Gewerkschaften unterbinden Streik bei Skoda

Von Markus Salzmann
30. April 2015

Die Gewerkschaften beim tschechischen Autobauer Skoda haben einen anstehenden Streik unterbunden und die Tarifauseinandersetzung beendet. Damit ebnen sie den Weg für Angriffe des Managements auf die rund 24.000 Beschäftigten der VW-Tochter.

Gewerkschaften und Unternehmen haben sich vergangene Woche auf einen neuen Tarifvertrag verständigt, wie die Gewerkschaften mitteilten. Demnach erhalten die Festangestellten rückwirkend zum 1. April 3,5 Prozent mehr Lohn. Zudem ist eine Einmalzahlung von umgerechnet 140 Euro vorgesehen. Der Abschluss hat eine Laufzeit von einem Jahr.

Der Abschluss liegt nur minimal über den 3 Prozent, die das Unternehmen ursprünglich angeboten hatte. Nach mageren Tarifabschlüssen während der letzten Jahre und angesichts eines Rekordabsatzes von Skoda im vergangenen Jahr hatte die Belegschaft auf eine angemessene Erhöhung der Gehälter gedrängt.

Die Gewerkschaft KOVO hatte darauf im März eine Lohnforderung von 6,5 Prozent aufgestellt, diese aber in den geheimen Verhandlungen direkt wieder gesenkt. Über die Höhe der letztendlichen Gewerkschaftsforderung vereinbarte sie Stillschweigen.

Vor eineinhalb Wochen beteiligten sich mehrere Tausend Beschäftigte an einem einstündigen Warnstreik, dessen Auswirkungen von den Gewerkschaften so gering wie möglich gehalten wurden. Er behinderte die Produktion in keiner Weise. Die Drohung, den Streik unbefristet auszuweiten, war zu keinem Zeitpunkt ernst gemeint.

Der Abschluss ist für die Skoda-Arbeiter ein Schlag ins Gesicht. Die festangestellten Arbeiter verdienen durchschnittlich 1.100 Euro pro Monat, inklusive aller Zulagen. Die mehreren hundert Zeitarbeiter verdienen weit weniger.

Im Jahr 2014 erzielte das Unternehmen einen Rekordabsatz. Es konnte erstmals mehr als 1 Million Autos verkaufen. Mit einer Rendite von 7 Prozent war Skoda profitabler als die Kernmarke VW. Im ersten Quartal 2015 verbuchte es ein weiteres Absatzplus von 7,2 Prozent. Doch Skoda-Chef Winfried Vahland, der im Führungsstreit bei VW auch als möglicher Nachfolger von Martin Winterkorn gehandelt wurde, erklärte, damit seien die Gewinnziele noch nicht erreicht. Rund ein Viertel seines Absatzes macht Skoda mittlerweile auf dem chinesischen Markt, wo die Umsätze aber zurückgehen.

Wie im Mutterkonzern, so sollen auch bei Skoda durch Einschnitte bei den Beschäftigten höhere Gewinne realisiert werden. Während bei Skoda rund 30 Fahrzeuge pro Beschäftigtem gefertigt werden, sind es im tschechischen Werk des koreanischen Autobauers Hyundai durchschnittlich 93.

Bereits im Januar begann Skoda, 800 Beschäftigte in externe Unternehmen auszugliedern und damit deren Gehälter deutlich zu senken. Vahland erklärte diesen Schritt für unumgänglich, um Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern. Skoda stehe vor „großen Herausforderungen“, es gehe darum, den Bestand der Marke zu sichern.

Während der Gewerkschaftschef bei Skoda, Jaroslav Povšík, gern seine Bereitschaft bekundet, gegen die Angriffe des Managements zu kämpfen, bleibt alles auf leere Ankündigungen beschränkt. So müssen die Beschäftigten in den Werken bei Bedarf eine sechste Schicht pro Woche arbeiten, für die sie keine weitere Zulage bekommen.

Die tschechischen Gewerkschaften arbeiten eng mit Unternehmen und Regierung zusammen und lehnen Arbeitskämpfe ab. So erklärte der Vorsitzende des Gewerkschaftsdachverbandes CMKOS, Josef Stredula, dem tschechischen Rundfunk, die Tarifverhandlungen müssten so angegangen werden, dass das Unternehmen nicht „im Zusammenhang mit einem Streik erwähnt“ werde. Er denke nicht, dass es notwendig sei, die Lage so stark zuzuspitzen wie bei Skoda, zitierte ihn Radio Prag.

Stredula warb indirekt für einen niedrigen Abschluss, indem er die „Befindlichkeiten der tschechischen Wirtschaft” betonte. Mit nationalistischem Unterton merkte er an, dass es in Unternehmen, die einen tschechischen Eigner haben, zu weniger Streiks komme.

Die Gewerkschaften hatten sich bereits 2008 maßgeblich daran beteiligt, Pläne auszuarbeiten, mit denen die tschechische Automobilwirtschaft die Folgen der Finanzkrise besser bewältigen konnte. Auf die Wirtschaftssanktionen gegen Russland, unter denen Tschechien leidet, reagierte CMKOS mit der Forderung nach Kurzarbeit nach deutschem Vorbild.

Stredula betonte in diesem Zusammenhang, die Regierung habe „endlich kapiert, dass man um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen muss. Nur gemeinsam können wir die Krise lösen. Das ist bei den Verhandlungen zu spüren. Es wird sehr offen geredet.“

In den vergangenen Jahren und Monaten kam es in Tschechien vermehrt zu Streiks und Protesten. Die Gewerkschaften spielen eine Schlüsselrolle dabei, sie abzuwürgen.

Im Januar kündigte die britische Supermarktkette Tesco die Schließung von zwei Märkten nördlich der Hauptstadt Prag an. Hintergrund ist ein milliardenschweres Sparprogramm, dem nicht nur über hundert Arbeitsplätze in Tschechien, sondern auch mehrere hundert in Polen, Ungarn und der Slowakei zum Opfer fallen. Allein in Tschechien beschäftigt Tesco mehr als 13.000 Mitarbeiter. Auch hier erklärten Gewerkschaftsvertreter, man stehe in engem Kontakt mit dem Management.

Bei der angeschlagenen tschechischen Fluggesellschaft CSA haben die Gewerkschaften die Entlassung eines Drittels der gesamten Belegschaft zu verantworten. CSA-Miteigner Korean Air hatte im Oktober letzten Jahres mitgeteilt, dass ein Drittel des Personals entlassen werde und für die verbliebenen Beschäftigten Lohnkürzungen vorgesehen seien. Betroffen sind Piloten, Kabinen- und Bodenpersonal sowie der Bereich Verwaltung.

Eine Mehrheit des Bordpersonals stimmte dafür, gegen die Entlassungen in den Streik zu gehen. Ihnen schloss sich auch die Mehrheit der Piloten der CSA an. Eine Woche vor dem geplanten Streikbeginn sprachen sich die Gewerkschaften gegen den Arbeitskampf aus, weil aufgrund der finanziellen Schieflage des Unternehmens keine andere Möglichkeit bestehe, als die geplanten Maßnahmen durchzuführen. Zuvor hatte der Chef der Pilotenvereinigung CZALPA, Stanislav Fiala, erklärt, man sei bereit auf Gehalt zu verzichten, wenn weniger Arbeitsplätze abgebaut würden.

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