Proteste gegen Wehrdienst in der Ukraine nehmen zu

Von unserem Reporter
6. August 2014

Die “dritte Mobilmachungswelle“ hat in Kiew Berichten zufolge in mehreren Städten der Ukraine zu Protesten gegen die Einberufungen geführt.

Die von Präsident Petro Poroschenko am 22. Juli angekündigte Maßnahme betrifft vor allem junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren.

Sie wurde in der ukrainischen Rada von Andrei Parubi, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates eingebracht. Puribi ist der Gründer der faschistischen Sozial-Nationalen Partei der Ukraine. Im Jahr 2012 trat er in die Vaterlandspartei von Julia Timoschenko ein. Er fungierte als “Kommandant” der Maidan Proteste und organisierte die Rechten Schläger, um den pro-westlichen Staatsstreich im Februar zu unterstützen.

Nach Angaben der in der Ukraine ansässigen Webseite Zik.au verbrannten am 22. Juli wütende Menschen Einberufungsbefehle und griffen das Militärmeldeamt in der Stadt Bohorodchany im Südwesten der Ukraine an. Im Dorf Skobychivka desselben Bezirks bildeten die Bewohner eine Menschenkette, um die Straße von Ivano-Frankivsk nach Bohorodchany zu blockieren, und hielten Plakate mit der Aufschrift hoch: “Stoppt das Blutvergießen”.

Bewohner in sieben Dörfern in der benachbarten Region Bukowina blockierten am 28. Juli ebenfalls Straßen, um gegen die Einberufungsbefehle zu protestieren. In Czernowitz im selben Bezirk stellte sich eine Gruppe von Frauen einem örtlichen Rekrutierungsoffizier entgegen und verbrannte Einberufungsbefehle. Eine Frau beschwerte sich, dass die Behörden in Kiew “wie die Ratten vom sinkenden Schiff fliehen, aber sie kommen hierher, um unsere Söhne einzuziehen und sie in den Tod zu schicken. Sie haben diesen ganzen Schlamassel angerichtet und jetzt brauchen sie uns, um alles in Ordnung zu bringen.”

Die Proteste scheinen vor allem von ethnischen Rumänen, der zweitgrößten Minderheit in der Region nach den russischsprachigen Einwohnern, getragen zu werden. Aber es gibt Berichte über ähnliche Demonstrationen anderswo.

Am 25. Juli im Werfthafen von Mikolaiw am Schwarzen Meer, östlich von Odessa, blockierten Mütter und Ehefrauen von Soldaten, die beim 79. Fallschirmjäger-Regiment im Einsatz sind, die Varvarovsky Brücke über den [Fluss] Bug.

Sie forderten die Rückkehr ihrer männlichen Verwandten von den langen Pflichteinsätzen und trugen Plakate mit der Aufschrift “Rettet unsere Jungs” und blockierten den Verkehr. Die Blockade wurde schließlich am 27. Juli von der Polizei mit mehreren Festnahmen aufgelöst.

Die Autobahn Kiew-Chop wurde im vergangenen Monat wiederholt durch ähnliche Proteste blockiert, zum letzten Mal am 28. Juli in der Nähe der Grenze zwischen der Slowakei und Ungarn.

Nach einem Bericht von V. Gritsak, dem Leiter der Anti-Terror-Operation, vom 9. Juli sind seit April 1600 Soldaten der Regierung getötet und 4.723 verwundet worden.

Dem ukrainischen privaten Fernsehsender International Commercial zufolge hat das Innenministerium der Ukraine angekündigt, jeden, der gegen die Angriffe der Regierung im Osten der Ukraine agitiert, zu verhaften und mit Gefängnis zu bestrafen.