasse war immer noch von den Massenparteien der Sozialdemokraten und Stalinisten und den Gewerkschaften dominiert, die ihrerseits von verschiedenen pseudolinken Gruppen unterstützt wurden. Nichtsdestoweniger wurden die wirklich Besten für den Trotzkismus gewonnen. Dies geschah unter Bedingungen einer revolutionären Krise und weltweiter Klassenkämpfe.

Wie Dave es in seinem Brief auf den Punkt brachte, tritt der Weltkapitalismus heute in eine neue Periode ökonomischer und politischer Krisenhaftigkeit, die jene Krise weit in den Schatten stellt, die zwischen 1968 und 1975 ausgebrochen war. Und eine neue Generation, die in die revolutionären Kämpfe eingreift, betritt die Bühne sowie den Gravitationskreis des IKVI.

Diese Menschen stehen vor einer stark veränderten Konstellation der politischen Kräfte – es ist eine Konstellation, in der das IKVI unangefochten für sich beanspruchen darf, Leo Trotzkis authentische Weltpartei der sozialistischen Revolution in ihrer heutigen Gestalt zu sein.

Die Kontinuität des Kampfes für Marxismus in der Arbeiterklasse wird oft, und zu recht, mit dem Studium der wichtigsten Analysen und Streitschriften in Verbindung gebracht. Doch stets stehen hinter diesen Schriften Menschen, die diese Geschichte gestaltet haben, jene Männer und Frauen, die sich selbst sowie ihre geistigen und physischen Energien für den Kampf hingaben, der zum Aufbau einer revolutionären Führung geführt wurde.

Dave war für mich und für jene, die in den 1980er Jahren politisch aktiv wurden, das erste wesentliche Verbindungsglied zur vorhergehenden Generation von Revolutionären.

Er und andere wurden ihrerseits von Healy und dessen Generation ausgebildet und inspiriert – sie alle haben das Positive dieser Erfahrung bewahrt und aus den begangenen Fehlern gelernt.

Dave spielte eine Schlüsselrolle in diesem Kampf, die Vierten Internationale vor ihrer Liquidierung zu bewahren. Die Lehren dieses Ereignisses bestimmen nach wie vor, was wir als Weltpartei bis auf den heutigen Tag tun.

Viele junge Menschen finden jetzt ihren Platz in den Reihen des IKVI. Diese neue Generation von Revolutionären wird gut daran tun, dem Beispiel zu folgen, das Dave Hyland gab – er zeigte eine selbstlose Hingabe für die sozialistische Befreiung der Menschheit.