„Rebellen“ in Aleppo vor verheerender Niederlage

Von Bill Van Auken
30. November 2016

Unterstützt von Truppen der libanesischen Hisbollah und schiitischen Milizen aus dem Irak haben syrische Regierungstruppen mehr als 40 Prozent von Ost-Aleppo zurückerobert, das letzte städtische Bollwerk der sogenannten „Rebellen“. Diese Niederlage der US-gestützten Kräfte wird als die verheerendste seit Beginn des Kriegs für einen Regimewechsel in Syrien vor fast sechs Jahren angesehen.

Der Vorstoß der Regierung erfolgte mit sehr hoher Geschwindigkeit, was eine verheerende Niederlage der „Rebellen“ nahelegt. Die Bodenoffensive folgte auf zwei Wochen intensiver syrischer Luftangriffe, die nach einem einmonatigen Stop der Bombenangriffe durch syrische und russische Kampfflugzeuge erneut aufgenommen worden waren.

Regierungseigene syrische Medien berichteten, die Armee habe den Stadtteil Sakhour erobert und damit begonnen, Minen zu räumen. Die Kontrolle der Regierung über diesen Stadtteil würde praktisch eine Zweiteilung des von den „Rebellen“ gehaltenen Gebiets bedeuten.

Der Vorstoß der Regierung hat zur Flucht zehntausender Zivilisten aus den Gebieten geführt, die von den islamistischen Milizen kontrolliert werden. Die Geflohenen haben sich in dem von der Regierung kontrollierten West-Aleppo und dem von der kurdischen YPG-Miliz gehaltenen Scheich-Maksud-Bezirk in Sicherheit gebracht.

Die YPG hat sich der Offensive gegen Ost-Aleppo angeschlossen, was die US-Intervention in Syrien noch komplizierter macht. Washington unterstützt weiterhin die islamistischen Milizen, die gegen die Assad-Regierung kämpfen, versucht aber gleichzeitig die kurdische YPG als wichtigste Stellvertretertruppe bei der US-Militäraktion gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien einzuspannen.

Die Türkei, Washingtons Nato-Verbündeter in der Region, hat ebenfalls Truppen nach Syrien geschickt, angeblich um den IS zu bekämpfen. Das Hauptziel der Türkei besteht aber darin, die syrisch-kurdischen Truppen daran zu hindern, ihre Kontrolle über das Gebiet nahe der türkischen Grenze zu festigen. Letztendlich unterstützt Washington also an mehreren Fronten Truppen, die gegeneinander kämpfen.

Die Zivilisten, die aus Ost-Aleppo fliehen, berichten von den Schrecken der russischen und syrischen Bombardierung und gleichzeitig von der Unterdrückung und dem Terror der Islamisten, die die östlichen Stadtteile kontrollieren. Immer wieder wurde berichtet, dass die von den USA unterstützten Milizen zuvor Zivilisten bei Fluchtversuchen erschossen haben.

Bevor der Krieg 2011 begann, war Aleppo die zweitgrößte Stadt in Syrien und die zentrale Handelsmetropole des Landes.

West-Aleppo steht unter der Kontrolle der syrischen Regierung und ist mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern wesentlich bevölkerungsreicher als der von den „Rebellen“ gehaltene Ostteil der Stadt, wo weniger als 200.000 Menschen leben. Es wurde wahllos von den US-gestützten Rebellen unter Mörserbeschuss genommen, der sich gegen die Zivilbevölkerung richtete.

Sowohl die russischen Medien als auch die Washington Post berichteten am Montag, dass US-Außenminister John Kerry eine neue Initiative für Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Aleppo begonnen habe. Obwohl sie in humanitäre Worte gehüllt daher kommen, besteht das Hauptziel dieser Bemühungen darin, den völligen Zusammenbruch der US-Vasallen abzuwenden und zu verhindern, dass sich die Kontrolle der Assad-Regierung über alle wichtigen Bevölkerungszentren weiter verfestigt.

Die Medien und die Vertreter der Obama-Regierung haben die syrische Regierung und ihren Verbündeten Russland wegen der Belagerung Ost-Aleppos heftig angegriffen. Die heutige Lage ist jedoch genau die Umkehrung der Situation, die vor einem Jahr herrschte, als die sogenannten Rebellen West-Aleppo belagerten, wo als Folge eine unmittelbare humanitäre Katastrophe drohte. Damals wurden von Washington keine humanitären Bedenken angemeldet.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, bestritt am Montag, dass Kerry „verzweifelt bemüht sei, in letzter Minute“ die US-gestützte Operation für einen Regimewechsel noch vor dem Fall von Aleppo und dem Amtsantritt von Donald Trump zu retten. Trump hatte erklärt, er sei mit der gegenwärtigen Politik der USA nicht einverstanden.

Kirby räumte ein, dass der Knackpunkt bei den Bemühungen um ein neues Abkommen mit Moskau weiterhin in der Unfähigkeit Washingtons bestehe, seine Zusage einzuhalten, angeblich „moderate Rebellen“ von den Kämpfern der al-Nusra-Front, dem syrischen Ableger von al-Qaida, zu trennen.

„Das ist sehr schwierig“, erklärte der Sprecher des Außenministeriums. „Wir haben seit vielen Monaten darüber gesprochen, über diese Marmorisierung, wenn man so will – die Vermischung von oppositionellen Gruppen mit al-Nusra.“

Die „Schwierigkeit“ besteht darin, dass die einzigen bedeutenden bewaffneten Oppositionskräfte in der Operation für einen Regimewechsel, die von Washington und seinen Verbündeten eingefädelt wurde, aus al-Nusra und dem IS bestehen, beides Ableger von al-Qaida. Al-Qaida wurde jedoch während des anderthalb Jahrzehnte andauernden „Kriegs gegen den Terror“ als die größte Bedrohung für die Sicherheit der Menschen in den USA und auf der ganzen Welt dargestellt.