75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs

Von Barry Grey
2. September 2014

Der 1. September 2014 ist der 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges. Zwei Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen erklärten Großbritannien und Frankreich dem Dritten Reich den Krieg.

Die menschliche und gesellschaftliche Katastrophe, die mit der deutschen Bombardierung Warschaus begann, endete sechs Jahre später mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. In diesen sechs Jahren wurden 80 bis 90 Millionen Menschen getötet, hunderte Millionen wurden körperlich und seelisch verstümmelt.

Die Zahl der militärischen Todesopfer lag zwischen zweiundzwanzig und fünfundzwanzig Millionen, dazu kamen fünf Millionen tote Kriegsgefangene.

Die Zahl der Todesopfer des Zweiten Weltkrieges waren viel größer als die des Ersten, der bereits neun bis sechzehn Millionen Menschen das Leben gekostet hatte. Zwischen dem Ende des ersten weltweiten Blutbads und dem Beginn des zweiten lagen nur einundzwanzig Jahre.

Die Russische Revolution von 1917 erwuchs aus den Widersprüchen des Weltkapitalismus, die im Ersten Weltkrieg explodiert waren, der Krieg selbst wurde letzten Endes als Folge der sozialistischen Revolution in Russland beendet.

In den darauf folgenden zwei Jahrzehnten erlitt die internationale Arbeiterklasse eine Reihe von Niederlagen durch die Verrätereien der stalinistischen Bürokratie, die in der Sowjetunion entstanden war, und den Verrat der sozialdemokratischen Parteien eine Reihe von Niederlagen. In Deutschland, Italien und Spanien konnte der Faschismus triumphieren.

Die Vierte Internationale unter Führung von Leo Trotzki warnte, die Menschheit habe nur die Wahl zwischen Sozialismus oder Barbarei. Die einzige Kraft, die einen neuen Weltkrieg verhindern könne, sei die proletarische Revolution. Trotzki schrieb, die Niederlagen der Arbeiterklasse in Europa machten einen solchen Krieg unausweichlich.

Ein Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges warnte Trotzki im Gründungsprogramm der Vierten Internationale vor der bevorstehenden Katastrophe. Er schrieb, die Bourgeoisie schlittere "mit geschlossenen Augen der wirtschaftlichen und militärischen Katastrophe entgegen."

Der Zweite Weltkrieg war kein "Krieg für die Demokratie" gegen den Faschismus, wie die Propagandisten des amerikanischen und britischen Imperialismus behaupten. Er war ein imperialistischer Krieg, dessen Ursache die grundlegenden, ungelösten Widersprüche des Kapitalismus waren, die im Ersten Weltkrieg zutage getreten waren: der Konflikt zwischen der Weltwirtschaft und ihrer Teilung in konkurrierende Nationalstaaten, und zwischen einer vergesellschafteten Produktion und dem Privateigentum an den Produktionsmitteln.

Das Hitlerregime hat den Krieg in Europa begonnen. Aber das Dritte Reich war nur der extremste Ausdruck der zerstörerischen und kriminellen Natur des Imperialismus. Die herrschenden Klassen aller imperialistischen Mächte, der großen und der kleinen, darunter die der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Japans, Italiens, Kanadas und Australiens, befanden sich in einem Kampf um die Neuaufteilung der Welt und um die Verstärkung ihrer Kontrolle über Rohstoffe, Märkte und Quellen für billige Arbeitskraft auf Kosten ihrer Rivalen.

Zu den Verbrechen während des sechsjährigen Krieges gehörte die fast vollständige Auslöschung der europäischen Juden im Rahmen von Hitlers Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Diese hat 27 Millionen Menschenleben verloren. Das waren vierzehn Prozent ihrer Bevölkerung. Polen hat 5,8 Millionen Menschen verloren, mehr als sechzehn Prozent der Bevölkerung. Weitere Länder, die mindestens zehn Prozent ihrer Bevölkerung verloren haben, waren Griechenland, Litauen und Lettland.

Zwischen 1939 und 1945 wurden etwa sechs Millionen Juden ermordet, darunter 90 Prozent aller Juden in Polen, den baltischen Staaten und Deutschland.

In Asien führte der japanische Imperialismus einen mörderischen Feldzug, um die Kontrolle über den Pazifik zu erlangen und China zu einer Kolonie zu machen. Doch die Methoden, mit denen der amerikanische Imperialismus im August 1945 die Kapitulation Japans erzwang, waren völlig barbarisch. Die USA warfen innerhalb von drei Tagen Atombomben auf die wehrlosen und militärisch unbedeutenden Städte Hiroshima und Nagasaki. 150.000 Menschen kamen durch die beiden Bomben unmittelbar ums Leben.

Der amerikanische Historiker Gabriel Jackson schrieb 1999 in seinem Buch Civilization and Barbarity in Twentieth Century Europe: "Unter den besonderen Umständen des August 1945 zeigte der Einsatz der Atombombe, dass ein psychisch gesunder, demokratisch gewählter Präsident die Waffe in der selben Weise benutzen konnte, wie Hitler sie benutzt hätte. Auf diese Weise verwischten die Vereinigten Staaten für jeden, der sich um eine moralische Differenzierung bei einer Beurteilung der Herrschaftsausübung in verschiedenen Regierungsformen bemüht, den Unterschied zwischen Faschismus und Demokratie." (G. Jackson, Zivilisation und Barbarei, Frankfurt/M 1999, S. 277)

Die amerikanische herrschende Klasse betrachtete ihren Sieg in dem Krieg als Beginn der amerikanischen Vorherrschaft über die Welt. Doch ihre Ambitionen wurden durch die Existenz der Sowjetunion und die antikolonialen Kämpfe behindert, die in Asien und Lateinamerika ausgebrochen waren, darunter die Revolutionen in China und Indien. Der US-Imperialismus reagierte mit aller Brutalität.

In den darauf folgenden Kriegen - dem Korea- und dem Vietnamkrieg und den zahlreichen kleineren Kriegen im Kalten Krieges - kamen schätzungsweise etwa zwanzig Millionen Menschen ums Leben.

Nachdem die stalinistische Bürokratie die Auflösung der Sowjetunion eingeleitet hatte, erklärten die USA nicht nur den Kalten Krieg für beendet und den Kapitalismus für siegreich, sondern versprachen auch eine "Friedensdividende." Nichts dergleichen ist passiert.

Die amerikanische herrschende Klasse begann offiziell eine Politik der globalen Hegemonie. Sie nutzte den, wie sie es nannte "unipolaren Moment" aus, um den Einsatz ihrer Militärmacht auszuweiten, da sie hoffte, damit ihren wirtschaftlichen Niedergang auszugleichen. In der Zeit zwischen dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende der 1990er Jahre haben die USA eine ganze Reihe von Ländern überfallen, bombardiert oder besetzt, darunter Panama, Somalia, den Irak, Haiti, den Sudan, Afghanistan und Jugoslawien.

Washington hat die Anschläge am 11. September 2001 ausgenutzt, um einen "Krieg gegen den Terror" auszurufen, der nichts anderes als ein Deckmantel war, um weltweit militärisch vorzugehen. Die amerikanischen Regierungen beanspruchten das Recht der präventiven Kriegsführung und maßten sich das Recht an, jede Person, Gruppierung oder jedes Land anzugreifen, das sie als Hindernis für ihre globalen Interessen einschätzen.

Der Zusammenbruch des Weltkapitalismus, der 2008 begann, hat die Versuche der imperialistischen Mächte, die Welt neu aufzuteilen, noch beschleunigt. Auf die brutalen Kriege in Afghanistan und im Irak folgten die Kriege für Regimewechsel in Libyen und Syrien. Jetzt haben die USA einen neuen Krieg im Irak begonnen und bereiten sich darauf vor, Syrien zu bombardieren.

Angesichts der wachsenden sozialen Spannungen und der zunehmenden Wirtschaftskrise schüren die imperialistischen herrschenden Klassen verantwortungslos den Konflikt um die Ukraine, der mit einem von Faschisten angeführten und von den USA und Deutschland organisierten Putsch in Kiew begann, sodass ein offener Krieg zwischen der Nato und Russland droht, dem Land mit dem zweitgrößten Atomarsenal der Welt.

Die von den USA geführte Offensive in Europa ist darauf ausgerichtet, die Ukraine in eine Basis für Militäroperationen gegen Russland zu verwandeln, das zerteilt und in eine Halbkolonie des amerikanischen und deutschen Imperialismus verwandelt werden soll.

Direkt vor dem 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges trafen sich Regierungs- und Militärführer in Europa, um die Provokationen und Drohungen gegen Russland zu verschärfen. Auf dem EU-Gipfel am letzten Wochenende wurde angekündigt, die Sanktionen gegen Moskau zu verschärfen und die Nato-Führung forderte die Einbindung der Ukraine in das von den USA geführte Militärbündnis.

Die rechte Präsidentin des Nato-Mitgliedsstaates Litauen, Dalia Grybauskaite, erklärte am Samstag, Russland befinde sich bereits im Krieg mit der Ukraine und ganz Europa.

Anne Applebaum, die neokonservative Washington Post-Kolumnistin und Ehefrau des polnischen Außenministers, veröffentlichte am Sonntag eine Kolumne mit der Überschrift: "Krieg in Europa ist keine hysterische Idee." Die Kolumne endet mit der Frage: "Ist es hysterisch, sich auf einen totalen Krieg vorzubereiten? Oder ist es naiv, das nicht zu tun?"

Im Osten führt der US-Imperialismus derweil im Rahmen der sogenannten "Konzentration auf Asien" der Obama-Regierung eine Offensive, deren Ziel es ist, China auf den Status einer Kolonie herabzudrücken. Die Logik der Versuche, China zu isolieren und militärisch einzukreisen, ist ein offener Krieg.

Trotzki schrieb 1938 im Gründungsprogramm der Vierten Internationale: "Unter dem wachsenden Druck des kapitalistischen Niedergangs haben die imperialistischen Widersprüche die Grenze erreicht, jenseits derer die einzelnen Konflikte und blutigen Explosionen (Äthiopien, Spanien, Ferner Osten, Mitteleuropa) unausweichlich in einem Weltbrand münden."

Wenn man die Länder Äthiopien und Spanien durch "Irak" und "Syrien" ersetzt, sind diese Worte auch nach 76 Jahren noch eine passende Zusammenfassung der heutigen weltpolitischen Lage. Diesmal droht jedoch ein Weltkrieg, der mit Atomwaffen geführt würde und die menschliche Zivilisation auslöschen könnte.

Das Internationale Komitee der Vierten Internationale schrieb am 9. Juni in seiner Erklärung "Sozialismus und der Kampf gegen imperialistischen Krieg": "Wenn die internationale Arbeiterklasse nicht auf der Grundlage eines revolutionären marxistischen Programms eingreift, ist ein weiteres imperialistisches Blutbad nicht nur möglich, sondern auch unvermeidlich."

Man muss Lehren aus der Geschichte ziehen. Die imperialistische Entwicklung zu einem Weltkrieg lässt sich durch nichts anderes aufhalten als durch eine sozialistische Revolution. Es ist notwendig eine Massenbewegung gegen den Krieg gestützt auf die Arbeiterklasse aufzubauen, die von einem revolutionären Programm geführt wird, das sich gegen das imperialistische System und den Kapitalismus richtet.

Wir appellieren an Arbeiter und Jugendliche auf der ganzen Welt. Schließt euch dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale und seinen nationalen Sektionen an. In Deutschland ist das die Partei für Soziale Gleichheit. Baut die Führung auf, die notwendig ist, um einen neuen Weltkrieg zu verhindern. Baut das IKVI als Weltpartei der sozialistischen Revolution auf.

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