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Tausende demonstrieren in Berlin gegen die Hinrichtung Abu-Jamals
Von Andy Niklaus
17. Februar 2000
Als Bestandteil einer weltweiten Solidaritätskampagne für den afro-amerikanischen Journalisten und Buchautoren Mumia Abu-Jamal fand am 5. Februar eine zentrale Demonstration in Berlin statt. Abu-Jamal, der angeblich einen Polizisten ermordet haben soll, sitzt in den USA trotz überwältigender Beweise für seine Unschuld seit 17 Jahren in der Todeszelle und kämpft gegen seine Hinrichtung.
Über 8.000 meist jungen Teilnehmer beteiligten sich an der Demonstration um das Leben Abu-Jamals und gegen die Todesstrafe. Es war die dritte und bisher größte in Deutschland. Vier Monate lang hatte eine bundesweite Mobilisierung für die Demonstration unter dem Motto "Stoppt die Hinrichtung von Mumia Abu-Jamal! - Für einen neuen fairen Prozess!" stattgefunden.
Aufgerufen hatte ein breites Aktionsbündnis aus linken Gruppen, Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen sowie der PDS. Die Demonstration bewegte sich vom Rosa-Luxemburg Platz, vorbei an der amerikanischen Botschaft, zum Gendarmenmarkt im östlichen Zentrum von Berlin. Mit Ausnahme von zehn vorübergehenden Verhaftungen gab es, im Gegensatz zu den vorangegangenen Demonstrationen, keine größeren polizeilichen Übergriffe.
In zahlreichen Redebeiträgen wurde die Neuaufnahme des Prozesses gegen Mumia und die Abschaffung der Todesstrafe weltweit gefordert. Abu-Jamal forderte in seinem auf der Demonstration abgespielten Beitrag angesichts von "global vernetzten Kräften, die Menschen und Natur ausbeuten und unterdrücken", einen "international und weltweit" vernetzten "Widerstand".
In den bürgerlichen Medien wurde über die Demonstration kaum berichtet. Die großen Tageszeitungen erwähnten sie gar nicht. Vertreter der regierenden SPD und der Grünen waren nicht anwesend. Außer einigen PDS- Parlamentariern waren keine Vertreter des Bundestags mit dabei. Dennoch ist in den vergangenen Jahren die Teilnehmerzahl bei Solidaritätsaktionen für Abu-Jamal kontinuierlich angestiegen. Viele Jugendliche, Schüler und Studenten kamen aus verschiedenen Teilen Europas, wie aus Italien, Dänemark, Frankreich, der Schweiz und Österreich.
Ein Reporterteam des World Socialist Web Site beteiligte sich mit einem Informationsstand und verteilte ein Flugblatt, in dem auf die politischen Aufgaben im Kampf gegen die Todesstrafe und den Abbau demokratischer Rechte aufmerksam gemacht wurde. Viele Teilnehmer verbanden, den Kampf für Abu-Jamals Freiheit mit der sozialen Frage.
Schon vorab hatten mehrere Veranstaltungen dazu stattgefunden. Am 4. Februar fand in Berlin eine gemeinsame Pressekonferenz von Mumias Anwalt Len Weinglass und dem Vorsitzenden der PDS-Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, statt. Beide kritisierten das Verhalten der amerikanischen Justiz und forderten die Abschaffung der Todesstrafe.
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