Wirtschaftsdaten zeigen beginnende weltweite Rezession

Von Nick Beams
4. September 2014

Die jüngsten Wirtschaftsstatistiken aus Europa, Japan und China weisen auf zunehmend rückläufige Entwicklungen der Weltwirtschaft hin.

Die Wirtschaft der Eurozone befindet sich immer noch unterhalb des Niveaus, auf dem sie vor sechs Jahren, vor dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise, lag; in China verringert sich die Wachstumsrate, und die Befürchtung, dass die "Abenomics," - die Stärkung der japanischen Wirtschaft durch geldpolitische Maßnahmen, an Schwung verlieren könnte, nimmt zu.

Wenn sich die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt trifft, wird sie unter dem Druck der Finanzmärkte stehen, eine Form von "quantitativer Lockerung" einzuführen, die auf dem Aufkauf von Wertpapieren basiert. Letzten Monat erklärte Mario Draghi angesichts einer Inflation von nur noch 0,4 Prozent in der Eurozone - ein Fünftel der Rate, die sich die Bank zum Ziel gesetzt hat - bei einer Zentralbankenkonferenz in Jackson Hole, die EZB werde "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" die Preisstabilität gewährleisten.

Niedrige Inflation oder sogar Deflation gilt als eine der größten Gefahren für Instabilität im Finanzsystem, da sie die reale Schuldenlast für den Privatsektor und die Regierung erhöht.

Draghi deutete außerdem an, er glaube, es bestehe Spielraum für eine Lockerung der Sparprogramme und Staatsausgaben könnten eine Rolle bei der Förderung von Wirtschaftswachstum spielen, verbunden mit "Strukturreformen," um die sozialen Bedingungen der Arbeiterklasse weiter anzugreifen.

Seine Äußerungen verursachten jedoch einige Entrüstung; Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble forderten angeblich klärende Erläuterungen von dem EZB-Präsidenten.

Schäuble erklärte in einem Interview mit Bloomberg, "Strukturreformen" seien notwendig, allerdings sei es nicht die Aufgabe der EZB, sie umzusetzen. Mit Geldpolitik könne man nur Zeit gewinnen. Er schloss auch weitere Maßnahmen zum Kampf gegen Deflation aus und erklärte, die EZB habe nicht die notwendigen Mittel, um sie durchzuführen. Er erklärte weiter, die Zinssätze seien auf einem historischen Tief. Die Liquidität auf den Märkten sei nicht zu niedrig, sondern vielmehr zu hoch.

Die Produktionsdaten, die am Montag veröffentlicht wurden, zeigten, dass sich die Lage in der Eurozone verschlechtert. Die Aktivität im August lag auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr. Der wichtige Einkaufsmanagerindex lag zwar mit 50,7 über der Marke von 50, die Wachstum von Rückgang trennt, im Monat davor lag er jedoch noch bei 51,8.

Der französische produzierende Sektor ging so stark zurück wie zuletzt im Mai letzten Jahres, Italien ging von Expansion zu Stagnation über.

Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts zeigt den gleichen Trend. Die deutsche Wirtschaft, die für etwa 30 Prozent der Gesamtleistung der Eurozone verantwortlich ist, ging im zweiten Quartal zurück. Der Eurozonenblock als Ganzes, der aus achtzehn Ländern besteht, wuchs überhaupt nicht. Italien befindet sich in der dritten Rezession seit dem Ausbruch der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009.

Das Problem geht sogar noch tiefer als diese Zahlen andeuten. Es wird mittlerweile geschätzt, dass sich die Wirtschaft der Eurozone zwanzig Prozent unter ihrer Trendwachstumsrate befindet. Laut dem amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz besteht die Gefahr einer jahrelangen Depression, die sogar Japans "verlorenes Jahrzehnt" in den Schatten stellen könnte.

Aktuelle Daten verdeutlichen, dass die Tage, in denen China als der Retter der Weltwirtschaft gelten konnte, endgültig vorbei sind. Letzten Monat sank der chinesische Einkaufsmanagerindex (PMI) zum ersten Mal seit Februar von einem Zweijahreshoch im Juni von 51,7 auf 51,1 Punkte gesunken. Der Abschwung der Produktion folgte auf die Veröffentlichung von Zahlen, die einen Rückgang der Kreditaufnahme im Juli und einen Rückgang der Grundstückspreise zeigten.

Die Financial Times stellte in einem Kommentar zu den Produktionszahlen fest: "Chinas Wirtschaftswachstum ist seit Jahren zurückgegangen, doch eine scharfe Korrektur auf den Immobilienmärkten in den letzten Monaten hat zu der Sorge geführt, dass sich der Abschwung zu einer schwereren Rezession entwickeln könnte."

Die chinesische Regierung reagierte auf die Probleme auf dem Immobilienmarkt mit einer Reihe von Maßnahmen, die als "Mini-Konjunktirprogramm" beschrieben wurden. Der Rückgang des Einkaufsmanagerindex deutet jedoch darauf hin, dass diese Maßnahmen nichts gebracht haben. Laut der Financial Times ging die Schwäche der Industrie im letzten Monat hauptsächlich auf geringe Binnennachfrage zurück. Das ist ein Rückschlag für die Regierung, deren offizielle Politik sich angeblich darauf richtet, die Ausgaben für den Konsum zu erhöhen.

In Japan wurden die "Abenomics," die aus Konjunkturmaßnahmen und einem Wertpapier-Aufkaufprogramm der Bank von Japan basiert, als Ausweg aus der Deflation gefeiert, die das Land seit den 1990ern im Griff hat. Allerdings ist die japanische Wirtschaft nach dem Sondereffekt einer Mehrwertsteuererhöhung im April von Mitte 2013 bis Mitte 2014 fast überhaupt nicht gewachsen.

Der Ökonom Chetan Ahya, der bei Morgan Stanley für Japan zuständig ist, sagte der Financial Times: "Die Abenomics sind in Schwierigkeiten." Obwohl einige Indikatoren darauf hinweisen, dass auf einen Rückgang im zweiten Quartal ein Aufschwung folgt, ist dieser zu schwach, um Hoffnung auf eine deutliche Verbesserung zu rechtfertigen.

Wenn man nicht nur die Monatsdaten vergleicht, sondern auch die wirtschaftlichen Entwicklungen über einen längeren Zeitraum, erkennt man die tiedere Bedeutung der Ereignisse. In den letzten sechs Jahren haben Zentralbanken und Finanzbehörden das größte Konjunkturpaket der Geschichte aufgelegt.

Alleine die amerikanische Fed hat vier Billionen Dollar in die Finanzmärkte gepumpt. Chinas Kreditmärkte sind auf eine Größe angewachsen, die dem gesamten amerikanischen Bankensystem entspricht. Dennoch konnte sich die Weltwirtschaft nicht nur nicht "erholen“, sondern ist eindeutig in eine Periode der Stagnation oder sogar der offenen Rezession eingetreten.

Gleichzeitig haben die getroffenen Maßnahmen die Bedingungen für eine weitere Finanzkrise geschaffen. Während die Realwirtschaft kaum gewachsen ist, haben die Finanzmärkte durch Konjunkturpakete Rekordgewinne gemacht. Die Bedingungen, die zu diesem finanziellen Goldrausch geführt haben, werden sich in den kommenden Monaten jedoch ändern.

Die amerikanische Fed wird nächsten Monat ihr Programm der "quantitativen Lockerung" abschließen und beginnen, die Zinssätze zu erhöhen, möglicherweise ab Juni nächsten Jahres. Doch in Europa und Japan halten die Zentralbanken an konjunkturfördernden Maßnahmen fest oder erhöhen sie sogar.

Daraufhin kamen Warnungen, dass den Finanzmärkten durch diesen Politikwechsel eine Periode der Instabilität drohen könnte. In den letzten sechs Jahren waren alle großen Zentralbanken der Welt dieser Agenda gefolgt.

Stephen Halmarick, der Chef für Wirtschaft und Marktforschung bei Colonial First State, dem größten Wertpapiermanager in Australien, sagte dem Sydney Morning Herald, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten könnten sich die Dinge "dramatisch" ändern, da die Zentralbanken verschiedene Richtungen einschlagen, und die Risiken für die globale Beständigkeit deutlich verschärfen.

Mit anderen Worten haben die Konjunkturmaßnahmen zwar einen vollständigen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert, konnten jedoch die Wirtschaft nicht ankurbeln, sondern haben stattdessen die Bedingungen für einen weiteren Zusammenbruch geschaffen.

Kämpft gegen Googles Zensur!

Google blockiert die World Socialist Web Site in Suchergebnissen.

Kämpft dagegen an:

Teilt diesen Artikel mit Freunden und Kollegen